Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 85 (1921)
- Issue
- Heft 2 (21.1.1921)
- Date
- 1921-01-21
- Page
- Seite 16 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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16 noch mehr solle verfügen können. Palästinn dürfte seiner Ansicht nach 3 bis 4 Millionen Menschen fassen können, und fahre er dorthin, um sich über alles eine eigene Meinung bilden zu können. Er möchte auch, daß endlich die Berichte verstummen, daß Spannung und Haß zwischen Juden und Arabern herrschen. Es sei dies keineswegs der Fall, und werde niemand von der Besiedelung Palästinas .so viel gewinnen wie die Araber. Er sehe auch voraus, daß Palästina in der Zukunft eine gewaltige Bedeutung für England erlangen werde. Wenn es sich zu einem wohlhabenden agrikulturellen Land entwickeln wird, wird Palästina nicht nur ein großer Absatzmarkt für englische Waren werden, sondern die jüdischen Kaufleute werden die englischen Waren und den englischen Handel in allen Ländern des Orients verbreiten. J. P. Z. ' # Aus und über Palästina. Das Grenzabkommen zwischen England und Frankreich über die Grenzen Palästinas ist in Paris von den Herren Lehgues und Lord Hardinge unterschrieben worden. Die Grenze beginnt bei dem Vorgebirge Ras Nakura südlich von Tyrus. Sie läuft zunächst nach Osten, wendet sich dann nach Norden und folgt der Wasserscheide zwischen Litano und Jordan bis nördlich Metulah, wendet sich dann ostwärts bis einschließlich Banias (Dan), wobei sie den oberen Jordan überschreitet. Beide Seiten des oberen Jordan und die ganze Hulehebene fallen an Palästina. Die Grenze geht dann zum Jordan zurück, folgt seinem Lauf und durchschneidet den See Genezareth. Alsdann folgt sie dem Lause des Uarmuk bis Teraa und Basra. Die Eisenbahn unterhalb des Uarmuk von Deraa bis Semag wird gemeinsam von England und Frankreich gebaut. Bon da an verläuft die Grenze des englisch-französischen Interessengebietes nach Osten bis zum Euphrat und Tigris. Anläßlich eines Frühstücks, das der „Oversea-Club" in London zu Ehren des anwesenden Gouverneurs von Jerusalem, Ronald Store, veranstaltete, führte Lord Northcliffe in längerer Rede aus, daß Sir Herbert Samuel als Oberkommissar von Palästina die größte Anerkennung zu zollen sei. Unterstaatssekretär Cecil Harmsworth wies auf die Bedeutung dieser Worte gerade aus dem Munde Lord Northcliffes hin und fügte hinzu, Lord Northcliffe schätze, wie alle Welt, ganz besonders den Akut und die bewundernswerte administrative Geschicklichkeit Herbert Samuels, mit welcher dieser die vielen komplizierten Probleme Palästinas allmählich ihrer Lösung entgegenführe. In ähnlichem Sinne hatte sich Cecil Harmsworth bereits vorher im Unterhause ausgesprochen. Die jüdische Nationalbibliothek in Jerusalem ist in den letzten Monaten durch Spenden erheblich bereichert worden. Die palästinensisch-jüdische Bevölkerung allein hat gegen 2000 zum Teil sehr wertvolle und seltene Bücher gesammelt. Aus allen Teilen der Welt beginnen wiederum Bücherspenden einzulaufen. Auch in Deutschland haben Zahlreiche, auch christliche Gelehrte und Schriftsteller der Bibliothek Werke aus ihren Sammlungen überwiesen. Bedeutende Verlage, darunter I. A. Stybel (New Hork und Warschau) und R. Löwit (Wien), stellen ihre sämtlichen Neuerscheinungen zur Verfügung. Aus England hat Israel Zangwill seine gesamte Bibliothek übersandt. In Holland haben die gelehrten Gesellschaften und Bibliotheken in Hartem und Utrecht eine große Bücherspende aufgebracht, die von der Royal Netherlands Stearnboat Company kostenlos nach Jaffa verschifft wurde. Die „Jüdische Gesellschaft zur Erforschung Palästinas" hat die Konzession erlangt für Ausgrabungen bei Liberias und Kapernaum. Es soll zunächst nach dem alten Liberias gegraben werden. Dr. N. Sloutsch hat sich als Vertreter der Gesellschaft an die Ausgrabungsstelle begeben. Im Josaphattal bei Jerusalem fand die Ueberigabe «der von der Zionistischen Kommission gebauten Kanalisation Jerusalems an die Stadtverwaltung statt. Anwesend waren die Spitzen