Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 85 (1921)
- Issue
- Heft 4 (18.2.1921)
- Date
- 1921-02-18
- Page
- Seite 46 (sequence 10)
- Language
- German
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46 mit großen Latten die Außenwelt zurückweist, mächtig sorgen. Lieber man ns Graphik geht mit höchster Nervosität und gieriger Ungeduld auf Festhaltung raschen, spontanen und große Brassenvorgänge ausschlürfenden Erlebens. So sein Wettrennen, der Festsaal mit seiner zuckenden Menschenmenge, der Einzug der Truppen am Pariser Platz 1918, wo überhaupt nur, nahegesehen, unentwirrbares Krikelkrakel dem elektrisch zuckenden Schauspiel nachrennt und von der richtigen Blickdistanz wieder entwirrt werden muß: Momenkzeichnerei von fieberhafter Treffsicherheit, über die Justi in seinem schönen Katalogbuch über die Handzeichner des 19. Jahrhunderts manch schönes Wort gesagt hat. Liebermann ist hier auf Menzels Spuren, doch ihn weit übereilend mit seinem vehementeren Temperament, dem V-Zugs-Temperament unserer Zeit. Kagrom und Krieg. Schauspiel in fünf Akten. (3. Forts.) Von Meta O pet -F u ß (Breslau). Aussührungslecht Vorbehalten. Nachdruck verboten. a r a h: Nein, nur David und Lea waren hier. Elias: So? Und das andere Pärchen scheint außen gelauscht zu haben. Sarah (im Hinausgehen): Ich werde Maruschka sagen, daß sie schon morgen früh entlassen ist. Es ist mir unheimlich, das Mädchen um mich zu haben. Elia s (allein igebtiwen, öffnet die Auhratür .und ruft hinaus): Marllschka! — Maruschka! Wahrscheinlich ist sie über die Straße durch den Hof entwischt und wird, sich nun leise über die Hintertreppe in die Wohnung geschlichen hüben. (Sich wieder setzend.) Aber weshalb waren die beiden so erschrocken, als ich kam? Sie hat sich doch sonst nicht geniert, wenn ich sie mit ihrem Freunde überraschte. — Die haben an der Tür gelauscht. Wäre ich zu Hause geblieben, so hätte das nicht passieren können. Ich werde mich nicht mehr fortrühren dürfen. (Ueberzcng-t sich noch einmal, ob die Tür gut verschlossen, setzt sich wieder hin und schüttelt sorgenvoll den Kopf.) 3. Akt. (Zuerst Elias allein., über ein Buch gebeugt, im vorigen Zimmer. ES klopft; er schließt vorsichtig auf, David tritt ein.) David: Guten, Morgen, Vater. Elias: Guten Morgen, mein Sohn. — Du hast schon wieder Urlaub bekommen? David: Mein heutiger Besuch wird dir leider keine Freude bereiten. Ich wollte euch gestern den Freitagabend nicht verderben mit der Nachricht, daß wir — Elias: Nun, sprich doch, mich brauchst du nicht zu schonen! David: Wir marschieren heute nachmittag ab an die Front. Elias: (erbleichend): Heute schon? — Vierzehn Tage würdet ihr noch hier bleiben, hattest du mir erst kürzlich gesagt. David: Allerdings, aber es hat sich geändert. — (Flüsternd): Es wird gemeldet, daß die Deutschen in raschem Vorrücken in der Richtung auf unsere Stadt begriffen sind. Unsere Aufgabe ist, sie zurückzutreiben. — Ich habe nur noch zwei Stunden Zeit. — Willst du die Mutter auf den Abschied vorbereiten? Elias: Gerade heute hat sie eine schlechte Nacht gehübt. — Die Aufregung wird ihr schaden. Aber es muß dochsein. (Will gehen.) D a v i d: Vater, eine Bitte hätte ich noch, ich — Elias: Wenn du einen Wunsch hast, so kannst du es deinem Vater ruhig sagen. D a v i d: Ich brauche Geld, Vater, viel Geld. Elias: Du sollst es haben, mein Sohn. Du wirst es zu nichts Unrechtem awwenden. ' David: Das weiß Gott. Elias (ihm einen Schlüssel überreichend): Aber nimm selbst aus dem Schreibtisch, was du brauchst. Ich will am Sabbat kein Geld berühren. Du aber bist leider einer von den Modernen. D a v i d (entnimmt dem Schreibtisch mehrere Scheine vor den Augen des Vaters): Es ist sehr viel, Vater, und ich kann dir den Zweck noch nicht angeben. Eli as: Habe ich danach gefragt? Du weißt, wozu, und das genügt. Verschwenden wirst du es nicht, dessen bin ich sicher. (In diesem Augenblick klopft es. Lm nnd Löb VeilchenWulin treten ein, erstere stark vermummt; sie wirft nach dem Eintritt in das Zimmer ihre Hüllen ab.) Elias (ängstlich, sich gewaltsam zu einem freundlichen Tone zwingend): Auch du schon wieder da, meine Tochter? Lea (ihm und David die Hand reichend): Herr Veilchenblum will mich nicht behalten. V e i l ch e n b l u m: Me können Sie von Wollen reden, Fräulein Lea? Sie wissen doch, daß Sie uns allen willkommen waren jederzeit, daß meine Kinder vor Freude sprangen, wenn Sie uns besuchten. Nur jetzt gerade — die Zeiten sind sehr unsicher — man muß sich doppelt hüten, daß kein Verdacht auf einen fällt. Das bin ich meiner Familie schuldig. Wäre ich ein einzelner Mann, ohne Anhang, dann hätte ich gesagt: Bleiben Sie in Gottes Namen in meinem Hause, Fräulein Lea, so lange, wie es Ihnen gefällt, so wahr ich leb'. David: Mit einem Wort: Sie fürchten sich, Fräulein Lea Unterkunft zu gewähren. Veilchenblum: Fürchten? Sie fürchten sich, sonst hätten Sie Fräulein Lea nicht zu mir gebracht. David: Habe ich Ihnen nicht erklärt, daß sie am aller-. wenigsten hier bleiben kann, weil die Polizei nach ihr forschen wird? Bei Ihnen hätte sie niemand vermutet. Ihre Wohnung ist so verbaut und abgelegen, daß sie der Uneingeweihte gar nicht finden kann. Veil ch e n b l u m: Das sagen S i e. Lea (peinlich berührt): Meinetwegen der ganze Streit. Wäre ich doch gegangen! (Es klapst, Elias öffnet.) Elias: Der Herr Vorsteher? Was verschafft mir die seltene Ehre? V o r st e h e r Feldmann: Wir sind in Gefahr. — Sind Sie heute schon lausgewesen, Röb Krongold? E l i a s: Nein. Feldmann: Dann wissen Sie also noch nicht, daß der Schächter bewußtlos in seiner Wohnung liegt? Elias: Was sagen Sie? Dieser Riese von einem Menschen? Feld mann: Er ist von einem Stein getroffen worden, als er ahnungslos aus der Straße ging. Sie haben ja keine Ahnung, wie aufgeregt die Leute sind, seitdem sich das Gerücht verbreitet hat, daß wir die Deutschen bald hier haben werden; und wissen Sie, was man sagt? (Nahe an Elias tretend, mit.gedämpfter Stimme): Wir Juden sind an allem Unglück schuld, und — ist es wahr? Vorgestern soll das Fräulein einen Ausweisungsbefehl erhalten haben? Elias: Leider!. Feldmann: Bis wann sollte sie die Stadt verlassen haben?