Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 85 (1921)
- Issue
- Heft 5 (4.3.1921)
- Date
- 1921-03-04
- Page
- Seite 53 (sequence 5)
- Language
- German
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53 wirb bezüglich ihrer Wkiglkeiit Kontrollrecht haben und die Verpflichtung, m BedarWcvlle ihre finanziellen Mittel zu ergänzen. Die Forderung der jüdischen Abgeordneten aus Autonomie der Provinzen, die. kerne polnische Majorität besitzen, mb Bildung von natiiormlmutonomen Verbänden drvrch die Minderheiitenwurde verworfen. Artikel 115 lautet: Die Neligionssreiheiit darf nicht in einer den Gesetzen widersprechenden Art ausgeübt werden. Niemand darf sich der Erfüllung der öffentlichen Verpflichtungen infolge der.Satzungen feiner Religion entziehen. Niemand kann gezwungen worden zur Teiluahnle an religiiösien Tätigkeiten oder Zeremonien, insofern er nicht der elterlichen oder vormlmdschaiftlichcn Gewalt untersteht. Die jüdischie Forderung, daß niemand gezlvungen werden dürfe, feine Feiertage zu verletzent, insofern diesnicht M-iliitärdienst, Landesverteidigung oder die Erhaltung der öffentlichen Ruhe erfordern, luurde ebenfalls verworfen. Gegen die jüdischen Anträge hat bis auf den Abgeordneten Dombal (Wyzwolenve) das ganze Haus gestimmt. J. p. z * Rußland. Laut „Daily Herald" hat die Sowjetregierung auf Veranlassung des Jüdischen Kommissariats eine Untersuchung eingeleitet über die von den Truppen Budjennys veranstalteten Judenmassaker während des feinerfeitigen Vormarsches nach Polen. J. P. Z. * Das Palästina-Mandat. Der Text des englischen Mandatsentwurfs, von dem wir unseren Lesern in der vorigen Nummer Kenntnis gegeben, hat bereits die Genehmigung der französischen und italienischen Regierung. Er wird der bevorstehenden Tagung des VölkerbU'Ndsrates vorliegen, und es ist anzunehmen, daß er in kurzer Zeit, vielleicht mit einigen kleinen Abändevungen, ein völkerrechtliches Dokument sein wird. Bringt das Mandat die Erfüllung wirklich? Sicherlich nicht in dem Umfang, wie Herzl und die alten Verfechter des politischen Zionismus sie erträumt 'hatten. Allzrrsehr hängt die Durchführung der Mandatsbestimmungen von dem guten Willen der Mandatsmacht ab. Es wäre zu wünschen gewesen, daß zum wenigsten die Bestellung des Oberkommissars, in dessen Händen alles liegt, von jüdischer Zustimmung abhängig gemacht worden wäre. Die Zionistische Organisation wird bemüht sein müssen, eine Aeirderung dieses grundlegenden Mangels des Mandats auch dann noch zu erstreben, wenn das Mandat in 'einer heutigen Fassung publiziert sein sollte. Vieles andere ist freudig zu begrüßen. Die Balfour-Deklavation ist in die Einleitung des Mandatstextes (preamble) übernommen worden, j und an dieser Stelle ist auch die historische Verknüpstheit des! jüdischen Volkes mit Palästina feierlich verkündet. Der Mandatsmacht ist die Verpflichtung auferlegt, die Vorbedingung für die Schaffung des nationalen Heims des jüdischen Volkes in Palästina herbeizuführen. Die jüdische Einwanderung soll ru jeder Weise erleichtert werden, und, was als besondere Errungenschaft anzusehen ist, die noch unerschlossenen Landstriche sollen für die Zwecke der jüdischen Besiedelung erschlossen werden. Die Zionistische Organisation wird völkerrechtlich anerkannt; sie soll in Gemeinschaft mit der Mandatsmacht die pra.kksch.en Fragen lösen, welche bitrd) die politischen Bestimmungen des Mandates entstehen. Die Bildung einer palästinensische« Landesverteidigung ist vorgesehen; die Mitarbeit der nichtzwnistischen Judenheit ist ermöglicht. Für das religiöse Judentrmr ist die Bestimmung. wichtig, daß die Feiertage der verschiedenen Religionen als gesetzliche Ruhetage für ihre, Mitglieder anerkannt sind. Mancher Hütte freilich ein höheres Blaß von politischen Errungenschaften gewünscht. Indessen, wenn das Judentum die nun gebotenen Möglichkeiten wahrnimmt, so wird das Mandat nur den Anfang einer Entwickelung bedeuten. Das Gesäß ist geformt: Sache der Weltjüdenheit ist es, den Inhalt zu bereiten. Ist das jüdische Volk