Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 84 (1920)
- Issue
- Heft 39 (24.12.1920)
- Date
- 1920-12-24
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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2 —— engeren Begrife dem Reiche der Kunst an, so bietet sich'doch das Ganze, aus dem Wolsschen Erbe, Geschenken und wertvollen Ankäufen zusammengesetzt. in einer so vorzüglichen Auswahl und -geschickten Aufniachung dar, daß die Berliner Jüdische Gemeinde- und der.- sachverständige Ordner und Letter der Samäilung, Oberbibliothekar Dr. Stern, zu dieser Leistung zu beglückwünschen sind. Die besonders zahlreichen Besucher am Eröffnungstage waren mit Recht von dem Gebotenen außerordentlich befriedigt. Wir kommen auf die Einzelheiten der interessanten-, und informativen Ausstellung noch zurück. Schon heute sei aus die „Bilder aus P o l e n u nd Rußland " (mit dem Original von Hirzenbergs Monumentalgemälde „Go-lus") und Radierungen von Struck, B u d k o und Friedmann und besonders aus das „Berliner Zimmer" in dem dritten, neuhinzugekommenen Ausstellungsräume mit der Serie „Moses Mendel s s o h n u n d s ei n B e r l i n e r K re i S" empfehlend hingewiesen. Auch der zahlreichen Vitrinen mit Textilien, kalligraphischen Arbeiten von Isidor Rothziegel und Illustrationen zur Pessach^Haggadah fei bereits hier gedacht. — Die Ausstellung ist an jedem Sonntag von 10 bis 1 Uhr unentgeltlich zu besichtigen. An jedem ersten Sonntag im Monat, zum erstenmal am 2. Januar 1921, finden mittags um 12 Uhr Führungen durch die Sammlung durch Oberbibliothekar Dr. Stern statt. Schulen und Vereine können die Sammlung auch zu anderen Zeiten nach vorheriger Anmeldung besichtigen. Für erläuternde Vorträge wird wie bei der vorangegangenen ersten Ausstellung Sorge getragen werden. Am Sonntag, den 26. Dezember, bleibt die Sammlung geschlossen. 22 Berlin, 21. Te>ezmber. Das Mädchen Haus Pankow E. B. hielt am 12. Dezember seine diesjährige Hauptversammlung ab. Die Vorsitzende, Frau. Gertrud Masse, gab im Anschluß an den gedruckt vorliegenden Geschäftsbericht einen Heber blick über -die Tätigkeit des Vereins im ab gelaufenen Geschäftsjahre. Zurzeit sind zehn schulentlassene Mädchen ausgenommen, die in der Hauswirtschaft ausgebildet werden. Für diese muß neuerdings ein Zuschuß von bm Angehörigen oder Vormündern von 100 Mark mon>a.tlich gefordert werden. Außerdem sind fünfzehn schulpflichtige und zwölf kleine Kinder t,m Hause, die von der Jüdischen Gemeinde überwiesen sind und für diese die Kosten vergütet. Für die Leitung sowie für die Kinderpflege konnten tüchtige Kräfte gewonnen werden, während es bisher noch nicht möglich war, den Posten dcr Wirt'chastsleiterin, die zugleich d.i>e Kinder in den hauswirtschaiftlichen Fächern praiktisch anzuleiten vermag, passend zu besetzen, lieber die ungünstige Finanzlage des Vereins berichtete der Schatzmeister Herr Albert Seligs o h n. Danach> mußte der Verein zur Bestreitung der lausenden Ausgaben bereits seine sämtlichen Wertpapiere verkaufen. Es wurde deshalb der dringende Wunsch ausgesprochen, die Jahresbeiträge nach Möglichkeit zu erhöhen und dem Verein weitere Mitglieder zuzuführen, uni ihn in den Stand zu. setzen, in der bisherigen Weise weite rzu wirken und den jetzt so viel geplagten' Hausfraiuen verläßliche hauswirtschaftliche Hilfskräfte auszubilden. Auf Grund des durch Herrn Pariser erstatteten Berichts der Kassenprüser wurde dem Vorstand Entlastung, erteilt. Durch eine entsprechende Satzungsänderung wurde dem Vorstand der Jüdischen Gemeinde daß, Recht verliehen, fortan vier, statt bisher drei Vertreter für die Vereinsleitung zu ernennen. Die Gesamtzahl der Mitglieder der Vereinsleitung wurde auf fünfzehn erhöht. Die satzungsgemäß ausscheidenden Mitglieder der Vereinsleitung wurden wiedergewählt; außerdem wurde neugewählt Herr Pariser. ### Berlin, 21. Dezember. Zum Besten des Stipendienfonds der .Hochschule, für die Wissenschaft des Judentums finden im kommenden Jahre in der Aula der Anstalt, Artilleriestraße 14, folgende Alontagsvürlesungen statt: 3. Januar: Privcrtdozent Dr. Erwin Panofsky (Hamburg): Rembrandt und das Judentum (mit Lichtbildern); 17. Januar: Professor- Dr. Willy Staerck (Jena): Das religiöse Problem des Judentums; 14. Februar: Professor Tr. Julius G u t t m a n.n : Spinozas Vierhälltnis zum Judentum; 21. Februar: Privatdozent Dr. Eugen Täübler: Die Anfänge des Volkes Israel: 7. März: Ministerialrat Dr. Otto Jöhlin ger: Bismarcks Stellung zur Judenfra-ge (nach unveröffentlichten Quellen); 21. März: I u l i u s B a b: Das SHY-lock-Prvbl-em. Beginn der Vorlesungen abends 8 Uhr. Einlaßkarten zu 8 Mark für den ganzen Zyklus, zu 2 Mark für eine