Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 85 (1921)
- Issue
- Heft 3 (4.2.1921)
- Date
- 1921-02-04
- Page
- Seite 34 (sequence 10)
- Language
- German
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Die Gesetzeslehrer in Judäa führten Men erbitterten' Kampf gegen den Hellenismus. Es war keine Antikulturströmung. vielmehr ein Kampf zweier Kulturen: der Kampf der einheimisch-jüdischen gegen die fremde griechische, in der die Gesetzeslehrer eine Gefahr für das Judentum erblickten. Sie ließen sich keine Gelegenheit entgehen, über das Griechentum das Verdammungsurteil zu sprechen. Wie die meisten Erzeugnisse von Hellas, galt ihnen auch das Theater als eine Giftpflanze, die dem Geiste des Judentums verhängnisvoll werden könnte. Sie stellten es daher als ein Satanswerk hin; sie warnten die Bevölkerung vor dem Besuch des Theaters. ..Der Aufenthalt der Spötter", nennt es ein Rabbi. Ein zweiter urteilt noch schärfer: „Wer das Theater besucht, macht sich des Götzendienstes schuldig." Der Midrasch Rabbah legt Noemi, der Schwiegermutter Ruths, den sonderbaren Ausspruch in dM Mund: „Es gehört nicht zu den - Gewohnheiten der Töchter Israels, die Theater zu besuchen." (Was die kluge Noemi aus Bethlehem wohl heute sagen würde!) Derselbe" Midrasch zu Genesis weiß uns sogar die amüsante . Geschichte zu erzählen, die Frau des Potiphar habe, um mit Josef allein zu bleiben, ihren Herrn Gemahl mitsamt dem Hausgesinde ins Theater geschickt, denn „es war gerade — ipsissima verba! — jom teatron, ein Theatertag" ... Es ist schwer zu. entscheiden, ob die Rabbinen wirklich der Ansicht waren, daß bereits zu Zeiten Josefs in Aegypten Theater wagen, oder ob sie mit dieser Anspielung dein griechischen Theaterwesen einen Seitenhieb versetzen wolltest. Zu aller- : Hand Betrachtungen gibt dieser merkwürdige Ausspruch reichlich Anlaß. Mit der Auflösung des zweiten Reiches und mit der daran sich knüpfenden Verbannung verschwindet die Frage, ob es ratsam für die Juden sei. ins Theater zu gehen oder nicht. Nunmehr hatten die Juden an viel Wichtigeres zu denken als am.das Theaterwesen oder an die Theaterbesuche. Das jüdische Theater lag in Trümmern; sie hatten es wahrscheinlich, noch bevor der Feind ins Land drang, selbst demoliert; sie hatten auch keinen Grund, ihm eine Träne nachzuweinen. Denn ein wirklich jüdisches Theater hat es in Judäa nie gegeben; es war bloß ein hellenisiertes, auf palästinensischen Boden verpflanztes Ünding. das wert war. daß es zugrunde ging. II. Die alten jüdischen Spiele. Ein regelrechtes jüdisches Theater hat es bis in das neunzehnte Jahrhundert nicht gegeben. In den jüdischen Geschichts- und Literaturbüchern ist nichts enthalten, was auf die Existenz einer jüdischen Bühne hinwiese. Die dürftigen Quellen, die etwas über diesen Gegenstand mitteilen, besagen nur, daß im dritten Jahrhundert nach, der Zerstörung Jerusalems unter den Juden eine völlige Entfremdung vom Theater eingetreten sei, und daß in den Zeiten der Geonim in Babylon alljährlich am Purimfest ein „Haman-Spiel" aufgeführt zu werden Pflegte, wobei Haman-Puppen auf einem Scheiterhaufen verbrannt wurden. Weder in Spanien, noch in Frankreich, noch in Italien hat es eine jüdische Bühne gegeben. 