Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 84 (1920)
- Issue
- Heft 39 (24.12.1920)
- Date
- 1920-12-24
- Page
- Seite 450 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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450 sein hingebungsvolles Einsetzen für den Völkerbund bekannt ist, gewährte der Genfer R.-E.-F.-Korrespowdentin der „Jüdischen Preßzentrale Zürich" eine kurze Unterredung. Diese wandte sich an Lord Cecil in seiner Eigenschaft als Obmann der Kommission für die Aufnahme von weiteren Nationen in den Völkerbund, als welcher er bekanntlich eine großherzige Auffassung bekundet, mit der Frage über die eventuelle Aufnahme der Juden in den Völkerbund. Sie wies in ihren Ausführungen unter anderem darauf hin, daß nun, nachdem die Judenheit Palästinas sich im Nationalkomitee organisiert hat, welches deren Vertretung nach innen und außen bildet, es wohl an der Zeit wäre, an die Aufnahme der Juden in den Völkerbund zu denken. Lord Cecil gab darauf die kurze, vielsagende Antwort: „Aber die Juden Palästinas haben ja noch gar nicht um eine Aufnahme nachgesucht." Auf die weitere Frage, ob sich aus der geschilderten Sachlage irgendwelche Schwierigkeiten für die Aufnahme der Juden in den Völkerbund ergeben würden, erklärte Cecil ausweichend: „Das kann man nur von Fall zu Fall beurteilen. Wir können.uns nur mit den uns bereits vorliegenden Aufn ahm ege suchen befassen." In der letzten Sitzung der Vollversammlung des Völkerbundes, die am 18. d. M. mit einiger Beschleunigung zu Ende geführt wurde, wurde ein Brief der „Alliance JsraÄite Universelle" vorgelesen, in dem die Staaten des Völkerbundes auf die Leiden der Israeliten in den östlichen Ländern aufmerksam gemacht werden. * Die Frage der Grenzen Palästinas. Genf, 16. Dezember. Sokolow hatte soeben die Freundlichkeit, dem Herausgeber der „I. P. Z." ruitzu'teilen, daß die Grenze Palästinas -im Norden bis oberhalb Mctullah, Baneas mit eingeschlossen, reichen wird. Jenseits des Jordans wird der Jarmuk -die Grenze bilden, wobei das südliche Ufer englisch, das nördliche französisch sein wird. Bezüglich der Ausnutzung der Wasserkräfte wird eine aus Experten der französischen Regierung und der Zionistischen Organisation bestehende Ko-nnn-ission an Ort und Stell» die Richtlinien für eine Vereinbarung sestsetzen. .Bei Mchtübereinstim-mung erfolgt Berufung an die englische und französische Regierung. Die französische Regierung versprach, in wohlwollendster Weise den berechtigten Wünsch.-,n der technischen! Berater entgegenzukommen. & Aus uud über Palästina. Tie palästinensische Regierung hat einen Bericht über den Außenhandel Palästinas in der Zeit vom 1. April 1919 bis 31. März 1920 herausgegeben. Der Import betrug in dieser Zeit rund 4,47 Millionen. Pfund Sterling, der Export 1,26 Millionen Pfund Sterling. Tie Geringfügigkeit des. Exportes erklärt sich durch das Ausfuhrverbot für alle Getreidesorten, an denen das Ostjordanland besonders reich ist, von wo vor dem Kriege große Mengen nach England, Aegypten und Italien geliefert wurden. Ausgeführt wurden im Berichtsjahr vor allem Orangen (zirka 161 000 Pfund Sterling), Wein und Seife, eingeführt wurden vor allem Baumwolle, Zucker, Naphtha und Reis. Als Importländer kamen besonders England, Frankreich und Aegypten in Betracht, als Erportländer England und Aegypten. Nach einem kürzlichen Bericht der palästinensischen Regierung gibt es in Palästina, insbesondere in Ostjordanland und in der Wüste Judäa, ausgedehnte Phosphatlager. Bereits vor dem Kriege wurden die ersten Versuche zur Ausbeutung gemacht. Bei der allmählichen Steigerung des Bedarfes an künstlichem Dünger dürfte die Ausbeute inzwischen weit rentabler geworden sein. Nach dem Regierungsbericht werden nunmehr erhöhte Anstrengungen zur Ausbeute der Phosphatlager gemacht. Wie der „Toar Hajem" mitteilt, zeichnet Baron Edmond Rothschild auf die Palästina-Anleihe 300 000 Pfund Sterling. Außerdem sagte Rothschild, wie. dasselbe Blatt meldet, 100 000 Pfund Sterling sür die Verwirklichung des Ruthenbergschen Elektrifizierungsprojektes zu. Der Oberkmnmisjar für Palästina, 