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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1921-02-18 · Heft 4 (18.2.1921) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
85 (1921)
Issue
Heft 4 (18.2.1921)
Date
1921-02-18
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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SS Isbrgrmg. Nr. 4 Der Oemetndebote. Berlln-18 Februar 1,21 Veilsge zur „Allgemeinen Leitung deK Judentums. Lorrespondenffen und Nachrichten. Deutschland. ### Bevlin, 15. Februar. In der ersten Februar-Sitzung der Retz räsentantenversammiliun/g, über deren Verlauf wir. erst in der nächsten Nummer ausführlich berichten können, s,ah die Liberale Fraktion sich veranlaßt. zu dem Antrag aus Einsetzung einer gemischten Deputation wegen Schaffung jüdischer Volksschulen folgende Erklärung abzug-eben: „Die liberale Fraktion hält die gemeinsame Erziehung der Kinder aller Konfessionen in gemeinschaftlichen Schulen für das Erstrebenswerte. Die geht dabei von der Voraussetzung aus, daß auch jüdische Lehrer in genügender Zahl an solchen Schulen zur Anstellung gelangen und daß auf -die religiösen Bedürfnisse der jüdischen Kinder hinreichend Rücksicht genommen wird. Sie halte die Beratung des vorliegenden Antrags erst dann für angebracht, wenn die Preußische Schulgesetz gebung die Durchführung dieser Grundsätze nnmöa-lick» machen wllte." L/D Berlin, 15. Februar. Seitens der Iüdiseben Gemeinde m Berlin werden Kurse unterhalten, durchs welche Lehrerinnen und Seminaristinnen Gelegenheit geboten ist, sich in sämtlichen Fächern des jüdischen Religionsunterrichts und in der Methodik dieser Disziplin auszubilden. Die Kurse dauern drei Jahre. Am Ende der Ausbildungszeit findet eine Abschlußprüfung statt, über deren Ergebnis ein Zeugnis ausgestellt wird. Die Teilnahme Ist unentgeltlich. Für die Teilnehmerinnen an den Kursen stehen aus dem Julius Bl-eichröderschen Legat einige Stipendien zur Verfügung. Das Sommersemester beginnt am Donnerstag, den 7. April d. I. Meldungen nimmt der Leiter der Kurse, Herr Rektor Dr. Spanier, in der Mädchenschule, Kaiser strafte 29/30, entgegen, der auch zu jeder weiteren Auskunft bereit ist. &&& Berlin, 15. Februar. Der Verein für jüdische Ges ch i ch t e und Literatur hielt am 30. v. M. in der Lesehalle in der Fasanenstraße seine ordentliche Generalversammlung ab, die vom ersten Vorsitzenden, Professor Dr. I. Elbogen, eröffnet und geleitet wurde. Er hielt vor Eingang in die Tagesordnung einen warmempfundenen Nachruf auf den kürzlich verstorbenen Dozenten des Berliner Rabbinerseminars Dr. Simon Ep Pen stein, dessen Andenken die Versammlung durch Erheben von den Plätzen ehrte, und erstattete dann den Geschäftsbericht, der von der Versammlung mit Befriedigung entgegen genommen wurde. Hierauf folgte der Kassenbericht. Die Einnahmen betrugen 27 750,02 Mark, die Ausgaben 30 741,44 Mark, Defizit 2991,42 m<axl Auf Antrag der Revisionskommission wurde dem Schatzmeister, Herrn Benas Levh, unter herzlichen Dankesworten für seine Mühewaltung einstimmig die Entlastung erteilt. Durch Zuruf erfolgte dann in besonderen Wahlgängen die Wiederwahl des ersten und zweiten Vorsitzenden sowie des Gesamtvorstandes und der Revisionskommission, in welche Herr Galliner neu hineingewählt wurde. In das Komitee für die jüdische Volkshochschule wurden Rabbiner Dr. Weiße und Dr. R. Leszynskh und als Stellvertreter die Herren Heinrich F r ä n k e l und Rechtsanwalt Dr. L e w e n t h a l delegiert. Die Versammlung stimmte dem Antrag aus Statutenänderung zu und beschloß daun, den Jahresbeitrag auf mindestens 15 Mark zu erhöhen, -die immerwährende Mitgliedschaft gegen -eine einmalige Summe von mindestens 500 Mark zu erteilen und Stifter diejenigen zu nennen, die dem Verein eine Summe von mindestens 1000 Mark überweisen. Denletzten Punkt der Tagesordnung bildeten die Feststellung des Haushaltes mit 30 000 Mark und die Bewilligung der üblichen Subventionen. E. M. Berlin, 15. Februar. Im Rahmen einer großen Veranstaltung des Groß-Berliner Jüdischen Jugendbundes, die von zahlreichen prominenten Persönlichkeiten der Berliner Jüdischen Gemeinde besucht war, nahm der Vorsitzende der neutralen jüdischen Jugendverbünde Deutschlands, Rechtsanwalt Dr. Alfred Apfel (Berlin), Gelegenheit, sich eingehend mit den Problemen der jüdischen Jugendbewegung zu beschäftigen. Von besonderem Interesse waren die programmatischen Erklärungen zur Palästinafrage, die Dr. Apfel als Vorsitzender des etwa 40 000 Mitglieder umfassenden Verbandes abgab. Nach