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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1921-02-04 · Heft 3 (4.2.1921) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
85 (1921)
Issue
Heft 3 (4.2.1921)
Date
1921-02-04
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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genannt worden, um, mit diesem. Worte das Programm -der Zentraliwohlfahrtsstelle zuzeichnen i-m der .leuchtenden Dreigestalt von Gerechtigkeit, Menschenliebe und Pflichttreue. — Euigen Caspary (Berlin), der den, Geschäftsbericht erstattete, gab m sei nen- Ausführungen zunächst eine kurze Geschichte der Zentralwohlfahirtsstelle. Bor ihrer Begründung Herr sichte das Chaos. Tausende von Vereinen uind Anstalten und Wohllfa.hrts-instituten, die tei'l'weisie gewaktige E i nzellei stung-en vollbrachten, ar beiteten zu,fam menhangljo>s nebeneinander. Ueber flüssige Neugründuingen und zerMitterte Aktionen kennzeichneten da-s Wohlsahrtswesen der deutfcheu Juden. . Die Zen- . tra lw,o h>l fahrtsstelle versuchte .au der Hand des dürftigen MateriäN, welches das Handbuch des D. I. G. B. bot, das Vorhandene feistzustellen, um als erste Aufgabe eine Auiskunfts- und Beratungsstelle emzurichten. An das junge Institut trat eine große Fülle von Anfragen, Wünschen und Anregungen, welche eingehend studiert und nach Möglichkeit gefördert wurden. Immerhin konnte die Grundlage geschaffen werden, die einen Ausbau und Ausbau und eine planmäßige Fortentwicklung der jüdischen- Wohlfährtspslege ermöglicht. — Dr. L e gat l (Berlin) beimerkte zum Geschäftsbericht daß bis zur Gründung der Zen.tratwohlfahrtsistelle jede Repräsienta-tion der vielseitigen jüdischen Wohlfahrtspflege fehlte. Heute erinö-gliicht es die Zentrailwohlsiahrtsstelle, an- -allen interkonfessionellen Wo-hlsahrtsaufgaben autoritativ mitzuarbeiten, wie z. B. bei der Austandshilfe, Kriegshinter Miefoe 11:nsürsorge, Kinderhilfe usw. Gegenwärtig beschäftigt sich die Zentralwohlfahrtsstelle gemeinsam mit anderen Organisationen in der Hauptsache mit der Vorbereitung der Begründung von .Heilstätten für jüdische Lungen- und Nervenheilkranke, der Schaffung von Heimen« für schwer erziehbare Kinder, einer Hilfsaktion kür das jüdische Kind und der jüdischen Studentenh-ilfe. Vieles von dem Angestrebten ist bereits erreicht; eine große Fülle von Problemen harrt noch ihrer Lösung in gemeinsamer Arbeit des deutschen Judentums. — Nach einem Vortrag von Justizrat Salomon (Berlin) werden die neuen Satznn'gen der Zentrallviohlfahrtsstelle genehmigt. Frau. Henriette May erstattet den Kassenbericht, der mit 31 539 Mark absichließt. Das neue Jahr mit seinen erweiterten Aufgaben wird den Etat auf etwa 100 000 Mark erhöhen. Die Zentralwohlfahrtsstelle erwartet, daß ihr dieser größere Betrag zur Erfüllung ihrer Wohlsahrtsausgaben von den angeschlossenen Organisationen zur Verfügung gestellt wird. — Nachdem an Stelle des von fernem Amte zurücktretenden Geheimrats Tnnendorfer Rechtsanwalt Dr. Georg B a u m, der Leiter des Wohlfahrts- Wesens der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, zum Vorsitzenden gewählt worden ist, sind die formalen Aufgaben der Tagung erledigt. — Berlin, 1. Februar. Jüdischen Lehrern, die ein über die Bedürfnisse des Elementarunterrichts hinausgehendes Wissen aus