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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1920-12-24 · Heft 39 (24.12.1920) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
84 (1920)
Issue
Heft 39 (24.12.1920)
Date
1920-12-24
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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84. Nr » Dxx «KjMkjndeÜVte. *"""24 Dezembec ,9i0 Betlssr zur ^Ällsrmrtnrn Lrttvns desAudrmumK". ^. . .' ■■- - -• - ' ...-.: ■ ..;.-.— ——- Korrespondenzen und Nachrichten. DrutlchlsnL. & # Berlin, 21. Dezember. Die R e P r ä s e n t a n t e n v e r - s a in nt l u n g genehmigte in ihrer letzten Sitzung die Ammhme einer Zuwendung von 16 000 Mark von. Frau Julie See in a n n Zur Errichtung einer Zimmerstiftung in der Altersversorgungsaustalt und beschloß dann die Annahme weiterer 3000 Mark, die Herr A l b u zur Verstärkung der Caspar-Arnstein-Stiftung gespendet hatte. Hierauf beschäftigte sich die Versammlung mit einem Anträge des Gemeindevorstandes, der die Einsetzung eines Sonderausschusses fordert, welcher die Frage beraten soll, ob in allen Synagogen ohne Orgel der Ritus der Alten Synagoge eingeführt werden soll, um eine Vereinheitlichung des Kultus in allen gleichartigen Synagogen zu schaffen. Die Anregung .zu diesem Schritt haben die vereinigten Synagogenvorstände gegeben, deren Argumente der Vorstand sich zu eigen gemacht hat. Diese gemischte Deputation soll auch die Frage eines einheitlichen Gebetbuches für alle Orgelsynagogen prüfen. Repräsentant M. A. L o e b (kons.) berichtet aus den Ausschußverhandlungen, daß dieser der Einsetzung eines Ausschusses für die Vereinheitlichung des Ritus in den Synagogen mit altem Kultus zugestinunt, für die Orgelsynagogen aber die gleiche Regelung abgelehnt habe. Die Besucher der konservativen Gotteshäuser haben die. liturgischen Unterschiede schon immer als störend empfunden. Der Ausschuß hat die Berechtigung dieser Wünsche Zwar anerkannt, aber Bedenken wegen etwaiger liberaler Besucher der orgellosen Synagogen geltend gemacht. Diese liberale Minorität dürste aber, wenn überhaupt vorhanden, so gering sein, daß sie keine besonderen Rücksichten beanspruchen kann. Als Korreferent erwidert Direktor Dr. Gutmann llib.): Das Wahlabkommen habe getrennte Kultuskommissionen für jede Richtung in Aussicht gestellt, und er bittet, die Vereinheitlichung des konservativen Ritus bis zur Schaffung dieser Sonderkommission zu vertagen Für die liberale Fraktion ist das Votum der vereinigten. Synagogenvorstände nicht maßgebend genug,, da diese aus engem Kreise in undemokratischer Weife gewählt werden und deshalb nicht genügende Fühlung mit den Besuchern ihrer Synagogen haben. Der Redner macht den Gegenvorschlag, den Vorstand zu veranlassen, die Selbstverwaltung der einzelnen Synagogen durch Einsetzung eines vorberatenden Ausschusses schkeunigst einzuleiten. Da die Frage der Selbstverwaltung vermutlich lange Beratungen erfordern würde, müßte der Ausschuß eventuell zunächst die Einsetzung get-rennter Kultuskommissionen erörtern. Repräsentant Platte tritt warm für einheitliche Gebetbücher für .beide Richtungen ein, doch dürfe aus Gerechtigkeitsgründen die Verabschiedung des konservativen Entwurfes nicht erfolgen, bis die Arbeiten für ein einheitliches liberales Gebetbuch ebenfalls fertiggestellt sind. Repräsentant M. A. Loeb verweist gegenüber dieser Auffassung, daraus, daß die Verhältnisse für beide Richtungen verschieden liegen: für die Konservativen liegt inr Machsor der Alten Synagoge das Gebetbuch fertig vor, das keiner Abänderung bedarf, . während die Liberalen sich! erst entscheiden müssen, welchem Gebetbuch sie den Vorzug geben. Diese Frage ist vom Parochialshstem (Selbstverwaltung) unabhängig und kann vorab erledigt werden. Rechtsanwalt Stern (lib.) entrollt den Prinzip iellen Standpunkt. Es ist eine Gewissensnot für die liberalen Repräsentanten, in einer konservativen Kultusangelegenheit zu. entscheiden. Die beste Lösung bleibt die Verweisung an eine Kommission, welche den ganzen, mit der Einführung der Dezentralisation verbundenen Komplex von Fragen zu lösest -hat, Herr Emil Pi n c u s macht .historische Gründe geltend. Als der Ritus der Synagoge Kaiserstraße vor 30 Jahren eingeführt wurde, mußte mit Rücksicht aus die Zusammensetzung der Synagogenbesücher ein vermittelnder Standpunkt eingenommen werden, ebenso wie' es 1917^ bei berStynagocje dm$ottßirfei Ufer geschah. Da die Gründe für diese Entscheidung unverändert sortbestehen, kann eine Aenderung nur im Zusammenhang Mit der' gesamten Kültusstäge erfolgen. M^A. Loeb sieht die histurischen Zusamn^nhünge in anderem Licht. Die liberale Majorität hat damals? nicht aus Rücksichtnahme auf eine konservative Minorität gehandelt, sondern,-lediglich einemckonsequen»' ten ,Reformbestreben folgend,, in einem konservativen - /Ritus- .