Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 85 (1921)
- Issue
- Heft 1 (7.1.1921)
- Date
- 1921-01-07
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
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2 wesen ist bisher zu keinen festen Prinzipien in dieser Hinsicht gelangt. Von dem neuesten Gedanken, aus den höheren Schulen interkonfessionellen Religionsunterricht zu erteilen, kann ich mir keinen rechten Begriff machen. Alle diese Erwägungen bestimmen mich dazu, die Zahl der Schuld orstanb§mitglieder nicht zu sehr zu beschränken. — M. A. Loeb (kons.) wünscht öffentlich festzustellen, daß die Unzufriedenheit mit der Arbeit des Schulvorstandes in allen konservativen, Kreisen bis wert nach links herrscht. Plotke (l'ib.) bemängelt, daß Tr. Klee den Liberalen das jüdische Empfinden abspricht, die ebensosehr wie die anderen Parteien dem Judentum dienen wollen. Professor L o e w e (Bpt.) protestiert dagegen, daß hier lange darüber beraten wird, ob je zwei Vertreter der Opposition in den Schulvorstand zugelassen werden. Die Aufgabe der jüdischen. Schule ist die Erziehung zu aufrechten Juden. Die deutsche Erziehung ist Ausgabe der Staatsschulen. Die Gründung jüdischer Schulen aller Grade muß ernstlich in Angriff genommen werden, mn wieder ein, volles jüdisches Leben zu schassen. Nach einigen weiteren Ausführungen werden in den Schulvorstand gewählt als Repräsentanten die Herren James Goldschmidt und Klee, als Gemeindemitglieder die Herren M. A. Loeb, Tr. Bloch (kons-.), Dr. Abr. Liöb (kons.) uind'Rabbiner Dr. L i e b e r m a n n (Bpt.). Für die nach Ablauf ihrer Wahlperiode aus dem Gemeindevorstande ausscheidendeu Mitglieder und Stellwertret-e-r, die Herren Berthold K i r st e -i'N.,. Bruno G a l e w f k i, Direktor Kareski, Carl Fuchs und Dr. Sandler, finden Ersatzwahlen statt, beidenen die aus geschiedenen Herren einstimmig wiedergewählt werden. Im Verlauf der Sitzung sind zwei Anträge von Mitgliedern eingegangen, von denen der eine die Einsetzung einer gemischten Deputation zur Beratung über die eventuelle Gründung jüdischer Volksschulen, der andere die Subventionierung der Privatsynagoge au der Potsdamer Brücke fordert und diesen Antrag damit begründet, daß diese Synagoge die einzige konservative Privatshnagoge in diesem Stadtteil ist. Die Behandlung der Anträge wird in einer späteren Sitzung erfolgen. E. M. Berlin, 4. Januar. Herr E u ge n C a s p a r h , in weiten Kreisen unserer Gemeinde bekannt und geschätzt, kann aus eine 25 jährige Wirksamkeit im Dienste der Jüdischen Gemeinde zurücksehen. 1895 begann Caspary seine Tätigkeit in der jüdischen Wohlfahrtspflege in der F ü r s o r g e k o m missio n der Jüdisch.en Gemeinde, die sich in den langen Jahren seiner Mitarbeit aus anfänglich engem Aüsgabenkreis bis zu ihrer heutigen vielseitigen Wirksamkeit entwickelte. Als langjähriger Vorsitzender hat Caspary auf die Gestaltung der Fürsorgekommission den maßgebendsten Einfluß ausgeübt und sie zu einem Instrument modernster sozialer Fürsorge entwickelt. Auch in der A r m e n k o m ru i s sinn der Jüdischen Gemeinde wird Caspary als. sozial empfindender, ideenreicher Mitarbeiter auf das höchste geschätzt. Der Verband für jüdische