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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1921-01-21 · Heft 2 (21.1.1921) · p. Seite 15

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
85 (1921)
Issue
Heft 2 (21.1.1921)
Date
1921-01-21
Page
Seite 15 (sequence 3)
Language
German
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Ausnahmemaßnahmen zugunsten der Ostjuden ließen sich nicht aufrecht>erh>alten, schon um deswillen nicht, weil die Auswanderung der deutschen Arbeiter erschreckende Formen angenommen habe. Jeder Einwanderer von Osten bedeute im Westen Men auswandernden gutqualifizierten deutschen Arbeiter, das mache er, der Minister, keinesfalls mit. Das Berliner Wohnungsamt habe sich dem Minister gegenüber entschieden über die Einwanderung der Ostjuden beklagt, namentlich darüber, daß Berliner Proletarier keine Wohnung fänden, weil ihnen -diese von Ostjuden weggenommen seien. Ebenso' hätten die Landesarbeitsämter darüber geklagt, daß die einwandernden Ostjuden den deutschen Arbeitern die Arbeitsstellen wegnähmen. Der Minister sei nickst in der Lage, die ergriffenen Maßnahmen zu ändern, die sich frei hielten von jedem Vorurteil. D. Mum>m (Deutschnat. Vp.): Der Reichstag habe am 20. August 1920 gefordert, daß der Einwanderung der Ostjuden gesteuert werden müsse, und daß Internierungslager .-geschaffen werden müssen. Was sei zur Erfüllung des Reichstagswillens bisher geschehen? Man nenne uns Ziffern über die bisherige Wirkung des Reichstag-sbeschtusses! Sollen deutsche Arbeiter hungern, während die Ostjuden in Arbeit kommen? Berlin hätte wesentlich weniger Zufammenpferchung in den Wohnungen, Deutschland erheblich geringere Seuchenrmd Bolschewistengefahr, wenn man endlich dem« Volkswillen Rechnung trüge. Reichsminister K o ch: Auf das Tempo, in dem die Konzentrationslager in. Deutschland .eingerichtet werden, könne er >als Rei.chsmini.ster nicht unmittelbar einwirken, da die ganze Angelegenheit Sache der Länder sei. * Die Zulassung von Ausländern zum Studium. Bisher mußten Ausländer, die an den deutschen Hochschulen studieren wollten, ihre Gesuche um Zulassung einen Monat vor Beginn des Semesters bei der von ihnen gewünschten Universität oder Technischen Hochschule einreichen. Nach Mitteilungen des Akademischlen Auskunstsamts in Berlin soll dieses Verfahren nur noch für die Ausländer bestehen bleiben, die sich bereits im Jnlande auchalten. Dagegen haben Ausländer, die sich noch im Auslände befinden und einer Einreiseerlaubnis nach Deutschland bedürfen, ihre Meldungen an die zuständige deutsche Auslandsvertretung zu richten, und zwar so frühzeitig wie irgend möglich. Die Entscheidung über die Zulassung erfolgt in jedem einzelnen Falle durch die in Betracht kommende deutsche Unterrichtsbehörde, an die die Gesuche durch Vermittlung des Auswärtigen Amts weitergeleitet werden. Sobald die Genehmigung von dieser erteilt ist, wird die Einreise bewilligt. * Der Antisemitismus als polnischer Helfer in Oberschlefirn. Es ist außerordentlich lehrreich, schreibt die „Berliner Volkszeitung", daß jetzt die Polen in Oberschlesien den Antisemitismus zu Hilfe nehmen, um gegen Deutschland Stimmung zu machen. Nach einer Pariser Meldung bringt die französische Presse die Nachricht, daß Lloyd George „unter dem Einfluß der englischen Juden", die polenseindlich gesinnt seien, beschlossen habe, Oberschlesten entgegen den Bestimmungen des Versailler Friedensvertrages den Deutschen abzutreten. Der Sinn dieser törichten Meldung ist klar: die deutschen Bemühungen, Oberschlesienbei Deutschland zu. halten, sollen als „jüdische Mache" hingestellt werden. Daß übrigens in Polen der Antisemitismus heimisch ist, darf als bekannt angenommen werden. Je rückständiger in der Kultur ein Volk, um so verbreiteter der Antisemitismus. Oberschlesien hat zahlreiche jüdische Stimmen, daher wäre es auch für die deutschen Antisemiten endlich an der Zeit, ihrer Agitation etwas die Zügel anzuziehen. - Leider aber kann man das Gegenteil feststellen. Der Pastor Dr. Max Maurenbrecher, der jetzt die Redaktion der völkischen „Deutschen Zeitung" übernommen hat, entblödet sich nicht, zu schreiben: „Es muß die Ursünde des neunzehnten Jahrhunderts, die Aufnahme der Juden in Staat und Gesellschaft, als wären sie Deutsche, wieder rückgängig