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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1921-01-07 · Heft 1 (7.1.1921) · p. Seite 5

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
85 (1921)
Issue
Heft 1 (7.1.1921)
Date
1921-01-07
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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, 5 Der Verband her jüdischen Lehrervereine bittet uns um den Abdruck- - seiner jüngst gefaßten - Bes chlüs s e: - I, Zur Frage der Gesamtorganisation: Der GcschäftssHhrerjde Ausschuß des Verbandes der jüdischen Lehrervereine im Deutschen Reiche beschloß in seiner Sitzung in Kassel am 27. Dezember 1920, die Mitwirkung der jüdischen Lehrerschaft an der vom D. I. G. B. geplanten Gesamtorganisation der deutschen Juden von folgenden Bedingungen abhängig zu mnchen: 1. Bewilligung einer Vertretung der jüdischen Lehrerschaft im großen Rat des neuen Gemeindebundes; 2. Regelung der Anstellung, Besoldung und Versorgung der jüdischen Gemeindelehrer und Kultüsbeamtett durch die Bundesverfassung. Der Geschäftsführende Ausschuß des Lehrerverbandes hält ferner zu einer einigermaßen ausreichenden Unterstützung der. leistungsschwachen Gemeinden eine Bundessteuer von mindestens 5 Prozent der Gemeindeeinnahmen für erforderlich. II. Zur Besoldungsfrag e: Ter Geschäftsführende Ausschuß des L'chrerverbandes hat mit größtem. Bedauern sestgestellt, daß eine große Anzahl jüdischer Gemeinden der bedrängten wirtschaftlichen Lage ihrer Lehrer und Knltusbeamten nicht die nötige Beachtung geschenkt und eine Besserung der. Beamtenverhältnisse noch nicht herbeigeführt hat. Der Geschäftsführende Ausschuß appelliert nochmals dringend an die rückständigen Gemeinden, daß sie schon im Interes se des Ansehens des Judentums dessen Trägern und Vertretern, den Mt schien- Lehrern, eine würdige Stellung mit Zeitgemäßer, auskömmlicher Besoldung gewähren. ' mmnc Kundgebung W Defter^eiMsch-Jsraelitischsn Union. Die bisherige Oester reichisch-Jsr aelitifche Union, die sich jetzt Union der deutsch-österreichischen Juden nennt, protestiert gegen die Ausschreibung allgemein jüdischer Wahlen zu einer Gesamtvertretung der österreichischen Juden, die der jüdische Nationalrat ausgeschrieben hat. Die „Union" erklärt, daß der Nationalrat nur die Vertretung der Nationaljuden darstelle und deshalb nicht im Namen der gesamten österreichischen Judenheit sprechen könne. Die Mehrheit der österreichischen Juden lehne jede Art von Sonderstellung in Men ab und wünsche keinerlei nationale oder politische Mnderheitsrechte. * Barbarische Hndenhetze in Ungar«. Im Auftrag der Regierung werden in Budapest die fremden Juden, hauptsächlich Galizianer, in nächtlichen Radien zusammengesangen und ohne Rücksicht darauf, ob sie während des Krieges o.der noch vor dem Kriege eingewandert sind, ob ihnen Ausweisungsbefehle! bereits emgehändigt wurden oder nicht, mit ihren Familien, Frauen und Kindern, ins Schubhaus in der Mosonhigasse gebracht, wo sie in Kellern und ungeheizten! Räumen und Zimmern.ohne Fensterscheiben, mit Verbrechern, Vaganten und Straßendirnen zusammengepfercht bleiben müssen. Bis jetzt sind im Schubhaus mehr als tausend Juden eingeliefert, wo sie, da keine Liagegelegenheit vorhanden ist, ohne Nahrung, die Nächte stehend zublrrngen müssen. Nach« einiger Zeit oder wenn das Schubhaus überfüllt ist, werden sie ins Jnterniertettlager nach Pilis-Csaba gebracht, wo bisher schon über achthundert Juden untergebrächt sind. Auch hier haben die Internierten, nicht nur unter der Kälte zu seiden, sondern erliegen auch infektiösen Krankheiten, von welchen Dieses Lager noch aus der Zeit her verseucht ist, da es als Konzentrationslager für die internierten Rumänen während des Krieges diente. Sowohl während der Einlieferung der Juden in das Schubhaus, als auch.auf dem Transport nach Pilts-Csaba sind diese den är,giften Mißhandlungen!! durch die behördlichen' Organe ausgesetzt. Bisher wurden aus dem Schubhaus, und aus PiliA-Csaba zwanzig Todesfälle gemeldet, während eine grpße Zahl, besonders Frauen und, Kinder, von verschiedenen.Krancheiten ergriffen wurden. Die Bestürzung unter den Inden ist eine sehr große, da die Razzien ununterbrochen. fortdauern und. das Glend und, die Verzweiflung unter den Verhafteten und Internierten runner mehr Platz greifen,. (Wiener Morgenzeitung.) 