Vorlesung: sind zu haben bei Herrn Juwelier Eugen Marcus, Unter den Linden 31, im Sekretariat der Hochschule und am Eingangin den Saal. O. Berlin,- 21. Dezember. Die „Israelitische Union" hatte am ersten Chanuka-Abend ihre Freunde und Gönner zu einer Chanuka- Feier nach den Räumen 'der jüdischen Knabenschule zu Berlin -eingeladen. Die Aula war kaum groß genug., die Erschienenen — - es mochten 1500 Personen anwesend sein —zu fassen. Der 1. Vorsitzende, Rechtsanwalt und Notar Dr. Arthur Donig, begrüßte nach den einleitenden Klängen des Harmoniums, welches von dem Organisten der Synagoge Fasanenstraße, OttoLevy, gespielt wurde, die Gäste, insbesondere die Mitglieder des Vorstandes und der Repräsentantenversammlung der Jüdischen Gemeinde, und überbrachte die . Grüße des Professors E i n st e i u, der zu seinem Bedauern der Versammlung nicht beiwohnen konnte. Der Redner führte folgendes aus: Die Union ist im Jahre 1913 gegründet worden, um der Not und dem Elend unserer Glaubensgenossen, getreu dem Prinzip jüdischer Ethik, der Pflege der Wohltätigkeit, zu steuern. In keinem anderen Volke ist der kategorische Imperativ der Pflicht, Wohltätigkeit zu üben, derart -eingewurzelt, wie gerade bei uns. Demgemäß hat die Union in den Jahren des Krieges unendlich viel getan, sie hat die Bedürftigen gespeist, die Frierenden gekleidet, den Stellungslosen Arbeitsmöglichkeiten verschafft und allen Bedrückten nach Maßgabe ihrer Mittel geholfen. Nach der Revolution ist ein neues Problem aufgetaucht, das den Reiz der Aktualität fortgesetzt bewahrt durch den Gegensatz zwischen deutschen und anderen Juden: die Ostjudenfrage. Zwar wehren sich manche Kreise gegen eine Einwanderung der ostjüdischen Elemente; wir dürfen aber nicht vergessen, daß wir durch die Gemeinsamkeit der Abstammung, des Glaubens und der Geschichte mit ihnen verbunden sind: ihr Gott ist unser Gott, ihre Gebete sind unsere Gebete, ihre Tradition ist unsere Tradition. In den letzten ly> Jahren sind,, wie auf der Karlsbader Konferenz festgestellt worden ist, nahezu zweihunderttausend Ostjuden in bestialischer Weise hingemordet worden, Frauen sind geschändet, Mütter gezwungen worden, vom Blute ihrer sterbenden Kinder zu trinken; einem Rabbiner, der um Gnade für zweihundert Kinder bat, hat die vertierte Soldateska die Köpfe dieser Kinder in Säcken ins Haus geschickt. Unter diesen Umständen kann man den Ostjuden es nicht verdenken, wenn sie, Hilfe flehend und Hilfe suchend, nach Deutschland kommen, das sie meist nur -als Brücke nach Amerika betrachten. Der Redner schloß mit einem warmen Appell an die Anwesenden, sich an den Bestrebungen der. Union zu beteiligen. Hierauf entzündete Oberkantor Davids-ohn das Chanuka-Licht, die Anwesenden fangen stehend die alte Chanuka-Hymne, Oberkantor Davidsoh'N fang das Haschkiwenu und, alle tief ergreifend, das alte Kolnidre. — Rabbiner Dr. H einrich C o h n sprach sodann in weihevollen Worten über die Bedeutung des Chanuka-Festes für den einzelnen Juden und ihre Gesamtheit. Professor Dr. Heinrich Löwe hielt eine hebräische Ansprache, in der er darauf hinwies, daß die hebräische Sprache eine lebendige «sei und daß sie besonders in Palästina zu einer Umgangssprache der dortigen Bevölkerung geworden sei. Herr Walter S i l b e r st -e i n, der 2. Vorsitzende der Union, wies hierauf an der Hand eines reichen statistischen Materials die Tätigkeit der Union nach und legte dar, in welch umfangreicher Weise den Armen und Bedürftigen geholfen wird. Nachdem Rose Lichten stein vom Deuffchen Volkstheater durch deklamatorische Vorträge die Anwesenden erfreut und Herr Moritz Glogau noch einmal an die Gebefreudigkeit der Anwesenden appelliert hatte, schloß die stimmungsvolle Feier. — In den Räumen der „Israelitischen Union" wurde während des ganzen Ehanuka-Festes in den Abendstunden jeder bedürftige Jude gespeist. M. N. Berlin-Weitzensee, 21. Dezember. Eine Reihe jüdischer Männer unseres Ortes, die sich das Ziel gesetzt haben, jüdisches Leben und jüdischen Gemeinschaftssinn in Weißensee zu wecken und zu pflegen, konnte in diesem Jahre zum ersten Male die hier zahlreich wohnenden Juden zu einer Chanukafeier in die rühmlichst bekannte Israelitische Taubstummenanstalt einladen. Den Höhepunkt der erhebenden und in allen ihren Teilen wohlgelungenen Feier bildete die Festrede des Herrn Dr. Geisenberg, der auf den Heldengeist und den freudigen Opserwillen der Makkabäer und der damaligen Juden hinwies und ebensolche hingebungsvolle Glaubens- und Charakterstärke von den Inden unserer so antisemitisch sich gebärdenden Zeit erhofft. - Dem Sinne des Festes entsprechend wurde der ernste Teil des Programms allmählich abgelöst von einem, freudigen und