Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 85 (1921)
- Issue
- Heft 1 (7.1.1921)
- Date
- 1921-01-07
- Page
- Seite 12 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Gefahr, die Gefahr, ich werde keine ruhige Stunde mehr haben, solange sie im Hause ist. David: Ich versichere dir, Vater, es wird nichts Passieren. — Ich möchte einmal hinübergehen. Kommst du mit? Elias: Ja, aber erst schließe die Außentür ab. Wenn ich nicht so aufpassen würbe, dann-- (In diesem Augenblick treten von der anderen Seite Sarah und Lea herein; Sarah sieht verweint aus, Lea ernst, aber gefaßt. Ihre geschmackvolle, moderne Kleidung verrät das Mädchen ans wohlhabender Familie. Beim Eintritt in da» Zimnier trügt sie einen von der langen Wanderschaft arg mitgenominenen Pelzmantel, dessen sie sich aber mit Hilfe Davids bald entledigt,) 3. Szene. Elias: Vorbei? (Lea die Hand reichend): Gott tröste Sie. Lea: Ich danke Ihnen, Sarah: Sie war wohl schon vor der Reise leidend gewesen? Lea: Nein, sie wurde erst unterwegs krank durch die Strapazen der Wanderung. Diese Unmenschen. Sie hätte noch jahrzehntelang leben können. Elias: Und Sie sind ganz allein zurückgeblieben, keine Geschwister, keine Verwandten? Lea: Ich war ihr einziges Kind, und — (kämpft vergeblich gegen die aufsteigenden Tränen). Sarah (sie unterbrechend): Eli, du sagtest mir doch schon oft, daß du eine Person fürs Geschäft brauchen könntest. Auch mir würde eine Hilfe in der Wirtschaft nichts schaden. Und wie so die arme Frau todkrank vor mir lag, bald mich ansah, bald die Tochter, wollte gern sprechen und konnte nicht, da habe ich ihr gesagt, sie brauche sich um die Tochter nicht zu sorgen, sie ist bei uns gut aufgehoben. — Es ist dir doch recht, Elias? Elias: Werde ich ein jüdisch' Kind ins Elend gehen lassen? — Wenn das Fräulein vorsichtig ist und sich außerhalb des Gettos nicht blicken läßt, so wird hoffentlich die Pglizei nichts merken. Le a (entschlossen): Ich werde weitergehen, den anderen nach, meinetwegen sollen Sie von der Polizei nichts zu befürchten haben. David: Daraus wird nichts. Niemand soll etwas merken. Wir werden Vater beweisen, daß seine Furcht unnötig war. (Fortsetzung folgt.) Sprechssal. Für die Universitätsbibliothek in Jerusalem. Um die Universität in Jerusalem zu fördern und um ihr die Wege zu ebnen, hat sich im» Berlin ein „Palästina- Hochschulkomitee" .gebildet, an dessen Spitze Herr Prof. Dr. Otto Marburg, .und Herr Geheimrat Prof. Dr. Leopold Landau stehen. Außerdem gehören dem Ausschuß des Komitees die Herren Prof. Dr. Albert Einstein, Prof. Dr. Heinrich Loewe, Dr. Walter Pinner, Prof. Dr. Jsfai Schur, Prof. Dr. Moritz Sobernheim, Privatdozent Dr. Eugen Täubler und Bibliotheksdirektor Pros. Dr. Gotthold Weil an. Der Ausschuß richtet jetzt folg,enden Aufruf an die jüdische Oeffentlichkeit, und mir hoffen, daß dieser Aufruf die gebührende Aufmerksamkeit und Beachtung findet. Ein Kulturwerk bereitet sich vor, dazu bestimmt, dem vorderen Orient neues Leben zubringen. Seit dem 1. Juli 1920 steht ein jüdischer Statthalter an der Spitze der alten Heimat des. jüdischen Volkes, mit dem Aufträge, di e Schaffung einer nationalen Heimstätte für das jüdische Volk in die Wege zu leiten. Jetzt gilt es, alle Kräfte anzu spannen, um den Augenblick auszunutzen, ider in -der Weltgeschichte nicht Wiederkehrt. Das jüdische Volk macht in der ganzen Welt die größten Kraftanstrengungen, um den Ausbau des neuen und doch alten Landes zu ermöglichen. Dabei därs es aher nicht beim Bau von Eisenbahnen und Kanälen, beim Errichten von landwirtschaftlichen . Kolonien und Gärtnereien, beim Schaffen von 'neuen StadtteÜön, Md. Kultivieren von Wüsteneien bleiben. Es muß auch eine Stätte jüdischer Geisteskultur gefchaffew werden, damit der Jude <m Palästina zwar Bauer wird, aber nicht ver'bauerL " Deshalb gehört es zu. 