einleitenden Bemerkungen führte Dr. Apfel aus: Die deutschen Juden müssen nunmehr eine klare Stellung dazu einnehmen, ob sie an dem Ausbau Palästinas praktisch Mitarbeiten wollen. Theoretische Sympathieerklärungen genügen heute nicht mehr. Die überwältigende Mehrheit der deutschen Juden ist, geneigt, Palästina als eine Frage der Gesamtjudenheit anzusehen. Es wäre unwürdig, die Stellung von dem Erfolge oder Mißerfolge der neuen nationalen Heimstätte abhängig zu machen. Wir brauchen nicht zu befürchten, daß ein Erfolg des Palästinaunternehmens eine ungünstige Rückwirkung auf die staatsbürgerliche Stellung der Juden in den anderen Ländern haben wird; insbesondere wird man in Deutschland dann eine reinliche Scheidung zwischen den nationalen Juden und den deutschpatriotisch empfindenden Juden machen, denen man es dann vielleicht hoch anrechnen wird, daß sie, statt sich einem prosperierenden Palästina zuzuwenden, dem deutschen Vaterlande treu geblieben sind. Sollte aber Palästina ein Mißerfolg werden, so wird die nationaljüdische Frage dadurch keineswegs zur Ruhe kommen, denn Millionen von Juden wissen nicht, wohin sie sich dann wenden sollen. In diesem Augenblick, wo in dem Wirken der Zionistischen Organisation ein bedeutender Abschnitt erreicht ist, muß selbst der Gegner anerkennen, daß selten eine Partei in zwei Jahrzehnten, trotz aller Dolchstöße von hinten und aus den -eigenen Reihen, unter den schwierigsten Umständen jemals einen so großen politischen Erfolg errungen hat wie die Zionisten. Die Bedeutung dieses Erfolges wird auch nicht geschmälert, wenn im -endgültigen Mandatsvertrag nicht alle zionistischen Hoffnungen reisen. Die Zionisten erkennen, daß sie allein die neue Heimstätte nicht schaffen können. In einer Zeit, wo selbst gut fundierte Staaten Mühe haben, sich ausrechtzuerhalten, wo die erbittertsten Gegensätze zwischen kapitalistischen und antikapitalistischen Anschauungen ausgekämpft werden, wird der Versuch gemacht, ein neues Gemeinwesen zu errichten. Die hierfür erforderlichen großen Mittel sind ohne die Hilfe der Nichtzionisten nicht aufzubringen. Es ist bedauerlich, daß die Zionistische Organisation in diesem historischen Augenblick nicht den -geschloffenen Eindruck machte .den man von ihr in diesem Augenblick verlangen muß. Es ist anerkennenswert und taktisch richtig, daß der deutsche Zionisnurs die vorhandenen Gegensätze und Schwierigkeiten nicht vertuscht, es muß aber Verwunderung erregen, daß in diesem Augenblick die zionistische Studentenschaft Deutschlands sich aus anscheinend mehr Persönlichen als sachlichen Gründen gespalten hat. Unter sichtlicher Spannung und einmütigem Beifall der Versammlung fuhr Dr. Apfel fort: Wir stehen vor der Frage, wie weit die nichtzionistischen Juden sich an der Praktischen Palästinaarbeit, insbesondere an der Aufbringung der Geldmittel für Palästina, beteiligen sollen- In Amerika und in England haben sich die führenden Persönlichkeiten des nichtzionistischen Judentums an die Spitze der praktischen Palüstinaarbeit gestellt. Bei der Gründungstagung der Gesamtorganisation der deutschen Juden ist fast -einmütig der Wille der deutschem. Juden zum Ausdruck gekommen, den Aufbau P a l ä st i n a s als g e s a m t j ü d i sch e Frage von Herzens und Verstandes wegen aufzufassen. Bei dieser Sachlage ist es dann aber auch selbstverständlich, daß das deutsche Judentum in großzügiger Weise bei der Aufbringung der Geldmittel mitwirkt. Es ist aus vielen Gründen erforderlich, daß die nichtzionistischen Juden so schleunigst wie möglich, wenn irgendmöglich in vollem Einklang mit der zionistischen Parteileitung Deutschlands, den bisherigen rhetorischen Sympathieerklärungen für Palästina entscheidende Beschlüsse praktischer Natur folgen lassen. Bei aller Anerkennung des zionistischen Standpunktes, bei denvon zionistischer Seite -eingeleiteten Sammlungen zum Keren-hajessod (Palästina- Grundfonds) zunächst die Opferwilligkeit. der eigenen Parteifreunde zu beweisen, muß doch die jetzt fast einheitliche Stimmung sofort ausgenutzt werden. Die Einleitung einer großzügigen, gesamtjüdischenpraktischen Palästina-Arbeit der deutschen Juden herbeizuführen, muß schon jetzt erfolgen. Es ist nicht taktischer Vorbehalt, sondern Erkenntnis der Schwierigkeit der Materie — einer Materie, die durch das Hineinspielen verschiedenartiger Probleme erhöht wird —, wenn ich die Anhänger unserer Bewegung bitte, die Ergebnisse unserer Beratungen mit den Bezirksverbänden, mit dem Ver-

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