Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 85 (1921)
- Issue
- Heft 3 (4.2.1921)
- Date
- 1921-02-04
- Page
- Seite 3 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/3224737-3229482-3229485--76128-3288692- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
rung des Schulbesuchs u. a. nt.: Die Grundsätze und die bisher getroffenen Maßnahmen der Kommission wurden von der Versammlung gebilligt; auch wurde der Kommission das Vertrauen der Versammlung ausgesprochen. —, Berlin, 1. Februar. Im Beethoven-Saal sprach kürzlich ArnoN a b e l über „Shnagogale Musil". Nadel vertritt im Gegensatz zu anderen Fachkollegen die Meinung, .daß es durchaus eine spezifisch-jüdische Musik gibt, daß sie aber beim synagogalen Gottesdienst nur allzufelten in ihrer Reinheit noch gepflegt wird. Eine weniger charaktervolle Mischkunst ist in „Bearbeitungen" an ihre Stelle getreten. Er erkennt das Wesen echt jüdischer Musik — es gibt nur religiöse, keine weltliche — in der Inbrunst ihres Stimmungsgehältes, aber auch in äußeren Merkmalen. Zu diesen gehören die Uebereinstimmung mit dem Mletrum der Dichtung, ein .gewisser Parallelis'mus, die Mischform von Tonarten und Rhythmen. Dem sehr ausführlichen Vortrag folgten praktische Beispiele, ausgesü'hrt von Mitgliedern der Berliner Synagogalchöre und des Hauptkantors G ron ich unter Nabels Leitung. So bas „Kol nidre" in der Fassung Hirsch Weintraubs, so S-ülzers „B'rosch haschschono" für Männer- und gemischten Chor. Mehr modernen und heiteren Charakter hat Samuel Naumbourgs klangvolles „Etz chahim", das Rossini zugeeignet ist.. .Völlige Uebereinstimmung mit der Vokalkunst des 16. Jahrhunderts zeigt Salomone Rossts „Kaddisch". Einen Jnbegriss dessen, was ganz , auf nationale'Empfindung aestellter Synagogengesang ihm bedeutet, hat Arno Nadel in seinem „Hin'ni heoni mimaas" für Solo und Chor gegeben. Die dichtgedrängte Zuhörerschar lauschte gespannt und ergriffen und bankte dem Veranstalter des Konzertes durch * lebhaften Beifall. E. M. Berlin, 1. Februar. Eine G e d ä ch t n i s f e i -e r \ ü r I u Nus Fe n dje l, den Großpräfidenten des Unabhängigem Ordens Bne Brith und Begründer der ersten jüdischen Loge auf deutschen! Boden, fand aus Anlaß der Denksteinsetzung auf. dem Friedhose in Weißensee statt. Der feierliche Akt wurde durch eine Ansprache des Vizepräsidenten der Großto-ge,- Justizrat K u z nitzky , eingbleitet, der die Bedeutung Fenchels für die Entwicklung des Ordensgedankens in Deutschland feierte. Liturgische Gesänge sowie ein feierliches El-molerachamim-Gebet, das Oberkantor D a v i d s o h n vortrug, umrahmten die Feier, an der eine große Anzahl von Mitgliedern aller Berliner- Logen teilnahm. r. Bveslait, im Januar. Die Freie jüdische Volkshochschule hielt unter Vorsitz des Dr. Lewkowitz in der Lefsing-Loge ihre Mitgliederversammlung ab, in der zunächst vom Vorsitzenden der Jahresbericht erstattet wurde. Danach hat die Volkshochschule in ihren: zweiten und dritten Halbsemester 800 Hörer aufzuweisen, das ist nur ebensoviel wie im Jahre 1919 in ihrem ersten Halbsemester allein. > Ais Ursache ist anzu'sehen, daß die jüdischen Ingen,dvereinigungeueigene Kurse veranstaltet und damit ger>ade die Jugendder