dem. Gebiete der Religionswissenschaften Nachweisen wollen, ist Gelegenheit geboten, vor einer vom Vorstand der Berliner Jüdischen Gemeinde eingesetzten Kommission durch Ablegung einer Prüfung den gewünschien Nachweis zu erbringen. Die Prüfung, die alljährlich im März und September stattsindet, erstreckt sich aus folgende Gebiete: Methodik, biblische Geschichte, Hebräisch, jüdische Geschichte, Religionslehre, Religion sphilosophie und Einleitungswissenschaft. Gesuche um Zulassung zur Prüfung sind zu richten: An den Schul- und Talmud- Torah-Vorstand der Jüdischen Gemeinde, Berlin N 24, Oranienburger Straße 29. Interessenten wird aus Ersuchen Abdruck des Prüsungsreglements verabfolgt. E. M. Berlin, im Januar. D i e G e s e l l s ch a s t zur Förderung der Wissenschaft des Judentums hielt im Logenhause ihre diesjährige Mitgliederversammlung ab. Professor Tr. Sob e r n h e i m leitete die Sitzung mit einer Gedächtnisrede für die verstorbenen Ausschußmitglieder ein, in der er besonders des verstorbenen Vorsitzenden, Professor Dr. Guttmann- (Breslau), Hermann Cohens und des Herausgebers der „Monatsschrift", Professor Dr. Braun, gedachte. Jur Verlause dieser Ansprache ging Professor Dr. Sobernheim aus die infolge des Krieges und des Friedensschlusses veränderte Stellung des deutschen Judentums ein. Er hofft, daß die Geistesarbeit der Judenheit Deutschlands dem Gesamtjudentum nützen und auch zur kulturellen Annäherung und Verständigung der einzelnen Länder beitragen wird. — Rabbiner Professor Dr. Bloch würdigte in einem anschließenden Vortrage den Lebensgang und die. wissenschasitliche Arbeit der Breslauer jüdischen Gelehrten Professor Dr. Guttmann und Dr. Braun. Der Vorsitzende erstattete dann den Bericht über die feit 1917 von der Gesellschaft herausgegebenen 2 Schriften. 'Bonder Germania Judaica .ist Band I erschienen. Das; Manuskript ,zum zweiten. Halbband ist bereits fertiggestellt. An Grundrißwerken sind ausgegeben worden: E. Mahler: Handbuch der jüdischen Chronologie; Hermann Cohen: Die Religion 'der Vernunft aus den Quellen -des Judentums; Georg Caro: Sozial- und Wirtschaftsgeschichte. her Juden im Mittelalter, Band II; ferner erschien N. Müller: Die Inschriften der jüdischen' Katakombe am Monte-Verde in Rom. — Die Monatsschrift der Gesellschaft ist regelmäßig erschienen. Infolge des Todes des Herausgebers macht sich die Notwendigkeit einer anderwerten Regelung geltend.' Ueber die Wahl'' eines Nachfolgers ist eine Beschlußfassung noch nicht erfolgt. Während ' des Krieges ist die Mitgliederzahl der Gesellschaft etwas zurückgegangen.; sie beginnt aber wieder sich zu heben. Die Gesellschaft zählt jetzt etwa 1200 Deutsche und 800 Ausländer zu ihren Mitgliedern. — Nach dem Geschäftsbericht wurde dem Schatzmeister die Entlastung erteilt. Die Eintragung der Gesellschaft in das Vereinsregister wurde beschlossen, die vorgeschlagene Satzungsänderung konnte wegen des geringen Besuches der Versammlungnicht erfolgen. Die bisherigen Mitglieder des Ausschusses und die Kaffenrevisoren wurden wieder gewählt; neu gewählt wurden- Rabbiner Dr. Freudenthal (Nürnberg) und Rabbiner Dr. Vogelstein (Breslau). — Von einem Mitgliede wurde die wertvolle Anregung gegeben, eine deutsche Bibelübersetzung heranszugeben, welche dem gegenwärtigen Stande der Bibelwissenschaft Rechnung