25 000 Dollar für die Budapester Arme«kinder. Die im Joint vereinigte amerikanische Judenschaft hat vor Monaten dem Bürgermeister der Hauptstadt Budapest durch Vermittelung des einstigen Ministers Eugen Pol nah die Summe von 25 000 Dollar — 11 Millionen Kronen — zur Beschaffung von Schuhwert für die Armenkinder Budapests zukommen lassen, die nach den Intentionen der Spender ohne Unterschied der Konfession zu verteilen wären. Die enorme Summe wurde von Herrn Polnay dem derzeitigen Bürgermeister Dr. Sipöcz über,geben, was' in einzelnen Kreisen der ungarischen Judenschaft, aber auch im Auslande, peinliches Aufsehen erregte, weil man in diesen Kreisen befürchtete, daß die hauptstädtische Leitung, die bekanntlich in neuerer Zeit einen scharfen judengegnerischen Kurs eingeschlagen hat, auch bei der Verteilung dieser Liebesgaben die jüdischen Armen benachteilige, was keinesfalls den Intentionen der Spender entsprechen konnte. Die S.ache uuir-bc auch in der ausländischen zionistischen Presse ventiliert. Wie nun von inspirierter Seite mitgetei'lt wird, läßt die Hauptstadt die Schuhe von hauptstädtischen Handwerkern erzeugen und wird 20 Prozent derselben dem Leiter des ungarländischen Komitees des Joint, Herrn Eugen Polnay, zur Verteilung unter '.die jüdischen Armen überweisen. * Der Völkerbund und die Pogrome. In der 29. Plenarsitzung des Völkerbundes brachte Lord Robert Cecil am 17. Dezember bei der Behandlung der Frage, eine internationale Militärexpedition zur Abstellung der Massaker nach Armenien zu entsenden, folgende Interpellation über die Pogrome ein: Herr Präsident, ich erlaube mir die Frage, ob Sie einen Brief von einer gewissen jüdischen Zentralorganisation erhalten haben, die die Aufmerksamkeit der Versammlung lenkt auf die schrecklichen Leiden, denen, die jüdische Bevölkerung in der Ukraine und in anderen Ländern ausgesetzt ist, und ob Sie jenen Brief der Versammlung vorlesen wollen oder welche Schritte Sie zu unternehmen gedenken, um ihn der Versammlung zur Kenntnis zu bringen. Präsident Hymans erwiderte, er habe in der Tat zwei Briefe erhalten, die sich auf die Leiden der jüdischen Bevölkerung in Osteuropa beziehen, einen von der Alliance Israelite Universelle, unterschrieben von Professor Sylvain Levy, und einen vom Komitee der Jüdischen Delegationen, von Sokolow, Zangwill und Lucien Wolf unterzeichnet. Diese beiden! Briese — ohne besonders von de-r Ukraine zu sprechen — lenken die Aufmerksamkeit der zivilisierten Welt aus die Gefahr der Pogrome und auf die Gefahren, Schwierigkeiten und Leiden, die aus der Emigration der ostjüdischen Bevölkerung nach Westeuropa und Amerika resultieren. Da diese Dokumente ziemlich lang sind und genauer geprüft zu werden verdienen, wäre es vorzuziehen, daß wir sie veröffentlichen und an die Mitglieder des Völkerbundes verteilen lassen. . J. P. Z. ’ * Das Mandat über Palästina und der Völkerbund. Wie aus dem Bericht über die letzte Tagung der VMerbundsversammlu'Nigj 'ersichtlich, . wurden die Bestimmungen des Mandates Wer Palästina von der Volkeibundsversammlnng als solcher nicht bchandskt, sondern es wurde 'einfach zur Kenntnis genommen, daß das Mandat durch den Völkerbnndsrat geregelt worden sei. Nach Ratifizierung des Fr iedensver träges mit der Türkei wird das jetzt .vom Völkerbiundsrat sestgelegte Mandat vom Sekretariat des Völkerbundes einfach registriert werden und dadurch! m Kraft treten. Es sind' dies natürlich alles nur noch bloße Formalitäten, .uindtoie Frage de s Mandats über Palästina kann bereits, jetzt als endgültig gerege l. <t b e t r a ch t e t wer d e n. Obwohl der Text des Mandates, wie von Lord Cecil beton!t, vom Völkerbundsrat als vertraulich erklärt wurde, so ist doch bereits jetzt bekannt, daß das Mandat die Balf-ou r - Dekla rati o n noch konkreter f e st fe tz t, als e s i n, Sa n R e m o geschehen i st. Das historische Recht der Judenauf Palästina wird kategorisch anerkannt und auch festgestellt, daß das Hebräische eine der drei offiziellen Landessprachen ist. In besonderen Paragraphen werden die Interessen der nichtsüdischein Nationen in Palästina geregelt. Laut

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