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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1921-03-04 · Heft 5 (4.3.1921) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
85 (1921)
Issue
Heft 5 (4.3.1921)
Date
1921-03-04
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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Eitler der Ueberfallenen mußte miit einer Droschke fortgebracht werden, offenbar weil ihn schwere Verletzungen^'.ach Gehen, hinderten.. Sechs Personen wurden verhaftet. Einer von ihnen sollte von Gleichgesinnten befreit werden, was aber nicht gelang, da der Beamte zu seiner Schußwaffe griff; ohne aber von ihr Gebrauch machen zumüssen, gelang es ihm, sich und den Häftling von dem mit Schmissen gezierten Mob zu befreien. Me -der „Vorwärts" dazu erfährt, -hatte inan an zuständiger Stelle, ebenso wie an dem „Reigen"-Skandal, auch von diesen neuen Plänen der Antisemiten vorher Nachricht bekommen, und so konnte dlirch umfassende Vorsichtsmaßregeln ein regelrechter I u d e n p o g r o m vorhin d e r t werden. L2 Forst (Lausitz), 25. Februar. Eine 'erhebende Feier veranstaltete -die hiesige Genreinde in ihrem im Traue rfchmuck Prangenden Gokkeshause zur Einweihung einer Gedenktafel für die gefallenen Angehörigen. Nach Msingung einiger Psalmen and religiöser Lieder hielt Herr Prediger P -u l v e r m a n n d-i-e Gedächtni-srede. Ankn-üpsend an II. Buch Samuel 1,19 bi.s. 26 -Wilderte er die flammende Begeisterung, die Männer, Jünglinge -und Knaben -damals .beseelt, als sie hinauszo-gen, um Volk und Dalevland zu beschützen. Doch jetzt hat die Siegesihoffnung in TrauerTagen sich verwandelt,, denn es sind gefallen die Helden Israels, der Trost der Eltern, die Stütze der Gattinnen, die Führer der Waisen, die Zukunft des Judentums! Llber es wäre nicht im Sinne der Helden, wenn wir an deren Gräbern! verzweifelnd -einem hoffmmgslosen Leid unshingeben sollten, sondern das sittliche Werk da wieder aufzu-nehmen, wo es durch ihren Tod unterbrochen wurde. „Und so weihe ich -denn", so schloß der Redner seine gehaltvolle Rede, „diese Tafel in -unserem Heiligtume, die selbst ein Heiligtum werden soll; denn künden wird sie fortan, daß elf Angehörige unserer Gemeinde ihre Pflicht -gegen Volk und Vaterland getreu bis in den Tod erfüllt haben. Im Tode -ist Wahrheit! Und der Mund jener Toten wird Zeugnis ablecpn-, daß das Judentum sich nimmer dieser heiligen Pflicht entzieht. Darum blicken wir voller Dankbarkeit und Ehrfurcht zu euch, -ihr Helden, auf, deren Namen glänzen ans jener Tafel-, deren Andenkenaber auch eingeprägt bleibenwird auf bm Tafeln unseres Herzens!" Sodann wurde das Gebet El mole Rachamim für die Gefallenen verrichtet. Anschließend an Psalm 118 dankte der Prediger auch den heimgekeh-rten Kriegern für ihre Opferfreu-digkeit und Hochherzigkeit. Darauf schritten die sechzehn Fron-tsoldateu, die alle die Kr re gsehre n zeichen angelegt hatten, zur Gedenktafel, die, bis aus die Namen der Gefallenen -i'N Schwarz gehalten, mit entsprechenden Emblenien in erhabener Schnitzerei künstlerisch ausgestattet ist, an deren Sockel sie einen Lorbeerkranz mit Widmungsschleife nieder legten. Der Vorsitzende der Frontsoldaten, Herr Karl Warschauer, hielt eine kurze Ansprache, mit dem Treugelöbnis, auch, ferner für Volk und Vaterland Blut und Leben einzusetzen. Nach dem Liede „Ich hatte einen Kameraden" und einem ergreifenden Schlußgebet war die stimmungsvolle Feier beendet, die auch auf die nichtjüdischen Mitbürger einen erhebenden Eindruck gemacht hat. . r. Breslau, im Februar. In der letzten Sitzung der Repräsentantenversanunlunig erfolgte zunächst die Konstituierung des Vorstandes für das 'laufende GeschWsj-ähr. Es wurden neu- bzw-. wiedergewählt zum Vorsitzenden Pr-of. Dr. Wo h lau er, zum Stellvertreter Geheimer Sanitätsrat Dr. Reich, zum Protokollführer Buchdruckereibesttzer Mayer, zum Stellvertreter Justizrat Peiser. Die Grundgehälter der Mitglieder des Chors der Alten Synagoge wurden aufgebessert. Zur Wahl des Kantors Hes aus Schlüchtern als zweiter Kantor für die Alte. Synagoge gab man seine Zustimmung Die Ablösmig der Ka-suatien der Kantoren wurde gutgehoißen und die etrtsprechen.de Gebührenordnung geniehm'ig-t. Der Erhöhung der Preise für die Grabstellen -und der erhöhten Gebührentaxe für Bestattungen aufdem Kosel-er Begräbnisplatze stimmte man zu, ebenso -der Erhöhung der Badegebühren -in der Gemeindebadeanstalk. Der Industrieschule für jüdische Mädchen bewilligte man außer der etatmäßigen Subvention von 2000, Mark eine einmalige Beihilfe von 8000 Mark und dem Verbände Deutscher Juden einen einmaligen Beitrag von 1500 Mark. Der jährliche Gememdekeitrag für die Lehranstalt Mr die Wissenschaft des- Judentums, in Berlin wurde von 500 auf 800 Mark erhöht. Der Freien- Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums, Abteilung- Schlesien, gewährte man -000 Mark .für -die rituelle, Verpflegung von jüdischen Abstimanungsberechtigten. Dem Verein Machsike Thora, in Breslau genehmigte iwm eine einmalige Zuwendung bon 800 Mark. Den elf Leichenwärtern, sieben Leicheirwärter innen und Mvei Wagenführern bewilligte man Entschuldungssummen. Die Rechnungen für das Haushaltsjahr 1916/17 wurden genehmigt und dem Vorstand Entlastung erteilt. 