gemacht werden. Anders gibt es keine Erlösung." — Obwohl gar kein Zweifel darüber besteht, daß die deutschen Juden in Oberschlesien ihre vaterländische Pflicht ebenso wie ihre christlichen Mitbürger erfüllen werden, so sollte man doch jetzt dafür wirken, daß sie das mit Freuden tun, nicht aber mit dem bitteren Gefühl, daß es in Deutschland in einer reichshauptstädtischen Zeitung heute noch möglich ist, die bürgerliche Entrechtung der Juden zum Programm zu erheben. Aber an Oberschlesien denkt der blinde Hödur in der „Deutschen Zeüung" nicht, wenn es um sein Parteisüpplein oder seine einträgliche Hetze geht. % Aus Ungarn wird der „I. P. Z." berichtet: In Horthy-Ungarn ist eine Anzahl „Juden" am Werke, die Budapester Joint-Filiale dem magyarischen, „Patriotismus" nutzbar zu machen und sie in volksverräterischjer Weife dem Ausweisungsapparat gegen die Ostjuden zur Verfügung zu stellen. Neuerdings beabsichtigt Exzellenz Polnai, der seit geraumer Zeit als AuslaNdspropagandist für Horthy-Magharien tätig ist, in Wien, Rom, London, der Schweiz und Frankreich bemüht war, das ungünstige Urteil über den Gewaltkurs zu „berichtigen" und die ausländischen Juden für eine wirtschaftliche Unterstützung zu gewinnen, in einer nicht mehr zu überbietenden Würdelosigkeit nach Amerika zu reisen, mn dort in seiner Weise tätig, zusein. Polnai bemüht sich, die New Iorker Jugend ungarischer Herkunft in seinem Sinne von Budapest aus zu präparieren.. Es ist zu erwarten, daß ihm der gleiche Empfang zuteil wird wie seinerzeit Karl Huszar, der mit Schande und Spott aus Amerika verschwinden mußte. * £ott> Reading Vizekönig von Indien. Die englische Regierung hat das Vizekönigtum von Indien dem jetzigen Juftijzminister Lord Reading angeboten, der 61 Jahre alt j und Israelit ist. Er heißt eigentlich Rufus Isaak und ist der Sohn eines Kaufmanns. In seiner Jugend wirkte er erst als Schiffsjunge an Bord eines Dampfers und wurde dann nach Deutschland geschickt, um dort auf Rechnung' seines Vaters zu operieren. Nach England zurückgekehrt, widmete er sich teils den Finanzen, teils dem Gerichtswesen, und hat auf diesem Gebiet eine große Autorität erlangt. Während des Krieges wurde er mit einer außerordentlichen Mission nach den Vereinigten Staaten geschickt, und 1918 wurde ihm der Posten eines Botschafters in Washington angeboten, den er jedoch ausschlug. Seine hervorragenden Eigenschaften als Diplomat ließen ihn für den Posten eines Vizekönigs in Indien geeignet erscheinen. In einem Telegramm aus London vom 7. Januar wird hierzu gemeldet: Nach längerem Zögern hat Lord Milner als Protest gegen die Ernennung Lord Readings zum Vizekönig von Indien seine Demission als Kolonialminister eingereicht. An seine Stelle tritt der bisherige Schatzminister Ehamberlain. Der gegenwärtige Staatssekretär für Indien, Lord Montagu, wird Schatzminister. Montagu, gleichfalls Jude, ist der Chef der Großbank Samuel Montagu, die besonders den Handel mit Indien pflegt. * Minister Mond über seine Palüstirrareise. Vor seiner Abreise nach Palästina äußerte sich Sir Alfred M v n d in einem dem „Weekly Dispatch" gewährten Interview, daß die Juden Osteuropas zweifelsohne in Massen nach Palästina - auswandern möchten; machten sich doch junge Leute zu Fuß aus den Weg, um nur nach Palästina zu gelangen. Er benutze jetzt die kurzen Parlamentsferien, um seinen längst gehegten Wunsch, das Heilige Land zu besuchen, befriedigen zu können. Er wollte jetzt den Einl.adnntgen Samuels folgen und m Ort und Stelle bk in Palästina sich darbietenden Möglichkeiten untersuchen, speziell in seiner Eigenschaft als Präsident des Economic Council, dem die reichsten Juden Englands angehören. Sä manches mat'fc in Palästina ins Leben gerufen werden, wie Hafenanlagen, Irrigation, Elektrifizierung,, die unbedingt für das Land notwendig sind. Auch mangle es an Häusern, deren Bau ehestens in Angriff genommen werden müsse. Bevor jedoch eine Masseneinwanderung einsetzen könne, sei es nötig, große Fonds zur Verfügung zu haben, weshalb das Economic Council seinen Appell an alle Juden der Welt erlassen habe. Es müßten genügend finanzielle Mittel bereit gestellt werden, so daß er, Mond, jederzeit bei Bedarf telegraphisch über 5 Millionen Pfund oder

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