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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1921-02-04 · Heft 3 (4.2.1921) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
85 (1921)
Issue
Heft 3 (4.2.1921)
Date
1921-02-04
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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SS. Jahrgang. Nc-3 Der Gemetndevote. Berlin, 4. Februar 1921 Vellage zur „Allgemeinen Leitung deK Judentums". korrrspondmzrn und Sschrichten. Srutlchlsnd. E. M. Merlin, 1. Februar. Die erste Januar-Sitzung der RepräfentantenvevfammAung wurde von Geheimrat Dr. Minden mit herzlichen Wünschen zum bürgerlichen Neujah>rsseste eing-elleitet. Geheimrat Minden gedachte dann -mit.warmen Worten des Heim-ganges des Geheimen M-edizinalrats Professor Dr. Leopold Lun ba u, der sein eifriges jüdisches Interesse als Mitglied der Repräsentantenversammlung auch in den. Dienst der Jüdischen Gemeinde gestellt hatte, die seiner Initiative die Einrichtung der gynäkologischen Abteilung im Krankenhause verdankt. Besondere Verdienste erwarb sich der Heimgegangene als Vorsitzender der Akademie für die Wissenschaft des Judentums. Er hat die Schöpfung Hermanns Cohens mit hingebungsvollem Eifer gefördert. Der 80. Geburtstag Michael Holzrnans veranlaß te Geheim rat Minden, -die grasten Verdienste des greisen- Jubilars utn: das Schulwesen unserer Gemeinde hervorzuheben. — Die Wahlen zum Bureau der Versammlung, 'welche die Geschäftssitzung einleiten, haben folgendes Ergebnis: 1. Vorsitzender Geheimrat Dr. Minden; 2. Vorsitzender Adolf Lewinski; 3. Vorsitzender Dr. Alfred Klee;- -1. -Schriftführer Professor Dr.- Moritz Türk; 2. Schriftführer James Goldschmidt. Die Beratungen über den Entwurf der Satzungenfür die Gesamtorganisation der deutschen Juden werden durch ein Referat von Professor Dr. Türk eingeleitet. Professor Dr. Türk beklagt, daß die Vorgeschichte des Entwurfs wenig erfreulich ist. Das historische Anrecht des Gemeindebundes kann nicht zweifelhaft sein, obwohl alles Mögliche unternommen wurde, um ihm dieses Recht zu entreißen Der Ausschuß III hat den von der Gemeindedeputation vorbereiteten Satzungsentwurf, in der Hauptsache angenommen. Größere Meinungsverschiedenheiten entstanden bei der Besprechung des ZI. An Stelle der Worte „der gesamten jüdischen Interessen" wünscht der Vorstand die Worte „seine Interessen". Mit dem Vorstand sind die Mitglieder der liberalen Fraktion der Auffassung, daß die Fassung des Gemeindebundes den Rahmen der neuen Organisation zu weit steckt. Der Begriff der jüdischen Gesamtinteressen sei zu dehnbar', als daß die Organisation diese Ausgaben übernehmen könnte. Weiter wünscht der Vorstand die -Mitgliedschaft, welche nach dem Entwurf -des D. I. G. B. ,.Jüdische - Gemeinden, mit dem Rechte öffentlich-rechtlicher Körperschaften" besitzen können, ausdrücklich auf die zum Deutschen Reiche gehörigen Gemeinden zu beschränken. Der Ausschuß ist auch diesem Anträge beigetreten. . Aus praktischen Erwägungen wünscht der Ausschuß die Beibehaltungdes bisherigen, Namens des D. I. G. B. Persönlich bittet der Redner, die Satzungen so zu fassen, daß die Aufnahme jüdischer Gemeinden, in den abgetrennten bzw. besetzten Gebieten nicht ausgeschlossen wird. Amtsgerichtsrat Wolfs, der Vorstandsvertreter, bedauert, daß Professor Türk die pon anderen als dem D. I. G. B. geleisteten Vorarbeiten so gering einschätzt. Zu den einzelnen Punkten bemerkt der Redner, daß die Einschränkung auf die Interessen des deutschen Judentums unbedingt erforderlich ist. Ueber eine Intervention in allgemein-jüdischen Angelegenheiten müsse von Fall zu Fall beraten, keinesfalls dürfe die neue Organisation mit fremden Aufgaben belastet werden. Die Beschränkung auf deutsche Gemeinden fei durch die gesetzliche Grundlage vorbedingt. Als zweiter Vorstandsvertreter empfiehlt Dr. Freund die Annahme der Vorlage. Die formale Beschränkung aus die Interessen des deutschen Judentums solle keineswegs die Möglichkeit ausschilichen, auch außerdeutsche jüdische Fragen in dringenden Fällen zu behandeln. Dr. Klee äußert auf Grund der heutigen Verhandlungen Mißtrauen gegen die Bereitwilligkeit der neuen Organisation, sich für jüdische Gesamtinteressen einzusetzen, wenn schon heute auf die Formulierung des § 1 in ausschließlich deutschem Sinne dieser besonders große Wert gelegt wird. Dcksdeutsche Judentum hat auch schon früher an jüdischen Angelegenheiten außerhalb seiner Grenzen Anteil genommen, wie z. B. bei 'der- Mütbes,Huldigung von Damaskus und beim Berliner Kongreß von 1878. Auch beim Ausbau