Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 85 (1921)
- Issue
- Heft 5 (4.3.1921)
- Date
- 1921-03-04
- Page
- Seite 58 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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58 Bruder unter Beihilfe der Königin ermordet worden. Des ermordeten Königs Sohn Jsmael will nun den Tod seines Vaters an Onkel und Mutter rächen, zögert aber mit der Ausführung-seines Racheplanes so lange, bis er selbst auf unerwartete Weise ums Leben kommt. Charakteristisch ist, daß der Sein- oder Nichtsein-Monolog in eine sozialpolitische Betrachtung über die.Zustände in Rußland umgearbeitet ist. Alle die. genannten Klassikerdramen sind auf den jüdischen Bühnen in New 'Jork und London aufgeführt worden. Diese „klassische" Schule hat das Repertoire der jüdischen Bühne mit einer stattlichen Anzahl von dramatischen „Arbeiten nach fremden Motiven" bereichert. Lateiner, Horowitz, Seufsert, Scharkanski, und wie die Vertreter dieser Schule heißen, waren von einer nahezu erschreckenden Fruchtbarkeit. Allein Josef Lateiner soll in verhältnismäßig kurzer Zeit an hundert Stücke fabriziert haben; sein nicht minder fleißiger Kollege Horowitz nicht viel weniger. Eine Zeittang herrschte diese „klassische" Schule unumschränkt auf der jüdischen Bühne, und alle jiddischen Schriftsteller, die mit flinker Hand Theaterstücke schrieben, schlossen sich dieser Richtung an. Selbst der Dramatiker Jakob Gordin, ein Mann, der das jüdische Theaterwcsen in New Jork von Grund aus reformierte, hat in der ersten Zeit seiner literarischen Wirksamkeit dieser Schule treue Gefolgschast geleistet. Diese amerikanische Schule hat zur Hebung des jüdischen Theaters und zur Entwicklung des jiddischen Dramas viel beigetragen. Durch die Nachdichtungen, die Uebungen an fremden Mustern, erlernten die jüngeren jiddischen Dramatiker die Behandlung des Stoffes, den dramatischen Aufbau, den natürlichen Dialog und alles andere, was mit der dramatischen Kunst zusammenhängt. So legte die „klassische" Schule, den Keim zum modernen jiddischen Drama. (Fortsetzung folgt.) Kagrom und Krieg. Schauspiel in fünf Akten. (4. Forts.) Von Meta Opet - Fuß (Breslau). Aufführungsrecht Vorbehalten. Nachdruck verboten. avid: Im Vertrauen kann ich dir sagen, daß mit einem Stet) der Deutschen gerechnet wird. L e a: Da wir fliehen müssen, so kann es uns gleich sein, ob die Stadt nachher von den Deutschen eingenommen wird. — Und welches wird dein Schicksal sein? -- Ich fürchte, wir sehen uns nicht wieder. D a v i d: Lea, mach' mir das Herz nicht noch schwerer! — Nicht in dieser trostlosen Stimmung darfst du mich von dir scheiden lassen. L e a: Du tatest nicht gut daran, mich zu deiner Braut zu wählen. Das Unglück verfolgt mich aus allen meinen Wegen. David: Gute Werke wenden das böse Verhängnis ab, so steht in der Schrift. Mir zuliebe, Lea, nimm das Geld, welches ich mir von dem Vater aus deinen Wunsch geben ließ und das bestimmt war zu einer Lea: Sag» nur ruhig: Missetat. Nach deiner Auflassung iväre es doch ein Verbrechen gewesen. David: Tu Gutes damit! Es wird sich Gelegenheit finden, und glaube an Gottes Barmherzigkeit und,-unser Glück. (Gibt.ihr das