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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1921-02-04 · Heft 3 (4.2.1921) · p. Seite 31

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
85 (1921)
Issue
Heft 3 (4.2.1921)
Date
1921-02-04
Page
Seite 31 (sequence 7)
Language
German
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die Würde in die Hände der Fürsten zurück, nachdem er eine - Anzahl von Privilegien für die Juden erlassen hatte. Diese Erzählung ist eine Sage, die sich b^ heute erhalten hat. Jetzt aber ist die Sage zur Wirklichkeit geworden. Ein Jude als Mzekönig wird in der Geschichte fortleben als ein lebendiger Beweis von der Begabung und Tüchtigkeit, die den Bekennern des Judentums innewohnen und die ihnen trotz aller Anfeindungen den Weg bis zu den höchsten Würden erschlossen haben. Die Laufbahn des neuen- Vizekönigs von Indien, der am 1. April d. I. sein Amt antreten wird, ist bereits kurz in der letzten Nummer skizziert worden. Sie ist merkwürdig genug und verdient ausführlicher erzählt zu werden. Der Vater des - jetzigen Vizekönigs war Joseph M. Jsaacs, der ein Obstgeschäft in London betrieb. Der Bruder seines Vaters war Sir Henry Jsaacs, der sich eines großen Ansehens -erfreute und 1889 bis 1890 Lordmayor von London war. Rufus Jsaacs trat, da er schwer in der Schule vorwärts kam, jung in das Geschäft seines Vaters. Er hielt dort nicht lange aus und wurde Schiffsjunge. Aber auchauf dcr See gefiel es ihm nicht, und nachdem -er nach London zurückgekehrt war, erlernte er das Bankgeschäft. Er kam zür Börse, ließ sich in Spekulationsgeschäfte ein-, verlor sein Geld und beschloß seine kaufmännische Laufbahn. Nunmehr ging Rufus Jsaacs zur Universität und studierte Jura. Hierin zeigte er von Anfang an eine hervorragende Begabung. Die Kenntnisse, die er als Kaufmann sich erworben hatte, kamen ihm sehr zustatten. Er wurde zum Gericht zugelassen und erhielt 1910 einen hohen Rang in der -englischen Justizverwaltung. Rufus Jsaacs wurde in die Regierung berufen «und wurde bald zum Knonanwalt -ernannt. Im Jahre 1913 erlangte er die höchste Würde in der englischen Gerichtsverwaltung. Er wurde zum obersten Richter befördert und bekleidete das Amt, das ungefähr unserem Justizminister gleicht, mit voller Anerkennung. Noch niemals hatte ein Jude in England vor Rufus Jsaacs dashohe Amt als' „Lord Chief Justice" innegehabt. Sir Rufus Jsaacs wurde 1904 vom Bezirk Reading ins Parlament gewählt. Der König von England ernannt.' Jsaacs für die schätzbaren Dienste, die er der Regierung geleistet hatte, zum Lord, mit dem Zusatz seines Wahlbezirks.- Lord Reading wurde während des Krieges mit den schwierigsten und verantwortlichsten Aufgaben betraut. Er entwarf nach Ausbruch des Krieges einen Plan, der Englands Finanzen sicherstellte. Als die Engländer einsahen, daß sie unbedingt Amerikas Hilfe brauchten, -um Deutschland zu besiegen, wurde Lord Reading dreimal nach Amerika gesandt. Wirwissen es leider zu gut, welch großen Erfolg Lord Reading in Amerika erzielt hat. Seit dem Eintritt Amerikas in den Weltkrieg war das Schicksal Deutschlands besiegelt. Nach diesem erfolgreichen Wirken Lord Readings wurde er nunmehr beauftragt, die Regierung in Indien zu übernehmen. Es ist dies eine -ehrenvolle, aber unstreitig eine sehr schwierige Mission. Viele Kreise der -englischen Gesellschaft waren 'erstaunt, daß Lord Reading sein hohes Amt in London aufgibt, um nach Indien zu gehen. Die Annahme seiner Berufung war um so fraglicherda Lord Reading bereits 61 Jahre alt ist. Seine Gattin, Alice geborene Cohen, ist seit Jahren leidend. Sie hat als Vizekönigin von Indien viele Repräsen-tationspflichten zu erfüllen. Aber über alle Bedenken siegte das ausgeprägte Pflichtgefühl des Lords und