Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 85 (1921)
- Issue
- Heft 1 (7.1.1921)
- Date
- 1921-01-07
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
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Wie die Verhältnisse mm liegen, ist eine intensive HMfSaktion zu- Künsten der 13 000 jüdischen KriegAgefangenen in Deutschland, um sie am Leben zu erhalten, ein dringendes Gebot der Menschlichkeit. Es muß rasche Hilfe für sie kommen, da die Sterblichkeit unter ihnen von Tag zu Tag Minimmt. Ihre Not ist groß, schleunige Hilfe dringend erforderlich. Jakob K i r s ch b a u m. | Leopold Landau. | a# deutsche Judentmn hat durch den Tod Leopold Landaus wieder einen Großen verloren, der an allen Gegenwartsaufgaben des Judentums mit rastloser Hingabe mitwirkte. Geheimer MediZ-inalrat Professor Dr. Leopold Landlau ist am 16. Juli 1848 in Warschau als Sohn der jüdischen Geistesaristokratie hervorgegangen sind. Landau studierte in Breslau, Würzburg und Berlin Medizin, habilitierte sich 1872 in Breslau und trat 1876 in den Lehrkörper der Berliner Universität ein. 1893 wurde er znm austerordenitlichen Professor ernannt. Airßer zahlreichen• Arbeiten in wissenschaftlichen Fachblättern veröffentlichte Landau eine große Anzahl Monographien sowie einige große Werke von Ewigkeitsdauer. Das wissenschaftliche Material dazu mußte er selber herbeischaffen, da die Berliner Universität ihm jedwede Förderung versagte. Für sie blieb Landau, wie zahlreiche andere protze jüdische Gelehrte und Forscher, immer nur der simple Privatdozent ohne Lehrstuhl wie im Jahre 1874, und wenn Landail -nicht ibloß als Forscher, sondern auch als Lehrer und Bildner der akademischen- Jugend der Wissenschaft, der Menschheit und in erster Reihe dem deutschen Volke große Dienste erweisen konnte, so hat er es niemandem anders als sich selber und seiner eigenen .großen Energie zu verdanken. Im Jahre 1892 eröffnete Landau in der Philippstraße in Berlin eine eigene große Frauenklinik, in der er sich zunächst das erforderliche wissenschaftliche Lehrmaterial beschaffte. ' Hier hat er seit über 25 Jahren Borlesungen gehalten, hier vermochte er Tausende wissensdurstiger Jünglinge zu unterrichten und Hunderte von Assistenten zu tüchtigen Frauenärzten auszudilden. Unter diesen befanden sich au>ch zahlreiche Juden, die sonst vielleicht keine Möglichkeit gefunden hätten, sich in ihrem Spezialfach zu vervollständigen. Die Landausche Privatklinik wurde als eine Mnsteranstalt Jahrzehnte hindurch von vielen Aerzten des In- und Auslandes ausgesucht; zahlreiche Studierende haben hier ihre Ausbildung empfangen. Mustergültig war auch die von ihm seiner Klinik ungegliederte pathologischanatomische Abteilung. Voll von Ideen, im Besitze einer bedeutenden operativen Technik, hat Landau Zahlreiche Operationsmethoden ausgebildet. In gleichem Maße wie als Forscher und Lehrer wirkte er als ausübender Arzt. Biele Jahre hindurch war er einer der am meisten in Anspruch genom-menen Frauenärzte Berlins. Zugleich widmete er seine unermüdliche Arbeitskraft den Aerzten, die er viele Jahre hindurch in der Aerztekammer vertreten hat. Biele Jahre hindurch hat Leopold Landau auch eine hervorragende Stelle im Berliner Gemeindeleben eingenommen. Seit 1901 war er Stadtverordneter, als solcher hat er in den meisten Fragen des städtischen Gesundheitswesens bestimmend mitgewirkt. In den Kriegen von 1870 und 1914 stand Landau als Stabsarzt im Dienste des Vaterlandes. Mit besonderer Hingabe betätigte sich Landau im jüdischen Leben. Jeder Versuch zur Hebung der Lage der Juden durfte auf seine Mitarbeit rechnen. Einige Jahre gehörte er als Repräsentant der Berliner Jüdischen Gemeindeverwaltung an. Mehr als ein Bierteljahrhundert wirkte er in der Bewegung für die Kolonisation Palästinas, nahm regen Anteil an den Arbeiten des Vereins Esra. bekundete