Geld und reicht ihr gleichzeitig die Hand zum Abschiede.) Lea: Tu gehst setzt hinüber zu den Eltern? David: Ja. Lea: Und dann? David: In die Kaserne, es ist die höchste Zeis. L e a: David, du verläßt mich? David: Wir werden uns Wiedersehen. Gott schütze dich, Geliebte! (Davidnach kurzer Umavmmig durch die innere Dür ab. Äm sieht einige Zeit regungslos, tn düstere Träume versenkt. Da stürzt Löb Veilchenblum von außen ins Zimmer.) Veilchenblum: Rasch, verstecken Sie sich! Ich will mit dem Mann nichts zu tun haben. Wo sind die Schlüssel zum Keller? L e a: Hier hängen sie. — Was ist geschehen? Veilchenblum (zieht st« Mn, Fenster): Sehen Sie, wer dort um die Ecke biegt und direkt aus dieses Haus zukommt? Lea (erbleichend): Der Beamte, der mir.den Ausweisungsbefehl brachte. Veilchenblum: In den Keller, sage ich Ihnen. Lea (die Schlüssel nehmend und ihren Mantel umwerfend): Kommen Sie aber hier hindurch! (Beide durch die innere Tür ab. Bald daraus Mopst es wiederholt und immer stärker an die äußere Tür. bis endlich Elias von der anderen Seite ins Zimmer kommt nted öffnet, woraus der Be- ' amte eintritt.) Beam ter: Ich brachte gestern den Befehl, daß die Deutsche, di« Sie trotz des Verbotes bei sich ausgenommen, die Stadt innerhalb 24 Stunden zu verlassen hat. Die Frist ist bald abgelauseu. Elias (sich ängstlich im Zimmer umsehend): Sie ist — verschwunden. Polizist: Wohin? Elias: Ich weiß es nicht. Polizist: Sie mutz noch in der Stadt sein, >denn sie hat sich noch keinen Paß ausstellen lassen. Sie ist in Ihrem Hcvuse. - Gestehen Sie es! Elias: Ich weiß es nicht. Polizist: So muß ich Haussuchung halten. Führen Sic mich in die übrigen Zimmer, und wenn ich nicht herausbekomme, wo sie sich aufhält, dann habe ich Sie und Ihre Frau dem Gericht vorzuführen zur weiteren Vernehmung, so lautet mein« Order. (Beide nach hinten ab. di« Bühne bleibt einige Minuten leer. Dann erscheinen Lea und Veilcl;en>blnm.) Lea: Im Schlafzimmer waren sie nicht, nicht in der Küche, auch hier nicht. (Zum Fenster blickend): Großer Gott, da führt sie der Polizist hinweg, den Vater und die Mutter. Wohin bringt er sie wohl, Herr Veilchenblum? Veilchenblum: Das ist der Weg zum Untersuchungsgefängnis. Lea: Davids Eltern im Gefängnis! — Und um meinetwillen. — Wir müssen sie befreien, Herr Veilchenblum. Kommen Sie! In meiner Vermummung erkennt mich nieinand. Ist es zum -Gefängnis weit von hier? Veilchenblum: Nur wenige Minuten. Einen der Wächter kenne ich sogar persönlich. Lea: Das trifft sich gut. Ob man diesem Mann ein Trinkgeld anbieten kann? Veilchenblum: Das nehmen sie alle. Lea: Und eine Flasche Wein? V e i l ch e n b l u m : Dafür sind sie erst recht zu haben. Lea (nimmt eine Flasche Wein aus einem Schränkchen): Der ist stark. Wer von diesem ein paar Gläschen trinkt, der wacht so schnell nicht auf. Veilchenblum: Sie wollen doch nicht etwa? Lea: Nichts weiter als meine Pflicht tun. Das Geld soll mir die Erlaubnis zum Besuch der Gefangenen verschaffen, der Wein die Wächter einschläfern, damit ich die alten Leute befreien kann. Sic begleiten mich doch, Herr Veilchenblum? V e ilche n b l u m: Ich, habe ich das gesagt? Ich wollte Ihnen nur das Gebäude zeigen.