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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1921-02-18 · Heft 4 (18.2.1921) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
85 (1921)
Issue
Heft 4 (18.2.1921)
Date
1921-02-18
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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4 hieß. Er führte aus, daß Herr Rabbiner Dr. Cohn in seinem bisherigen Wirkungskreise sich als Seelsorger und Jugendbildner voll bewährt habe, so daß er die Liebe und Verehrung seiner Gemeinde besessen habe. Er hofse, daß ihm das gleiche auch in anders, gearteten Verhältnissen der neuen Gemeinde gelingen möge. Sodann bestieg Herr Rabbiner Dr. Goldmann die Kanzel, um seinen neuen Amtsbruder Zu begrüßen. Er brauche ihn nicht auf die Pflichten eines Rabbiners hinzuweisen, da sich der neue Kollege in fast zehnjähriger Tätigkeit bewährt habe. Tie Menschen sind in einer Kleinwie einer Großgemeinde die gleichen, nur das Verhältnis, in welchem sie Zu ihrem Rabbiner stehen, ist voneinander verschieden. Tie Kleinstadtgemeinde sucht den Rabbiner, während in der Großstadtgemeinde der Rabbiner die Gemeinde suchen muß, sie dann aber auch findet. Unter den Klängen einer herrlichen Motette bestieg Herr Rabbiner Dr. Cohn die Kanzel und dankte zunächst in bewegten Worten sowohl dein Führer der Gemeinde als auch dem Amtsbruder für die herzlichen Begrüßungsworte, um sodann seine Antrittspredigt zu halten. Stuttgart, 11. Februar. In der hiesigen Stuttgartloge hat Bezirksrabbiner Dr. Beermann (Heilbronn), Expräsidentder Herderloge, emcn Zyklus von Vorträgen über den Talmud gehalten. Er verfolgte die Entwicklung des rabbinischen Schrifttums vom Babylonischen Exil an bis zum Abschluß des Talmuds. Er gab nicht nur markante Lebensbilder der großen Schöpfer dieses Werkes, sondern verstand auch durch geschickt gewählte Proben in den Geist und Gehalt der Gernara emzuführen. Die Vorträge waren überaus gut besucht und haben die Hörer so begeistert, daß der spontane Wunsch lebendig wurde, auch im zweiten Wiutervierteljahr Herrn Dr. Beermann für eine fernere Veranstaltung zu gewinnen. Das Thema wird sein: „Die Schristprophetie." Von Sah uud Lern. — Tie Jüdische Gemeinde zu Berlin dementiert die in der letzten Zeit vielfach verbreiteten Gerüchte, daß sie beabsichtigt, von der Reichseinkommensteuer einen Zuschlag von 60 v. H. als Steuer zu erheben. Der Vorstand der Jüdischen Gemeinde erklärt, daß der Zuschlag zur Reichseinkommensteuer für 1921 nur einen geringen Bruchteil dieser 60 v. H. betragen wird. Der für 1920 erhobene Zuschlag von 60 v. H. betras nicht die Reichseinkommensteuer, sondern noch den Normalsatz der Preußischen StalMeinkrmmeusteue-r 1919. - Bei den kürzlich erfolgten Neuwahlen zur Berliner Studentenvertretung hnben die jüdischen Grupepn nur 4 bzw. 5 Sitze, dagegen die Deuitsichvölkischeu eine Zweidrittetmehrhett von 66 Sitzen erzielt. Der Ausschuß der Berliner Studentenschaft wird demnach jetzt eine völlig rechtsradikale Zusammensetzung erhalten. — Professor Dr. Sobernhei m, Referent für jüdische Angelegenheiten im Auswärtigen Amt. ist mit Wirkung vom 1. Dezember 1920 zum Negierungsrat tm Auswärtigen Amt ernannt worden. — Der Verein zur Pflege hebräischer Gesänge (Dirigent Kapellmeister A. Kellermann) veranstaltet am 2. März sein diesjähriges Winke rkonzert. Wir machen auf das sehr interessante Programm besonders aufmerksam. Solistisch wirken mit Frieda Wolf (Deutsches Opernhaus), der neu engagierte Baritonist der Staatsoper Benno Ziegler und die Geigerin Jbolyka Gyarfas. Der Kartenverkauf (15—4 Mark) ist bei Bote & Bock sowie bei Wertheim. — Professor Dr. Eduard B a n e t h beging vor kurzem das 25jährige Jubiläum als Dozent für Talmud und Dezisoren an der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums. Aus diesem Anlaß fand eine intime Feier in der Aula der Hochschule statt. In einer kurzen Ansprache brachte Professor Dr. E l b o g e n die Glückwünsche des Lehrerkollegiums dar. Sodann sprach Herr Dozent Tr. Lewkowitz (Breslau) die Glückwünsche des dortigen Jüdisch-theologischen Seminars aus. Nachdem noch zwei Hörer der Anstalt, der eine in deutscher, der andere in hebräischer Sprache, den Jubilar gefeiert hatten, dankte Herr Professor Baneth in bewegten Worten. — Die Israelitische Gemeinde zu Lübeck hat zu Ehren ihres verstorbenen Rabbiners Dr. Salomon Car leb ach und ihrer im Weltkriege gefallenen Söhne zwei Gedenktafeln gestiftet, die bei einer am Sonntag, den 30. Januar, nachmittags 4% Uhr, in der Synagoge stattgefundenen Gedächtnisfeier enthüllt wurden. — Die mehr als ein Jahrhundert alte jüdische Samson-Schule in Seesen kann aus Mangel an Mitteln nicht weitergesührt werden. Sie ist vom Staat