Volkshochschule entzogen haben. Um dem in Zukunft vorzubeugen,' ist ein Abkommen dahin getroffen werden, daß die Vereine die Tendenzausbildung übernehmen, der Volkshochschule hingegen die rein objektiven, unsfenschaftlichen Kurse' überlassen. Eine Neuwahl des Vorstandes war nicht erforderlich, da dieser auf drei Jahre gewählt ist; die Stelle des verstorbenen Professor Dr. Braun, dessen Dr. Lewtowitz mit besonders warmen Worten gedachte, 'soll zunächst unbesetzt bleiben. Aus dem Kassenbericht geht hervor, daß die Mitgliederbei'trüge (rund 8000 Mark) «die -gleichen geblieben sind, obwohl die Zahl der Mitglieder von 487 auf 542 gestiegen ist. Die Gesamteinnahmen betragen über 12 000 Mark, die Gesamtausgaben jedoch über 15 000 'Mark, so daß ein Fehlbetrag von 3000 Mark vorhanden ist. Um ihn herabzumindern, werden Kurse nur veranstaltet werb-en, falls sich Mindestens 30 bis 40 Hörer melden. Sollen di-e Kosten -gedeckt werden, so müßten für jedes Kolleg 70 Hörer vorhanden sein, jedoch soll durchaus nicht an den Kosten der Ausbildung gespart v>erden. — Der Versammlungvoran ging ein Vortrag des Professors Dr. Grotte über „Die Kunst der Ostjuden", in dem der Vortragende nachwi-es, -daß die im Mittelalter aus Deutschland vertriebenen und nach Polen ausgewanderten Juden dorthin außer Sprache und Kleidung, -auch die Kunst mitgenommen haben. Von der Pflege dieser Kunst im Getto legten zahlireiche Lichtbilder Zeugnis ab. und es wirdeine Aufgabe der Volkshochschule sein, das vorhandene Material zu samlneln und eine Grundlage zw schassen für eine echte jüdische Volkskunst, deren Vorhandensein überhaupt erst seit 15 Jahren bekannt ist. r. Breslau, im Januar. Das Jüdifch-theologische Seminar Fraenckelscher Stiftung, welches am Donnerstag, 27. Januar, vormittags 11 Uhr, im Anstaltsgebäude!, W allst raße 14, die Gedächtnisfeier für den Stifter, Kommerzienrat Jonas Fraenckel, zum 67. Male durch einen Festakt beging, mit welchem die Entlassungsfeier für den examinierten Rabbinatskandidaten Julius Greils'heimer verbunden war, versendet soeben seinen Jahresbericht für das Studienjahr 1920. Eingelcitet wird der Bericht durch die Gedächtnisrede, welche der Dozent Dri A, Lewkowitz auf den im Berichtsjahr bekanntlich dahingeschied-enen Professor Dr. Braun gehalten h-at, und darauf folgt eine -wissenschaftliche Arbeit des Dozenten Dr. I. He ine mann: „Di-e griechische Quelle der Weisheit Salomos". — Am Jahresschluß w ar .di-e Anstalt von 19 Hörern und -einem Gasthörer besucht. Um die-finanzielle Lage des Seminars sicherzu stellen,, wozu die Fonds der Fr-aenckelschen Stiftungen schon zu Frie-denszerten leider nicht ausreichten, trat zu Anfang des Krieges ein aus Breslau-er G-emeindenntgliedern aller religiösen Richtungen best-ehender Ausschuß zusammen, dem es >dur>ch Sammlungen gelang!, -den: Kur-aitorium 286 600 Mark (davon 100 000 Mark Beitragder Synagogengemeinde Breslau) zur Verfügung zu stellen. Die Mitglieder dieses S-amm-elausschusses gründeten, als infolge des Valutasturzes nach Kriegsfchluß -auch diese Mittel längst nicht ausreichten, am 24. Oktober 1920 den „Verein der Freunde des Jüdisch-theolo-gifchen Seminars", d-er bisher der Anstalt 232 265 Mark an einmaligen und 31 350 