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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1921-01-21 · Heft 2 (21.1.1921) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
85 (1921)
Issue
Heft 2 (21.1.1921)
Date
1921-01-21
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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' S '-- ' V—■ 4 Ad'lier, Krauß, Roth . . . ist das nicht sonderbar? Wären sie zu Hause geblieben, so. lautete ihr Name heute destruktives und unverlässiges fremdes Element. Weil sie aber nicht zu Hause geblieben sind, sind sie. zu. wackeren Ungarn avanciert, an die-das Vatervand mit Stolz denkt." — Ein junger ungarischer Student namens Theodor Koppänyi hat nach Berichten der Wiener Blätter in der Jahresversammlungder Oesterreichischen Biologischen Gesellschaft einen Vortrag gehalten, wie die Sehnerven Erblindeter in die fremden Körpern entliehenen Seh-apparate eingeschaltet werden können, und hat gleichzeitig die Resultate seiner Versuche demonstriert. Ernste Gelehrte hörten den Vortrag des erst neunzehnjährigen jungen Mannes mit gescannter Aufmerksamkeit an und erklärten, Koppänyi werde, wenn die Versuche seine Angaben bestätigen sollten, mit den größten Wohltätern der Menschheit, mit Pasteur, Semmelweis, Metschnikow in einer Reihe genannt werden. Der „Pester Lloyd" sägt dieser Mitteilung Zu: „Koppänyi ist in Ungarn im Zalaer Komitate geboren und war zwei Jahre lang Hörer der medizinischen Fakultät in Budapest. Als. er sich im verflossenen Herbst neuerdings zur Jn'strilbierung meldete, wurde der neunzehnjährige Jüngling trotz der Empfehlung hervorragender Professoren mit der Begründung, zurückgelviesen — daß er Jude sei. Vergeblich führte er an, daß feine Rechte, die er früher als Hörer erworben, durch den Numerus clausus nicht hinfällig geworden seien lind daß er bereits vor fünf Jahren Christ geworden sei, und zwar wäre eben ein Universitätsprofeffor sein Pate. Er erhielt die Antwort, das wäre nur um so schlimmer. So blieb chm denn nichts anderes übrig, als nach Wien zu wandern, wo es ihm schon nach wenigen Monaten -gelang, der festlichen Jahresversammlung der Oesterreichischen Biologischen Gesellschaft die Resultate seiner Forschungen vorzusühren." Und eine ungarische Zeitschrift, „Magyar Helikon", schreibt: „Sollen wir vielleicht behaupten, der Hinauswurf Theodor Koppänyis aus der Budapester Universität beruhe möMcherweise auf einem Irrtum? Allerdings, solche Jrrtümer ereignen sich öfter." Von Iah und Fern. — Die Freie jüdische Volkshochschule eröffnete das siebente Trimester (Winter 1921) am Montag, 17. Januar, mit folgenden Vorlesungen: M. Abraham: Ausgewählte leichte Gebete und Psalmen. Dr. Bl eich rode: Talmudlektüre. Dr. Cohn- Wiener : Blütezeiten jüdischer Kunst. Oberkantor Davidsohn: Der Festgottesdienst und seine Melodien. Dr. Freund: Zur Psychologie und Geschichte des Antisemitismus in Deutschland. Dr. Gregorius Jtelson: Spinoza, sein Leben und seine Lehre. F. M. Kaufmann: Grundlagen der ostjüdischen Volkskultur. Dr. Emil Levy: Altbiblische Kultur im modernen Palästina. Dr. L e w k o w i tz : Der Wahrheitsgehalt des Judentums. Dr. Arthur Spanier: Geschichte des Midrasch. Dr. F. T h e i l h a b e r : Sozialhygiene der Juden. E. Toeplitz: Führungen durch Stätten jüdischer Kunst. Dr. Warschauer: Einführung ins Hebräische. Frau S. Wronsky: Der soziale Gedanke in den Werken neuer jüdischer Dichter. — In einer von Herrn Rabbiner Dr. Arthur Rosenthal einberufenen konstituierenden Versammlung wurde Montag, 10. Januar, ein „Jüdischer Jugendbund Norden" gegründet. Zweck des Vereins ist der Zusammenschluß der jüdischen Jugend des Nordens. Es sind Arbeitskurse eingerichtet, in denen die verschiedensten Gebiete jüdischen Wissens behandelt werden. — Man schreibt uns: Die Mittel der Louis-und-Philippine-Liebermann-Stiftung, die jährlich Zu verteilen sind (je zur Hälfte an christliche und jüdische Personen), betragen in diesem Jahre 1890 Mark. Nach der Stiftungsbestimmung sind daraus 12 christliche und 12 jüdische Personen zu berücksichtigen; danach entfallen auf jede 78,75 Mark. Die Mittel sollen jährlich im November verteilt werden. Das war .im abgelaufenen Jahr nicht möglich, da auf Einreichung der üblichen Vorschläge der Armenkommission der Jüdischen Gemeinde gewartet wurde, die aber trotz wiederholter Erinnerung auch bis jetzt noch nicht eingegangen sind. Warum wohl? Es gibt doch genug jüdische Arme, denen 78,75 Mark in dieser Zeit sehr willkommen wären ... — Herr Ignatz Nacher, Direktor der Engelhardtschen Brauerei in Pankow, hat aus Anlaß seiner silbernen Hochzeit für das Zweite Waisenhaus der Berliner Jüdischen Gemeinde eine Jgnatz- und- Olga- Nacher - Stiftung in Höhe von 100 000 Ntark errichtet. — In der Reltigionsgemernschaft Agudath Achim 31t Pankow hielt der aus Strasburg i. Westpr. nach Berlin übergesiedelte Rabbiner Dr. P i ck einen mit lebhaftem Beifall ausgenommenen Vortrag über das Thema: Das Humanitätsideal des Judentums. — Auf dem Prenzlauer jüdischen Friedhofe wurde für die aus der dortigen jüdischen Gemeinde im Weltkriege Gefallenen ein Denkmal errichtet. Die Einweihungsseier fand in Gegenwart des Landrats, des Bürgermeisters, des Kommandeurs der Reichswehr und sämtlicher Kriegervereine statt. — Im vergangenen Jahre legte Herr Stadtältester Salomon Wiener in Kattowitz sein Amt als Vorsteher der Synagogengemeinde nieder. Er hatte mehr als 30 Jahre das Amt des Vorsitzenden bekleidet. Die Gemeindekollegien haben in Anerkennung seiner hohen Verdienste um die Entwickelung der Gemeinde Herrn Stadtältesten Wiener zum Ehrenvorsitzenden der Synagogengemeinde ernannt, und vor kurzem wurde ihm ein künstlerisch ausgestattetes Diplom überreicht. — Herr Seminarrabbiner Dr. Horovitz in Breslau begeht am 19. d. M. sein 25jähriges Jubiläum als Dozent am Jüdisch-theologischen Seminar. — Aus Dresden wird uns geschrieben: Herr Julius Salinger, der seit etwa 15 Jahren der Verwaltung der dortigen Religionsgemeinde angehörte, ist im 66. Lebensjahre gestorben. Seine Wirksamkeit galt vornehmlich der Synagogen- und Schulverwaltung. Als Vorstandsmitglied zahlreicher Wohlsahrtsorganisationen entfaltete er eine große soziale Tätigkeit. Seine Witwe ist die Landtagsabgeordnete. Frau Julie S a l i n g e r. — Den Rechtsanwälten Dr. Erlanger und Dr. Silber st ein in Nürnberg wurde der Titel „Justizvat" verliehen. Justizrat Dr. Held, -erster Vorsitzender der Anwalltskammer von Mittelfranken und langjähriger Vorstand der Israelitischen Kultusgemeinde Nürnberg, erhielt den Titel eines „Gehetmjust izrats". — In Ansbach starb im Alter von 84 Jahren der allbekannte frühere Kempener Rabbiner Dr. Lazar M ü n z. Ein Leben reichen und segensvollen Wirkens für die Idealedes Judentums wurde beschlossen. — Aus Meiningen wird gemeldet: Die Ausweisung von Ostjuden hat hier allgemeine Aufregung hervorgerufen. Amtlich wird hierzu mitgeteilt, daß allerdings etwa 25 jüdische Ein-. Wanderer, zumeist Einzelpersonen, alle jedoch obne Kinder, abgeschoben werden sollen. Sie stammen aus Galizien, Polen und sonstigen östlichen Gebieten und sind zum Teil sogar ohne Ausweispapiere. Unter ihnenwerden viele als militärpflichtige Polen usw. von den zuständigen Konsulaten gesucht. Beabsichtigt man vielleicht wieder einmal, jüdische Deserteure entgegen allem völkerrechtlichen Brauch der ,befreundeten Großmacht" Polen auszuliesern? — Unter ungewöhnlich starker Beteiligung (78 Prozent) fand in Offenbach a. M. am 5. d. M. die Ergänzungswahl des Gemeindevorstandes statt. Von den ausscheidenden Mitgliedern wurden wiedergewählt: Justizrat Dr. Goldschmidt und Notar Dr. G u g g e n h e i m. Neugewählt wurden Sally G u m b , Theodor Fürth und Siegfried Stark. — Aus Frankfurt -a. M. wird uns gemeldet: Geh. Sanitätsrat Dr. E. Rosen bäum be- .ging am 24. Dezember seinen 70. Geburtstag. Als Chefarzt des Rothschildschen Spitals und des Rothschildschen Kinderspitals hat er eine reiche und gesegnete Wirksamkeit entfaltet, auch stand er gemeinnützigen Institutionen stets gern helfend und fördernd zur Seite. — In Warschau ist nach dem Pariser „Populaire" der rusfisch-sibirische Dichter unb Schriftsteller Ra ppap 0 rt, bekannter unter seinem Pseudonym CH. Ansky, im Alter von 57 Jahren gestorben. Er hat in der sozialistischen Bewegung in Polen eine große Rolle gespielt. Ansky ist der Verfasser eines Epos „Asmodeus", das sich ebenso wie seine Prosaromane in russischer und in jüdischer Sprache einer großen Popularität erfreut. Bon ihm stammt auch das Kampflied der revolutionären jüdischen Sozialisten, das den Titel' „Schwur" (Schewuha) führt. — Von der palästinischen Regierung war der 12. Dezember als Prüfungstag für Advokaten festgesetzt. Zur Prüfung waren Juristen zugelassen, die entweder bereits provisorische Anwaltsbefugnisse besaßen oder Zeugnisse staatlich anerkannter Rechtsschulen über ein beendetes Studium besitzen. Als Prüfungsgegenstände waren festgesetzt: Friedensgerichtsgesetz, Zivil¬ und Strafgesetz, Hypothekengesetz, Straf- und Zivilprozeßverfahren, Exekutionsgesetz und Notargesetz. Die Prüfungen gelten^ nur für Rechtsanwälte bei Gerichten erster Instanz. Verantwortlicher Redakteur: Albert Katz in Berlin-Pankow, Florastraße 88. Verantwortlich für den Anzeigenteil: Max Junge, Berlin-Friedenau. Druck und Verlag von Rudolf Mosse.

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