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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1921-02-18 · Heft 4 (18.2.1921) · p. Seite 41

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
85 (1921)
Issue
Heft 4 (18.2.1921)
Date
1921-02-18
Page
Seite 41 (sequence 5)
Language
German
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41 südlichen Hauran hat Frankreich-, jenes des Gebiets vom Jordan bis zum Toten Meere England übernommen. Nun aber haben die Franzosen ihre Herrschaft in der Gegend von Damaskus und auf dem fruchtbaren Hochland im Osten des Jordans zu weit ausgedehnt, und die arabischen Scheiks wandten sich opponierend an den englischen Kommissar, Sir Herbert Samuel. Dieser kluge und gewandte Vermittler hat die Einladung angenommen und ist in Es-Salt und in Durbar von den verschiedenen Häuptlingen mit wahrem Enthusiasmus bewillkommnet worden. Sie erhielten denn auch die Versicherung, daß Frankreich in jenen Regionen nichts zu suchen habe und daß ihnen englische Offiziere in den verschiedenen Städten bei ihren lokalen Verwaltungen beistehen würden. Mit anderen Worten: es wurde ihnen eine autonome Verwaltung unter -englischer Oberhoheit zugestanden. Die nicht sehr weitsichtigen Scheiks sprachen ihre volle Befriedigung über das zweischneidige Geschenk aus. Selbstverständlich schaufelten sie sich daS Grab ihrer Freiheit unter den Grundprinzipien ihres Sittengesetzes. Die Rede Sir Samuels, eine politische Proklamation, wurde von den eingeborenen Führern, welche die einzigen Interpreten des nationalen Willens sind, ratifiziert, Sir Samuel, mit dem General Maid Pascha zur Seite, wurde von Durbar aus während seines ganzen Zuges von einer eingeborenen Ehrengavde begleitet. Man weiß, mit welcher politischen Weltanschauung die Engländer an die Beglückung der ihnen unterworfenen Völkerschaften gehen. Das neue Protektorat über die fruchtbarsten Gegenden Palästinas, über die Kornkammer des gelobten Landes, bedeutet nichts anderes — bei der bewährten geschickten englischen Organisation —, als daß sich Großbritannien einen Vorposten von ausschlaggebender Macht für künftige Kolonisationen geschaffen hat. Die arabisch-zionistische Staatsökonomie verhehlt sich dasnicht, und auch Italien wirst ein wachsames, wenn auch ohnmächtiges Auge aus diese Bestrebungen. Zu spät erheben die geistigen Führer Israels warnende Stimmen. „Soviel wir erfahren," steht in einer Wochenschrift zu lesen, „soll Palästina im Norden und Nordosten von: Laus des Jordans begrenzt werden. Entspricht dies der Wahrheit, so ist damit nichts mehr und nichts minder als der Tod des neuen Israels besiegelt. (?) Dies war die Region der natürlichen Brot- und Nahrungsmittelversorgung; reißt man daS Gebiet von Palästina los, so unterschreibt man das Todesurteil seiner Bevölkerung, um so mehr, als die Einwanderung rasch zunehmen dürfte. Wir formulieren also unseren Wunsch folgendermaßen: Die Regierung der Mandatarnation möge die Notwendigkeit, daß wir einen Landstrich für -unsere unerläßlichen Lebensbedingungen besitzen, beizeiten einsehen." Das den zionistischen Bestrebungen scheinbar so wohlwollend gegenüberstehende England wird für diesen Schmerzensschrei taube Ohren haben. Es wird dem Volke, das schon in der antiken Welt -eine Ausnahmestellung eingenommen hat, diese im Lande seiner Väter heute nicht gewähren. Auf dem Berge, von welchem Moses, der biblischen Tradition gemäß, zuerst die fruchtbaren Weiden des gelobten Landes erblickte, weht die englische Fahne und wirkt ihren Schatten aus die hebräischen Kolonien und die alten, von Eingeborenen bewohnten Dörfer. In ihren Beschwerden gegen die unerbittliche Polizei, welche einen eisernen Ring um Palästina geschlossen, gehen die