22 Seesen a. H., 25. Februar. Am 21. d>. M verstarb nach kurzer Erkrankung der Lehrer an der hiesigen Jakobson-Schule, Artur 'S trau ß, im Alter von 52 Jahren. Er stand seit 25Jahr-ft im Dienste der. Schule und erfreute sich wegen seiner hingebenden Liebe zur Jugend und seines lauteren und liebenswürdigen Charakters allgemeiner Hochschätzung bei seinen Amtsgenossen, der Schülerschaft und in weiten Kreisen der Stadt. Vor einer zahlreichen Trauerversammlung in der Turnhalle der Jakobson-Schule, wo die sterblichen Ueberreste aufgebahrt waren, würdigten Herr Landesr-abbiner Dr. R i e g e r, der Direktor und ein Vertreter des Lehrerverbandes die hervorragenden Eigenschaften des Verblichenen als Mensch und Jugendbildner in beredten und bewegten Worten. — Karlsruhe, 25. Februar. Der vor drei Jahren hier begründete Bund israelitischer Wohlfahrtseinrichtungen in Baden zählt heute etwa fünfzig Kultusgemeinden und hundert Einzelvereine zu seinen Mitgliedern. Der Bund ist mit Erfolg bemüht, die jüdische Wohlfahrt in unserem Lande zu zentralisieren- und mit den Forderungen an erne moderne Wohlfahrtspflege in Einklang zu bringen. Der Bund hat besonders eifrig an der Unterbringung jüdischer Kinder auf dem Lande mitgearbeitet und überhaupt allen Jugendfragen ein eifriges Interesse gewidmet. Auf dem Gebiete der Berufsberatung und der Derussumschichtung. hat der Bund ausgezeichnet gewirkt und sich insbesondere die Unterbringung junger Leute in der Landwirtschaft angelegen sein lassen. Auch eine Stellenvermittlung ist eingerichtet worden, die bereits mit befriedigenden Resultaten gearbeitet hat. Holland. 22 Den Haag, im Februar- Der Jahres ertrag 1920 an - N. -- F. - SPcnden aus aller Welt beträgt 160 114 Pfund > S t e r l: n g, das sind zu den Kursen am Jahresschluß 9 567 000 : französische Francs bzw. in deutscher Landeswährung; 41120 000 Mark. Diese .Jahressumme bedeutet gegenüber jener des : Vorjahres von 5 552 000 f r an> zösischen Francs eine; Steigerung von 72 Prozent, was um so höher zu schätzen i ist, als die Entwertung der Valuten in allen Ländern Zentral- und - Osteuropas rapide Fortschritte gemacht hat und als gleichzeitig; überall große Sammlungen für jüdische Wohlfahrtszwecke aller Art, so zur Unterstützung der Palästinawanderung, durchgeführt wurden. Zu obiger Summe kommen noch die laut Beschluß der Londoner Jahreskonferenz (Juli v. I.) -aus den- Einnahmen des Ker-en Hajessod dem Jüdischen Nationalfonds abzu führenden 20 Prozent hinzu. Die Jahressumme verteilt sich, infranzösischen Francs, auf die 4 5 Bei - i tragsländer, wie folgt: Nordamerika 2 392 000, England 1 172 000, Argentinien 918 000, Shanghai 759 000, Mesopotamien 621 000, Deutschland 494 00 0, Polen 269 000, Südafrika 268 000, Tjchechoflowakei 245 000, Rumänien 194 000, Erez Jisroel. und Syrien 194 000, Australien 191 000, Kanada 188 000, Jugoslawien 183000, Oesterreich 171000, Holland 170 000, Belgien 128 000, Griechenland 120 000, Türkei 115 000, Ostgalizien 112 000, Italien | 92 000, Schweiz 88 000, Westgalizien 82 000, Frankreich 51000,! Beßarabien 48 000, Elsaß-Lothringen 46 000, Litauen (Wilna) 34 000, Litauen (Kownö) 26 000, Ukraine (Wolhynien) 21 000, Bukowina 20 000, Weißrußland 19 000, Dänemark 19 000, Aegypten 18 000, Niederländisch-Jndien 17 000, Brasilien 16 000, Schweden 15'000, - Ungarn 13 000, Neuseeland 11 000, acht weitere Länder 31000. Seit j Gründung des I. N. F. im Dezember 1901 sind die Spendenerträge - in fast ununterbrochenem Wachstum begriffen und haben bis nun eine Summe von über 27 000 000 f r a n-zö s i s-che n Francs ergeben. Der I. N. F. hat sich schon bisher als die populärste und ertragreichste jüdische Institution erwiesen. Bon der Londoner Jahreskonserenz einhellig zum Träger der jüdischen Bodenpolitik beim Aufbau von Palästina bestimmt, wurde er jüngst von der palästinensischen Regierung als „gemeinnützige In - - ft i t u t i o n" im Sinne des Gesetzes ausdrücklich anerkannt. So von; den Fesseln des alten Regimes befreit und zu großzügiger Arbeit berufen, steht der I, N. F. vor einer neuen, mächtigen Entwicklung. Angara. > z. Budapest, im Februar. Der bekannte jüdische Statistiker und Publizist Alexander K o m ä x o m i ist nach längerem Leiden

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