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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1921-02-18 · Heft 4 (18.2.1921) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
85 (1921)
Issue
Heft 4 (18.2.1921)
Date
1921-02-18
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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3 Vergiftung schwer erkrankte russische Flüchtlinge mit dem Tode ringen und geistlicher Zuspruch erwünscht wäre, worauf Herr Rabbiner Dr. Link, zu dessen Begleitung sich der bewahrte Herr Bukofzer erbot, der namens der Missaßkim danken wollte, das -Fest verließ. — Herr Wischnitz dankte hierauf Herrn Dr. Baeck für seine anerkennenden Worte und bat die Herren Rabbiner um weitere Förderung der Chewr-a Kadischa. So hatten die für die hohen Ideale der Chewra Kadischa hingebungsvoll wirkenden Damen und Herren der „Heiligen Brüderschaft" dank der ausgezeichneten Bewirtung seitens der Gastgeber und der anerkennenden Worte, die ihnen allseits gezollt wurden, einen schönen Abend, die Chewra aber als solche einen großen, vielversprechenden Tag. — Königsberg i. Pr., 11. Februar. Der Hilfsverein für kranke russische Israeliten hielt seine Fünfzi.gjahrfeier ab. Der Verein verdankt seine Gründung der Initiative des berühmten christlichen Mediziners Professor Dr. B u r o w . Die Feier wurde mit einer Ansprache des Vorsitzenden eingeleitet, der einen Ueberblick über die Geschichte des Vereins gab und dann den Leitern, Aerzten und Assistenten -der hiesigen Kliniken sowie den Privatärzten für die bereitwillige Unterstützung des Vereins und dem Tamenkomitee für die nimmermüde Mitarbeit dankte. Rabbiner Dr. Lev in sprach unter anderem den Wunsch ans, daß es dem Verein auch in Zukunft gelingen möge, alle Schichten zusammenzuh-alten zu -gesegneter Tätigkeit. Herr Elias Hir sch drückte dann im Namen des Vereins für Krankenpflege und Beerdigung, der Volksküche und des Frauen- Vereins den Dank für die Zuia-mmenarbeit -aus und schloß mit dem Wunsche, daß die Zusammenarbeit bald zu dem gewünschten Ziele, zum Bau eines jüdischen Krankenhauses, führen möge. Nach musikalischen Vorträgen wurden Bilder von dem zukünftigen jüdischen Krankenhaus, das, wi-e Dr. Semon mitteilte, in Amalienau erbaut werden soll, gezeigt. Es sollen darin eine innere und äußere Station, getrennt für Männer und Frauen, Operations- und Laboratoriumsräume usw. im Erdgeschoß, große Bade- und Küchenräume enthalten sein. W. Wreschen (Provinz Posen), 11. Februar. Unter überaus großer Beteiligung seitens der Mitglieder unserer Gemeinde fand eine Abschiedsseier für das Abraham und Bertha L u b r a i n - schiksche Ehepaar vor seiner Uebersiedelung nach Berlin statt. Männer und Frauen versammelten sich in der Synagoge, um das letzte Mal mit den Scheidenden gemeinsam zu beten. Es war ein rührender Anblick.. Biel-e hatten Tränen des Schmerzes in den Augen. In einer darauffolgenden Versammlung, in einem feindekorierten Saale, hatten sich alle Gemeindemitglieder eingefunden, die Abschiedsseier fortzusetzen. Die Vorsitzende des Israelitischen Frauenvereins, Frau Joseph Gans, erösfnete den Reigen der Ansprachen. Sie feierte Frau Lubrainschik als unübertrefflich rühriges Mitglied des Vorstandes. Die Scheidende war zu jeder Zeit hilfsbereit, einem Kranken oder Notleidenden beizustehen. Dies brachte ihr Liebe und Achtung von allen Seiten entgegen. Selbstlos, ihre eigene Gesundheit nicht schonend, ging sie im Liebesberufe ganz aus. Seitens der Gemeinde überbrachte Herr Kaufmann Michaelis Haase Abschiedsgrüße, die einen merklichen Eindruck auf die Versammelten machten. Tie -von hier Scheidenden sind hier geboren und haben es durch Fleiß und Arbeitsamkeit verstanden, sich hohes Ansehen zu verschaffen. Große Spenden sind von ihnen der Gemeinde und ihren Institutionen überwiesen worden . 6. Myslowitz, 11. Februar. Auf eine 25jährige ununterbrochene Amtstätigkeit als Oberkantor und Religionslehrer der hiesigen Synagogengemeinde kann am 1. Mürz d. I. Herr Jakob Spandau Zurückblicken. Der Jubilar ist in der Gemeinde Mhslowitz eine sehr geschätzte und geachtete Persönlichkeit, bekannt als ehrenhafter Charakter und gewissenhafter Beamter. Außerordentliche Verdienste hat er sich um den Oberschlesischen Kantorenverband erworben, dessen Mitbegründer und erster Vorsitzender er seit längerer Zeit ist. Herr Spandau ist aus der Israelitischen Lehrerbildungsanstalt in Berlin hervorgegangen und erhielt seine Fachausbildung bei Musikdirektor Professor Lewandowski, der seine hervorragenden Fähigkeiten für das Kantorat schon in dem Jüngling entdeckte. Der große Kreis seiner Freunde und. Verehrer ruft dem Herrn Jubilar herzliche Glückwünsche zu. S£2 Liegnitz, im Februar. Am 8. und 9. v. M. fand hier ein Delegiertentag der Jli (Jüdisch-liberalen Jugendvereine) Deutschlands. statt, der von den einzelnen Verbandsvereinen zahlreich beschickt