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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1921-01-21 · Heft 2 (21.1.1921) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
85 (1921)
Issue
Heft 2 (21.1.1921)
Date
1921-01-21
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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3 r. Bveslau, 14. Januar. Am 9. d. M. 'beging die Gesellschaft der Freunde -in Breslau die Feier ihres 100jährigen Bestehens. Die Gründung erfolgte im Jahre 1821 durch zloei angesehene Bveslauer Bürger, den jungen Gelehrten Henry Mebsord und den Kaufmann Joel Bernard. Die großzügigen Wlohlltätigikeitsiwerke der Vereinigung, die jetzt über 650 Mitglieder zählt, sind bekannt. Die geselligen Veranstaltungen, die seit 1877 im dem eigenen Gefellschaftshaus in lder Neuen. Graupen-str-aße stattfinden, die musikalischen wie die literarischen, haben in Breslau stets einen guten Klang gehabt. Zahlreiche wertvolle literarische Gaden 'der Ntitglieider ■— wir nennen von den Verstorbenen nur u. a. die vielen Breslauern noch in Erinnerung stehenden Dr. S. Meyer, Dr. Honigmann, Dr. Wollheim (Verfasser des bekannten Studeutenliede-s: „Sind wir nicht zur Herrlichkeit geboren"), Richard Lobethal, Heinrich Blumberg, Dr. Franz Treuenfels — sind weitesten Kreisen 'bekannt geworden. Aus Anlaß der Stiftungsfeier haben die Schiristführer -der Gesellschaft, Sanitätsrat Dr. Richard Kayser und Rechtsanwalt Dr. Georg Tarnowski, eine Feftschirift, enthaltend die Geschichte' der Gesellschaft mit «einer Titelvignette ihres Mitgliedes Siegfried Laboschin — herausgegeben, die einen wertvollen Beitrag zur Geschichte der Stadt Breslau darstellt. Die Feier -wurdie am Sonntag vormittag durch einen Festakt im Ges-ellschaftshaus eingelettet. Umrahmt von dem «großen Hallelujla und dem 23. Psalm „Gott ist mein Hirt", ausgesührt von 'dem Frauem chor der Gesellschaft, hielt der derzeitige erste Direktor, Justizrat Bielschowskh, -die Festrede; lebende Bilder -aus der 'Geschichte der Gesellschaft mit verbindendem Text von Karl Biberfeld folgten. Der Wend vereinte oa. 400 Mitglieder in den festlich geschmückten Räumen, ein großer Ball wird die Reihe der geselligen Veranstaltungen beschließen. Anläßlich des Ehrentages der Gesellschaft ist ihren Stipendiaten eine besondere Jubiläumsspende überreicht worden., und die Herren Max Oettinger, Salo Sackur, der greise Vorsitzende des Vorstandes der Syna-gogenigemein.de, Eduard- Sachs uud Geheimer Sanitätsrat Dr. Karl Reich wurden zu Ehrenmitgliedern ernannt. EXv Bingen a. Rhein, im Januar. Auch am hiesigen Orte ist nrit Erfolg der neue Weg beschnitten worden, die andersgläubigen Mitbürger «durch einen Vortr-a-g über. Juden und Judentum auszuklären. Aus -eine Einladung des hiesigen' Geschichts- und Altertums- Vereins hin hiebt Herr Rabbiner Di:. A p p-e l ans Bingen unter starkem Beifall einen Bo'r'trag über die Geschichte der Juden an: Rhein vor -einer zah'lr-eich erfchiienen-en interkonfessionellen Zuhörerschaft. Der Redner beleuch'tete vor allem die Stellung, der Juden am Rhein vor und nach 'den Kreuzzügen in sozialer und wirtschaftlicher Hinsicht un>d schilderte mit beredten Worten das rege jüdische Geistesleben in Mainz und Worms, um miit einer D-ar-stelbung des religiösen Gemeindelebens zu schließen. Der Vorsitzende des Ver-eins, Herr Professor C o m o, -gab« dem Dank des Vereins leinen herzlichen Ausdruck und begrüßte «aufs freudigste di-e Möglichk-ei't, durch solche Vorträge das gegenseitige Verständnis sür ibie geschichtliche und kulturelle Eigenart der -einzelnen Konfessionen zu fördern. Sfi Gietzerr, 14. Januar. Die Ortsgruppe Gießen des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten trat zum ersten Male mit einen: Vortragsabend an die Öffentlichkeit. Herr Rabbiner Dr. Dienema-nn (Offenbach) sprach über das Thema: „Die deutschen Juden nach dem Kriege." In begeisterten und von hohem sittlichen Ernste getragenen Worten schilderte er die gegenwärtige Lage der deutschen Juden und sprach von deren Rechten, aber auch von ihren Pflichten. Seine Ausführungen wurden von dem zahlreich erschienenen Publikum mit großem Beifall ansgenommen. An der Aussprache beteiligte sich außer den Vertretern der beiden hiesigen jüdischen Verbindungen und einigen anderen Herren auch Herr Rabbiner Dr. Sander. Mit dem Danke an den Herrn Referenten und an die Diskussionsredner schloß der Vorsitzende, Herr Lehrer Otto Grünebaum, die Versammlung. — Die Ortsgruppe darf mit Genugtuung auf den ersten öffentlichen Abend zurückblicken. Lähmen. z. Prag, 14. Januar. A u f dl e m u r a l t e n Pr a g e r Friedhof fand die Beisetzung der bei den letzten Unruhen zerstörten Thorarollen statt. Nach der rituellen Vorschrift sollen unbrauchbar gewordene Teile der Thora „für ewige Zeiten" erhalten bleiben. Deshalb wurde das Grab zementiert. Auf