Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 85 (1921)
- Issue
- Heft 5 (4.3.1921)
- Date
- 1921-03-04
- Page
- Seite 60 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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60 Der Verfasser dieses '.HMschen Buches" ist Lein Neuling aus likerarischein Gebiete. Auch dieses Buch wivd ihm viele Freunde bringen. Wir werben -von vornherein für den Verfasser durch den Umstund eingenommen, daß er, 'der Vielgereiste und der so hervorragender Bekanntschaften sich rühmen kann, seine «treue Liebe zum Judentum sich bewahrt hat. Mag es sich nur Ernstes oder Heiteres handeln, überall gewahren wir das Bild des treuen Ariden. Staunen muß man, wie der, Verfasser in seinen alten Tagen so naturgetreu die so weit zurückliegende Vergangenheit zeichnen konnte. Auch unsiere Jugend tritt uns beim Lesen dieses trefflichen Buches vor die Seele, und gar manches, das er schildert, trifft nicht nur für das frühere Kurhessen, sondern auch für andere Teile Deutschlands zu. Immer dasselbe Bild.. Sein Humor erfreut uns, ganz besonders aber die Art, wie er den Antisemiten „handgreiflich" gegenübertritt. Er ist nicht ängstlich, überlegt nicht lange, sondern gebraucht die Fäuste, we-nn's gilt, sich Recht zu verschaffen. Das Buch sei jüdischen Vereinen wärmstens ernpfohlen; ganz besonders eignet es sich auch bei sehr vornehmer Ausstattung zu Geschenken. W. R. * --- A r o n F r i e d m a n n , Musikdirektor u-ud Oberkantor der Jüdischen Gemeinde zu Berlin: Lebensbilder berühmter Kantoren II. Teil. Berlin 1921, C. Boas Nachf. Unter den Kandaren aus der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts, welche sich der wissenschaftlichen' Erforschung und der musikalisch - historischen Entwickelung ihres ureigenen Gebietes, also des Kantorats, mit Eifer, Geschick.und Erfolg gewidmet haben und noch gegenwärtig rüstig an der Arbeit sind, nimmt der Verfasser der vorliegenden „Lebensbilder", neben dem kürzlich entschlafenen Eduard B i c nb a u m, unstreitig eine hervorragende Stellung ein. Hat Friedmann den ersten Teil seiner „Lebensbilder" dem unvergeßlichen M orih Deut s ch zu dessen' 100. «Geburtstag gewidmet, so lvilt dieser zweite Teil ein Deutmat der Verehr«ung für seinen Lehrer und Mer stier Louis Lew a n d o w s k«i zu gle i-chem ^tinlasse (3. April 1921) fein. Dieser Band ist denn auch mit dem lebenswahren' Bildnis Lewandowskis sowie im Anhang durch die Veröffentlichung einer in der Urschrift vorhandenen' Komposition (Umipne chattoenu) geschmückt. dtiuch hat der Verfasser das biographische Material über Lewandowski in dankenswerter Weise durch interessante Ergänzungen erweitert. In denr kurzen Vorwort sagt 'der Verfasser, daß der erste Teil der „Lebensbilder" ausschließlich Biographien aus seiner Feder enthalte, während der zweite vorwiegend Arbeiten anderer Autoren aufweise. Es begegnet uns denn auch in der Tat eine Reihe von hervorragenden Fachmännern, die teils pietätvolle Chacakterbilder ihrer Heimgegangenen Vorgänger, teils auch lebender zu besonderem Anlaß und men. Cs braucht nur genannt zu werden: Mo riß Heule (Hamburg) über Dr. Joseph Kiza; Emanuel Kirschner (München), der mit Zwei höchst interessanten Arbeiten über Maier Kahn und Max Löwenstamm vertreten ist; J a ko b T e n ne u b a u ni (Stuttgart) über Moritz Eichberg; T h e o d v r F r ae n k e l (Nürnberg) über Moritz Rosenhaupt; Wilhelm Klein (Berlin) über Gabriel Rosenberger (Stockholm); außerdem Simon Singer (Halb? a. S.) über B a. r u>ch S ch o r r (Lemberg); A b r a ha m N u ß - b au in (Wiesbaden) über Jakob Tennenbaunr (Stuttgart) Bon dem verstorbenen Josef Singer, dem Vater des Hallenser Ober-, kantors,' sind ebenfalls zwei seingeschlisfene Lebensbilder, Os ras Abraß (Odessa) und Benedikt Singer (Jnngbunzlau), dem Buche einverleibt. Ein ganz besonderes Interesse bieten natürlich die eigenen, scharf geprägten Bilder des Verfassers selbst. Da sind zunächst die beiden ehemaligen Berliner Kantoren Aron Beer (1738 bis 1821) und A s ch e x L i o n (177(1 bis 1863). dann auch ehemals berühmte Kantoren ans Oesterreich, Ungarn, Polen, Ru Man d, Litauen und anderen anßerdentschen Ländern. Man muß es Friedmann als ^ein nicht zu uuterschützendes Verdienst anrechnen, daß er denr Leben und Wirken der großen Meister des Sv na gogengesa'n gos des Ostens mit besonderer Hingebung und Bewunderung nachgegangen ist. Der Herausgeber arbeitet nicht al m’nos J’kabel pros. sondern zugunsten der Hilfskasse seiner Beoussgenossen und deren Hinterbliebenen. Um so größere Verbreitung verdienen seine Geistesprodukte. . B. Jacobsohn (Berlin-Friedenan.) vüchrrnnlauk. Besprechung der Bücher Vorbehalten Zurücksendung der Bücher findet b» £viiTIe statt. ' Gyges - die Judeuheit. Von. RaWiner Dr. Fuchs (Chemnitz). Leipzig, Vertag Gustav Enget. 