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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1920-12-24 · Heft 39 (24.12.1920) · p. Seite 449

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
84 (1920)
Issue
Heft 39 (24.12.1920)
Date
1920-12-24
Page
Seite 449 (sequence 5)
Language
German
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(fin pumeru^ clausus Gegenüber denr numerüs clausus der ungarischen Hochschulen, der es glücklich dahin gebracht hat, daß kaum fünf Prozent Hochschüler jüdischer Konfession sein können jener Hochschulen, die ebenso vön den Steuerbeiträgen der ungarischen Juden erhalten werden wie von jenen der Nichtjuden —/hat die Jüdische Gemeinde einem eigenartigen nümorus clausus an ihren Wohltatigkeitinstitutionen eingesührt. So entnehmen wir einem Bericht des „Eghenlöscg" über eine Unterredung mit Professor Dr. Heinrich Benedict, ^em^ Leitet---des Jüdischen Spitals, daß von 75 000 ambulatorischen Krankerl dieser jüdischen Anstalt 80 bis 90 Prozent Nichtjuden sind. Bon den 3600 internen Patienten hinwieder sind 25 bis 30 Prozent Nichtjüden. Das Spital wird ausschließlich von jüdischen Geldern aufrecht erhalten. Aber die Hauptstadt Ungarns: Budapest, hat zur größeren Ehre des neuesten Kurses die minimale Subvention restringiert, die die Pester Israelitische Gemeinde mehr honoris causa bisher von der Hauptstadt bezogen hat! * Aus Warschau wird gemeldet: Durch die Aussagen zweier durchaus vertrauenswürdiger. - darunter eines christlichen — Augerizeugew sind regelrechte Judenpogrome der Ballächowitsch-Truppen sestgestellt, die diese am 10. November nach der Einnahme von Mozyr (Distrikt Minsk) dort veranstalteten. An dem genannten Tage drang, in Mozyr die Spitze der Balachowitsch-Trlippen, das erste Reiterregiment, unter Kommando des Obersten Balachowitsch, eines Bruders des Generals, ein, dem! sich Sawinkow angeschlossen hatte. Am Marktplätze angelangt,! stiegen die Reiter sofort ab und Zerstreuten sich in Windeseile, von j den Offizieren nicht zurückgehalten, durch die ganze Stadt, wo das systematische Plündern der jüdischen Wohnnngeil und Geschäfte begann. Die christlichen Wohnungen und Geschäfte wurden nicht berührt. Tore und Türen wurden mit Aexten und Kar abine rkolben culsgebrochen. Jüdische Männer und Frauen, die sich in Kellern Versteckt hatten, würden auf die Straße gezerrt und mißhandelt. Dann mußten die Bedauernswerten selber die Plünderer durch ihre Wohnungen und Geschäfte führen lind die Gewcchrsamc des Geldes und Gutes zeigen, stetig von Bajonetten und- Revolvern bedroht. Die Fahl der dabei Ermordeten konnte noch nicht sestgestellt werden, wird aber über dreißig geschätzt. Erst gegen Abend horte das Morden und Plündern ans, nachdem General Balachowitsch die Schaffung, einer jüdischen Miliz erlaubt hatte, die allerdings kein jüdisches Gut mehr zn schützen hatte. * Authentische Bestätigung der Nachrichten über die in der Ukraine durch die Kosaken Budjeunhs organisierten Pogrome. Nachdem das Komitee der jüdischen Delegationen in Paris Nachrichten über neuerliche Pogrome, die in der Ukraine durch die Kosaken Bndjennhs veranstaltet worden seien, erhalten hatte, wandte es sich telegraphisch an den Klub der jüdischen Abgeordneten in Polen, um die Echtheit dieser Nachrichten nachzuprufen. Es ist nunmehr ein Telegramm des erwähnten Klubs eingegangen, das diese Nachrichten bestätigt. In Liubar dauerte der Pogrom 14 Tage, wobei 44 Juden getötet, 260 verwundet wurden. Nahezu 700 Frauen sind in den Straßen vergewaltigt worden. Die Massaker waren von unglaublichen Grausanrkeiten begleitet. Das Eigentum der Juden wurde geplündert. In Ostropol wurden 11 Juden getötet, eine große Anzahl verwundet, 70 Frauen vergewaltigt. In Polonnoje wurden 10 Juden getötet, in Wifchnepol 6, in Utanolo 10. Alle Juden dieser Gegend wurden vollständig ansgeplündert und sind ohne Schutz geblieben. Die ukrainischen Juden fliehen in Masseln Sofortige Hilfe, sowohl sinanziele wie moralische, tut not. .1. P. Z. . O Rumänische Grausamkeit. Wie die Warschauer „Hazefirah" meldet, spielen sich jetzt an der nkrainischnnnänischen Grenze längs des Dujestr ununterbrochen die furchtbarsten Szenen ab. Tausende jüdischer Familien sind all den ukrainischen