Mark an Jahresbeiträgenzuweisen konnte. Unter den ersteren b-efinde-t sich auch eine Spende von 100 000 Mark in Kriegsanleihe, die Herr Felix Perle in Breslcu unter der Bedingung gezeichnet hat, daß einer der vi-er Lehrstühle 'in Zukunft den Namen FÄlix-Pevt-e-Lehrstuhl führen soll. £2 Hannover, 28. Januar. Das K i n d e r e r h o l u n g s - heim der Zionloge aus Nordecney öffnet in diesem Jahre zum dritten Male seil beendeter Kriegszeil seine Pforten-, um in d-er Zeit vom Mai bis Oktober allmonatlich ca. 86 erholungsbedürftigen Kindern einen kräftigenden und frohen Aufenhalt an der Nordsee zu schaffen. Das Heim, in günstiger Nähe des Meeoe-s gelegen, -erfüllt mit seinen ne uz-ertlichen hygienischen Einrichtungen (1911 -erbaut), seinen luftigen, hellen, in schönen Farben gehaltenen Wohn- und Schlafräumen alle Bedingungen, die erforderlich sind, um unter der Leitu-vg pädagogisch geschulter Kräfte in famili-en'hafter Gruppierung die Pflege und Fördecun-g jedes -einzelnen Kindes zu gewährleisten. In Verbindung mit dem Kinderheim beabsichtigt di-e Zionloge — in einer benachbarten neuerworbenen kleinen Villa — eine Abteilung für 8 bis- 10 schulentlassene junge Mädchen inr Alter von 14 bis 18 Jahrenfür di-e Zeit vom 2. Mai bis Ende September anzugliedern. Mit 'dieser Erweileru-ng ih>res bisherigen Arbeits-gcbietes inacht d-ie Zionloge es sich zur Aufgabe, einerseits jungen' jüdischen Mädchen nach beendeter höherer Schulbildung -einen fünf- bis sechsmonatigen gesunden Aufenthalt an der Nordsee zu bieten und andererseits eine praktische und theoretische Einführung m Hausarbeiten und Kochen zu geben. Des weiteren, sind auch in Verbindung mit unferm Kindererholungsheim Unterweisungen in den einfachsten Formen der pflegerischen und erziehlichen Arbeit an Kindern beabsichtigt. Anmeldungen und Anfragen sind zu richtenan die Verwaltung des Kindererholungsheimes der Zionloge, Hannovec, Dheaterplatz 14. G. Heldenbergen, 28. Januar. Am 16. d. M. starb hier im Alter von 86 Jahren unser allgemein beliebter und geehrter Lehrer L. W e r t h e i m e r , der langjährige Vorsitzende und spätere Ehrenvorsitzende des Israelitischen Lehrervereins im Freistaat Hessen. lieber 56 Jahre war er in unserer Gemeinde tätig und hat mehrere Generationen herangebildet. Das Leichenbegängnis gestaltete sich zu einer gewaltigen Kundgebung der Verehrung und Dankbarkeit für den Entschlafenen. Dem Dank der Gemeinde gab der Nachfolger des Verstorbenen beredten Ausdruck; für die Ortsgemeinde -dankte der Bürge rlneister dem Heimgegangenen für seine erfolgreiche Tätigkeit im Interesse des religiösen Friedens, in gleichem Sinne sprachen zwei christliche Kollegen, während Lehrer Simon- (Darmstadt) dem Entschlafenen den Dank des Israelitischen Lehrervereins in die Ewigkeit nachrief. Frankfurt a. M., 28. Januar. Das Beruf samt für "Akademiker hat gemeinsam mit dem Städtischen- Berufsamt eine Vortragsreihe über d-ie Au-ssichten der akademischen Berufe veranstaltet. Am ersten Abend sprachen drei Theologen verschiedener Bekenntnisse über ihren besonderen Beruf. Als jüdischer Seelsorger sprach Rabbiner Dr. Horovitz. Die drei Geistlichen führten übereinstimmend aus, daß diese Berufe infolge des Kriegsver-