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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1921-03-18 · Heft 6 (18.3.1921) · p. Seite 69

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
85 (1921)
Issue
Heft 6 (18.3.1921)
Date
1921-03-18
Page
Seite 69 (sequence 9)
Language
German
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69 Papus in Goldfadens „Bar Kochba" spielte, mit stürmischen Abzugrnfen von der Bühne abkomplimentiert wurde. Und ein jiddischer Kritiker in New Hork versichert, daß auf der jüdischen Bühne kein namhafter Schauspieler den Franz Moor in den „Räubern" kreieren würde, weil der Franz-Darsteller, er mag noch so glänzend spielen, nie „beklatscht" wird . . .) Anfangs hatten die modernen jiddischen Dramatiker aus diese Ansprüche ihrer Zuschauer weitgehende Rücksicht genommen; sie schrieben Tragödien mit Lustspiel-Finalen. Nur schrittweise gelang es ihnen, ihr Publikum für die Offenbarungen des rein Tragischen empfänglich zu machen. Diele Gattungen, die das Drama umschließt, fehlen dem inodernen jiddischm Drama. Es besitzt kein Lustspiel, keine Komödie, keine Posse; es kennt nicht das Schicksalsdrama im Sinne der' Griechen, noch das in der Auffassung Ibsens; auch das mystisch-symbolische Drama, die Märchendichtung, ist ihm fremd. Die Versuche, ein jiddisches Lustspiel zu schreiben, .sind so gering an Zahl, daß sie nicht in Betracht kommen können. Einige mystisch-symbolische Dramen, wie die von Perez, Hirschbrin und anderen, sind Buchdramen im guten wie im schlechten Sinne. Gering an Zahl sind die jiddischen Dramen, die spezifisch-jüdische Probleme behandeln. Auch diese Dramen führen nicht aus ungenannten Wegen ins Innere des noch mehrfach ungekannten Judentums. Aus dem Gesagten ergibt sich, daß das moderne jiddische Drama mehr nachgebildet als geschaffen ist. Die modernen jiddischen Dramatiker von Gordin bis auf Asch und Pinski sind mehr „Nachtöner" als „Neutöner". Einen wirklich neuen Ton hat bis jetzt das moderne jiddische Drama in das literarische Weltkonzert nicht gebracht. VI. Jakob Gordin. Mit Jakob Gordin trat ein Neuerer in der jüdischen Theaterwelt auf, ein Mann, der die amerikanische Schule miterlebte und überwand. An Gordin selbst läßt sich der ganze Entwicklungsgang der jüdischen Bühne studieren. Er ist das letzte Glied in der Kette der. amerikanisch-jüdischen Melodramen-Fabrikanten und der erste Vorläufer der modernen jiddischen Dramatiker. Jakob Gordin brachte zum erstenmal den Menschen, den jüdischen Menschen, auf die jüdische Bühne. Er verscheuchte die Schatten, die auf ihr umherwandelten, und setzte Menschen der Wirklichkeit an ihre Stelle; er verbannte von der jüdischen Bühne die blutleeren Gestalten mit ihrer unlebendigen, unnatürlichen Sprache und schuf den echten, natürlichen, den Juden der „Gasse" abgelauschten Dialog. War Goldfaden der Begründer der jüdischen Bühne, so ist Gordin der Schöpfer des modernen jiddischen Dramas. Er war der erste, der aus dem jiddischen Drama jene Bestandteile absonderte, die in die Operette oder Gesangsposse gehören. Er war unter den jiddischen Dramatikern der erste, der das Wort Drama richtig mit Handlung übersetzte. Erziehung des jüdischen Theaterpublikums zu den Klassikern der Weltliteratur — das war die Aufgabe, die sich Gordin anfangs gestellt hat. Er begann daher mit Problementlehnungen. Er mochte sich gefragt Haben: Wie kann ich kunstfremden Menschen den Genius eines Shakespeare nahe bringen? Soll ich ihnen Shakespeare durch Shakespeare vorführen? Hieße das nichit einen Bauer mit Kaviar bewirten? — Und er ging hin und schrieb einen „jüdischen König Lear". Aus diese Weise machte