Wohlfahrtspflege in Berlin erfreut sich der eifrigen Förderung Cafparhs; besondere Verdienste Hab der Jubilar sich -uim die Schaffung der, ,,ZentralU'-L-hlsahrtssteste der deu-tschen Inden" erworben. Herr Caspary beteiligt sich auch h-iu-gebun-gsvloll an .allen Arbeiten zur Linderung der Not der jüdischen Flüchtlinge, wieer überhaupt an keiner jüdi schen Eegenwartsau sgabe vor bei geht. Seit einer Reihe von Jahren gehört Eugen Ca.spary auch der Repräsentantenversammlung' der Jüdischen. Gemeinde am. Von. der liberalen Partei gewählt, erfreut er sich lote kaum ein anderes Mitglied de-s^ Kollegiumis' der hohen Wertschätzung aller Parteien. Die Jüdische Gemeinde hat dem Jubilar ans Anlaß seiner 25jährigen Wirksamkeit in der Fürsiorgekommission eine Adresse überreicht, in der sie seine -unvergänglichen Verd'iemste um die Verwaltung der Gemeinde h-ervorhebt. E. M. Berlin, 4. Januar. Die Beisetzung des -am 28. v. M. verstorbenen Geheimen Medizinalr-ats Professor Dr. Leopold Landau erfolgte vorigen Freitag auf dem iin Weißensee unter außergewöhnlicher Beteiligung. In dem Trauer ge folge, an dem der Dekan der medizinische>n, Fakultät, Vertreter der Stadt, der Aerzteschaft, der Jüdischen Gemeinde und der zahlreichen jüdischen Organisationen teilnahmen, denen Landau im Leben nähestand, fielen zahlreiche Frauen, unter ihnen viele arme Ostjüd-innen, aus, die ihrem Heiler und Helfer die letzte Ehre erwiesen. Rabbiner Dr. Weiße hielt die Gedächtnisrede, in der er die medizinische Bedeutung des Verstorbenen würdigte und sein Aufgehen im. sozialen Ausgaben hervorhob. Besonders eindrücklich schilderte er Landaus Wirken im Dienste der jüdischen Gemeinschaft, dessen Erinnerung nie vergessen werden wird. — Für die Akademie für die Wissenschaft des Judentums sprach ' ' g. - V - *,•/ Jüstizrat K r I i e ni h ä I. .,Ä)er Vorstand der Akademie und des Forschungsinstituts stehen trauernd an der. Bahre -ihres Führers. Ein Siebzigjäh'rigxr/ Hermann Ew hse n , gab ihr das Programm, ein?.l^UWMer,.. Land au, .griff es mit seinem Fouergeiste auf. Leopold Landau war ein ausrechiter Jude, d-er sein Judentum überall ftplz beMigte.^Er lpar tief durchdrungen von der BedouiunH der^Äufgabe, der M'nK Forschung in der Lehre des Judentums eine Stätte zu schaffen. Mit der ihm eigenen^Energie bereitete er die Erfüllung dieser Aufgabe vor. Seine Initiative und feine Unermüdlichkeit förderten das schwierige Werk. Nicht in lähmender Trauer, sondern mit dem Gelöbnis der Weiterarbeit im Sinne des Verewigten wird die Akademie auf der von Landau gewiesenen Bahn fortschreiten." — Für die hebräische Schule Dalmud-Dhora, Kresseth-Jisroel, brachte deren .Leiter, Rabbiner Dr. Wilhelm Lewy, im Kreise der Schüler dieser Anstalt die Abschiedsgrüße. — Nach den traditionellen Gebeten wurde der Sarg zur Gruft getragen. ns. Meiner, 31. Dezember. Im hiesigen Verein für jüdische Geschichte und Literatur sprach kürzlich Rabbiner Dr. Ludwig A. R o s e n t h a l (Berlin) über Jehudcrtzalevi, mit dem die Entwicklung des in der jüdischen . N-ation-alliteratur maßgebenden Prinzips ihren Höhepunkt erreicht. Der Vo'r,Lva.g>ende begann mit der dichterischen Seite des GeisteGhelden', dessen Mittelpunkt