war und dessen eindrucksvoller Verlauf einen erfreulichen, erneuten Beweis dafür bot, daß der Gedanke des Liberalismus immer weitere Kreise der Jugend durchdringt. Der bisherige verdienstvolle Vorsitzende, Herr Rechtsanwalt Stern (Berlin), wurde zum Ehrenvorsitzenden gewählt, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft wurde Herr Bayer (Breslau). Dem engeren Vorstand gehört neben Herrn Alfred Berger (Breslau) von jetzt ab aus besonderem Vertrauen Herr Woyda (Berlin) an. Am 9. Januar, vormittags, wurde über das Thema „Ziel und Wege der Arbeit Jlis" von Herrn Isaak (Jli Frankfurt a. M.) und Herrn Lilienthal (Jli Berlin) referiert. An diese Vorträge, die, unbeschadet mancher sachlichen Verschiedenheit, im einzelnen von dem schönen Gemeinschaftsgeist und dem frisch pulsierenden Leben innerhalb der jüdisch-liberalen Jugend lebhaftes Zeugnis ablegten, schloß sich eine überaus fruchtbare Aussprache, in deren Verlaus alle brennenden Tagessragen zur Erörterung kamen. Zum Schluß wurde folgende Resolution angenommen: „Die am 9. Januar 1921 in Liegnitz versammelten Delegierten der jüdisch-liberalen Jugendvereine Deutschlands müssen zu ihrem größten Bedauern seststellen, daß die freudige und begeisterungsfähige liberale Jugend die so notwendige und erwünschte Unterstützung eines überwiegend großen Teiles der liberalen Rabbiner vermissen muß. Sie sind der Ansicht, daß die durch gemeinsame Arbeit geschaffene enge Verbindung der berufenen Führer mit der organisierten liberalen Jugendvon höchster Bedeutung für die Zukunft unserer Bewegung ist. Die uns zu größter Dankbarkeit verpflichtende Tätigkeit unserer liberalen Rabbiner dürfte in der Hauptsache darin bestehen, für die Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Artikel beizusteuern, Vorträge in den bestehenden Jugendvereinen zu halten, kurze Propagandaschristen abzufiassen und durch Gründung neuer Jugendvereine für die Ausbreitung unserer Organisation Sorge zu tragen. Die hier Versammelten bringen daher die Bitte zum Ausdruck, baldigst eine Sitzung des liberalen Rabbinerverbandes abzuhalten. bei der Mittel und Wege gefunden werden, um möglichst alle Mitglieder des Verbandes zur tatkräftigen Förderung der liberalen Jugendbewegung zu veranlassen. Die Arbeitsgemeinschaft jüdischliberaler Ju-gendvereine Deutschlands fordert eine gründliche Reform des Religionsunterrichts in Pädagogischer und organisatorischer Hinsicht sowie eine verstärkte Inspektion des Religionsunterrichts an den öffentlichen Schulen. Sie hält es für erwünscht, daß alle deutschen Staatsbürger, gleichviel ob Juden oder Nichtjuden, eine gemeinsame Schulbildung genießen. Sie erwartet von allen liberalen Repräsentanten und Gemeindemitgliedern, daß sie gegen die Errichtung jüdischer Schulen und gegen die Unterstützung neu gegründeter Privatschulen eintreten. Die jüdischckiberale Jugend lehnt es ab, in Palästina ein politisches und kulturelles Zentrum für die Gesamtiudeuheit zu schaffen. Palästina, mit dem es sich wie jeder Jude durch religiös-historische Bande verknüpft fühlt, hat in der Gegenwart für sie praktische Bedeutung nur als ein Kolonisationsland neben anderen für Juden, die sich in ihren jetzigen Heimatländern nicht assimilieren wollen oder können. Aust dieser Grundlage sind Wir bereit, an dem Kolonisatiouswerk mitzuwirken." — In der Mittagspause vereinten sich die Delegierten als Gäste des Liegnitzer Jli zu einem Essen in der Silesia-Loge, das in jeder Hinsicht einen ebenso schönen als anregenden Verlauf nahm. Am Nachmittag fand eine öffentliche Versammlung im Hotel „Rautenkranz" statt, die von den Mitgliedern der Jüdischen Gemeinde Liegnitz überaus zahlreich besucht war. Herr Gemeinderabbiner Dr. G o l d m a n n (Leipzig) sprach unter lebhaftem Beifall über das Thema „Kritischer Ueberblick über die jüdische Jugendbewegung der Gegenwart". Der. Liegnitzer Jli hatte dank seiner vortrefflichen Leitung alle Vorbereitungen für die Tagung und das Wohlbefinden der Delegierten in so ausgezeichneter Weise getroffen, daß jeder der Teilnehmer mit größter Befriedigung und herzlichem Dank an diese Zusammenkunft zurückdenken wird. Leipzig, 11. Februar. Die feierliche Amtseinführung des neugewählten Rabbiners der Israelitischen Religionsgemeiude, des Herrn Rabbiner Tr. Gustav Cohn, bisher Krotoschin, fand am 21. v. Ac. in der vollbesetzten Synagoge statt. Im Vorraum des Gotteshauses versammelten sich die Herrn des Vorstandes sowie die beiden liberalen Gemeinderabbiner. Von seindm Amtsbruder, Herrn Rabbiner Dr. G o l d m a n n, und den Vorstandsmitgliedern geleitet, betrat der neue Rabbiner die Stätte seines künftigen Wirkens. Der Zug bewegte sich unter feierlichen Orgelklängen durch die Synagoge bis vor die Heilige Lade, wo das Vorstandsmitglied Herr Rosenthal in warmherzigen Worten den neuen Rabbiner willkommen

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