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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1921-03-18 · Heft 6 (18.3.1921) · p. Seite 65

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
85 (1921)
Issue
Heft 6 (18.3.1921)
Date
1921-03-18
Page
Seite 65 (sequence 5)
Language
German
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Aus Rom wird gemeldet: Leit einigen Monaten vergrößert sich der Emigratiousstro-m, der sich von Beßara'bien durch Italien nach Amerika richtet. Diese TranseMigration hat das italienische Judentum völlig unvorbereitet gesunden, und deshalb wurde den Emigranten anfänglich fast keine organisierte Hilfe geleistet. Im Januar hat in Bologna eine Zusammenkunft von Ge-meindevertretern stattgefnnden, die die Leitung der ganzen Arbeit dem Rechtsanwalt Sullam (Venedig), bcr Vizepräsident der Zionistischen Föderation ist, anvertraut hat; daraufhin wurde ein Emigration samt in Neapel organisiert; in Triest war ein solches schon vorhanden, und in Genua wird ebenso dessen Eröffnung bald in Aussicht gestellt. Tie überwiegende Mehrheit der Transemigranten sind ukrainische Juden, die, vor Pogromen flüchtend, nach Argentinien und Brasilien gehen. Da die Konferenz in Bologna für die Emigrantenversorgung ein Jahresibudg-et von 600—800 000 Lire präliminierte, hat man eine Einstellung der Keren-Hajessod-Sammlung in Aussicht genommen. Dieser Vorschlag wurde am 13. Februar im Zentralausschus; der Zionistischen Föderation besprochen, wobei ein Kompromißentschluß in dem Sinne gefaßt wurde, daß die Einstellung nur eine zeitweilige, nämlich für drei Monate, sein wird. Der Entschluß wird damit motiviert, daß die Emigranten nicht ohne Hilfe gelassen werden könnten und daß anderseits die Keren- Hajessod-Aktion keinesfalls nur aus Zionisten beschränkt bleibe, sondern alle Juden, das heißt auch solche, die für Emigrantenhilse herangezogen werden, mnsasfeu soll. J. C. B. * Eine Gesellschaft zur Bekämpfung des Antisemitismus in England. Nach langen Verhandlungen ist endlich der vonr Jewish Board of Deputies ausgegebene Plan zur Schaffung einer die englische Judenschaft repräsentierenden J-nstitution zur Bekämpfung des Antisemitismus zustande gekommen. In der letzten unter dem Vorsitz Lord Rothschilds stattgefundenen Sitzung des Vorbereitungskomitees wurde der definitive Entwurf dieser Institution, die den Namen „Vereinigtes Preßkomitee" tragen soll, fertiggestellt und bedarf nur noch der Genehmigung der beteiligten Organisationen. Diesem Entwurf gemäß wird sich das „Joint Preß Committee" aus je vier Vertretern des Jewish Board os Deputies, der Anglo-Jew'lsh-Associatiou und der League os British Jews und eventuell aus je zwei Vertretern anderer Organisationen, die das Komitee zur Ent'eudung ihrer Vertreter einladen wird, zusammensetzen. Von der letziereu sind vorläufig folgende Körperschaften zur Entsendung ihrer Vertreter in das Joint Preß Committee eingeladen worden: „Bne- Brith", die Jüdische Historische Gesellschaft lind die „Maccabenus". # . Aus London wird gemeldet: Der hiesige Verband der Ukrainischen Juden erhielt folgen den Bericht: Am 13. Januar griff eine Bande Holigans, unter der Führung des berüchtigten Morusia, die Ortschaft Talua an. Dabei wurden auch Juden in dein Dorfe Smala getötet. Zwei Tage nach dem Pogrom erlaubten die Holigans den Juden, ihre Toten zu begraben. Nachdem drei Tage ohne weitere Belästigung vergangen waren, verliehen mehrere Juden ihr Versteck und begannen ihre Toten Air begraben. 