-deutsche . Gebete eingeschaltet. Der wesentliche Unterschied liegt jedoch in anderen Dingen als in der Aufhebüng des Duchenen, dessen Beseitigung gegen den jüdischen Geist verstößt. Selbst das Gebetbuch der Alten Synagoge stellt eine Konzession dar, die den Liberalen abgerungen werden mußte, und wenn dieses Gebetbuch heute den Konservativen genügt, so beweist das. den Liberalismus der- Konservativen. Da die fünf Berliner Synagogen ohne Orgel als konservativ gelten, wäre es nur konsequent, hier den alten Wtus einzusühren. Direktor G u trnann glaubt, daß eine große Anzahl von Besuchern der Synagoge Kaiserstrüße das Duchenen ablchnen würde. Die Abweichung be* Ritus in der Synagoge Kmserstraße ist noch niemals als M-ßstaud bezeichnet worden. Herr Lew in ski beantragt namens der konservativen Fraktion, zrvei Kultuskommiffionen gu schaffen, von denen die eine die liberale^, die andere die konservativen Angelegenheiten bearbeiten soll. Er begründet diesen Antrag mit dem jahrelangen Wunsch, eine Möglichkeit zu schassen, welche eine reibungslose Lösung dieser Frage darstellt. Keinesfalls dürfte jede Parochie sich eineu eigenen Ritus machen, vielmehr müßten zwei Gebetbücher (liberal und konservativ) für die gesamte Gemeinde festgesetzt werden. Siegfried S a chs bedauert, daß die Wünsche der Redner beider Parteien nach S^n bereiten gehen, anstatt zu versuchen, eine Brücke für ein gemeinsames Gebetbuch für alle Richtungen zu finden. James G 0 l d - schmidt widerspricht der Au-ffassung, daß weitere konservative Kreise mit dem Ritus der Synagoge Kaiserstrnße einverstanden feien Das Votum der Synagogenvorsteher muß beachtet werden, da sie mit ihren Gemeindemitgliedern in engster Fühlung sind. Bon liberaler Seite wird beantragt, für den Fall, daß eine gemischte Kommission zur Beratung über die Einführung der Selbstverwaltung eingesetzt wird, dieser als erste Aufgabe die Vorbereitung zweier getrennter Kultuskommissionen zu überweisen. Bei der Abstimmung wird beschlossen, zwei getrennte Kultuskommissionen zu schaffen, denen der Antrag auf Einführungi des Ritus der Alten Synagoge in allen Syuagogen ohne Orgel zur Erledigung überwiesen wird. - Dr. K l e e richtet an den Gemeindevorstand die Bitte, in Zukunft im „Gemeindeblatt" auch die Gottesdienstanzeigen der subventionierten Vereine zu veröffentlichen, deren Förderung eine Pflicht der Gemeindeverwaltung sei und zur Hebung des jüdischen. Leberts beitragen würde. — Ein Antrag auf Errichtung, einer Zentraleinkaufsstelle für alle Gemeindebedürfnisst wird an den Ausschuß zurückverwiesen. Herr E a s p a ri interpelliert den, Gemeindevorstand nach den bisher ergriffenen Maßnahmen-- zur 'Heranziehung zahlreicher in Groß-Berlin ansässiger Juden, die bisher noch keine Gemeindebeiträge geleistet haben. Die bisherigen Maßnahmen waren unzureichend. Die Personenstandsaufnahme durch die Finanzämter gibt das Material für eine umfassende Aktion der Gemeinde über alle Personen, welche sich offiziell zum Judentum, bekennen'. — Gerneindenorste'her K i r st e i n antwortet, daß der Vorstand sich fortgesetzt um die Feststellung der neuzugezogenen Juden bemüht, veranlagungsfähig sind jedoch lediglich die 1919 zur Staatssteuer veranlagten Persönlichkeiten. Der Vorstand hat jedoch eine möglichst genaue Zusammenstellung der Neuzugezogenen sertiggestellt und hofft, über den. Kreis der Pflichtzahler hinaus eine große Anzahl freiwilliger Steuerzahler heranziehen zu können. - An Subventionen wurden bewilligt: 500 Mark dem Jüdischen Kurhospital in Salzbrunn, 17 000 Aiark an den Neligionsverein Ahawas Achim in Gesundbrrmnen,. 21000 Mark für Beth Zion, 24 500 Mark an den Synagygenverein Moabit und Hansabezirk.. 15 000 Mark für Ahawas Scholaum, 4000 Mark dein Sephardischen Verein, 5006 Mark an das Jüdisch^theologische Seminar in Breslau, 1000 Mark an den Verband der jüdischen Jugendvereine Deutschland,' 18 000 Mark für den Synagogenverein Lippmann-Tauß, 3500 Mark für hie Israelitffche Dercknigung in Karlshorst, 22 500 Mark an den Rffsiigionsverein Westen, 700 Mark an den Religion s-f verein Groß-Lichierf'tzlde-L-ankwiiH, 36 000 Mark an Den Synagogenverein Schöneberg! Es folgte dann eine geheime Sitzung.; EM. Bevtth, 21. Dezember. -'D i e K w n st s a in 111I n 11 g' der Iüdis che n Genre i nde (Wolffche Stiiftnng) hat am letzten Sonntag''ihre' zweite l Ausstellung im ' Gelneinvehause,- Oranienburger Straße-.29--eröffnet•;,/-.Gehört. auch nicht alles: was gezeigt wird, - inr .

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