'den Erfordernissen des ne-uon' Kulturwerks, daß ein System von Schalen und Bildungsanstalten aller Art entsteht. Denn es darf nicht.das Brot allein fein, das wir unseren nach Palästina eilenden Brüdern reichen. Wir müssen ihnen - vielmehr behilflich sem, ihre Kultur so hoch zustellen, daß das neue werdende jüdische Land die höchste Ehre für die Juden und das Judentum wird. In diesem Sinne ist man daran gegangen, in. Jerusalem eine hebräische Universität zu schaffen, bei der es uns darauf ankommt, daß ihre wissenschaftlichen Leistungen erstklassig sein sollen. Diese hebräische Universität wird in der Kulturwelt ein . solcher . Ehrentitel des jüdischen Volkes sein, daß unt ihretwillen«!das Werk der Kolonisation allenthalben Freunde und Förderer finden wird,- Einstweilen aber fehlt die erste Vorbedingung dieser Universität. Man kann keine Wissenschaft treiben, wenn man nicht eine wissenschaftliche Bibliothek zur Verfügung hat. - Diese erste Unterlage jeder geistigen größeren Arbeit müssen' wir 'daher zuerst einmal errichten, wenn es uns gelingen soll, überhaupt geistiges Leben im Lande zu pflanzen. Denn nicht bloß die Universität ist ohne vorherige Errichtung der Bibliothek undenkbar, auch alles Schulwerk, jede Forschung, ebenso wie jede großzügige Kolonisations- und Landeskulturarbeit sind von dev Schaffung einer öffentlichen Bibliothek und eines geregelten weiizüg.igen Bibliothekwefens abhängig. Deshalb sollte jeder Freund d>es jüdischen Volkes, jeder, der Interesse an dem Gedeihen des neuen jüdischen Lebens im Lande dies jüdischen Volles nimmt, an der Schaffung eines systematischen jüdischen Bibliothekswesens Mitwirken'. Es ist keine Frage, daß es. nur einer Anregung bedarf, damit sich Tausende verpflichtet fühlen, werden, Bücher' für die Universitätsnnd Nationalbibliothek zu spenden. Aber eine Bibliothek ist kein Haufe von Büchern, nicht einmal bloß eine Sammlung von geordneten Büchern. Sie ift ein wohlgeordneter und systematisch erwachsender' Organismus. Deshalb ist * es notwendig, der Leitung die gewaltigen Geldmittel zur Verfügung zu stellen, die zum Aufbau, zur Leitung und zum Ausbau einer Bibliothek notwendig, sind, und Pflicht jedes, der an,der Entwicklung der Kolonisation tätigen Anteil nehmen will, behilflich zu sein, die Mittel zu beschaffen, um den Bau, die Gründung und die organische Fortführung der Bibliothek zu gewährleisten. Vor allem sollte jeder jüdische Akademiker' es für eine Ehrenpflicht halten, diesem Werke seine besten Kräfte zu widmen. Wir erwarten daher, daß alsbald 1. überall örtliche Sammelstellen mit der besonderen Aufgabe begründet . werden, an 'dem betreffend,en - Orte Sonderbibliotheken zusalmwenzubrinigen, die mit dem Orte, und seiner. Geschichte in einem besonderen Zusammenhänge stehen, 2. Einzelpersonen, die dazu in dev 'Lage oder besonders qualifiziert sind, solche SoNderbibliotheken, für die Nationalbiblioth'ek stiften, 3. jeder jüdische Schriftsteller und Gelehrte, jeder Buchhändler und Drucker von jedem seiner Druckwerke der Jerusalemer Bibliothek je zwei Ehrenpflichtexemplare stiftet. Es gilt, ein großes Werlaufzu führen, das dem jüdischen Namen Ehre machen wird. So wie die Bibliothek des British Museum den englischen Namen ehrt, wie das Ansehen des französischen Na>mens mit der Biblioth&que Nationale im Louvre verknüpft ist, wie die Congress Library ein höherer Ehrentitel des amerikanischen Volkes ist als alle Rrchmestaten des Krieges, so wird ein von den Juden der Welt geschaffenes jüdisches Bibliothekswesen im Lande hebräischer Zur,ge 'der große Ehrentitel des jüdischen Volkes sein. Jeder Jude, der für Kultur und Fortschritt begeistert ist, sollte es für seine vornehmste Pflicht halten, au -der Schaffung dieses friedlichen Kulturwerkes mit vollen Kräften mitzuwirken. Ausschuß des Pa l ä st i na-H o chschu l k o mi te e s. Prof. Dr. Otto Marburg. Pros. Dr. Heinrich Loewe. (Alle Zuschriften und Anfragen sind cm den mitunterzeichneten Leiter der Hauptsammelstelle, Prof. Dr. Heinrich Loewe, Berlin NW 52, Flemmingstraße 12, zu richten.)