arabischl-zionistischen Bestrebungen zusammen. Das Mißgeschick vereint die beiden Völker; auch einen sie sich in der festen Ueberzeugung, daß der Staat auf Religion gegründet sein muß. Im übrigengibt es in ihrer Denkart sehr wesentliche Unterschiede, die sich mir durchein kleines Erlebnis fest eingeprägt haben. In Syrakus traf ich — vor dem Kriege — jüdische und arabische Familien, die nach Jerusalem reisten. Ich unterhielt mich freundschaftlich mit den Leuten und wohnte dem Disput zwischen dem jüdischen Patriarchen und dem Haupt der Araber über den Wert der Sterndeuterei bei. Der Araber war Astrologe und glaubte, daß sich aus dem gestirnten Himmel Menschenschicksale herauslesen ließen; er berief sich auf die glänzende Zeit des Kalifats von Cordova, wo die Sterndeuterei als Wissenschaft betrieben worden sei. Der Jude antwortete mit einem biblischen Zitat, das ich später bei dem Propheten Jeremia wiedergefunden: „Ihr sollt nicht der Heiden Weise lernen und sollt euchnicht fürchten vor den Zeichen des Himmels, wie die Heiden sich fürchten." Jeder stieß mit Leidenschaft in sein- Horn und eine Verstimmung blieb zurück. Auch jetzt flutet ein Strom, vor allem gali,zisch-jüdischer Flüchtlinge, die am Jordan Hütten bauen wollen, durch Italien. Sie finden Schutz, freundliche Aufnahme und ein Entgegenkommen bei der Regierung und bei der Presse, die das Problem häufig unparteiisch erörtert. Molk Hellmrk. Ein Säkular-Denkmal. Vo-n Rabbiner Dr. D. L e i m d ö r f e r (Hamburg). (Fortsetzung.) ie Ben Sakkai in Jamn-ia die Erhaltung des Judentums durch die Schule in Angriff genommen, so schuf er infolge seiner Anregungen eine Hochschule, das große Bethamidrasch in der Tempelgasse, woselbst er und eine auserwählte Korona von Meistern der theologischen Disziplinen ein Lehrkathcder und zugleich eine reiche Bibliothek, Forschungs-, Lehr- und Hörerraum ins Dasein treten ließen für alle Lernbeflissene, groß und klein. Auf seine Anordnung und unter seiner Leitung lehrte der gelehrte Lektor I. H. Weiß, Verfasser des klassischen Werkes „Dor Dor W'dorschaw", Zur Geschichte der jüdischen Traditio n, den Talmud und die Dezisoren, Exeget Lektor Meier Friedmann Bibel und Midraschliteratur, der Religionsphilosoph Dr. A. Schmiedel, Rabbiner in Wien, die Religionsphilosophie, der Schriftsteller und „Neuzeit"- Nedakteur Simon Szanto historisch-kritische Prophetenexegese. Jellinek, später auch sein Kollege Dr. M. Güdeinann, zeitweise der Historiker G. Wolfs, R. Jonathan Wolf, dann auch Gäste wie Leopold Löw, Oberrabbiner in Szegedin, und Jellineks Schüler, wie der Schreiber dieser Zeilen, der Jellinek öfters vertrat, Dr. P. Frankel, Rabbiner in Berlin, Dr. Jul. David, Rabbiner in Preßburg, Rabbiner Dr. Gelbhaus und viele andere hielten religionswissenschaftliche Vorträge am Bethamidrasch. Außergewöhnlich war der Erfolg der Jellinekschen Vortragsarbeit, durchleuchtet vom Geiste der Gelehrsamkeit, auf den meisten Gebieten, insbesondere der bekannten und vielfach unbekannten alten und jüngeren handschriftlichen Midraschim, von denen er eine Kollektion von sechs Bänden „B e t h a m i d r a s ch", versehen mit historisch-kritischen Einleitungen, herausgab. Zwei der besten akademischen Vorträge aus der Lehrkanzel des Bethamidrasch widmete einst Jellinek dem Wirken Zacharias Frankels und A. Geigers, die leider bisher nicht veröffentlicht wurden, wenn ich nicht irre, auch nicht die über I. L. Rapaport und L. Zunz. Von den nahezu 120 edierten Schriften Jelliniks seien genannt: die „K o n t r e s s i m zur Bibliographie"; -die „Beiträge zur Kabbala und ihrer Geschichte,zurPchilosoPhieundMyst i k"; „N o s e t Z u f i m zur Rhetorik" von M a r s s e r

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