trägt. Der Antragfand vielseitige Unterstützung. Als erster Schritt zur Verwirklichung dieses wünschenswerten Zieles sollen die Vertreter der größeren Gemeinden zu einer .Besprechung über die Aufbringung der für diesen Zweck erforderlichen?DJcitteI Zusammenberufen werden. Ein Dank des Vorsitzenden an die -Teilnehmer beschloß die Sitzung. W Berlin, 1. Februar. Am 22. v. M., abends 7 Uhr, fand im .Sitzungssaal, Rosenstraße 2—4, eine von der Vertrauensmännerkommission der Religionsle'hrkräst.e einberufene, sehr stark besuchte Versammlung aller Groß-Berliner Religionslehrkräfte statt, um zu der Kündigung der nichtfestangestellten Religionslehrkräfte durch die Gemeinde zum 1. April d. I. und zur beabsichtigten Zusammenlegung von Religionsschulen und -klaffen Stellung zu nehmen. Nach Erstattung des Berichtes durch die Vertrauensmännerkommission über die von ihr mit Vertretern des Schulvorstandes -geführten Verhandlungen entspann sich -eine längere ausführliche und oft sehr bewegte Debatte über die von der Kommission ausgearbeiteten Grundsätze, nach denen bei Zusammenlegungen von Schulen und Klassen die herabzumindernden Stunden aus die Gesamtheit -der Lehrkräfte verteilt und die Neuverteilung der verbleibenden Stunden vorgenommen werden soll. Aus der Aussprache ergab sich, daß der Ausfall von Stunden ein recht beträchtlicher sein wird, da an manchen Schulen infolge Rückgangs der Schülerzahl und Zusammenlegung der Knaben- und Müdchenklassen die Stundenzahl bis zur Hälfte vermindert wird. Als oberste Leitsätze für alle Maßnahmen werden allseitig anerkannt: a) das Wohl der Schule, b) der Schutz der wirtschaftlich Schwachen sind im Auge zu behalten. Gemäß diesen Leitsätzen sehen die aufgestellten Grundsätze den Abbau der Stunden der Religionslehrkräfte in der Reihenfolge vor, daß zunächst die Überstunden der Festangestellten (un-verheiratete, verheiratete Frauen, Oberllehrer, städtische und Ge me indes chu lleh rer und -lehrerinnen) und dann erst die der Nichtfestangestellten in angemessenem Verhältnis zueinander in Fortfall -kommen sollen, so daß zu hoffen steht, daß die für das Existenzminimum notwendige Stundenzahl der nichtfestangestellten Religionslehrkräfte nicht wird angetastet zu werden brauchen. Es wird besonders hervorgehoben, daß nicht ausschließlich Gesichtspunkte . der Wirtschaftlichkeit und Sparsamkeit für die Zusammenlegung von Schulen und Klassen maßgebend sein dürfen, sondern daß das ideale Moment, nämlich die Erhaltung der Religion durch einen vollwertigen Religionsunterricht, in keinem Augenblick aus den Augen gelassen werden dürfe, daß aber auch der soziale Gesichtspunkt volle Berücksichtigung finden müsse, wonach die hauptberuflich beschäftigten, bis jetzt noch, nicht festangestellten Religionslehrkräste in ihrem zur Existenz benötigten Mindesteinkommen zu schützen sind. Darüber hinaus erstreckte sich die Aussprache auf die Notwendigkeit der endlichen festen Anstellung der jahrelang bei der Gemeinde beschäftigten nichtfestangestellten 'Neligionslehrkräste, für die gemäß der früheren Zusage des G e m e i n d e v o r st a n d e s jährlich die Schaffung von vier neuen Schulstellen im Etat gefordert wird; ferner auf den Statuts für Allfrechterhaltung von Klassen, au-f!d-i>e Mittel zur Steige-

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