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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1920-12-24 · Heft 39 (24.12.1920) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
84 (1920)
Issue
Heft 39 (24.12.1920)
Date
1920-12-24
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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heiteren/ in dem ' auch dank dem von -den hiesigen Mischen Hausfrauen so reichlich gespendeten Kuchen materiellere Genüsse geboten werden konnten. Der nicht unerhebliche Reinertrag des Festes fließt der Israelitischen Taubstummenanstalt Zu, in der zurzeit fünfzig jüdische taubstumme Knaben und Mädchen, darunter nicht wenige Halb¬ oder Vollfreizögling-e, in der Lautsprache unterrichtet und zu guten, brauchbaren Menschen und Juden herangebildet werden. Die Israelitische Taubstummenanstalt zu Berlin-Weißensee, die einzige jüdische Anstalt dieser Art in ganz Deutschland, kämpft infolge der fast ungeheuerlich gestiegenen Ausgaben schwer um ihre Existenz, und wenn ihr nicht schnell und nachhaltig von allen Juden des Deutschen Reiches — denn sie alle geht es an — geholfen wird, muß sie einem Teil der fast täglich sich neu meldenden taubstummen Kinder die Aufnahme verweigern. Um so dankbarer empfindet sie daher die ihr durch das Chanukafest der hiesigen jüdischen Einwohner gewordene Unterstützung und hofft, daß der Opfersinn der Juden, an den man sich ja noch nie vergeblich gewandt hat, auch heute und in diesem Falle stark genug sein wird, dieses so überaus segensreiche Institut zu erhalten. J. B. Nikolassee b. Berlin, 21. Dezember. Selten lochl. vielleicht nie, ist aus di-eser jungen Siedlung eine Kunde über jüdisches Leben in die Oefsentlichkeit gedrungen. Der Fremde, der 'vorübergehend o'der sür einige Zeit hier weilt und di>e stillen., von Prächtigen. Landhäusern umrahmten Straßen durchwandert, hier und dort an den Türschildern einen jüdischen Namen liest, zweifelt sicher, ob in dielen Häusern jüdisches Wesen und jüdi'sches Denken waltet. Wem aber die Pforten dieser vornehmen Wohnstätten sich öffnen, wem vergönnt ist, in das Innere devsielben einen Blick zu tun, der wird sich angenehm enttäuscht schien. Ein freundlicher Zufall führte mich am letzten Chanuka-Abendin ein solches Haus, woselbst ich Zeuge einer wunderschönen Chanukafeier fein durfte. Der Zweck dieser Feier hat aber nicht nur dem historischen Moment gegolten, die Feier galt ganz besonders der Wohltätigkeit und der Menschenliebe. Es sollten zehn arme Kinder beiderlei Geschlechts beschenkt -und erfreut werden. Die Feier begann mit einem musikalischen Präludium, dem das Anzünden der Chanukalichtlein und eine bunte Reihe ernster und .heiterer Darbietungen folgten. Die jungen Akteure, Kinder hiesiger Familien, taten ihr Bestes und zeigten sich ihrer Aufgabe gewachsen. Die plastischen Vorführungen der jüdischen Feste des ganzen'. Jahres ernteten ungeteilten Beifall. — Ter Rahmen aber, der das Wchltun einfchloß, war so sinnig undliebenswürdig, daß die beschenkten Kinder sich nicht als Empfänger, sondern als Spender fühlen mußten. Das. ist das echte und rechte jüdische Wohltun. Die Zedaka wird, nach einem Worte unserer Weisen, nur nach dem Grade der Liebe, mit der sie gespendet wird, belohnt. Den Namen der liebenswürdigen, honetten Familie, in der ich diese Feier mitgenossen habe, will ich mit Rücksicht auf ihre Bescheidenheit verschweigen. Elbing, 17. Dezember. In der hiesigen Bürgerressource fand eine Chanukafeier statt, an der sich die Gemeinde vollzählig beteiligte.. Herr Dr. Fabian, der sich um das Gelingen des Festes besonders verdient gemacht hat, gabder Veranstaltung auch äußerlich den Charakter eines Lichtsestes. Die Festrede hiebt Rabbiner Tr. Auerba ch. Er wies -aufden Lich,tierglanz, -iu dem der Saal erstrahlte, hin, und bemerkte, wo Licht fei, -da müsse auch Freude sein. Licht und Freude seien in der Bibelsprüche gleichbedeutend, wofür als Beleg die Psalmenstelle gelten dürfe: „L i ch t ist ausgestreut den Gerechten und Freude den Rechtschaffenen." Er gab freilich zu, daß die schwere Zeit einen frohen Geist nicht aufkommen lassen wolle. Ohne diesen müsse aber, wie Karl Ludwig Schleich in seinem Buch vom Schaltwerk der Gedanken Nachweise, der Mensch verkümmern. Da dieser frohe Geist nicht in der Gegenwart gefunden werden könne, müsse er in der Vergangenheit gesucht werden. Die M-akkabäetgeschichte können jedes jüdische Gemüt froh stimmen. Der Sieg der/Makkabäer sei ein Sieg des jüdischen' Idealismus über den heidnischen Materialismus gewesen. Dev Redner schloß mit einem trostreichen Ausblick auf die Zukunft, in der der Geist Gottes über die Gewalt, -auch die uns Juden angetane, siegen würde, und ermahnte mit Nehemia: „Seiet nicht betrübt, denn -die Freude in Gott ist eure Kraft und euer Sieg." — Ein von Herrn Dr. Fabian verfaßtes Stück für drei Personen: „Das Wun-deröl" leichnete sich durch Gedankenreichtum und eine schöne Sprache aus. Den Uebergang zum heileren Teil bildete das gedanklich sehr _ ';V .’ ' ' ' ' anspruchslose Lustspiel: „Der gute Ton im Hause Hillel", das infolge des glänzenden Spiels der Darsteller viel Heiterkeit erweckte. Tanz und Kaffeetafel beschlossen die Feier/die einen glänzenden Verlauf genommen hat. £2 Schnei demrr hl, 17. Dezember. Am Sonntag, dem 12. d. M., nachmittags 4 Uhr, wurde hier eine neue Arbeitsstätte des U. O. B. B., die 85. in dem deutschen Distrikt, begründet, die zu Ehren -des bekannten Schulmannes und Leiters des Ph!ilantropin's in Frankfurt a. M., der in -den Jahren 1883 b-is 1890 h,i>er -amtierte, den Namen Salo-AdHer-Loge erhielt. Zu der Gründungsfeier waren außer den Delegierten der Großloge, Herrn Geheimrat Timendorfer und Herrn Dr. Fi nkel, noch zahlreiche Vertreter anderer Logen aus Berlin, Frankfurt a. M., Frankfurt a. d. O., Görlitz Landsberg a. d. W., Stargard, Stettin erschienen. Der Großprästdent, Herr Geheimrat. Timendorfer, hielt eine mit Begeisterung a-ufg?* nom'lnene Jnstallätionsrede, in der er a>n dem Lebeni und- Wirken Adlers zeigte, wiie er das Ordensprogramm, die Erzi-ehüng seiner Mitglieder zu guten Juden, guten Staaitsbürgern -und guten Menschen, verkörperte. Im Verlaufe seiner Ausführungen hob Herr Gehe imrat Timendorfer noch die besonderen Aufgaben hervor, die der Salo--Adler-Loge als Grenzloge obliegen, nämlich ein Sammelpunkt zu werden sür alle Bezieh,ungen zu den Ordensbrüdern aus «den abgetretenen Gebieten sowie eine Vermittlerin und Fürsprecherin für die bedrängten. Glaubensgenossen .im Osten zu sein. Nach den d-argebracht-en G-lüchwünschien der' bei der Feier vertretenen Logen dankte der Präsident der Salo--Adl>er-Lo!g!e, Herr Rechtsanwalt Fleischer, für -das Vertrauen, -das man -in die neue Loge setze, und gelobte gemeinsam mit dem Beiamtenr-at und den einzelnen Mitgliedern zum Ruhme des 11. O. B. B. und zum Segen der Menschheit zu wirken. J. 8. Würzbrrrg, 17. Dezember. Die Frage, wie die Vorbildung der Volksschullehrer in Deutschland künftighin sich gestalten wird, ist bis jetzt nicht geklärt. Würden die Beschlüsse der Reichsfchu-lkonferenz, welche zunächst nur theoretische Bedeutung haben, Wirtlichkeit werden, so müßten - die staatlichen Lehrerbildungsanstalten verschwinden; denn auch die Volksschullehrer hätten dann ihre Vorbildung auf den allgemeinen Mittel- und Hochschulen zu erholen. Daraus würde sich erst recht die Notwendigkeit des Fortbestandes jüdischer Lehrerbildungsanstalten ergeben. Denn sollte -auch die konfessionelle Scheidung der Volksschulen fallen- und auch der jüdische Lehrer an der allgemeinen Simultanschule Anstellung finden (wofür allerdings, namentlich in Bayern, sehr wenig Aussicht 'vorhanden ist), so müßte-einerseits um so mehr dem Bedürfnis nach entsprechend vorgebildeten jüdischen Religionslehrern Rechnung getragen, 'anderseits! auch den jüdischen Studenten der Pädagogik und Anwärtern auf den Volksschuldienst Gelegenheit gegeben werden zur .Erwerbung sowohl jüdischen Wissens als auch methodischer Befähigung für die jüdischen Disziplinen. Jüdische Lehrerbildungsanstalten bleiben also eine Notwendigkeit. Verwaltung und Lehrkörper des Würzburger Seminars.sind sich mit der jüdischen Lehrerschaft und weitesten Kreisen der jüdischen Oeffen-tlichkeit darüber einig, daß die Israelitische Lehrerbildungsanstalt in den Universität Würzburg erhalten bleiben muß, vielleicht im Sinne der oben bezeichneten Aufgaben sogar weiter ausgebaut werden soll. Seit Jahresfrist ist eine Reorganisation im Sinne bedeutender Erweiterung und Vertiefung des jüdischen Religionsunterrichtes einschließlich der sür Kantor und Schächter nötigen theoretischen und praktischen Ausbildung iw Gange. Mit einer Wochenstundenzahl von 16 bis 17 pro Klasse (mit Einrechnung der Präparandenzeit sechs Ausbildungsjahresklassen), die ausschließlich diesem Zwecke dienen und deren Einzelfächer durch behördliches .Entgegenkommen schon jetzt zu Gegenständen der Abschlußprüfungen geworden find, dürfte die Würzburger Lehrerbildungsanstalt hinsichtlich ihrer Fürsorge für die religiösen Bedürfnisse des jüdischen Gemeindelebens an der Spitze ihrer deutschen Schwesteranstalten stehen. Seit Anfangdieses Schuljahres hat der nunmehrige Würzburger Dtstriktsrabbiner, Dr. H a n o v e r, den Vorsitz i-nder Seminarverw-altung übernommen. Durchdrungen von der -ewigen Bedeutung des im Seminarbetrieb verkörperten altehrwürdigen traditionellen Judentums, getragen' von höchstem Idealismus, bietet seine Persönlichkeit im Zusammenwirken mit den rabbimschen und anderen Mitgliedern der Seminarverwaltung und dem erprobten Lehrkörper volle Garantie, daß die Anstalt ihre überkommene, heilige Aufgabe auch in veränderten, neuen Zeiten un-

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