Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 85 (1921)
- Issue
- Heft 1 (7.1.1921)
- Date
- 1921-01-07
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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jur Beek, dem Verfasser der „Weisen von Zion", sollen die Beschlüsse, die dort mitgeteilt worden sind, aber erst 1897 in den Verhandlungen gefaht worden sein! — Otto Friedrich stellt in zwölf größeren und kleineren Abschnitten Sätze aus dem Roman Goedsches und dem -Auszuge, den Gottfried zur Beek ausder Schrift „Ein Rabbiner über die Gojim" in den „Weisen von Zion" mitteilt, gegenüber und — es ergibt sich eine fast wörtliche Uebereinstimmung! — Das genügt! — Im weiteren Verlauf seiner Schrift weist Otto Friedrich als Fälschung und freie Phantasie des bekannten Spitzels Nilus fast den gesamten Inhalt der Verhandlungsberichte nach. Er führt aber auch unwiderleglich den Beweis, „d a ß die B e -r - h a n d l u n g s b e r i ch t e für niemand anders als den P r i v a t g e b r a u ch der letzten Romanows zurechtgemacht worden sind". Friedrich begnügt sich indes nicht nur mit der Feststellung der Fälschungen als eines Verbrechens, mit, geistvoller Ironie und einem befreienden Lachen weist er auch die Dummheit und Plumpheit dieser Fälschungen nach. Das geschieht in den Kapiteln: „Die verräterischen Knöpfe", „Der internationale Hochstapler als Schwurzeuge", „Jüdische und Offiziersmoral", „Märchen eines antisemitischen Boxers", „Das gelobte Land in Ungarn und Galizien", „Die sibirischen Eisenbahnen", „Brinke'l". Einige dieser von Friedrich mitgeierlten antisemitischen Dummheiten seien hier vermerkt: 1. In den Verhandlungsberichten wird der Beschluß mitgeteilt: „Sobald die Zeit gekommen sein wird, die Macht des Papstes endgültig zu zerstören, wird der Finger einer unsichtbaren Hand die Völker auf den päpstlichen Hof Hinweisen . . . Wir werden die päpstlichen Gemächer nicht eher verlassen, bis ... die ganze Macht des Papstes völlig gebrochen ist." Den Beschluß haben die Weisen von Zion 18 9 7 gefaßt, nachdem 18 7 0 die politische Macht des Papstes gebrochen war!-2. Die Weisen von Zion beschließen 1 89 7, von den Stollen der Untergrundbahnen aus, im Falle der Gefahr, die Hauptstädte der Welt mit den Staatsleitungen, Aemtern-, Urkundensammlungen und den Nichtjuden mit ihrem Hab und Gut in die Lust zu sprengen. Dazu bemerkt Friedrich (gesperrt): Das ist echtrussische Spitzelphantasie! Nur in London, Paris, Berlin, Budapest, Wien und Konstantinopel gab es bis zum Jahre 1906 Untergrundbahnen. Wenn sich aber, wie beispielsweise in Berlin, die Untergrundbahnen unter den Straßenzügen befinden, wie ist es da möglich, die Stadt in die Luft zu sprengen? — Und wie soll das Experiment gelingen, ohne daß den in diesen Städten wohnenden Juden ein Haar gekrümmt wird? — 3. Gottfried zur Beek beruft sich auf einen Schwurzeugen, Osman Bey. Dabei ist ihm bekannt, daß dieser Osman Bey ein Hochstapler und Betrüger niedrigster Art, namens Mallinger ist, ein geborener Jude, der Renegat wurde, als die Juden von ihm als geborenen Verbrecher nichts wissen wollten, und der dann, wie -alle Renegaten, durch besondere Schmähungen und Verleumdungen seiner ehemaligen Glaubensgenossen seine Abstammung vergessen machen wollte. 