der Zionistischen Kommission, der Stadtverwaltung, Vertreter der Regierung und die Erbauer des Werkes. Ingenieur Hecker eröffnete die Feier mit einer hebräischen Rede, in der er die Bedeutung der Anlage für die öffentliche Gesundheit darlegte. Nach ihm sprachen, ebenfalls hebräisch, der Leiter der Kanalisationsarbeiten Kantar sowie der Vorsitzende der Zionistischen Kommission, Ussischkin, welcher dem Bürgermeister das Kanalisationswerk mittels einer in hebräischer und arabischer Sprache aus Pergament a!u>sgefertigten Urkunde übergab. In seiner Dankrede sprach der Bürgermeister von Jerusalem den Wunsch aus, daß die Zionistische Kommission ihre segensreiche Tätigkeit fortzusetzen in der Lage sei. Auf dem Kongreß der amerikanischen Zionisten in Buffalo gab Richter Julian Mack als Präsident der Zionistischen Organisation Amerikas eine längere Erklärung ab, in der er auf die Notwendigkeit einer vereinten Kraftanstrengung des ganzen jüdischen Volkes hinwies und mit besonderem Nachdruck betonte, daß die amerikanischen Zionisten einen integralen Teil der zionistischen Weltorganisation bilden. „Die amerilkamschen Zionisten". dies. Richter Mack aus, „werden im selben Maße wie bisher die Weltorganisation in loyalster und ausgiebigster Weise unterstützen. Wir wollen vom Separatismus nichts wissen und wünschen nur, daß es den Organisationen in den einzelnen Ländern überlassen wird, nach den dort obwaltenden Umständen ihre besonderen Aufgaben zu erfüllen. Z. K. * Amerika. Laut der vom Repräsentantenhaus angenommenen Einwan'derungsbill gelten die Beschränkungen für 14 Monate, oder, da zwei Monate Vorb-kreitungszeit zugelassen werden, richtiger gesagt, für 12 Monate, gerechnet vom 60. Tage nach Annahme der Bill. Zur Einwanderung zugelassen werden: Studenten, Touristen, Geistliche und Rabbiner, die vorgängig einen Paß ihrer zuständigen Regierung und das Visum eines amerikanischen Konsuls besitzen müssen. Auch folgende Verwandte amerikanischer Bürger sind zugelassen: Eltern, Großeltern und Frauen sowie minderjährige Kinder, Brüder und Schwestern. Diejenigen, die nur die sogenannten ersten Papiere besitzen, können nur ihre Frauen und minderjährigen Kinder nach Amerika bringen. Nichtbürger können niemand ins Land bringen. In allen erwähnten Fällen werden keine Pässe gefordert, sondern die Verwandten haben sich um die betreffende Erlaubnis an das Emigrationsbureau in Washington zu wenden. Hereingelassen werden auch Leute aus Kanada und Mexiko, die dort mindestens 1 Jahr gewohnt haben und nur für höchstens sechs Monate nach Amerika kommen. J. P. Z. Sslonmn Hermann Molentha!. Ein Gedenkblatt zu seinem IVO. Geburtstag, 14. Januar 1921. Von L. H o r w i tz (Kassel). mein. säst Vergessenen sollendiese Zeilen gellen. Wir habenja nur noch literarisches Interesse für die Dichter der Biedermeierzeit, denn die letzten 60 Jahre zeigten uns andere Ziele und Wege. Jedoch hat Mosenthal für alle Zeiten gelebt, denn et lebte ja -den Besten seiner Zeit, schuf Werke, die ihn stets leben lassen. Es hätte eines genügt, ihm einen ehrenvollen Platz im deutschen Dichterhain zu sichern, denn sein Volkslied: „Zu Straßburg aus der langen Brück', da stand ich eines Tags, nach Süden wandte sich mein Blick, in grauem Nebel lag's" ist eben Eigentum des Volkes; man singt es überall, ohne sich um den Dichter zu kümmern, wie ja auch die große Menge nicht nach dem Schöpfer der „Lorelei" und des „Heiderösleins" fragt. Auch seine Gestalten in seinen- Erzählungen aus dem jüdischen Familienleben sind Menschen aus Fleisch und Blut; wir sehen sie mit ihren Vorzügen und Schwächen unter uns wandeln, und darum leben sie von Geschlecht zu Geschlecht. Da es hier nicht die Aufgabe ist, Mosenthals Stellung in der deutschen Literatur -der Epigonenzeit zu schildern, sei nur seines Werdens und Strebens gedacht, namentlich wie -er stets des Felsens gedachte, aus dem er gehauen, und nie seine alte Mutter vergaß, wenn er auch im -äußersten Glanz und in hoher sozialer Stellung in den letzten Jahrzehnten seines Lebens sich befand. Treue war sein