45 Juden waren dabei, die Gräber zu graben, als die Holigans plötzlich über sie herfielen und sie lebendig zusammen mit den Opfern begruben. * Die Erledigung des Palästina-Mandats. Ter Völkerbundsrat nahm einen Antrag Balfours an, wonach die Behandlung! der Mandate A, zu welchen das Palästina-Mandat gehört, bis zur nächsten Session des Völkerbundes im April aufgeschoben werden soll. Zur Begründung führte Balsour aus, daß der neue Kolonialminister Churchill im Begriff sei, zum Studium der Mandats - frage nach Aegypten zu reisen, und daß unter diesen Umständen eine Vertagung erwünscht sei. Im englischen Unterhause teilte Minister Bonar Law mit, nach Anschauung der Regierung seien die Mandate entsprechend wie Staats'verträ'ge zu behandeln. Das Parlament habe ' daher, das Rechtdie Mandate anznnehmen oder zu verwerfen. * Deutsche Lok»,Motivaufträge für Palästina? Im englischen Unterhause stellte Kapitän Bower die Anfrage, ob es richtig sei, daß die palüsti neu fische Negierung in Deutschland Bestellungen auf Lieferung von Lokomotiven und'sonstiges Bahnmaterial gemacht habe oder zu machen beabsichtige. Leutnant Colonel Aery, Unterstaatssetretnr im Kolomalministerrum, antwortete, eine solche Bestellung sei nicht erfolgt. Einem inoffiziellen Bericht habe er aber entnehmen können, daß die palästinensische Negierung dies beabsichtige. Er habe den Oberkommissar, Sir Herbert Samuel, telegraphisch um Einzelheiten gebeten und wolle seine Stellungnahme bis zum Eintressen der Antwort 'verschieben. * Die Palästina-Anleihe. Die Herausgabe der Palästina-Anleihe erfolgt unmittelbar nach der Bestätigung des Mandats durch den Völkerbund. Hauptzweck der Anleihe ist: Entwicklung des Bahnwesens, Verbesserung im Post-, Telegraphen- und Telephonwesen, Wegebauten, Hasenverbesserung, Vermessung des Bodenbesitzes, Bauten zu Negierungszwecken und kommunale Ausgaben, wie Waisenversorgung, Wegebauten und dergleichen. Man erwartet, daß die Verzinsung der Anleihe im wesentuchen durch die Erträge dieser Anlagen ermöglicht wird. Aus Palästina. Im Monat Dezember betrug die Einfuhr nach Palästina 559 000 ägyptische Pfund Sterling gegen 67 OO0 Pfund Sterling Ausfuhr. Die geringe Ausfuhr rührte zuur Teil von dem immer noch andauernden Getreideexportverbot her, welches seitdem aufgehoben ist. Unter den Importländern nahm England mit 160 000 Pfund Sterling den ersten Platz ein, es folgte Amerika mit 75 000 Pfund Sterling, Holland mit 61000 Pfund Sterling, Indien mit 41000 Pfund Sterling, Aegypten mit 35 000 Pfund Sterling. Der Außenhandel Jaffas war in diesem Monat umfangreicher als der von Haifa. Eingeführt wurden vor allem Zucker, Bammvollwaren-, Petroleum, Eisen und Stahl, sowie Reis. Ausgeführt wurden Orangen, Wein, Seife usw. Ein amerikanischer Unternehmer namens Kazan richtete eine Möbelfabrik ein, die gleichzeitig Türen und Fensterrahmen herstellt. Die Fabrikation wurde bereits begonnen, obwohl die Maschinen, die in Deutschland bestellt wurden, noch unterwegs sind. Bei der Zionistischen Kommission' in Jerusalem wurde eine Abteilung für landwirtschaftliches Beosuchswesen errichtet, unter Leitung des Herrn Wilkansky. Zunächst wurden drei Versuchsfelder von je 300 Tunam bei Benschemen, Merchavinh und Daganiah angelegt. Eine Einrichtung zur Geflügelveredlung durch Einführung von Rassetieren soll bei Benschemen getroffen werden. Eine- Versuchsanstalt für Milchwirtschaft ist bei Berseba ins Auge gefaßt. So schnell wie möglich soll , ferner die Versuchsstation bei Atlith wieder errichtet werden. Zusammen mit Professor Otto Marburg soll die Errichtung einer landwirtschaftlichen Fakultät an der zukünftigen Universität in die Wege geleitet werden. Der Fremdenverkehr nach Palästina ist bereits so stark an gewachsen, daß er die zurzeit vorhandenen Unterkunftsmöglichkeiten übersteigt. Ein amerikanischer Dampfer brachte kürzlich 700 Palästinabeisucher nach Aegypten; da die Jerusalemer Hotels höchstens 500 Gäste auß neh.men können, mußte von einem gleichzeitigen Besuche Jerusalems abgesehen werden. -; ■ Aus Veranlassung der Gesellschaft „Lesatenu" in Jerusalem hielt Tr. A l d b r i g h t vorn amerikanischen. Archäologischen; Institut einen Vortrag in hebräischer Sprache über das Thema „Die Neuerstehung des Volkes Israel". Eine große Dien ge von Zuhörern hatte sich zu dem Vortrag eingefundein. Nach längeren Verhandlungen des Jüdischen Nationalrats in Palästina mit der palästinensischen Regiersing wurde -ein Modus zur Organisierung der ‘ jüdischen Gemeinden mit dem Rechte'der Steuereinziehung festgestellt. Z. K. •' ..,- -- -

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