0rr Herbert Samuel, hat sich an die Zionistische Organisation in London gewendet mit der Bitte, ihm geeignete Vorschläge für die Prägung von Scheidemünzen für Palästina zu machen. Die Zionistische Organisation hat durch Fachleute ihre Vorschläge ausarbeiten lassen. Unter ihnen befindet sich der bekannte jüdische Numismatiker und Archäologe Raphaeli. Die Münzen sollen eine Aufschrift tragen, die sich an das antike jüdische Münzwesen anlehnt. Auf eine Anfrage im Hause der Lords erteilte der Earl of Crawford für den Staatssekretär des Aeußern die Antwort, daß die Annahme des Hebräischen als einer offiziellen Sprache in Palästina einer der ersten Schritte zur Verwirklichung der Balfour- Deklaration gewesen sei, d. h, zur Schaffung eines nationalen Heims für die Juden in Palästina. „Bei der Anwendung der Deklaration", führte Earl of Crawford aus, „wird mit Recht darauf gerechnet, daß die Belebung der hebräischen Sprache eine wichtige Rolle spielen wird. Ich bin beauftragt zu erklären, daß die hebräische Sprache, welche offiziell anerkannt wurde, das klassische Hebräisch ist mit den Anforderungen, wie sie die modernen Notwendigkeiten erfordern." >* Den in Zürich erscheinenden „Emigrations- und R-eifenachrichten" (Nr. 5, November 1920) entnehmen wir nachstehenden beachtenswerten Artikel: Mehr Raum für Me Auswanderung! Neben der Aufgabe, die Leiden der Emigranten in den Aus- und Durchwanderungsländern! zu mildern, 'tritt in letzter Zeit besonders die eine sofortige Beantwortung erheischende Frage >des „Wohin" in den Vordergrund. Mit geradezu unglaublicher Schnelligkeit stei'gt 'die Wandererflut immer höher. Die Cmigranteni'nsel Ellis-Jsland ist überfüllt. Eine Unmenge neuer Beamten muß angestellt werden. Die Aufenthaltsdauer der Wanderer auf dieser Insel und die damit verknüpften Unzukömmlichkeiten werden immer größer. Die bekannite Forderung, die Einwanderungsbeidingungen zu erschweren, U'M auf-diese Weise die Flut einzudämmen, macht sich wieder breit. Eine unserer allerdringendsten Aufgaben besteht deshalb darin, dieser Gefahr zuvorzukommen, das heißt: die Aufnahmefähigkeit dieses Landes für jüdische Einwanderer nach Möglichkeit zu heben. Dies kann auf verschiedene Weise geschehen. Vor allem sollte dafür gesorgt werden, daß New Uork nicht mehr — wie bisher — als der einzige Landungshafen angesehen wird. Nur diejenigen, deren Reiseziel New Jork selbst oder dessen nächste Umgebung ist, sollten diesen. Hafen aufsuchen. Allen andern müßte die Möglichkeit' geboten werden, andere ihrem Endziel entsprechende Häfen, zum Beispiel Philadelphia, New^ Orleans usw., anzulausen.. Man braucht nur ihren Angehörigen in Amerika, die für sie die Schifsskarten kaufen, klarzumachen, daß es durchaus nicht notwendig ist, sich unbedingt nur der nach New Jork führenden Linien zu bedienen, daß es vielmehr sogar in vielen Fällen geradezu vorteilhafter ist (was Preis und Behandlung anbelangt), die nach anderen Häfen führenden Linien Zu -benutzen. Desgleichen sollten die Emigranten, welche die Schiffskarten in Europa kaufen, auf diesen Umstand aufmerksam gemacht werden. Zweitens wäre es sehr angezeigt, überhaupt die außerhalb New 'Jorks und einiger anderer Großgettos wohnenden Inden in der Union zu veranlassen, sich mehr als bisher ihrer unglücklichen Verwandten in Europa anzunehmen. Solcher kleineren Zentren gibt.es bereits dort drüben eine Unmenge, und eine rnäßige Verstärkung dieser kleinen Gemeinden durch frischen Zuzug, würde noch lange nicht den gleichen Widerstand der Einheimischen Hervorrufen wie in den überfüllten Zentren der amerikanischen Oststaaten. Endlich — und das wäre allerdings das radikalste Abhilfs mittel — müßte man alles anwenden, um die Ankommenden dem flachen Lande zuzusühren. Es ist eine allbekannte Tatsache: gewünscht, jagesuchr sind heutzutage im Uebersee vor allem die Landwirte und die Landarbeiter. Wir wissen allerdings leider ganz genau, daß es bei uns Juden damit nicht gerade sehr gut bestellt ist. Allein anderseits ist darauf zu verweisen, daß gerade in den Bereinigten Staaten überaus zahlreiche Versuche mit der Seßhaftmachung der