für die ungeheuere Größe des Augenblicks reif oder ist ihm sein eigenes Schicksal zu groß? Die Gabe, die ihm die Völkergemeinschaft in diesem Augenblick bietet, wird nicht ein zweites Mal dargeboten. Die Stuyde, die ungenutzt bleibt, kehrt niemals wieder. — Sehr beachtenswert sind in diesem Zusammenhänge die Ausführungen, mit welchen der „Jewish Guardian", ein nichtzionistisches Organ, sich gegen eine Bemerkung der antisemitischen „Morning Post" wendet, die die Vermutung ausgesprochen hat, die Veröffentlichung des Mandats werde die Gegensätze im Judentum verschärfen. Das Organ der Antizionisten--erklärt wörtlich: „Diese Anschauung steht voll und ganz im Gegensatz zu der unsrigen, und wir werden, soweit unser Einfluß reicht, alles tun. was in unserer Kraft steht, um durch die Tat zu zeigen, daß sie falsch ist. Wir 'begrüßen den Mandatsentwurs mit seinen Versprechungen, seinen Sicherungen und seinen Durchführungsbestimmungen als eine ungeheure Gelegenheit für alle Inden, zusammenzuarbeiten für jüdische Ziele." Im übrigen erklärt der „Jewish Guardian", daß natürlich die britischen Juden insbesondere alles tun müssen, uni ihre Pflicht gegenüber dev großen gemeinsamen jüdischen Aufgabe zu erfüllen. $ » Jerusalem geräumt. P a r i s, 22. Februar. (W. T. B.) Nach einer Havas-Meldung aus Kairo wird das italienische Detachement, das einen Teil der interalliierten Besatzungstruppen von Palästina bildet, Ende dieses Monats Palästina verlassen. Auch das kleine französische Detachement wird die Stadt Jerusalem räumen. * Die Juden in Abessinien. Unter diesem Titel ist im Vertage von W. Genie, wissenschaftlicher Verlag in Hamburg 8, von Earl K a t h j c n s soeben ein Buch erschienen, in dem der Verfasser, am Geographischen Seminar der hambrurgischen Universität wirkend, interessante und zum Teil überraschende Ausschlüsse über das bisher noch wenig erforschte Volk der Falaschas, der Juden Abessiniens, gibt. Aus Grund eigener, au,f einer Forschungsreise gewonnener Eindrücke und der Berichte anderer Forscher entwirft er ein ansck>auliches Bild von dem geheimnisvollen Werden und von der Entwicklung einer unbekannten Kultur, die im Wechsel der Jahrtausende bis zum heutigen Tage auf die Geschichte eines großen Reiches von Einfluß gewesen ist. Da die abessinischen Juden seit den letzten vorchristlichen Jahrhunderten völlig von der Verbindung mit der anderen Judenschast abgetrennt waren,' so ist ihre Kultur für die Kenntnis des alten Judentums von großer Bedeutung. Das Werk, das sich an Falt low it sch und andere anlehnt, wird daher nicht nur für die gelehrte Welt, sondern zumal durch seine Schilderll>ug der Sitten und Gebräuche der heutigen Falaschas sür jedermann von Interesse sein. * Israelitische Neger. „Doar Hajom" erhielt einen Brief aus Südafrika, worin über eine Ansiedlung von jüdischen Negern in der Gegend von Kaifur berichtet wird. Gegen 8000 haben sich dort auf Regierungsland niedergelassen. Sie erklären, sie seien israelitische Exilanten, Anhänger des mosaischen Glaubens. Ihr Häuptling sei ein Prophet des „Ewigen", der da durch seinen Propheten sagte: er solle die israelitischen Exilanten (das heißt die Schwarzen, die sich zum Stamme Israels zählen) ans diesem Orte sammeln, bis er sie von den Weißen, die mit ihnen schwer arbeiten, befreien und sie nach Erez Israel führen werde. Als alle Aufforderungen der Regierung, daß sie das Regierungsland räumen, nichts fruchteten, schickte die Negierung-eine Legion von 300 Soldaten, um sie zn vertreiben. Diese aber erklärten, da es Freitag war, sie dürfen am Sabbat rächt kämpfen, und wenn die Soldaten sie am Sabbat angreifen sollten, werde der Ewige selbst chren Krieg ansfechten. Aus die Erklärung der Regierungssoldaten, daß sie am Sonntag nicht kämpfen dürfen, sagten die Schwarzen, daß die Christen an ihrem Ruhe tage kämpfen dürfen, da sie ja an diesem Tage auch spielen und rauchen. Die Regierung griff sie nicht an, weit sie. solange die Schwarzen religiöse Gründe angeben, diese gewähren. läßt, so merkwürdig sie auch finb.