diesen Zementboden wurde die Betonrolle mit den Pergamentresten gelegt, über der wieder eine Zementdecke errichtet wurde, so daß das Eindringen von Feuchtigkeit unmöglich wird. Altem Gebrauch gemäß erfolgt di-e Beisetzung solcher gottesdienstlicher Gegenstände in der Nähe des Grabes eines besonders Frommen. Di-e jetzige Bestattung von Reliquien ist nicht die erste, die nach Prager Sturmtag-en vorgenommen wird. Allerdings sind seit dem letzten Begräbnisse dieser Art auf demselben Friedhöfe 532 Jahre vergangen. Im Jahre 1389 drang der Pöbel in die Prager Judenstadt -ein und verwüstete u. a. Synagogen und die Gräber des schon damals alten Judenfriedhofes in der Nähe der Altn-eusynagoge. Damals fand eine analoge Beerdigung wie die derzeitige hier statt. Ein Zeitgenosse, Rabbi Abigdor Karo, schildert diese Ausschreitungen in einer hebräischen Elegie, die noch heute -in Prag als Bußgebet am Verföhnungstage vorgetragen wird. Eine Feuersbrunst nach der Schlacht vernichtete im Ghetto gleichfalls Devotionalien, die hier beerdigt wurden, doch sindüber Datum und Art keine genaueren Daten erhalten. Das letzte Begräbnis eines Menschen fand aus diesem Friedhofe im Jahre 1791 statt. Das 'ist nach israelitischer Zeitrechnung im Jahre 5551, in Worten ausgedrückt „Tekuma"; dieses Wort aber, das auf dem letzten Grabstein. steht, bedeutet Auferstehung. Aber schon lange vorher hatte der Friedhof den Anforderungen nicht mehr genügt, und um den verfügbaren Platz nicht auf einmal auszubrauchen, hatte man während der Pest von 1680 nicht weniger als 3000 Leichen, im Jahre 1714 aber 3300 Pestleichen auf dem gleichfalls bereits ausgelassenen Friedhof Zizkow in die Erde gesenkt, der 1787 allgemeine Begräbnisstätte der Prager Juden und erst 1885 ausgelassen wurde. Die letzte Totenfeier sah! der Friedhof im Ghetto vor etwa dreißig Jahren, als man für eine Riesenzahl der Gebeine Exhumierter und für den Bau des Kunstgewerbemuseums Raum -schassen mußte, den unfehlbar weise Stadtväter ausgerechnet auf dem Platz aufgerichtet sehen wollten, dessen bizarre Schönheit und Sag-ensülle die Fremden aller Länder und Religionen angelockt und der von Dichtern der romantischen Schule in Deutschland in den nordischen Staaten und sogar in Italien zum Schauplatz von Novellen und Gedichten verwendet worden war. Angsrn. Z. Budapest, :m Januar. Wie das Organ des ungarischen Judentums „Egyenlöseig," berichtet, hat -die Peste-r Israeli tische Religionsgemeinde beschlossen, eine Deputation nach Amerika zu entsendery die die Aufmerksamkeit unserer amerikanischen Gl-aubensbrüder a.us die schwierige materielle Lage des jüdischen Mittelstandes, der Religio-nsgemeinde und ihrer Wohlsah-rtsinstitutionen lenken soll. Die Deliegation dürfte am 15. Januar ihre Reise antreten, und die Gemeinde hofft, bei den amerikanischen- Glaubensbrüdern und« Landsleuten ungarischen Ursprungs auf das entsprechende Verständnis zu stoßen. Sie hofft, jenseits »des Ozeans die unerläßlichen materiellen Mittel zur Aufrechterhaltung und Forten,twickelung ihrer unter den heutigen Verhältnissen unentbehrlichen Woh-lfahrts- und kulturellen Institutionen aufbringen zu können. Die Not ist groß, die Schar der Hilfsbedürftigen wächst von Tag zu Tag — und die hauptstädtische Judenschaft ist heute kaum mehr in der Lage, allen Anforderungen gerecht zu werden. Es gilt also, dieser größten- Gemeinde Ungarns, die in der Vergangenheit auch den Glaubensbrüdern des Auslandes mustergültig voran geleuchtet hat, hilfreich! beizustehen und dadurch auchdem ungarischen Judentum selbst die ethische und moralische Kraftquelle zu erhalten. Unsere Brüder jenseits des Ozeans werden diesen Appell sicherlich beherzigen. — lieber die Ungarn in Bridigep-ort veröffentlicht die Revue „Külsöldi Magyar sag" („Ungartum im Ausland") einen Artikel. „Wir Ungarn haben keinen Grund, uns zu schämen" — schreibt das genannte Blatt —, „ja, -das Bewußtsein, daß der Ungar nicht nur seinen Mann stellt, sondern -auch> überall unter den ersten steh,t, -darf uns mit Stolz -erfüllen. Das schönste Beispiel hierfür bietet die großartige Geltendmachung der Bridgeporter Ungarn." Und wer sind die Ungarn, auf die das Blatt sich mit solchem Stolz beruft? Julius Fleischer, der eine große Sodafabrit h-at, Michael Roth«, -der Eigentümer einer großartigen ungarischen Brotfabrik, der Ntöbelengrofsist Samuel Breiner, Präsident des Klubs Ungarischer Geschäftsleute, der berühmte Samenhändler Josef Breiner, Berthold Krauß, der Porträtmaler Geza Fischer und schließlich Ignatz Adler, der Mäzen der ungarischen Kunst, der ein Schloß -erworben hat, dessen Wände ungarische Bilder, ungarische Stickereien, ungarische Statuen zieren und der die schönste ungarische Privatbibliothek besitzt. — „EghenlösHg" fügt diesem Artikel hinzu: „Fleischer, Breiner, Fischer,

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