'Nur in Deutschland. wo die ersten Anfänge zur Schaffung einer jüdischdeutschen Literatur gemacht worden sind, entstanden anfangs des achtzehnten Jahrhunderts einige Komödien in jüdischdeutscher Mundart, 'die in mehreren Großstädten, wie in Frankfurt a. M., Hamburg usw.. zur Aufführung gelangten. Es waren zumeist Karnevalspossen. Hanswurstiaden. in denen Pickelhering die Hauptfigur bildete. Im Jahre 1710 erschien in Frankfurt a. M. ein Theaterstück -.Die Verkaufung Josefs", das einen gewissen Beermann aus Limburg als mutmaßlichen Verfasser nennt. Dieses Stück wurde von jüdischen Wanderstudenten. Bethhamidrasch- Bachurim, asts Hamburg und' Prag „mit außerordentlichem Aufwand von Dekorationen. Maschinerien und sonstigen szenischen Effekten" -aufgeführt. Mn „Achaschwerosch-Spiel" fiel'sogar einer strengen ..Theaterzensur" zum Opfer. Diese Theaterzenfur übte kein geringerer als der Vorstand der Frankfurter jüdischen Gemeinde: er untersagte die Aufführung und ließ die gedruckten Exemplare verbrennen. (AusMÄ'chen ' Gründen das geschah, ob aus religiösen oder Politischen, darüber schweigt sich die Gemeindechronik aus.) Dagegen wurde in Prag öfter die „Actio Ester mit Achaschwerösch" von den Schülern des berühmten Rabbi David Oppenheimer -.auf einem ordentlichen Theatrum mit Trompeten und andern Instrumenten" aufgeführt. Besonders zahlreich wären die zur Aufführung am Purimfest bestimmten -.Purimscherze", von denen die „Actio von König David und Goliath" und „Hamans Testament und Tod" die bekanntesten sind. . (Fortsetzung folgt.) ■" - Kogrom und Lrikg. Sch auspiel in fünf Akten. (2. Forts.) Von Meta O p e t - F u ß, (Breslau). AnMhrungsrccht Vorbehalten. ' ' Nachdruck verboten. o lizist (in schroffem Tone): Sind Sie selbiges Mädchen? Le a: Ich bin es. und ich gehe noch heute. Polizist: Ihr Name? Lea: Lea Kornblum. (Er notiert -es.) Polizist (zu David): Und Sie sind der Kaufmann Elias Kron-gold? David: Sein Sohn; mein Vater ist unschuldig. Ich habe das Fräulein in -unser Haus gebracht. Polizist (höhnisch -lachend): So. -so. ich verstehe. Diese Freude hat also jetzt ein Ende, junger Mann, oder — ich komme wieder. ' ' (Polizist ab. Die Tür bleibt anqelohnt, was weder David noch Lea beachten. Kurze Pause.) David: Wie hat es nur -die Polizei erfahren? - L e a: Diesen Mann habe ich schon einmal gesehen — doch in Zivil. — Laß mich einen Augenblick überlegen!'— Aber natürlich — in der Küche. Willst du wissen, wer -es ist? David: Nun? Lea: Der Liebhaber -von unserer Maruschka. Deine Mutter überraschte wiederholt beide in der Küche. Die Vertraulichkeit der beiden wurde ihr schließlich zu bunt, und gestern hat sie dem Mädchen gekündigt. . Davi d: Wasden heutigen' Vorfall zur Folge hatte. Lea: Ja, wer das vorausgefehen hätte! Wir wußten doch nicht, daß es ein Polizeibeamter ist. (Lea -schickt sich am, am>s- Klst-ehenumd das Z-imrmer zu vorlassen-.) ' Dav i d: Wo willst du hin? '*n ’ L e a: Auf mein Zimmer, packen.. - ' David: Du denkst doch nicht im Ernst -daran.'von uns zu gehen-?' Lea: Gewiß, -ein schlechter Dank wäre es. wenn ich bliebe. David: Niemals, niemals, was auch geschehe! Le a: Du willst also deine Eltern preisgobest? David: Die Eltern — Ich schütze — ach, ich vergaß — jetzt mußt -du es erfahren, — Ich wollte dich- und die Eltern nicht vorzeitig beunruhigen, — auch ich bin nur noch wenige Tage in dieser Stadt. Nächste Woche geht es in den Kampf cstgen ds-o. Deutschen. — Wer das geahnt hätte! In Deutsch-