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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1921-02-04 · Heft 3 (4.2.1921) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
85 (1921)
Issue
Heft 3 (4.2.1921)
Date
1921-02-04
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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lustes nicht überfüllt und nicht aussichtslos sind, -doch könne man bei ihrer Ergreifung nicht Don einer -eigentlichen Berufswahl sprechen, da die Voraussetzung -des Seelsorgeramts eine starke Religiosität und das tiefe Gefühl innerer Berufung feien. Reichtum an irdischen Schätzen werde den Angehörigen dieser Berufe nicht zuteil; schwierig seischon immer die Lage der Rabbiner gewesen, weil diese keinen staatlichen Gchaltszuschuß erhalten. Jeder der 'drei Geistlichen hob mit begeisterten Worten das Ideal seines Berüfes und seiner Glaubensgemeinschaft hervor. Die Zusammenstellung dieser Verschiedenheiten bei. offensichtlich innerlich überzeugten Männern machte -auf die interessierte Versammlung einen liefen Eindruck. . . - — Mainz, 28. Januar. Ein kleiner K u l t u r k a m P f im benachbarten Ober-Ingelheim um die Besetzung einer Lehrer stelle ist in der hiesigen Gemeinde ausgebrochen. Im Gemeinderat stand die Frage der Anstellung eines israelitischen Lehrers zur Abstimmung. Der Schulvorstand hatte sich dagegen ausgesprochen, da nur zwei israelitische Kinder die Volksschule besuchen, während aus jeden der fünf evangelischen Lehrer je 56 evangelische Schüler, auf jeden der drei katholischen Lehrer 52 katholische Schüler und aus den freireligiösen Lehcer 28 freireligiöse Kinder kommen. Da keine der genannten drei Konfessionen auf eine ihr bisher zugestandene und innegehabte Lehrerstelle verzichten will, lehnte der Schulvorstand die Anstellung des israelitischen Lehrers Langstädter ab- Der Gemeinderat stimmte dagegen mit 12 gegen 5 Stimmen für die Anstellung des israelitischen' Lehrers. Die Entscheidung liegt jetzt bei der Schulbehörde. Von Sah und Fern. — Geheimer Regierungsrat Direktor Dr. Minden, der langjährige Vorsitzende der Repräsentantenversammlung der Berliner Jüdischen Gemeinde und Vorsitzender des Vorstandes der Berliner Reformgemeinde, ist nach mehr als 35jährigern, verdienstvollem Wirken von feine in Amte als Direktor des Berliner Pfandbriesamtes zurückgetreten. — Der Berliner Jurist Syndikus Dr. Salom-on Gold borg ist von der Staatsuniversität in Washington aus Grund seines Werkes über internationales Privatrecht zum Professor für Rechts- und Staats-Wissenschäften ernannt worden. — Das Jüdische A rbeit s amt hat im Einvernehmen mit der I ü d i s ch e n F r a u e n v e r e r n i g u n g im- Schlesischen Bahnhof eine Hilfsstation gegründ'et, mit dem Zwecke, die Durchwand derer zu empfangen und ihnen mit Informationen und anderer tätiger Hilfe an die Hand zu gehen. — Der Ritterguts- und Fideiko-mnntzbesitzer Dr> Phil. Paul Schottländer zu , Hartlieb bei Breslau ist zum Ehrenbürger der Breslauer Universität ernannt worden. Dr. Schottländer hat u. a. im Jahre 1911 eine Stiftung, von 250 000 Mark zum Zwecke der Heranbildung von Forschungsreisenden zugunsten aller männlichen Studierenden der Universität Breslau errichtet. — Aus Natibor wird uns berichtet: Am hiesigen Platze hat sich ein Komitee -gebildet, d-as sich mit der Aufgabe befaßt, nach« Ratibor und dem Kreise Ratibor kommenden indischen Abstimmungsberechtigten mit Rat und Tat, vor allem bezüglich Unterbringung!, zur Seite zu stehen. Es ist ferner beabsichtigt, eine rituelle Verpflegungsstelle einzurichten, wozu rechtzeitige Anmeldung erforderlich ist. Weitere Auskünfte erteilt der Vorstand der 'Synagogengemeinde Ratibor. — In einer Sitzung der Stadtverordnetenversammlung zu München hob der Demokrat, Stadtverordueter Weiß, hervor, daß das Judentum in München für Unterstützung,en und soziale Wohlfahrt große Opfer gebracht habe. Aber d-urch die maßlose Judenhetze in letzter Zeit seien diese Kreise verbittert worden und zeigen sich nicht mehr so opferwilligwie früher. Auch Stadtrat Rauch (Bayr. Vp.) bedauerte die Jirdenhetze, schien aber eine bestimmte Grenze ziehen zuwollen, wenigstens forderte er die „bodenständigen und o,rldnungsliiLbenden" Juden ans, zwischen sich, und „landfremden, au.frührerischen Elementen." einen Trennungsstrich zu ziehen. Die -alte Leier. Man konstruiert zweierlei Juden und kann an die einen Forderungen richten, auf die anderen schimpfen 'und beiden alles versagen. — Aus Heilbronn wird geschrieben: Der hiesige Oberfixchenvorsteher Louis! Reis feierte das Fest feines 70. Geburtstages. Namens des Israelitischen Krrchenvorstcheramtes überbrachte dessen Vorsitzender, Bezirksrabbiner Dr.. B.e e r man n, die Glückwünsche und vermittelte zugleich die Segensgrüße des' Talm'ud-Thora-V.ereins, -des Altersheims sind' des Wäi-stnhaufes. Aüch die staatlichen und städtischen, Hvgane ha-tten! 