seine einzige groß>e Liebe ist, Zion.; führte seine herrlichsten shnagogalen und nationalen Gedichte sowie die prächtigen Profanen Lieder vor, woran Redner eine überraschende Parallele mit dem- Minnesänger des Mittelalters Walther von der Vogelweide anschloß. Diese zeigte die merkwürdigsten Ueber-einftimmungen zwischen beiden, zumal der deutsche M,i-nin-efän.ger beinahe der einzige in der dunklen Zeit ist, der Duldung gegen Andersgläubige und Liebe zu Palästinaausspricht. Die philosophische Wirksam keil Jehuda H-alevis im Buche Kufari ließ de^n Redner ftiein: N-achweis führen, daß Herders biblische Arbei-terr nach diessen eigenem Geständnis fast auf Jehuda Halevis Kusari beruhender war durch Lowths „äe saerr xoosi HebraSorum" darauf hingewiefen.. Schließlich zeigte der Redner, daß die Einschränkung, welche Kant der Philosophie und der Religion in ihrer Trennung voneinander empfohlen, von Jehuda Halevi im Kusari bis auf Einzelheiten hin vorweggenommen worden ist, und daß beide Denker sowohl dem Glauben« wie dem Denken ihre heilsam wirkende Stellung -angewiesen haben. .— Der einstündige, sehr lehrreiche undlebhafte Bortr>a,g wirkte äußerst fesselnd' -auf die dicht -gefüllte, lauschende Zuhörerfchaft. Der Vorträgen,d-e war dereinst während sei-ne-r rabbin-ischen. Tätigkeit in Pr.-Stargard, in den Jahren 1898 bis 1906, alljährlich ein gern -gesehener Gast des Vereins!. Heute, n-a-ch der langen Zeitspanne, auf -der gleichen Höhe der glänzenden Rhetorik stehend, erfreute -uns di>e noch größere Abgeklärtheit der fein durchdachten Gedankenigänge. N-ächst dem Vortragenden selbst als alten Freund des Vereins verdiente -aber das Thema-, eine ganz besondere. Aufmerksamkeit. Denn in der reichhaltigen Vortragsweise des bald 25 Jahre -alten Vereins-, namentlich. in der an Vorträgen inhaltreichen Vorkriegszeit, ist seltsamerweise gerade Jehuda Halevi i-n einem besonderen Vortrag nicht behandelt worden. Dieser populärwissenschaftliche Vortr-agsiabend füllte -die Lücke hervorragend aus. er. Breslau, 31. Dezember. Am Donnerstag, 23. Dezember, fand die Beisetzung des Stadtältesten Siegfried Haber -statt,, der im Alter von fast 80 Jahren verschieden ist. Einwundervoller Kranz aus -den städtischen Treibhäusern schmückte den- Sarg, d-er unter d-en Klängen der Orgel in die Leichenhalle des jüdischen Friedhofes, Lohestraße, getragen wurde. Dort standen zu beiden Seiten der Orangerien die städtischen Ausreuter in ihren historischen braunen Mänteln mit weiß-roten Besätzen, Schärpen, hohen. Federhüt e n , w e i ß er Halskrause und Degen. Unter den Leidtragenden befanden sich u. a. Oberbürgermeister Wagner, Altoberbürgermeister Bender, Bürgermeister Trent in, die Stadträtie Prescher, Fuchs, Leß, v. Scholtz; Neukirch, die früheren Stadträte Petersen, Giesel, A u r a s u. a. m. und viele Stadtverordnete. Rabbiner Dr. Vogel st ein legte seiner Rede den Text Zu>grunde: „Unser Leben währet 70 Jahre, und' wenn es hoch kommt, 80, und sein Stolz ist Mühe und Arbeit." Er sprach davon, wie der Verblichene, den Tod vor Augen, ihn gebeten habe, kurz und schlicht, ohne Prunk und Ruh-mred-erei an seinem Grabe von ihm zu sprechen. Er habe ihm seine Memoiren; die er während seiner