des jüdischen Palästinas wird die deutsche Judenheit kaum zurückstehen wollen, denn dieser Aufbau ist keine Parteisache, ihm gilt das Interesse aller Juden bis in die weitesten liberalen Kreise. M. A. Loeb begrüßt den Entwurf mit Befriedigung, trotzdem in manchen konservativen Kreisen das alte Mißtrauen noch nicht überwunden ist. Der Redner wünscht dem 8 1 die alte Fassung zu belassen und . glaubt, daß auch kein Liberaler die jüdischen Interessen auf die Grenzen Deutschlands beschränken will. Dr. Neu mann bedauert, sich den Ausführungen feiner, Fraktionsgenosfen nicht anschließen zu können, weil er befürchtet, daß die weiter gehende Fassung des' § 1 unliebsame Folgen! haben' könnte. Trotzdem dürste der neuen Organisation nichts Jüdisches fremd bleiben. Die Reichsverfassung gestattet den Religionsgesellschaften im Deutschen Reich den Zusammenschluß und gewährleistet ihnen innerhalb der geltenden Gesetze den Charakter als Körperschaften des öffentlichen Rechts. Aus diesem Grunde ist auch die Beschränkung auf deutsche Gemeinden selbstverständlich. Die vom Vorstand vorgeschlagene Fassung des § 1 würde das deutsche Judentum nicht zwingen, irgendein, jüdisches Interesse außer acht zu -lassen, weil diejenigen, denen es .zu,gute kommen soll, nicht dem Deutschen Reiche angehören. Der Gesamtentwurf darf aber keinesfalls an dem Streit um die Fassung scheitern. — Dr. Freund bedauert, daß der Formulierung des § 1 hier eine unangebrachte politisch,e Wichtigkeit beigemessen wird. Er gibt seiner Befriedigung über den starken Ve rsNndigungswi llen im deutschen Judentum Ausdruck un d rühmt die Mäßigung und Selbstlbescheidung, welche die Zionisten g>eü>bt haben. Da auch die Liberalen den konservativen Wünschen entgegengekommen sind, konnte das heutige Ergebnis erzielt werden. Direktor Dr. Gutmann möchte im § 1 die Möglichkeit gewahrt wissen, daß der Bund für die .gesamtjüdischen Interessen eintveten kann, wenn ein dringendes Bedürfnis hierfür Vvrliegt. Er bedauert, daß in dem die Zusammensietzuinlg des „Rates" regelnden § 20 eine Vertretung der Lehrerorganisation nicht vorgesehen ist. Auch die Lehrer und sonstigen Kultusbeamton haben Anspruch ,auf eine Vertretung iim Großen. Rat. Nachdem noch Gewerberat Plotke sich für den Vorstaudsantrag ausgesprochen hatte, erfolgt die Abstimmung, bei welcher mit 11 gegen 7 Stimmen die Abänderungsanträge des Vorstandes angeonmmen werden. Geheimrat Dr. M i n - den gibt feiner Befriedigung darüber Ausdruck, daß ein lang gehegter Wunsch weiter Kreise des deutschen Judentums nunmehr endlich der Erfüllung nahegebracht worden ist. E. M. Berlin, 1. Februar. Die Zentralwohlsahrtsstelle der deutschen Inden, der bereits mehr als 80 jüdische Gemeinden irr Deutschland sowie - die großen Organisationen des -deutschen Judentums an geschlossen sind, hielt am 24. und 25. Januar im Logenhaus in Berlin ihre erste große Wohlsahrtstagung. ab. Eine große Anzahl interessierter Delegierter und Gä>ste folgte den Verhandlungen. Referate von hohem sachlichen Werte leiteten die Diskussion ein, die für alle, die in der jüdischen Wohlsahrtspflege stehen. Bedeutungsvolles und Neues erbrachte. Aus Mangel an Ramm ist es« uns leider nicht möglich, diese Referate auch nur auszugsweise Wiede rzugeben. Geheimer Justizrat T i men do,r s er bot den Delegierten und Gästen, ei,neu herzlichen Willkommensgruß. Ter Endzweck aller Arbeit in der Zentralwohlsahrtsstelle ist die Eintracht des Judentums, der Sieg der edelsten menschlichen Regungen über alle persönlichen und religiösen Meinungsunterschiede. Die Zentralwohlfahrtsstelle stellt eine der vielen zu schassenden Einheitsfronten innerh,al'b des, Judentums dar. Das große Werk ist bisher durch Leinen Parteigeist und keine Eigensucht gehemmt worden. Möge es auch weiterhin feine ganze Kraft in* den Dienst des gesamten Judentums stellen können. Mit herzlichen Worten gedachte Geheimrat Dr. Timendorser der Heimgegangenen Mitarbeiter der Zentralwohlfahrtsstelle, deren Andenken in diesem Kreise lebendig, bleiben wird. Besondere Dankesworte widmete er dem Vorsitzenden des Arbeiterausschusses. Eugen Casparh (Berlin), der trotz der ungeheuren Fülle seiner Arbeiten in Diensten' der jüdischen Wohlfahrtspflege m den Arbeiten der Zentralwohlsahrtsstelle an leitender Stelle hingebungsvoll mitwirkt, und dem Geschäftsführer Dr. Segall, der ebenfalls unermüdlich-für die Institution gewirkt hat. Die neue Zeitschrift der Zentralwohlfahrtsstelle, die aus Anlaß der Tagung zuim ersten Male erscheint, ist „Zedakah"

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