Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 84 (1920)
- Issue
- Heft 39 (24.12.1920)
- Date
- 1920-12-24
- Page
- Seite 4 (sequence 16)
- Language
- German
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verbrächt ich erfüllen wird. Die-veränderten Zeiten machen aber auch die Mitwirkung weitester Kreise notwendig, die finanziellen Voraus-! setzungeu. für die Lösung der bisherigen und hinzukommenden neuen : Aufgaben zu sichern. Alls Anregung des Herrn Dr. Hanover har sich eine größere Anzahl für das Judentum begeisterter Männer aus allen Gauen Deutschlands zu einem Fin-cmzkomitee konstituiert, um durch ausgedehnte Sammeltätigkeit für das Seminar dessen Fortbestand 31t sichern, damit nicht aus finanziellem Unvermögen der Zu- , samlnenbruch der Anstatt und damit weiter Teile des deutschen Judentums eintrete. Ntöge der Appell dieser Männer an die Gebefreu dig - teit der Glaubensgenossen ossmes Ohr und offene Hand finden! - Stuttgart, 17. Dezember. Ter E n g e r e R a t d e r i s r a e t ii tischen O b e r k i r ch e nib e h ö r d e hat eine Eingabe an die Staats- > regierung gerichtet, in der es unter anderem heißt: In den israelitischen ’ Kreisen des Landes hat über das Schicksal der israelitischen Kirchen- '! Verfassung neuerdings eine gewisse Beunruhigung Platz gegriffen. Das Kultusministerium hat wiederholt ausgesprochen, daß der israelitischen : Reli gi 0usgemeinschaft die Erlassung einer neuen staatsfreien Kirchenverfassung gleichzeitig mit der evangelische:: Kirche ermöglicht. Werdern soll, und hat schon im Herbst 1919 mit uns auf dieser Grundlage verhandelt. Verschiedene Presseartikel, die sich in neuester Zeit an eine zugleich an die Staatsregierung und an den Landtag gerichtete öffentliche Erklärung der evangelischen Kirche vom 12. November d. I. geknüpft haben, gaben nun der Befürchtung Raum, daß sich das augetündigte Gesetz zur Ausführung >des Artikels 137 der Reichs- Verfassung auf die evangelische Kirche beschränken und die Aufhebung des Jsraetitengesetzes von 1912 ans einen späteren Zeitpunkt verschoben werden könnte. In einen: solchen Verfahren müßten wir eine unbillige Zurücksetzung unserer Religionsgemeinschaft erblicken. Wir bitten daher die Staatsregierung dringend, daran festzüh alten, das; unser künftiges Verhältnis zum Staat zugleich mit dem der evangelischen Kirche geregelt wird, deren Wunsch auf baldige Regelung auch wir uns zu eigen machen. Eine Eingabe gleichen Inhalts ist drin Landtag zu gegangen. Von Sah und Lern. — Tie K u n st i a m n: l u 11 g e n R ud 0 ls Dl 0 s s e im Hause i Leipziger Platz 15 sind im Sinne des Verstorbenen der Gesellschaft für Volksbildung zu Lehr- und Besichtigungsz wecken freigegeben worden. Die Schätze ägyptischer Kunstwerke, über die , Dr. James S i in 0 n ans den Grabungen der Deutschen Orient- Gesellschaft aus EbAmarna als Träger der Grabungserlaubnis das Verfügungsrech't besaß, sind jetzt durch Schenkung an die Berliner Ncuseen übertragen worden. Die Grabungen in El-Amarna können von Deutschland nicht fortgesetzt werden. Angelockt durch die Erfolge deutfckpr Plamnüßiger Arbeir aus diesem Gebiet, das auch von englischer Seite einmal angegraben war, hak eine englische Gesellschaft es für richtig gel)alten, die Zeitumstände zubenutzen, umsich an. die Stelle der DeU'tfck)en Orient-Gesellschaft zu setzen. Sr. ist die Schenkung Simons zugleich der Schlußstrich unter ein be- , deutendes Kapiket deutscher Ge lehrte nar beit. Wenn die Gefahren! der Hei,zschwierigkeiten vorüber sind, wird bald alles den Besuchern! zugänglich sein. Die Leitung des Sekretariaks der Freien Jüdischen Volkshochschule E. V., Berlin W, Steglitzer Straße 9, übernimmt mit dem neuen Geschäftsjahr Herr Tr. Freier. Der Verband der Ostjuden veranstaltete im Flüchtlingsheim in der Wiesenstraße! eine Ehanutafeier, an der nutzer den 300 Insassen zahlreiche Gäste und Förderer der Bestrebungen des Verbandes teilnahmen. Der Jnsassenchor brachte die Chanukahymne und verschiedene andere Lieder zu Gehör, worauf die Flüchtlinge mit Tee und Kuchen bewirtet wurden. Nach kurzem Leider: ist! hier Justizrat Dr. Felix K a e m pser verschieden. Zu j Posen 'gdboren, hakte er nach der Abtretung Posens vor einiger Zeit seinen Wohnsitz nach Berlin verlegt. Das liberale Judentum! verliert in ihn: einen seiner treuesten Anhänger: sein Hin- > scheiden bedeutet auch einen schweren Verlust für mehrere j große Organisationen, an deren Arbeiten er eifrigen Astteil j nahm. Ehre seinem Andenken! Ans Danzig wird gemeldet: Vor kurzem hak hierher ein amerikanisches Schiff 28 jüdische Emigranten aus Amerika zurückgebracht, weit sie ohne die nötigen Dokumente hin gefahren sind. Die jüdischen Emigranten lverbeu daher