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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1921-01-07 · Heft 1 (7.1.1921) · p. Seite 6

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
85 (1921)
Issue
Heft 1 (7.1.1921)
Date
1921-01-07
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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dein Mandate wi-rd auch eine spezielle Kommission gefchafsen, die ' die Oberaufsicht über die heiligen Orte in PalästiN'a führen soll, j Ter Völkerb'undsrn't Hot sich das Recht gewehrt, den Präsidenten! dieser Kommission direkt zu ernennen, mährend die übrigen Mitj glieder von der M.a'Ndatarmacht, d. h. Englalnd, ernannt w.erden. j In bem Mandate soll auch erklärt werden, daß die palästinensische | Regierung mit der Zionistischen Organisation sich beraten soll be- , treffend der ökonomischen Entwickelung des Landes und der Ent-! Wickelung der Wege und Verkehrsmittel. Das Mandat gibt j also im a l l g e m e i n ende m j ü d i s ch e n Volke die Mögl i ch k e i t, in Palästina se i n n a t i ona lesHeinr zu e r - r i ch ten , un d e s hä n g t n u n v on de r Größe de r a u s - gebrachten Mittel ab, ob f- .i ch die s e H o f f n u n g r a s ch er o d e r l a. n g s a m e r v e r w i x k X v dy e n w i r d. im Zusammenhang mit der Errichtung einer nationalen Heimstätte -ür die Juden dort zu fördern. Die Einführung.von Kapital nach Palästina werde sämtlichen Bewohnern des Landes zum Vorteil 'gereichen, -deren Interessen durch die Balfour-Deklaration und durch die Politik der Regierung sicher gestellt seien. * Kanada. Zufolge Zunahme der Arbeitslosigkeit wurden in K a n a d a neue Einschränkungsbestimmungen für Immigranten erlassen, wonach die Einwanderer bei ihrer Ankunft * in Kanada 250 Dollar besitzen müssen. Bei Familieneinwanderung. müssen Personen unter 18 Jahren 50 und über 18 Jahren 125 Dollar besitzen. Die Verordnung tritt mit 1. Januar 1921 in Kraft. Englisches Militär in Palästina. Aus London wird gemeldet: Aus eine Anfrage im Unterhaus^ wie hoch die Kosten der englischen. Militärausgaben in Palästina seien, antwortete Minister Winston Chambertain, daß diese nur noch WO 000 Pfund Sterling betrügen. Hierzu wird mitgeteilh daß auch diese Summe sich nur dadurch ergibt, daß der größte Teil der ägyptischen Garnison nach Sü dpa lösti na verlegt nwrden ist, wodurch die ägyptischen Ausgaben sich formell ans mix 90 000 Pfund Sterling stellen. Jedenfalls erreichen, diese AlilitärausgadeniPalästinas bei wertem nicht die Suurnwn, ivelche von verschiedenen englischen Zeitungen genannt worden sind, die eine Propaganda zur Verringerung der englischen :l'l tlitäransgabcn im Orient eingeleiter haben. Z. K. * Sir Alfred Mond nnd der Palästina-Grundfonds. In Manchester fand eine von zahlreichen jüdischen Persönlichkeiten besuchte Konferenz statt, welche sich mit der Organisierung der Aktion für den Palästina-Grundfonds (Keren Hajessod) bejahte. Leiter der Konferenz war der bekannte Großindustrielle und derzeitige Minister der öffentlichen Arbeiten Sir Alfred Mond. An die Konferenz schloß sich eine große öffentliche Versammlung. unter dem Vorsitz Sir Alfred Monds, der eine längere Rede hielt, in welcher er betonte, Palästina sei zwar verwüstet, aber alle Elemente seiner Wiederherstellung seien vorhanden. Wenn das Land wi-edev bewässert und bebaut werde, so werde es Ernte und Frucht hervorbringen wie irgendein Land der Welt und sich der industriellen Entwicklung öffnen. Nichts werde ihn überzeugen, daß es nicht möglich sei, die Heimat der Juden miede rher zu stellen. Professor Weizmann, Präsident der Zionistischen Organisation, wies in seiner Rede darauf hin, daß Minister Alfred Mond an der Spitze des „Economic Council", des Wirtschaftsrates des Palästina-Grundfonds, stehe. Dem „Economic Council" traten unter anderen bei Lord Walther Rothschild mvb Baron James Rothschild. Ueber den Keren Hajessod äußerte sich ferner auf eine Anfrage im Unterhause hin Minister Bonar Law. Er führte aus, der Zweck des Keren Hajessod sei, Spenden von den Juden, der ganzen Welt zu erhalten mit der Absicht, die wirtschaftliche Entwicklung Palästinas Grabsteinsetzung auf dem interkonfessionellen Friedhof der rusischen Briegsgefangenen in Diratz. Die Lage der jüdischen Lriegsgekansenen in Deutschland. Nach Angaben des hiesigen Vertreters der russischen Regierung befinden sich noch zurzeit in. Deutschland über 200 000 russische Kriegsgefangene, außer den 70 000 bis 80 000. die während des letzten ' p cbn i sch^ruf stsche n Krieges in Ostpreußen entwaffnet wurden. Die Gefangenen leben in den Lägern: Altdamm, Stargard, Frankfurt a. d. O., Gardelegen. Quedlinburg, Celle, Hameln u. a. Unter den Gefangenen befinden sich 5,4 Prozent russische und ukrainische Juden, die schon 7 Jahre, ihrer Heimat. entrückt, von Frau- und Kind,getrennt sind. Die jüdischen wie alle russischen Kriegsge'fan'genen, die sich in Deutschland befinden, stehen -unter der Aufsicht des hiesigen Vertreters Sowjetruhlands für Kriegsgesangeuenangelegenheite n, der die Aufgabe h,at, die Kriegsgefangenen nach Sowjetrutzland zurückzubefördern. Nach dem Ergebnis der bisher ersolgten Transporte, die wegen der technischen und allgemeinen Ursachen Nllr langsam vor sich gehen, ist damit zu» rechnen, daß die Transporte erst in dr!ei Jahren endgültig beendet fein werden. Die Kriegsgefangenen sind während des Weltkrieges von verschiedenen privaten Wehltät.igkei tsinstitutioncn unterstützt worden. Die Mittel dazu wurden durch. Spenden' gesannnelt. Auch heute existieren noch Hilssinstitutionen, abernnr für russische Kriegsgefangene, nicht für jüdische. Im Jahre19i7 hatte ein Reichsverband für jüdische Kriegsgesangenensürsorge unter dem Namen „Roter Magen David" existiert. Mus Mangel an Mitteln mußte er leider liquidiert werden. Die jüdischen Kriegsgefangenen befinden sich zurzeit in einem äußerst traurigm Zustande. Eine große Anzahl liegt krank in den Lazaretten. „In den verschiedenen Briefen," äußerte -mir gegenüber Rabbiner Dr. Ioseph, der sich mit der Lage der jüdischen Kriegsgefangenen beschäftigt, „die ich von ihnen bekomme, bitten sie mich, ihnen. zu helfen; aber da ich keine Mittel zur Verfügung habe, kann ich leidex nicht helfen/ Die jüdischen Kriegsgefangenen haben auch besondere Wünsche nach Befriedigung ihrer geistigen Interessen. .Auch.Zn dieser Beziehung habe ich leider nicht die nötigen Hilfsmöglichkeiten."

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