Häsen des Dnjestr angesammelt und bemüht, Allsreisemöglichkeiten nach Palästina zu erlangen. Biele dieser unglücklichen. Wanderer werden von bcn auf -ber rumänischen Seite postierten Grenzsoldaten niedergeschossen oder in den Fluß geworfem - .Die. rumänische Regierung verweigert diesen Palästinawanderern das Betreten rumänischen Gebietes/ Daß Rumänien fernem alten Laster der Juden mrfolgung nach wie vor' frönt, kann bei dem tiefen Kulturstand, der dort besteht, nicht überraschenwohl aber, daß es den traurigen Milt aufbringt, die Forderungen der Ententemächte zu verhöhnen, die Schlitz aller nationalen und konfessionellen Minderheiten gebietell. Wo bleibt die starke Hand Englands^ die nach der Balfourschen Erklärung den Juden in Palästina eine Heimstätte schaffen will und es duldet, das; die Juden auf dem. Wege dahin wie Freiwild abgeschossen werden! Soll, das schöne' Wert vom Schutz der Schwachen zu einer leeren Redensart oder zur: Wahrheit werden? / ' - . ( GmigräuteUaustzeutcr. Paris, Dezember. Aveihundertfürnfzig jüdische Amerikaauswanderer sind in Eherboürg zurückgehMen worden, nachdem sich herausgestellt hatte, daß ihre Schii-ffskarten gefälscht waren. Sie waren Opfer eines Schwindlers namens Florian, dem die „AmerikanischeGesellschaft zmn Schuhe der Emigranten" in seiner Eigenschaft als Beamter einer Transportgesellschaft 300 000 Francs ausgchändigt hatte, .um die Emigranten mit Bahn- und Schiffstärten zu versorgen., Tie Sch-iffsgesellschaft erkennt aber die Karten nicht an, da sie gefälscht sind. Das Ministerium des Innern, das in der Sache angerufen wurde, ordnete an, daß die Emigranten bis zur Klärung der Sache in Eherbourg entsprechend untergebracht und verpflegt werden. Wad) dem Schwindelagenten wird gefahndet. Dir Neutralität der Alliance Jsra^lite. Der Tätigkeitsbericht der Alliance Jsraölite enthält folgenden Passus über den Zionismus: Die Konferenz von San Renw hat die Schaffung eines jüdischen nationalen 'Heimes in Palästina sänktioniert. Das Zenteailkomitee der Alliance hat nun, obwohl es von verschiedenen Seiten angegangen worden ist, für öder gegen den Zionismus Stellung zu nehmen, beschlossen, sich weder für den Zionismus zu erklären, noch ihn zu blkämpseu. Ta der Alliance Vertreter der verschiedenen Länder mrb verschiedener Meinungen angehören, hat das Zentralkomitee es nicht für möglich angesehen, gegen diese Ansichten aufzutreten, und es als seine Pflicht erachtet, eine neutrale Stellung zwischen, beiden Lagern, Zionisten und Antizionisten, ern-. zlniehmen. J. p z. Eiue Ehrung Eremieux . Aus Paris wird berichtet: - Am Grabe Adolphe C r e m i e n x', des verstorbenen französischen Ministers, der als- Mitbegründer der Alliance- Jsraölite Universelle sich große Verdienste um das Judentum erworben hat, fand am 24. November, dem Tage der 50. Wiederkehr des Einlmrgerungs dekrets der algerischen Juden, eine imposante Feier statt. Zahlreiche bekannte Persönlichkeiten, Minister, Diplomäten und Abgeordnete nahmen an der Feier teil. In einer Ansprache wurde auf die Bedeutung des Tages'aufmerksam gemacht, der die algerischen Juden ans verachteten Parias in .gleichberechtigte 'französische-Bürger verwandelte. Das,Gesetz wurde am 24. Oktolber 1870 von der Regierung, der nationalen Verteidigung angenommen. V, ' . * , England. Biel Aufsehen erregt in England die Stellungnahme des Overrichters Lord Reading gelegentlich eines Prozesses auf die Frage des Anwalts, ob sein- Klient-nicht das Opfer von- Wucherern — wahrscheinlich Juden rrgeworden sei. Als Präsident des Appellakiousgerichtes protestierte Lord Reading gegen die: Stellung einer derartigen Frage, die als ein.Berfuchi, ein ganzes Volk zu verlmglimpfen, gestempelt loerden müsse. Diese scharfe Stellungnahme Lord Readings, der.als Assimilant es stets vermied, a!U Jude auszutreteu, beweist, daßgruh in England die Gefahr der.Verbreitung des Antisemitismus sehr ernst genommen wird. J. P. Z. . ...* . Lord Robevt Cecil zur Frage der Aufnahme der Juden iu den Völkerbund. Der ehemalige Staatssekretär inr englischem Ministerrmn des Äeußern, / Lord Robert C e e i l, der allgemein als der koWWen'de Mann Englands bezeichnet wird und der durch.

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