der Lädy Reading. Bei dieser Gelegenheit sei bemerkt, daß eine Schwester von ihr— Roste Cohen — mit dem -Bruder unseres berühmten Chirurgen Professor James Israel, dem Justizrar Israel, verheiratet ist. Sie lebten viele Jahre in Berlin und haben jetzt ihr Domizil in Wiesbaden. Dem Lord Reading wurden bei seiner Ernennung zum Vizekönig von den meisten und bedeutendsten englischen Zeitungen überaus anerkennende Artikel gewidmet. Die „Times" schrieben unter anderem: Der Vizekönig von Indien muß ein Mann von außergewöhnlich geistiger Befähigung fein und muß eine reiche Erfahrung haben. Diese Eigenschaften hat Lord Reading in hervorragendem Maße. — Er muß viel Taktgefühl und sympathisch herzliches - Entgegenkommen besitzen und muß eine große Menschenkenntnis haben. Er muß, wenn es notwendig ist, streng sein und darf nicht zögern und nicht zaudern bei seinen Entscheidungen. Er muß stets auf dem Posten sein und muß es verstehen, seine Autorität zu wahren und seine Meinung entschieden zum Ausdruck zu bringen. Wer -ist hierfür besser geeignet — so fragen die „Times" — als Lord Rcading?' Trotzdem haben sich auch in England Neid und Mißgunst bei dem großen- Erfolge des Juden Jsaacs an die Oberfläche gewagt. Die „Morning Post", die schon öfters antisemitische Tendenzen zum Ausdruck brachte, eiferte wütend gegen die Ernennung des Lords Reading, weil er Jude ist. Sie beklagte sich in scharfen Worten über den zunehmenden Einfluß der Juden in der Verwaltung und erklärte, -daß die Moslems in Indien sehr unzufrieden sein würden, wenn sie einen Juden zum Vize-könig erhalten. Die „Morning Post" erinnert an den Marconi-Skandäl, in den sowohl Sir Rufus Jsaacs als auch Lloyd George verwickelt waren. Der Untersuchungsausschuß des Parlaments erklärte aber zur Zeit, daß beide in gutem Glauben gehandelt haben, als sie die Marconi- Aktien kauften. Von der Beschuldigung blieb nichts an ihnen haften. Der „Manchester Guardian" gibt der „Morning Post" eine treffende Antwort. Er schreibt: Die einzige Frage ist, ob Lord Reading in irgendeiner Weise, und weil er Jude ist, unfähig sei, Vizekönig zu wevd-M. Das ist entschieden nicht der Fall. : Wenn aber die „Morning Post" glaubt, daß die Moslems es nicht -gern sehen würden, wennein Jude Vizekönig wird, so ist unsere Meinung, daß die Moslems sich ihren Kops nicht darüber zerbrechen werden, ob der Vizekönig ein Jude ist oder nicht. Montagu, der indische Finanzminister, ist auch Jude und die Inder sind sehr mit ihm zufrieden. Der gebildete Inder wird eine hohe Meinung Haben von dem Lande, in dam ein Jude einen solch hohen Rang erreichen kann. Von den anderen Indern werden sicher nur wenige wissen, ob der. Vizekönig ein Jude ist oder nicht, und wenn sie es wissenwerden sie sich nicht weiter darum kümmern. Lord Reading-wird zweifellos auch in Indien seine Tüchtigkeit zeigen und er wird sein hohes Amt mit dem Pflichtbewußtsein, das ihn -bisher in allen seinen Stellungen ausgezeichnet hat, ausfüll-en. Er. wird auch in Zukunft beweisen, daß er ein guter Staatsbürger und ein treuer Jude zu gleicher Zeit ist. Wie er eine Zierde seines Standes ist, so ist er gleichzeitig ein Stolz für das gesamte Judentum. Molk tjdlindt Ein S ä k u lar - D e n k m a l. Von Rabbiner Dr. D. L e i in d ö r f e r (Hamburg), rößer als mein Lehrer ist unser Lehrer und größer als dieser ist sein Name." Dieses Talmudlob darf üüserem gewaltigen genialen Meister gelten, dessen 100. Geburtstag — 26. Juni 1921 — naht. Der größte Wortführer der Wiener Jsraelgemeinde, mein Nnsterblicher Lehrer, dessen Hochschule Bet ha-Midr-asch ü-Nd noch mehr dessen Studierzimmer meine theologische Alm& hewesen, Oberr-abbin-er Dr. A d o l f J e l l i n e k -hochseligen

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