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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1921-01-07 · Heft 1 (7.1.1921) · p. Seite 11

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
85 (1921)
Issue
Heft 1 (7.1.1921)
Date
1921-01-07
Page
Seite 11 (sequence 11)
Language
German
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II: Ollgrom und Krieg. fkif Schauspiel in fü n f Akt e n. Von Meta Opet-Futz (Breslau). ' Pc r s o iten : E li a s Arongold '. . . . Kaufmann. Sarah ... . Seine Frau. H a v i d . . . . . . . . . Ihr Sohn. . Lea Grün zweig . . . . . Deutsches Mädchen, aber ans einer ■ polnischen Stadt stammend. Ein Rabbiner, ' Lob Veilchenblum . ’. . Synagogendiener. *F ed nian n . . . . . . . Gemeindevorsteher. *Aron Veilchenblum. . Bruder, des Obigen. Händler. ^Jsaaksoh.n , ... . . Händler. Ein Polizist. \ . - Schauplatz: >Ein polnisches Städtchen. Zeit: Gegenwart. Zwischen dem 1. und 2. Akt liegt etwa ein Vierteljahr, zwischen dem 4. und 5. Akt 1 Jahr. *Drei M-e Junggesellen, Freunde von Elias Krongold. H :i. Akt. , 1. Szene: ■ Großes, niedriges Wohnzimmer.mit kleinen Fenstern und zwei i Türen, an entgegengesetzten Seiten- Die eine der beiden Türen führt direkt nach dem Hausflur, die andere nach der Küche, hinter welcher die Schlafräume,zp denken sind. Ausstattung von altertümlicher Einfachheit, Sofa, Tisch, Stühle, ein Lehnstuhl, mehrere große Schränke, eine Kommode, auf welcher zwei silberne Leuchter stehen, und in derm Mitte ein großer, silberner Weinbecher. Ueber dem Tisch eine Petroleumhängelampe. An den Türen sieht man die sogenannten „Mesusaus" aus . Messing. Bei Aufgang des Vorhanges sitzt Elias im Lehnstuhl, während Sarah am Fenster steht. Elias: älterer Mann mit gutmütigen Zügen, grauem Vollbart. Seine Frau trägt den rituellen, falschen Scheitel. Von der Straße her vernimmt man immer stärker werdendes Getümmel. Sarah (zu ihm tretend): Wo nur David bleibt. — Vor dem Kriege war ich doch gar nicht ängstlich. Aber jetzt — fast jeden Tag hört man von Mord und Ueberfall auf offener Straße — ich will meinen Mund nicht zum Bösen auftun — Gott soll schützen. Elias: Ueberlege dir doch, Kind, er kann ja noch gar nicht zurück sein. . Er ist ja kaum seit einer Stunde fort. Ueber alles machst du dir unnötige Gedanken.) Da können wir uns freilich nicht wundern, wenn du wieder deine Herzkrämpfe bekommst. Sarah: Ja doch, ich bin schon still. (Tritt wieder aus Fenster). .— Elias, sieh, was ist denn das? Das sind ja unsere Leut'. Elias (neben sie tretend): Freilich, wahrscheinlich wieder Ausgewiesene, — die Aermsten! Sarah: Sieh dir nur an, wie sie aussehen, elend und krank, als ob sie schon tagelang nichts gegessen hätten. Ach, und die kleinen Kinder, wie sie jämmerlich weinen. Konnn, Elias, ich will sehen, was ich in der Küche habe. Ein paar Flaschen Wein müssen noch in der Speisekammer sein vom letzten Pessachfest. Elias (wieder au seinen Platz am Tische zurückkehrend): Du hast wohl vergessen, daß es verboten ist, die Flüchtlinge zu laben. Sarah: . Auch das ist uns verboten. Obdach dürfen wix den Ausgewiesenen nicht gewähren, sagtest du mir, aber — Elias (auffahrend): Nichts dürfen wir, gar nichts, nur ducken und wieder ducken und kriechen und schmeicheln und ihnen die Hände küssen, daß sie uns bisher nicht den Laufpaß gegeben haben wie denen da unten. . Sarah: Es geht uns doch auch noch gut im Vergleich zu jenen. . Elias: Freilich, Särchen, wie lange wohl noch? Sarah : Eli, David kommt, und mitten unter den Flüchtlingen, als ob er zu ihnen gehörte. Er scheint auch mit ihnen zu sprechen. Elias: Du hast dich also wieder einmal unnötig geängstigt, Gott sei Dank. (Beide blicken erwartungsvoll nach der Tür.) 2, Szene. (David tritt von der Außeutür ein, Jüngling von etwa 22 Jahren, brünett, sympathisches Aeußere.) David (ans Fenster tretend): Saht ihr sie vorbeiziehen, und da hinten kommen immer noch mehr. Elias: Es ist sehr traurig, aber wir sehen das leider nicht zum erstenmal. — Du erzählst doch gar nichts. ..Wie w ar es? . Sarah (ängstlich): Wann wirst du eingestellt? David: Noch in dieser Woche, Mutter, aber ich bleibe hier während der Ausbildungszeit. Sarah: Ein kleiner Trost! Aber hätten sie einen solch schwächlichen Menschen nicht ganz freigebpn können, Eli? Elias (spöttisch): Ein Ehrenamt muß man uns doch ausüben lassen. David: Und daß wir unser Blut für das Vaterland hingeben dürfen, ist das einzige, was uns Juden noch vergönnt'wird. Elias: Nicht so laut, David, vergiß nicht, daß wir jetzt sehr vorsichtig sein müssen! David: Das bin ich auch immer, nur heute — wirst du mich vielleicht unvorsichtig schelten. Sei nicht böse, Vater — ich habe euch einen Gast gebracht, er ist im Hinterzimmer. Elias: Von den Flüchtlingen? (David nickt.) Elias: Unglücksmensch! Trotz des Verbotes? Das kann ich nicht zugeben. Weißt du denn, daß wir ausgewiesen werden, wenn es herauskvmmt? (Will ausspringen.) Da.vid: Willst du eine alte Frau, die im Sterben liegt, wieder in die Winterkälte hinausjagen? Elias: Im Sterben? David: Vielleicht lebt sie. schon in diesem Augenblick nicht mehr. ' - ': ~ Sarah: Ich bin ja außer mir. (Will davoueilen.) David: Höre mich noch einen' Augenblick an, Mutter. Es ist noch ein hübsches, junges Mädchen bei ihr, das ist die Tochter. Mit ihr zusammen habe ich die Kranke in unser HauS getragen. Niemand von den Wachthabenden hat auf uns geachtet. Tu brauchst also keine Angst zu haben, Vater. (Sarah eilig ah durch die Küchrntür, da neben der Küche die Schlafväume zu denken sind.) Elias: Die Umstand', die Umstand', wenn nun die Frau bei uns stirbt? D a v id: Sollte ich sie auf der Gasse sterben lassen? Hättest du das übers Herz gebracht? Elias (zuckt mit den Achseln, nach einer Pause): Und. was soll mit dem Mädchen werden? ... David (stockend): Ich dachte, daß — daß wir sie bei uns behalten, bis ruhigere Zeiten kommen und sie in ihre Heimat zurückkehren kann. Elias: Ruhigere Zeiten, da kannst du lange warten, — Ich hätte ja nichts dagegen, daß sie bei Uns bleibt: Es ist ein gutes Werk, eine Waise aufzunehmen, und auf einen Esser mehr kommt es ja, Gott sei Dank, bei uns nicht an. Aber die

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