'de>Ä Jubilars gedacht. — Dasschweizerische V-olikswir-tschaftsdepartem.ent hat aus eine vom Zentralpräsidenten der deutschschweizerischen Tierschutzv-ereine betreffend die Schächtung von Schweizer Vieh in Ba-disch-Rheinfelden an ihn gerichtete Eingabe geantwortet, daß das mit der Handhabung des Ausfuhrverbotes für Rindvieh betraute eidgenössische Ernährungsamt sich aus eigenem Antrieb' heraus in Würdigung des gegenwärtigen Zustandes der Fleischversorgung entschlossen hatte, vom 1. Januar 1921 an keine Bewilligung mehr für die Ausfuhr von zum Schächten bestimmtem Schlachtvieh, zu verabfolgen.. — Die in Wienseit langem bestehenden 35 orthodoxen Vereine, haben sich zu einem Verbände zusawmengeWosien-, der den Namen Agudath Hachredim, „Verba-nd der gesetzestreuen Juden", in Wien führt und nicht zur Tren.nung.sorthodoxie gehört. — Die „Jüdische Zeitung'" in Wien hat nach 14jährigem Bestehen ihr- Erschieinen. eingestellt. — Aus Budapest wird gemeldet: Karl Horvath, ein Direktor des Vereins der erwachenden Magyaren, erstattete in der Vereinssitzung vom 7. Januar die Meldung, daß der Verein mit dem Deutschen Schutz- und Trutzbund in enge Mitwirkung' getreten ist. — Nach der kürzlich erschienenen .amtlichen. Statistik leben jetzt auf dem durch den Friedensvertrag vergrößerten Territorium' Rumäniens zirka 600 000 Juden, und zwar in Beßarabien 267 000, in der Bukowina 102 000, in Siebenbürgen 64 074, im Banat 14 529, in der Köröser Gegend 52 763 und in den Bezirken- Marmaros und Szatmar 93 396. — Jur Hasen von Gal-atz wurde ein He iw. für jüdiische Emigranten errichtet, das zahlreichen. Durchwanderern Unterkunft wird bieten können. Das hierzu, nötige Baumaterial wurde von zionistischer Seite gratis zur-Verfügung gestellt.— In derPlenarsitzuug des Komitees der jüdischen Delegationen in Paris wurde berichtet, daß die Stimmung unter 'den Völikerbundsmitgliedern ziemlich antisemitisch gewesen sei. Es soll dies an der gegen, die Juden häufig erhobenen Bes-chu'ldigung des Bolschewismus' gelegen haben und anderseits an der völligen Unwissenheit der meisten Mitglieder über das Judentum-, da die meisten -aus) solchen Ländern kamen, wo die Ju-denfrage bisher keine besondiere Rolle spielt. — In Bagdadstarbim Alter von 55 Jahmen' Rabbi Jacob ben Joseph C ha im, der Grandr-abbin von Mesopotamien. Der Verstorbene zählte. zu den Größten der Großen, im, Oriente und war allgemein -als Hüter und Wahrer des Thoralebens> in Mesopotamien hochgeschiätzt. Auch in der jüdischen Politik trat Rabbi Jacob, in den letzten Uebergangs-. jahren des öfteren segensvoll hervor. — Die von der Jüdischen Gesiellschast zur Erforschung Palästinas! -durch Dr. Slou tsch bei T-iberias unternommenen- Au.?Igrabu'ngen haben bereits Erfolge auszuwieisen. Es wurde eine Menge Gegenstände ausg-egraben, d-ie ein Licht aus das historische Tiberias der Talmudzeit werfen. — Der bekannte Falascha-Forscher Dr. Feitlowitsch ist im Aufträge des amerikanischen Joint nach Abessinien gereist, um den dortigen Juden Hilfe zu, bringen. Er hat reichlich Medikamente mit-gebracht und mit Hilfe eines aus Palästina' berufenen Arzteseine Klinik eingerichtet. Auch hebräische Literatur ist unter den Falaschas verteilt worden. — Au-?! New Port wird getn-eldet: .Die Bekämpfung -der antisemitischen Prop-aganda in Amerika, die von -dem bekannten' Automobilkönig Henri Fo.rd geleitet wird, wird energisch von der jüdischen Poesie und jüdischen- Persönlichkeiten geführt. Nach der glänzenden Abfuhr, die Rabbiner' Dr. Wise dem anti-semitischen Hetzer gab, ergriffen das Wort die Rabbiner Dr. Silber mann und Dr. Schulmann, die von der Kanzel aus die Grundlosigkeit und Boshaftigkeit der Fordschen Beschuldigungen erwiesen, die sich aus die zwei berüchtigten antisemitischen Pamphlete „Die Protokolle der Weilen von Zion" und „Die Unruhe der Welt" stützen, welche vom englischen Joint Foreign Committee als boshafte Mystifikation bewiesen werden. — Die amerikanischen „Churches o f Christ" gegen den A n t i fe m i t i s m-u> s. Die beratende Körperschaft der „Churches. of Christ", in welcher ca. 149 000 protestantische Kirchen mit 19 500 000 Mitgliedern vertreten sind, hat in ihrer alle vier Jahre stattfindenden beschließenden Sitzung in der Parc-Street- .Kirche eine Resolution -angenommen, in welcher sie die fortdauernden Angriffe gegen die Juden beklagt und das amerikanische Volk ermahnt, eine derartige schädliche Propaganda zu mißbilligen., deren Tendenz es ist, eine übelwollende Rasienteilung in das politische System Amerikas einzuführen._. Verantwortlicher Redakteur: Albert Aatz in Berlin-Pankow. Florastratze 58. Verantwortlich für den Anzeigenteil: Mar Zunge. BerlinKriedenau. Druck und Verlag von Rudolf Moste.

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