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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1921-03-04 · Heft 5 (4.3.1921) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
85 (1921)
Issue
Heft 5 (4.3.1921)
Date
1921-03-04
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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4 im Budapester Rothschild-Spitale verschieden. Konläromi Wxit fast seit Beginn des „Egyenlöseg" dessen MtarLeiter imb hat sich besonders mit seinen gründlichen statistischen Arbeiten und Beiträgen um die Entu icklnng des ungarischen Judentums verdient gemacht. Auch als Belletrist war Komaromi in weiteren Preisen bekannt; besonders seine Sammlung „Unsere Festtage", in derer die. jüdischen Festtage lind das Familienleben init herzlichen, warmen Strichen schilderte, bildeten eine beliebte Familienlektüre. Tie ungarische Literatur verdankt ihm die ungarischen Übersetzungen zahlreicher Werke Lehmanns, Zanglvills, Philipsohns, Else Orfofskis und Leopold Komperts. Als sein Verdienst kann auch die Gründung der Budapester jüdischen Gärtuereianlage bezeichnet werden, zu deren Schaffung er dein seinerzeitigen Gründer Hermann Neumannden ersten Impuls gab. Seine reichx haltige volkswirtschast l ichc Tätigkeit erreichte ihren Gipfelpunkt in dem 1912 erschienenen preisgekrönten Werke „Die Teuerung". Seinem Leichenbegängnisse wohnten die Redaktion des „Egyenlöseg", Vertreter der -Handelsnnd Gewerbetämmer, des ungarischen Jo-urnalistenvereins, der Gewerbekorporation der Fleischhauer, der Fleischhauerarbeiter, der Marktkasse bei, die dem Verschiedenen warme Nachrufe widmeten. Die Trauerrede hielt Oberrabbiner.Dr. Elias Adler. — Das von Dr. Ludwig Szabolcsi redigierte Politische Wochenblatt des ungarischen Judentums: „Egyenlöseg" ist mit diesem Jahre in seinen vierzigsten Jahrgang getreten. Fast ein Menschenalter hat dieses Blatt, oft unter schwierigen Verhältnissen, stets mit uyentwegter Begeistermig und Hingebung die Sache des ungarischen Judentums verteidigt, die Fackel der Liebe, der Wahrheit und Gerechtigkeit hvckMschwungen, war es die sichere Zufluchtsstätte jüdischen Geistes, jüdischer Kultur und aller jüdischen und patriotischen Bestrebungen des ungarischen Judentums. Xmi Redakten-r Tr. Ludwig Szabolcsi, der die Feier des vierzigjährigen Jubiläums des von seinem verblichene!: Vater, Max Szabolcsi, fast dreißig Jahre redigierten Blattes in aller Stille begehen wollte, sind aus diesem Anlaß'zahlreiche Glückivüusche ans allen Kreisen des Judentums zugegangen. Von Mah und Mn. Aln 16. März findet eine außerordentliche Generalversammlung der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums in der Aula der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums, Berlin N, Artilleriestraße 14, abends 8 Uhr, statt. Eine Einladung geht den Mitgliedern noch besonders zu. — Arno Nadel und Haupttäntor Eroich - Kirststein wiederholen ihren erfolgreichen Abend „Synogogale Musik" — Vortrag und Konzert — am Sonnabend, den 5. März, im B l ü t h n e r s a a l unter Mitwirkung von 59 Mitgliedern der Vereinigten Shnagogenchöre der Berliner Jüdischen Gemeinde. Die Veranstaltung stellt die einzige Wiederholung des von den gleichen Künstlern am 7. Januar veranstalteten Konzertes dar, das von der gesamten Kritik der Reichshauptstadt mit großem Beifall ausgenommen wurde. — Dom Jng.-Chemiker Dr. chemistry h. c. Artur Ary Wolf s o n (Verlin-Charlottenburg) wurde von der Staatsuniversität in Washington die Professur für Chemie und Pharmazie verliehen mit der Berechtigung, in Washington Borlesungen abzuhalten. — Die deutschnationale Tageszeitung „Die Post" stellt am 1. April d. I. ihr Erscheinen ein. — Die Generalversammlung des Verbandes der Shnagogengemeinden Ostpreußens ernannte einstimmig den aus der Provinz geschiedenen Rabbiner Dr. V o g e l st e i n in Breslau zum Ehrenmitglied des Verbandes-. — Der bekannte Kapellmeister am Breslauer Stadt theater Franz Czerny begab sich in der Nacht von einem Konzert nach Hause und wurde auf der Straße von mehreren Jünglingen vom Hakenkreuz unter dein Rufe: „Schlagt den Juden nieder!" mit Stockschlägen bis zur Besinnungslosigkeit geschlagen. Kapellmeister Czerny, der übrigens gar kein Jude ist. wurde erst nach mehreren Stunden von der Schutzpolizei gesunden und in seine Wohmmg befördert. Das ist unsere Hakenkreuz-Jugend. — Der Prediger Herr Jakob B ähr in Waldenburg (Schlesien) begeht am 13. d. M., von «den innigsten Wünschen zahlreicher Freunde und Verehrer begleitet, sein- 25jäh,riges Anrtsjubiläuln. Der Jubilar, durch seine jüdifckMter arische Tätigkeit in weiten Kreisen rühmlichst bekannt, nimmt regen Anteil an allen Bestrebungen zur Hebung des Judentums und seiner Interessen. Besondere Erwähnungverdient seine