4. Moses Montefiore, der bekannte jüdische Philanthrop, soll nach diesem Mallin-ger auf dem Sanhedrin in Krakau 1840 die Judenherrschaft der Welt gefordert haben, so berichtet Gottfried zur Beek. In Wirklichkeit hat seit dem letzten Sanhedrin in Paris 1807 keine jüdische Versammlung, die auf den Namen Sanhedrin Anspruch machen könnte, stattgefunden. Außerdem war Montefiore 1840 in Aegypten undin der Türkei zum Schutze seiner Glaubensgenossen. Wie kann -er 1840 in Krakau gewesen sein? — 5. Die Evmordung des deutschen Gesandten in China, des Freiherrn v. Ketteler, im Jahre 1900 durch die Boxer soll schon vierzehn Tage vorher in den 8 --— ' europäischen Zeitungen (die nach der Behauptung der Antisemiten in den Händen der Juden sind) gestanden haben. Merkst du was, anti- und philosemitischer Leser? — 6. König Humhert von Italien ist nach Gottfried zur Beek durch einen Freimaurer, also Judengenossen, ermordet worden. — 7. Die Ermordung des Ministerpräsidenten Stolypin ist von vuMschen Verschwörern im Romanischen Casö an der Kaiser-Wilhelm-iGedächtniskirche in Berlin beschlossen worden. — 8. Der Mörder des Erzherzogs Franz Ferdinand in Sevajewo ist nach -Gottfried zur Beek ein Jude! — 9. Die Juden in Sibirien sollen einen Aufruf erlassen haben, worin es heißt: „Die Eisenbahnen gehören uns." Ausgerechnet in Sibirien, wo die Juden nicht einmal Aufenthaltserlaubnis -hatten, sondern nur als verbannte politische Verbrecher wohnten. Die Leser werden an diesen Beweisen Otto Friedrichs für die Dummheit und Klugheit der antisemitischen Fälschungen hoffentlich genug haben. Wer herzhaft lachen will, kann in der Lektüre der Friedrichschen Schrift noch mehr finden. Wir empfehlen unseren Lesern das eingehende Studium dieser beiden Bekenntnisschriften von Nichtjuden aufs wärmste. Sie werden dankbar der beiden, Wahrheit und Gerechtigkeit liebenden Männer gedenken, und mit dem Propheten ausrufen: „Ki Io almon jisroel!" — Noch ist Israel nicht verwaist! Saul. Eine pathopsychologische Studie. Von De. Bern dt Götz (Berlm-Wiüenau)'). enn wir die Schar der biblischen Persönlichkeiten vor unseren Augen vorüberziehen lassen, so wird unser psychologischer Blick in überreichem Maße gesättigt; die Höhen und Tiefen der menschlichen Seele, ihre Leidenschaften und Strebungen stehen in voller Lebendigkeit vor uns. Aber nur einmal zwingt uns die Bibel, in den Abgrund psychischer Krankheit zu schauen, einmal ist in dem wallenden Zuge der Gestalten eine Lücke, in der ein Einsamer schreitet, die Krone auf dem Haupt, das Schwert des vielfachen Siegers in der Hand, ein König, der seines kranken Geistes schmerzerfülltester Sklave war — Saul. Ihm fei unser Sinnen nun zugewandt, dem Geschlagenen, dessen Gebeine nun schon jahrtausendelang unter der Tamariske von Jabefch ruhen. Wie er selbst in Angst und Drang den Geist Samuels von den Schatten beschwor, um für sein wankendes Königtum Rat zu heischen, so wollen wir seine Persönlichkeit von tausendjährigem Schlaf erwecken und durch den Zauberstab wissenschaftlicher Erkenntnis dem Toten das Geheimnis seiner Wesensart ablauschen. Wir sehen das israelitische Volk inmitten einer schweren innerpolitischen Krise. Es ist mit den Richtern, den Volksbeauftragten, unzufrieden und sehnt sich danach, die eigene Verantwortung, die ihm zu schwer geworden, an eine einzelne Persönlichkeit abzugeben. Alle Gegenvorstellungen des demokratischen Hierarchen Samuel sind fruchtlos, die Menge will gern die Lasten eines diktatorischen Regimes dulden — nur fort vom Joch politischen Selbstbestimmungsrechts. Samuel überlegt, und der Geist -Gottes rät ihm, der Strebung des Volkes einen zweckmäßigen Weg zu geben; er macht der Zeit die nötige Konzession und verspricht den Volksvertretern einen König. ’) Meinem hochverehrten Lehrer Herrn Direktor Dr. M. Holzmnn zu seinem achtzigsten Geburtstage gewidmet.