erworben worden und wird als allgemeines Erziehungsmstitut weitergesührt werden. — Aus Essen wird berichtet: In unserem vollbesetzten Gotteshause erfolgte die Einführung unseres neugewählten Rabbiners Dr. H. H a h n. Der erste Gemeindevorsteher Sanitätsrat Dr. Mendel hielt eine Ansprache, ln der er zur Schaffung eines vertieften und verinnerlichten Judentums ausforderte. Den neuen Rabbiner habe man trotz seiner jungen Jahre dem langjährigen geistlichen Führer der Gemeinde, Herrn Rabbiner Dr. Samuel, nach Möglichkeit gleichgestellt, um dadurch besonders auf dem Gebiete des Schulwesens Ersprießliches zu erreichen. Sodann begrüßte Herr Rabbiner Dr. Samuel seinen Amtskollegen mit freundlichen Worten. Hierauf hielt Herr Dr. Hahn seine Antrittspredigt. — Eine geheimnisvolle Entführung wurde im Wormser Israelitischen Altersheim ausgeführt. Dort lebt seit Jahren die ledige 78jährige Jette Gutmann aus Nieder-Ramstadt. Dieser Tage kam im Automobil eine Krankenschwester, die angab, daß. die Uebersührung des Fräulein Gutmann ins Städtische Krankenhaus angeordnet sei, nahm diese im Auto mit. Als die Angehörigen des Fräulein Gutmann nach ihrem Ergehen sich erkundigen wollten, stellte sich heraus, daß die alte Dame gar nicht ins Krankenhaus gebracht worden war. Auch sonst konnte ihr Verbleib nicht ermittelt werden unfr sie ist seit dieser Zeit spurlos verschwunden. — Aus Frankfurt a.. M. wird geschrieben: Aus der Feder von Bertha Pappenheim veröffentlichen die von der bekannten Vorkämpfer in jüdisch«-sozialer Frauenarbeit geleiteten Vereine einen gemeinsamen Rückblick über ihre Tätigkeit. Der Bericht gibt ein fesselndes Bild von der reichen und fruchtbaren Fürsorgetätigjkeit hiesiger jüdischer Frauen auf den Gebieten der Arbeitsbeschaffung, Berufsberatung, Woh-nungsshygiene, des Kinderschutzes, der Krankenpflege und anderer Zweige der sozialen Arbeit. — In Prag hat sich eine Abteilung des Joint Distribution Committee gebildet, und zwar mit Robert Fuchs als Präsident und Oberpostrat Dr. Wiesmaher, Dr. Singer, Rich. Kohn und Hugo Wald stein als Vizepräsidenten. Fürsorge für Kinder, Studenten, Invaliden, Kriegswitwen, heimkehrende Kriegsgefangene, Flüchtlinge usw. umfaßt die Aufgabe des Komitees. — Der Streik bet israelitischen Religionslehrer in Wien dauert bereits einen vollen Monat. Es handelt sich im ganzen um 70 Lehrer. Der Verband der Angestellten der Gemeinde Wien hat nun in den Streik eingegriffen und beschlossen, noch im Laufe dieser Woche einen AuA stand sämtlicher städtischen. Volksschullehrer im II. Bezirk (einem stark von Juden besetzten Bezirk) anzutreten, dem, wenn der Vorstand der Kultusgemeinde unter diesem Druck nicht nachgeben jollte, der Generalstreik sämtlicher Wiener Lehrer folgen würde. — Aus Budapest wird uns geschrieben: Ende vorigen Jahres verschied der Szabolcser Grundbesitzer Stephan Burger mit Hinterlassung eines Vermögens von zirka 40 Millionen Kronen. Burger hat dies Vermögen testamentarisch zur Hälfte der Stadt Nhiregyhaza, zum Viertel der Nyireghhäzaer Jüdischen Gemeinde, zum Viertel der dortigen Chewra Kadischa vermacht. Drei Millionen Kronen hat Burger dem Jüdischen Spital in Nhiregyhuza zugewendet/ so daß sich seine Legate für 'speziell jüdische Zwecke aus 23 Millionen Kronen belaufen. — In dieser Zeit fortgesetzter Angriffe auf die Moral der Juden ist es interessant zu erfahren, daß sowohl in der serbischen wie in der polnischen Armee die höchsten Tapferteitsauszeichnungen an Juden überreicht wurden. In der serbischen Armee rvar es der Oberst Abraham Baratt und in der polnischen Herr- Jakob Kajon, der von Beruf Rechtsanwalt ist, die einzig goldene Medaillen für Tapferkeit errungen haben. — In London hat sich eine russische Kolonisationsgesellschakt gebildet, um die Wanderung großer Mengen russischer Flüchtlinge zu regeln. Die Gesellschaft beabsichtigt, eine größere Anzahl von Flüchtlingen in verschiedenen Gegenden Nord- und Südamerikas anzusiedeln. — Professor Abram S. Jsaacs, der semitische Wissenschaften an der New Uorker Universität lehrte, ist am 22. Dezember gestorben. Er wurde in New Port geboren und erreichte ein Alter von 68 Jahren. — Der bisherige Vizeadmiral Josef Straus ist zum Admiral avanciert, wobei ihm das Kommando über die asiatische Flotte der Vereinigten Staaten von Nordamerika übertragen wurde. Er hatte sich schon im Japanisch-Amerikanischen Kriege rühmlich hervorgetan und im Weltkriege das Kommando über die amerikanische Minenlegerflotti,lle in der Nordsee innegch,abt. Verantwortlicher Redakteur: Albert Katz in Berlin-Pankow, Florastraße 88. Verantwortlich für den Anzeigenteil: Max Junge, Berlin-Friedenau. Druck und Verlag von Rudolf Masse.

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