segensreiche Wirksamkeit innerhalb der jüdischen Lehrerschaft. Er istVorsitzender des Vereins israelitischer Lehrer in Schlesien. — als Nachfolger von Prof. Br ann -- ferner Vorstandsmitglieid des Verbandes der jüdischen Lehrer im Deutschen Reich und Ausschußnütglüd des. Gemeindeverbandes Niederschlesiens. Dem Jubilar und seiner Gemeinde entbieten wir unsere herzlichsten Glückwünsche. — Das Budget der Münchener Israelitischen Gemeinde, dessen Ausgaben 1919 noch-; 257.000 Mark betrugen, sieht für das lausende Jahr 742 000 Mark Ausgaben vor. Besoldungen und Pensionen, für die 1919 131000 Mark ausgegeben wurden, sind mit 370 000 Viark veranschlagt. — Die beiden Brüder Julius und Hermann Barnch aus Kreuznach, die jahrelang den Sport als Liebhaberei, betreiben, orrangen in den internationalen Wettspielen in Bern den ersten bzw. zweiten Preis im Ringen. Julius Barnch wurde, auch dritter Sieger im Stemmen. Beide Brüder haben im Lause der letzten Jahre eine ganze Anzahl von Kreis- und Gaumeisterschaften erlangt — wiederum ein Beweis gegen die Behauptung der Antisemiten, daß Juden im Sport nichts leisten. — An der Universität Bonn ist «eine Vortragsreihe eingerichtet worden, die durch eingehende Aussprache zur Klärung des brennenden Problems: „Judentum und Antisemitismus" beitragen soll. Am ersten Diskussionsabend wurden die Vorträge des Privatdozenten Dr. Gräwner über die „Rassenfrage", des Geheiinen Konsistorialrats Professor Dr. Momhold über „Die Juden in der Kultur, in Vergangenheit und Gegenwart" und des Geheimen Regierungsrats Professor Dr. PH i l i p p s o n über „Ein Wort Palästinabestedluug" besprochen. Die Ansführungen bewegten sich ausnahmslos m einem sachlichen Rahn«, und der Leiter der Versammlung, Geheimrat Professor Dr. Divelius, wies die Stimme des Hasses, die sich zunr Worte meldete, sofort zurück. — Tein Israelitischen Waisenhaus in Frankfurt a. M., Abteilung für Mädchen, wurden von der Dairy Cattle Co. zwei amerikanische Milchkühe Angewiesen. — Die Deutsch-schweizerische Hilfsaktion für Ferienkinder hat der Luzerner Ferrenkommission des Israelitischen Hilfsfonds in der Schweiz neuerdings 60000 Franken zur Verfügung gestellt. — Wie die Preß-Aentrale erfährt, hat der Völkerbunds rat in Genf beschlossen, in Angelegenheit der ostjüdischen Frage in Oesterreich die Wiener Regierung aufzufordern, .einen Delegierten nach Genf zu -entsenden und Aufklärungen über diese Frage zu erteilen. — Aus Budapest wird uns geschrieben: Täglich tauchen neue Beweise dafür auf, daß das ungarische Judentum in diesen schweren Zeiten der allgenreinen Bedrängnis sich vollauf seiner Pflichten bewußt ist. So wird uns aus Eger ruitgeteilt, daß Frarr Dr. Armin P r e ß l e r in den jüngsten Tagen 100 000 Kronen für jüdische Wohltätigkeitszwecke und 40 000 Kronen zur Verteilung au Stadtarme ohne Unterschied der Konfession gespendet hat. — Die „Alliance Jsraolite" hat mit der Herausgabe einer eigenen Monatsschrift „Paix et Droit" begonnen. Die erste Nummer enthält Artikel über die Judenfrage in Polen, die Juden in Rumänien, die Juden in Ungarn, die Einbürgerungssoage in Zürich und den Briefwechsel der Allianoe mit dein Völkerbunde. — In Madrid fand eine Versammlung der spanrolischen Judenheit statt in der Absicht, eine Weltorganisation der spanrolischen Juden, hauptsächlich zur Förderung ihrer -wirtschaftlichen' Wohlfahrt, zu gründen. Die größeren sesardischen Gemeinden irr Spanien. Amerika und Marokko haben ihre Zustimmung erteilt. — Eine große Anzahl jüdischer Flüchtlinge aus Beßarabien ist letztens in Neapel und anderen italienischen Häfen eingetroffen. Sie leben in großer Not und sanitätswidrigen Verhältnissen, wodurch die Gefahr besteht, daß die italienischen Häfen Kr die Enrigrantenduvchirei.se gesperrt würden. — H aj i m N a h u m, der frühere Obervabbiner der. Türkei, ist, um für die Orientitätigkeit der Alliance Jsraälite.Universelle weitere Kreise zu interessieren, in Amerika eingetroffen. — Der bekannte hebräische Gelehrte David Jellin in Jerusalem wurde von der Royal Afiatic Society als Mtglied ausgenommen. Derselben Gesellschaft gchört auch ein anderer palästinensischer Gelehrter, der jüdische Archäologe Raffaeli, an. — Der bekannte amerikanische Au tmnobilfabrikant Ford ist in Geldschwierigkeiterr geraten und sucht eine Anleihe von 75 Mllionen Dollar aufzrmohmen. Das bedeutende „Wallstreet Journal" verweist bei dieser Gelegenheit auf die von Ford geführte antisemitische Propaganda, die ihm die Ausbringung der Anleihe in Wallstreet bedeutend erschweren dürste. Verantwortlicher Redakteur: Albert Katz in Berlin-Pankow, Florastraße 88. Verantwortlich für den Anzeigenteil: Max Junge, Berlin-Friedenau. Druck und Verlag von Rudolf Moffe.

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