Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 85 (1921)
- Issue
- Heft 3 (4.2.1921)
- Date
- 1921-02-04
- Page
- Seite 36 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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36 David: Komm, es ist hohe Zeit. — Wir werden durch die Küche über die Hintertreppe gehen. Der Mutter sage ich das Notwendigste, damit sie Vater aufklären kann. (Beide durch die Küchentür ab, die Bühne bleibt einige AM leer, dann tritt Sarah ans der Küche ein; sie deckt den Tisch für vier Personen, wobei sie ihre Arbeit durch grüblerisches Sinnen unterbricht.) Sarah (für sich in ärgerlichem Taue): Was habe ich denn da getan? David und- Lea essen doch heute nicht mit uns. (Nimmt Teller und die Eßbestecks wieder fort.) Ich must doch einmal sehen, wo Maruschka bleibt. So lange kann sie rm Schlafzimmer nicht zu schaffen haben. (Will in die Küche, als von draußen — also von der anderen Seite — Elias eintritt.) Elias: Gut Schabbes — nun? Sarah (zusanmienfahvend): Die Tür war doch verschlossen.' Ich selbst schloß sie zu, ehe ich die Lichte anzündete. — Aber David ist vorhin hier gewesen. Elias: So? — Konnte er nicht auf mich warten? — Und Lea? Sarah: Ich werde dir bald alles erzählen, einen Augenblick nur, ich will erst das Essen austragen. — Du wirst doch Hunger haben. — Maruschka ist nämlich nicht in der Küche. Seit einer halben Stunde steckt sie im Schlafzimmer. Elias: Unmöglich, ich. habe sie eben mit ihrem Freunde auf der Treppe getroffen, hier vor der hiakbosfenen Tür. Hattest du dich in diesem Zimmer mit Lea unterhalten? (Forts, folgt.) Litrrarjkche Mitteilungen. — Eugen Hoeflich: Feuer im Osten. Verlag E. P. Tal u. Co., Leipzig, Wien, Zürich. 1920. Man muß es Hoeflich lassen, -daß er in seinen Dichtungen einen Weg zu gehen weiß, der abseits von der Menge besondere Bahnen führt. Was Hoeflich in diesem Buche in hingestammelten Worten immer wieder zu predigen weiß, ist die Tatsache der Wesensverschiedenheit Europas und Asi ens; der Ruhelosigkeit des Westens, seinem ewigen Tätigkeits- und Orga-msationsdrang, stellt er tiv Ruhe des Ostens gegenüber. Er fuh.lt sich durchaus selbst als Asiat, und man hat nicht den Eindruck, daß er dies tut, um eine besondere Note in seine Schriften zu bringen, sondern daß diese Ueberzeugung aus seinem wirklichen Wesen quillt. Wir können nicht im einzelnen auf das gedankenreiche und mit eigenartigen Initialen von Cl-ijahu Rappaport ausgestattete Büichilein eingehen. Die Tatsachen, die es bringt, führt es nur so nebenbei an, aber aus ihnen geht hervor, wie verlogen auch unsere Kriegsliteratur über die Zustände im nahen Orient während des Krieges war. Unendlich viel Schatten fällt auf die Gestalt des „Teufels" Djemal Paschas, auf seine unerhörten Grausamkeiten gegen die Juden Jerusalems. Das Buch Eugen Hoeslichjs ist eine Ekstase; ihm ist die Liebe zum Lande der Väter, was sein Wesen durchaus erfüllt, ein anderer Gedanke hat daneben in ihm keinen Platz. Von solchen Menschen kann eine wirkliche Wiedergeburt des Landes ausgehen. Aber auch wer diesen Dingen innerlich fernsteht, wird -an dem rein Künstlerischen dieser Skizzensammlung seine Freude haben. Breslau. vr. W. C. * — Dr. Mos es Auerbach: Agudas Jisroel in Erez Jisroel, L. Sänger Verlag, Frankfurt a. M., 1920. Eine Auseinandersetzung mit der Auffassung dieses Buches müßte eine besondere Abhandlung werden, und dazu ist hier nicht der Raum. Nur so viel wollen wir sagen: Der Weg, den Auerbach in Palästina gehen will, wird von der großen Mehrzahl der Judenheit abgelehnt werden; es ist der Weg der Erstarrung. Wir können nicht, wenn unser Volk nach dem Lande der Väter heimkehrt, die Entwicklung von zwei Jahrtausenden ausschalten und dort wieder anfangen, wo die Weltgeschichte bei der Zerstörung Jerusalems stehengeblieben ist. Wir' können nicht die gesamte Wissenschaft unter dem Gesichtspunkt des Gottesgesetzes betrachten, denn das Wesen der Wissenschaft ist Voraussetzungslosigkeit. So ist dieser Weg der Wog, der zum geistigen Tode führt, nicht zum Leben. Niemand wird der Aguda geistig Gewalt antun wollen, aber ihre Pläne werden von der Gesamtheit der Judenheit sicher entschieden abgelehnt werden. W. C. — Georg Caro: Sozial- und Wirtschaftsgeschichte der Juden im Mittelalter und in der Neuzeit. Bd. H. Leipzig 1919. 