lebhiastes Interesse für die Regeneration des jüdischen Volkes und förderte tatkräftig alle Bestrebungen, die zum Wiederaufbau Palästinas und der heiligen Stadt Jerusalem geeignet sind. Der in dieser Nummer erscheinende Aufruf um Unterstützung der Universitätsbibliothek in Jerusalem trägt an erster Stelle seinen Namen. Er begründete gemeinsam mit anderen Berliner Universitätslehrern die „Kurse für ausländische Studierende", die den von der Berliner Universität aus politischen Rücksichten ausgeschlossenen ausländischen jüdischen Studenten die Möglichkeit wissenschaftlicher Fort'bildlmig gaben. Die letzten Jahve seines Lebens widmete Landau dem Ausbau der Akademie für die Wissenschaft des Judentums, die, von Hermann Cohen ins Leben gerufen, von ihm in kongenialer Weise erstrebt wurde. Das jüdische Leben in Deutschland ist durch diesen Verlust verarmt. Erfreulicherweise ist Leopold Landaus einziger Sohn, Professor Landau (Göttingen), ein bekannter Mathematiker, der Schwiegersohn P a u l E h r l i ch s, der Erbe der jüdischen Tradition seines Vaters. *** Lwki Lkkrmitmsschriktm von Mchtjudkv. Neues apologetisches Material. Von Hermann Becker (Berlin), II. (Schluß.) ie zweite Bekenntnisschrift von Otto Friedrich: „Die Weiten von Zion, das Buch der Fälschungen". An den Tag gebracht von Otto Friedrich, (Verlag von Dr. Meyer u. Co., Preis 1,20 Mark) beschäftigt sich ausschließlich mit dem von Strack gebraudmarkt-en Machwerk. Es ist für jeden Deutschen tief betrübend, wenn heutzutage jeder, der, von Gerechtigkeit und Wahrheitsliebe getrieben, sich zum Anwalt der Verfolgten und Bedrückten macht, ausdrücklich versichern muß, daß er weder der Gemeinschaft dieser Verfolgten angehört, noch von ihnen erkauft worden ist! — So muß auch Otto Friedrich bekennen: „Da ich aus meiner langjährigen Tätigkeit im öffentlichen Leben weiß, daß die Antisemiten schnellbei der Hand sind, jeden, der ihrer Judenhetze en kg ege n tr i tt, als „Jud enstämMling" oder g ar „Iud etuniet ling" zu de zeichnen, halte ich es für notwendig, ausdrücklich zu versichern, daß ich weder Jude, noch Philosemit bin, noch handle ich gar im Aufträge von Juden. Mich treibt einzig und allein das Verlangen, das Geschwür w eg z u op eri eren, das unser öffentliches Leben und unsere In g e n d zu vergiften droht. Deshalb h änge ich d er im D un keln schleichenden Katze di e Schelle um." — Auch Friedrich kommt zu dem Urteil Stracks über den Verfasser der „Weisen von Zion": Auf dem Wege über den Antisemitismus will er den Boden für reaktionäre G e l ü st e vor bereiten! — Juden und Judentum sind ihm nur Mittel zum Zweck. Reaktion ist Trumps! — (Von Friedrich selbst gesperrt gedruckt.) Friedrich weist nach, daß ein Teil der Verhaudlungs'berichte der „Weisen von Zion" fast wörtlich mit einer Schrift „Ein Rabbiner über die Gojim" übereinstimmt. Diese Schrift, auf welche sich der Verfasser der „Weisen von Zion" beruft, ist im Auszuge in der völkischen Wochenschrift für Deutsch-Oesterreich „Michel, wach auf!" erschienen. Dieser Auszug aber stützt sich auf eine Anfrage des jungtschechischen Abgeordneten Breganowski, die er im Jahre 19 01 an den österreichischen Kriegsminister gerichtet hat. Nun sollen nach den Mitteilungen des Verfassers der „Weisen von Zion" die Verhandlungen 1 8 9 7 stattgesundeu haben. Somit ist die Fälschung offenbar erwiesen, denn wenn die Schrift „Ein Rabbiner über die Gojim" erst 1901 zu -einer Anfrage geführr hat, wie können da Auszüge aus dieser Schrift in Verhandlungs'berichten von 1897 benutzt werden? Aber selbst diese Schrift des Rabbiners über die Gojim ist noch nicht die Urquelle; sie ist, wie Strack ebenso lückenlos bewiesen hat, ein - Kapitel aus Goedsches Roman „Biarritz", mit der U-eberschrift „Auf dem Judenkirchhof in Prag". Dieser Roman i ft a b e r bereits 1868 erschienen; nach Gottfried