er die kunstfvemden jüdischen Volksmassen mit einem Shakespeare-Problem bekannt, freilich ohne jede Spur Shakespearescher Kunst. Offenbar folgerte Gordin: Haben sie erst einmal das Lear-Problem ersaßt, so wird ihnen alsdann auch Shakespeares Lear mehr sein als ein närrischer Gi eis mit im Winde flatternden Haaren. Ter Inhalt des „jüdischen König Lear" ist kurz erzählt: Au einem Purimseste ist David Moscheles, der jüdische König Lear, guter Laune und verschenkt sein ganzes Vermögen, dreihunderttausend Rubel, an seine Kinder. Er selbst beabsichtigt seine letzten Jahre, nach der Frommen Sitte, im Heiligen Lande zuzubringen. Eine monatliche Rente, die er bei feinen Kindern ausbedingt, soll ihm dort das ausschließlich dem Gottesdienst und dem Thorastudium geweihte Leben erleichtern. Seine ältesten Töchter Ekele und Gitele (Goneril und Regan) sind von der Güte des Vaters zu Tränen gerührt; sie fallen ihm um den Hals und küssen ihm die Hände. Nur die jüngste Tochter Täubele-Cordelia warnt den Vater vor dem geplanten Schritt. Darob gerät David Moscheles in hellen Zorn und weist die Undankbare von seinem Angesicht . . . Und es kam, wie es kommen mußte . . . Ter älteste Schwiegersohn Charis übernimmt die Zügel der Regentschaft. David Moscheles reist in Begleitung seines Narren Schamai nach Palästina. Schon nach drei Monaten werden die Geldsendungen eingestellt. Er hungert einige Zeit in Palästina und kehrt dann zu seinen Kindern zurück. Von diesen wird, er arg, allzuarg behandelt. Täubele-Cordelia, die mit ihren: Lehrer Jaffa nach Petersburg gereist war, hat inzwischen den Doktor der Medizin gemacht; Jaffa ist währenddessen Rechtsanwalt geworden. In ihre Heimat zurückgekehrt, finden sie David Moscheles krank und halb erblindet . . . Nun kommt der „unvermeidliche", alle Teile befriedigende Ausgang: Rechtsanwalt Jaffa entdeckt im russischen Gesetzbuch einen Paragraphen, wodurch die Schenkung rückgängig gemacht wird; Fräulein Doktor Täubele erprobt ihre Kunst und gibt dem Vater die Sehkraft wieder. Allgemeine Versöhnung. Täubele heiratet Jaffa. David Moscheles ist zufrieden, der Narr Schamai nicht minder, und das Publikum im jüdischen Theater hoffentlich auch . . . (Fortsetzung folgt.) Kogrom und Krieg. Schauspiel in f ü n f A k t e n. (".Forts.) Von Meta Op et-Faß (Breslau). Aufführungsrecht Vorbehalten. Nachdruck verboten. £+ ei b mann: Ich halbe Beilchenblum gesagt, >da,ß er sie aut T eine der Tragbahren legen lasse, welche wir für die X-/Kranken vorbereitet haben, und sobald wir in Sicherheit werden wir sie beerdigen. (Ter Rabbi nimmt wie 'geistesabn^send die Thora und geht dem' Ausgange zu. Ihn: folgen die übrigen thoratragenden Männer, dann das übrige. Volk, .unter welchem Löb Veilchenblum vergebens Ordnung M schaffen sucht, zuletzt einige Bahrenträger mit den Kranken. Unterdrücktes Schluchzen der Frauen und Kinder. Zuletzt tue ist Löb. Veilchenblium zweiältere Männer mit Gebärden an. die tote Sarah auf ei-mci Bahre zu liegen-. Leahat während dieser Zeit, den Vater umschlingend, da gesessen -und i hn ab und zu lei se gestreichelt.) Elias (aus seiner Erstarrung plötzlich erwachend): Meine Frau bleibt hier. V e i l ch e n b l u m: Hier soll die Tote bleiben, ohne einen Schutz? Wo denken Sie hin? Eli a s: Ich wache bei - ihr. Lea (für sich): Das ist auch unser Ende. Nun, sei.es! . Veilchenb l um: Nehmen Sie doch, Vernunft an, Herr Krongold! Jede Minute isiTosibar. ... (Elias antwortet nicht mehr, ist wieder in seine frühere Apathie verfallen.) , . . (Einer der beiden Männer, w-elche die Bahre tragen sollten, schon am Ausgange):

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