8 °. XD und' 413 Seiten. - - Georg Caro, der hoffnungsvolle Züricher Historiker, starb injungen Jahren im Januar 1912. Der erste Band seiner wertvollen „Sozial- und Wirtschaftsgeschichte der Juden" war 1908 veröffentlicht worden. Der zweite blieb unvollendet, der Text lag bei seinem Tode in einer ersten Niederschrift vor; für die Anmerkungen war eine Fülle von Material gesammelt, -auf Zetteln' stenographisch niedergeschrieben!. Nun hat es die Witwe unternommen, wie einst Nahida Ruth Lazarus, ihrem Gatten in der Herausgabe des zweiten Bandes ein monumentum aere perennius zu setzen. Noch größer als beim zweiten Band der „Ethik" von Moritz Lazarus waren hier die Schwierigkeiten; handelte es sich doch hier um eine Fülle von Kleinarbeit, die unter großen Opfern geleistet werden mußte. Und doch ist das Ganze kein Torso geblieben.- Die soziale und wirtschaftliche Lage der Juden im späteren Mittelalter wird erschöpfend behandelt. Wir sehep, welche sozialen Momente zur Vertreibung der Juden aus England und Frankreich führten, wir lernen die Leidensgeschichte d.r deutschen Juden bis zum Schwarzen Tod verstehen und lassen die spanische Zeit bis 1391 i-m Fluge an uns vorüberziehen. Die nicht allzu zahlreichen Anmerkungen muten heute freilich schon veraltet an, weil die nach 1911 erschienene zahlreiche Literatur unberücksichtrgt geblieben ist. Ein wertvolles Namen- und Sachregister.erleichtert die Benutzung auch des ersten Bandes. Dank gebührt der Witwe des Verfassers, Dank auch der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums, die trotz aller Erschwerungen der Nachkriegszeit das Werk herausgegeben hat. Der „Grundriß der Gesamtwissenschaft des Judentums", zu dem dieses Werk gehört, sollte nach dem Plan der Gesellschaft 1910 in etwa 40 Werken abgeschlossen vorliegen. Bis 1920 sind nur etwa 10 Werke erschienen. Mögen dieser ersten nach dem Kriege veröffentlichten Arbeit weitere gediegene Werke folgen. Insterburg. Rabbiner Dr. -teufeld. Sprrchlaal. An die „Allgemeine Zeitung -des Judentums". Ich möchte Sie auf einen Mann namens Joseph R o s e n st e i n . aus Straßburg' aufmerksam machen, der sich als Chordirigent ausgibt, dort 14 Jahre gewirkt und jetzt wegen seiner deutschfreundlichen Gesinnung mit seiner Familie aus Straßburg ausgewiesen ist. Er führt ein Begleitschreiben von Oberkantor Heymann (Straßburg) unberechtigterweise bei sich und beutet so die verschiedenen Kassen aus. Kantor M. N ä k l e r (Kaiserslautern). * Sehr geehrter Herr Redakteur! Die Nummer 2 Ihres geschätzten Blattes vom 21. Januar enthält -unter „Don Nah und Fern" folgende Notiz: „Man schreibt uns: Die Mittel der Louis-und-Ph-ilippine-Liebermann-Stiftung, «die jährlich zu verteilen sind (je zur Hasste an christliche und jüdische Personen), betragen in diesem Jahre 1890 Mark. Nach, den Stiftnngsbestimm ungen sind 'daraus 12 christliche und 12 jüdische Personen zu berücksichtigen; danach, entfallen auf jeden 78,75 Mark. Die «Mittel sollen jährlich im November verteilt werden. Das war im abgelaufenen Jahr nicht möglich da auf Einreichung 'der üblichen Vorschläge der Armenkommission der Jüdischen Gemeinde gewartet wurde, die aber trotz.wiederholter Erinnerung auch bis. jetzt noch nicht eingegangen sind-. Warum wohl? Es gibt doch genug jüdische Arme, denen 78,75 Mark in dieser Zeit sehr willkommen wären!" . . . Vorstehende Angaben entsprechen nicht ganz den Tatsachen. Die Vorschläge der Arme-nkommisston sind durch die Post an das- Kuratorium der obengenannten Stiftung gesandt worden, dort aber nicht eingegangen, wie -erst nach 14 Tagen bei der Armenkommission bekannt geworden ist. Hieraus wurde eine Abschrift der Vorschlagsliste übersandt und die Verteilung hat, wenn au>ch mit einer Verspätung von einrgen Wochen, am 28. Dezember v. I. stattgefunden. Daß die Armenkommission der Jüdischen Gemeinde jederzeit darauf bedacht ist, Unerstützu-ngen, die für jüdische Bedürslige zur Verfügung stehen, diesen zmvenden zu lassen, versteht sich ganz von selbst. Charlottenburg,'23/ Januar. Nathan Cohn, Bureauvorsteher.