gewarnt, ohne die nötigen Papiere. Pässe usw. die Reise nach Amerika anzutreken. — In Oppeln versuchte ein Verbrecher den die Kuppel der Synagvge kröneuden vergoldeten Stern und die vergoldete Blitzableiterspitze zu stehle::. Vtowübergehende hörten das Geräusch seiner Metallsäge, und^benachrichtigten die Polizei-, die den verwegenen Schlosser festnahm. --- Am 18.,dM. vollendete Herr Rabbiner Dr. Cohn in- Jchenhcmfen .sein 80. Lebensjahr. Im „Hannoverschen Anzeiger" setzt ein. Avzt eine Belohnung ans für die Ermittelung eines ihm gestohlenen Pferdes. AN Erkennungszeichen für das Tier gibt er an: „An der linken HaNseike, schwer erkennbar, ein Hakenkreuz eingelb-r-annk." Woraus vielleicht eine ^tuf:värt.sentlvick'l>ung> des Ha-kenkreuzes zu konstatileren ist: von den Abo-rtwänden kam dieser Ziera-t an den Rockkragen so :nanchen Rindviehs, und nun schon, an den Hals von Pferden! Zweifellos kommt es nächstens - auf den Hund. - Tie Jüdische Gemeinde in Hannover hat. in einer am 23. November abgehaltenen Versammlung das VerhäLtniswahlrechk abgelehnt. Aus Offenbach a. Nt. wird uns geschrieben: Dieses Jahr konnten wir das Chanukafest wieder ähnlich wie in früheren Jahren begehen. Am Vormittag beschenkte der unter Leitung des Lehrers Gabriel stehende Chanukavereiu 59 arme Kinder unserer Gemeinde mit Stiefeln und warmen Kleidungsstücken. Ter Nachmittag vereinigte alle Kinder der Gemeinde zn einer gemütlichen Feier. - Aus Frankfurt a. M. wird berichtet: Die frühere Kr ie (Mache 23 wird als Mittelstandsküche unter de:n Namen Rituelle Familienküche, Zeit. 10, von einem hierfür gebildeten Komitee als Wohlfahrtsinftitut weitergeführr. Die Atahlzeiten werden mittags von 12 bis 2 Uhr und abends von 6 bis IVi Uhr verabreicht. Die Mahlzeit kostet -auf Wochenkarte:: 3 Mark, im einzelnen 3,50 Mark. Die Küche ist auch am Sonntag geöffnet. Die „Neue Zürcher Zeitung" berichtet: Wohl „u:n einem dringenden Bedürfnis abzuhelseu", soll demnächst in Sk. Gallen die erste 9!ummer eines antisemikischeu Wochenblattes erscheinen, für das „bereits eine große Zahl in- und ausländischer Mitarbeiter von Ruf gewonnen ist". Das Blatt will sich nicht mit dem religiösen, sondern mit dem wirtschaftlichen und politischen Judentum beschäftigen. Die große Synagoge zu Amsterdam feiert am nächsten ersten Pessachtage ihr 250jähriges Bestehen. — Wie Wir vernehmen, schreitet das an der Londoner zionistischen Jahreskonferenz beschlossene Economic Council an seine Organisierung und soll demnächst seine Tätigkeit aufnehmen. Das Council soll aus folgenden Mitgliedern bestehen: Minister Sir Alfred Ni 0 n d . Sir Rodert Waley - C 0 hen , Lord Walter Rothschild, James Rothschild, Stuart S a in u e l, Ma;or Fred Stern, Colonel Fred S a m u e l und Walter S a m ue l (Sohn des ehemaligen Lordmayors von London). - Für den 0. und 7. Januar ist, :vie die I. P. Z. erführt, nach Paris eine Plenarsitzung des Komitees der jüdischen Delegationen einberufen worden. — In Budapest ist, 73 Jahre alt, der berühmte Augenarzt Umversikäks-Professor Dr. Adolf v. Szily gestorben, der 41 Jahre hindurch Chefarzt und Leiter der Augenklinik des Pesker Jüdischen Spitales war und Tausenden von Unglücklichen das Augenlicht wiedergegeben hat. Adolf v. Szily f>at sich auch auf den: Gebiete der Fachliteratur mit zahlreichen wertvollen Beiträgen zur Ophthalmologie ausgezeichnet. Durch seinen Tod haben die ungarische Wissenschaft und das ungarische Judentum einen gleich schweren Verlust erlitten. Aus Bukarest wird gemeldet: Ein hiesiger wohlhabender Jude, Anton Schule:::, hat eine Million Lei für den Ankauf eines jüdischen Skudentenheinrs in Bukarest gespendet. Das Kuratorium der jüdischen Nteryn hat hierauf das alte italienische Botschafts-Palais erworben, das nunmehr für die Zwecke der jüdischen mensa academica restauriert wird. Wie man aus Krakau erfährt, ist in der letzten Zeit von den polnischen Behörden offiziell die Beschlagnahme von sämtlichen Synagogen in Ostgalizien für militärische Zwecke angeordnet lvorden. Dagegen wurde bei den Nlinlsterien des Innern und des Kultus schärfster Protest erhoben. Die polnische Regierung' gibt bekannte daß Pekljura mit, seinem ganzen Stabe in der Stadl Kielce imtergebrächt werden soll, und daß sie alle Ukrainer als Zivilinkernierte betrachten werde. --- Wie der in Jerusalem erscheinende „Doar-Hajom" meldet, wird denmächst zwischen Kairo und Jerusalem ein Luftpost-- und Reisedienst eingerichtet werden. Eine solche Reise inklusive Stationen in Alexandrien und Jaffa wird nicht mehr als fünf Stunden dauern. Verantwortlicher Redakteur: Albert Lkatz in Berlin-Pankow, Florastraße 58. Verantwortlich für den Anzeigenteil: Max Zunge, Berlin-Friedenau. Druck und Verlag von Rudolf Moffe»