1921. Die Religionsvernunft -aus den Quellen des Judentums. Bon Hermann Co he n. Leipzig 1919,,, Gustav Fock G. m. b. H. Der Staat und die Verwirklichung der sittlichen, Idee. Vier soziologische Studien von Walter Bri.nitzer, Erwin Seligmann, Alfred Wiener, Hans, Felix Zeck. Heransgegieben von der Moritz-Mannheim,er-Stiftung der Großloge für Deutschland. Verlag. Friedrich Andreas Perthes. A.-G., Gotha 1921. Heinrich M a rg ulies : Kritik des Zionismus. Zweiter Teil. R. Löwit Verlag, Wien und Berlin. 1920. Preis broschiert 20 Mark, gebunden 25 Mark. > Alma Hedin: Arbeitsfreude. Was wir von Amerika lernen können. An Stelle eines Vorwortes: Sven Hedin, Der 9. November! Ein Gruß an das deutsche Volk. Zweite Auflage. Leipzig, F. A. Brockhaus, 1921. I. Hei ne man n: Zeitfragen im Lichte jüdischer Lebensanschauung. 1921. I. Kauffmann Verlag, Frankfurt a. M. Der Geist des Judentums und sein Einfluß auf die kulturhistorische Entwickelung der Menschheit. Von W. Jrritz. Erster Teil (Erstes Buch). 1920. I. Kaufifmiann Verlag, Frankfurt a. M. Die Idee der richtigen Religion. Eine Theorie der religiösen Erkenntnis von Paul Feldkeller. Verlag Friedrich Andreas Perthes A.-G., Gotha 1921. Lebensbilder berühimter Kantoren. Zum 100. Geburtstage des Musikdirektors Professor Louis Lewandows-ki. Herausigegeben von Musikdirektor Aron. Friedmann, Oberkant-or der Jüdischen Gemeinde zu Berlin. II. Teil. Berlin 1921, C. Boas Nachfolger, Neue Friedeichstraße 69. Die Sprache der Tage. Zeitgemäße homiletische Betrachtungen zu den Festtagen. Im Anhang: ReligionAbse Ethik. Von Rabbiner*Dr. Hermann Klein. Frankfurt a. M., Verlag von Sänger u. Friedberg 1921. Sprechlsal. S e h r g e e h r t e r H e r r N e d a k t e u r! In der „Allgemeinen Zeitung des Judentums" Nr. 4 dieses Jahrgangs, S. 48, verlegt Herr Professor Gotthard Deutsch (Cincinnati) Zrankfuri a. C. 1716, Approb.) nach Zlatolv in Podolien und behauptet, daß der Rabbiner Joste ben Jechiel, der Vater des berühmten Präsidenten der Vierländershnode Abraham ben Joste, dort Rabbiner gewesen sein müsse. Das ist sicher falsch. R. Joske hat vielmehr in Zlotowa, das ist Flatolv in Westpreußen, amtiert. Die Identität von und Flatow ist aus.I^I) lBreslau 181G, S. 4) und Landshuth, EE77 miStn. (Berlin 1884, S. 11) ersichtlich, ganz abgesehen davon, daß der ganze im „Jahrbuch der Jüdisch-literarischen Gesellschaft" XI, S. 167 f. nachgewiesene samiliengeschichtliche Zusammenhang zur Abweisung von Zlatow m Podolien zwingt. Ein Blick in Freudenthals „Ans der Heimat Mendelssohns" (Berlin. 1900, S. 175, Attm.) hätte Herrn Professor Deutsch gleichfalls eines anderen belehrt. ~~ Kattvwch, 27. Februar 1921. Hochachtungsvoll Rabbiner Dr. Le Win. # Wir erhalten folgende Mitteilung zur Berichtigung: In Nummer 4 Ihres geschätzten Blattes vom 18. Februar 1921 wird unter der Rubrik „Bon Nah und Fern" berichtet, daß die „Samsonschule" in Seesen vom Staate erworben worden sei. Zunächst ist darauf hinzuweifen, daß in Seesen nicht die Samsonschnle, sondern die „I a c o b s o n s ch u l e" sich befindet. Auch ist es nicht richtig, daß letztere vom Staate bereits erworben ist. Wahr ist allerdings, daß unter dem Drucke der Verhältnisse, unter welchem alle derartigen Institute heutzutage leiden. Verhandlungen betreffs Verstau rlichuug der Schule zwischen dem Kuratorium und der braunschweigischen Regierung eingeleitet worden sind. Diese sind aber noch nicht abgeschlossen; im Gegenteil haben ehemalige Schüler, die mit großer ' Begeisterung an den Erziehungsidealen der Jacobsonschute sesthalten, beschlossen, durch ein großzügiges Hilfswerk die Anstalt, die älteste jüdische Schule in ihrer Art, deni Judentum erhallen zu suchen.