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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1838-01-04 · Heft 2 (4.1.1838) · p. Seite 6

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
2 (1838)
Issue
Heft 2 (4.1.1838)
Date
1838-01-04
Page
Seite 6 (sequence 2)
Language
German
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6 sendet, um sie unter die armen Israeliten von Paris, ihre Glaubensgenoffen zu vertheilen. (Courr. franc.) Diese Nachricht ist sehr zweifelhaft, da der Dr. Koreff dem Judenthum nicht angehört. —. In dem Departement Cher hat sich eine neue Religionssecte gebildet, die sich Neu-Jerusalem nennt. Ihr Hohepriester ist ein gewisser Leboas-des-Guays, ein ehemaliger Unterprafect. Das Jahr 183 V. (Schluß.) Die alten Leiden Palastina's und der umgrenzenden Lander, Erdbeben, Wüste und Pest,-hatten sich auch in diesem Jahre über dasselbe gelagert, und mit dem ersten Tage des Jahres wurden einige Städte abermals in den Schlund der Unterwelt gezogen und ihre Statten zur Wüste gemacht. Dieses Unglück fand Anklang in manchen europäischen Gemeinden, und Gibralta r, Amsterdam, Hamburg, Altona und — Kollin sandten Beweise ihrer Mitleidenschaft nach Asien. Nach vielen Opfern wich auch die Pest aus diesen Gegenden — auf kurze Zeit. In Nordafrika hatten die Juden unter den Drangsalen des Krieges zu leiden, aber mit den Siegen der Franzosen wird auch dort ihre Lage freundlich und gehoben. Dieses Frankreich ging auf der Bahn der Gleichstellung seiner Juden unbeschrankt vorwärts, und alle Nachrichten, die von hier aus zu uns gelangen, sind nur Bestätigungen ihres Glückes, betreffen nur Auszeichnungen Einzelner nach ihrem Verdienste. Das Budget des israel. Cultus wurde von 80,000 Fr. auf 90,000 erhöht; bei Gelegenheit der Vermählung des Herzogs von Orleans wurden unter 21 Paaren auch 5 israelitische, ein jedes mit ca. 1500 Fr., ausgestattet; mehre Juden wurden mit dem Kreuze der Ehrenlegion geschmückt, Einer sogar zum Offizier der Ehrenlegion erhoben, mehre in Staatsämtern höher befördert, einen jüdischen Deputirten schickten seine Comittenten abermals in die Deputirtenkammer, ja, die französische Diplomatie mußte von Neuem gegen das unduldsame Verfahren der Schweiz gegen französische Juden einschreiten. In England gehen die Juden langsam vorwärts, und die ihnen noch fehlenden Freiheiten, weil sie nur durch die alten Eide der anglicanischen Kirche davon zurückgehalten werden, werden mit der Aufhebung dieser ihnen allmalig zugestanden. So wurde ihnen das Studium auf den Universitäten Cambridge und Oxford eröffnet; zum zweiten Male wurde ein Jude Sheriff der City, und dieser sogar zum Ritter erhoben, der frühere jüdische Sheriff (Satomons) wurde zum Alderman der City erwählt; in der letzten Zeit wurde der Antrag im Unterhause gestellt, die Aufhebung der Eide auf die anglicanische Kirche bei Uebernahme von Munizipal- Aemtern auch auf die Juden auszudehnen, und nur mit einer Majorität von 16 bei 328 Stimmenden verworfen, weil man sonst die Bill nicht durch das Oberhaus zu bringen hoffte. In Italien — ist Alles ruhig, still wie das Grab. Wir hatten Nichts zu berichten, als daß in Rom bei Gelegenheit der Cholera den Juden ein Lazareth eingeräumt wurde, was das römische Volk nicht wollte — aber mußte. Rußland begünstigt die allmalige Entwickelung der Juden ungemein. Zwar wurde der Auswanderung der Juden nach Sibirien Einhalt gethan, ihnen aber eine desto bessere Statte in dem südlichen Rußland eröffnet, jede religiöse und pädagogische Entwicklung wird befördert. In Jamaika steuerte Parlament und Magistrat zu der Erbauung einer Synagoge bedeutende Summen — aus Sidney wurde die förmliche Constituirung einer Gemeinde berichtet. Es bleibt uns nun noch übrig, einen Blick auf das deutsche Vaterland zu werfen, wo allerdings die Verhältnisse der Juden, äußere wie innere, am meisten in Gährung sind, und in der Schöpfung eines großartigen Produktes die größten Kräfte verwendet werden. In Sachsen machte die Regierung ihre Gesinnungen in Bezug der Juden durch zwei Verordnungen bemerklich wonach die Abgabe von 6 Rhtlr. für jeden Tobten wegfallen, und mit dem 1. Mai 1838 die Privatsynagogen in Dresden geschlossen werden sollen. In Leipzig strebte man dahin, eine allgemeine Synagoge für die deutschen Meßfremden jüdischer Confession zu erwirken, und der Stadtrath zeigte sich gewilligt, hierzu einen Platz gratis zu überlassen. Im Sachsen-Weimar'schen wurde das Gebot, daß die Juden nur in deutscher Sprache beten sollten, mit unerbittlicher Strenge duvchgeführt, und damit auf jeden Fall ein Gewissenszwang verübt. Die hannoverischen Juden leben in der vollen Ungewißheit, was aus ihnen werden solle — einstweilen suchten sie es zu beweisen, daß der Wechsel des Landesherrn nicht ohne tiefe Theilnahme an ihnen vorüberging. Die Gemeinden Hamburgs sahen in ihrer Mitte die wohlthätkgen Stiftungen, die diese so sehr auszeichnen, um neue sich vermehren: die Herrmann Heine'sche vermöge ihrer Großartigkeit, und die Gumpel'sche wegen ihrer Eigenthümlichkeit verdienen volle Beachtung. Auch sah sich der Senat veranlaßt, einige Schritte im Einzelnen vorwärtszugehen — wie denn das der Triumph unsrer Sache ist, daß sich gerade im Praktischen am meisten dieUnzulanglichkeitderBeschränkungen immer mehr berausstellt, so daß nicht geringer Nachtheil dem Christen selbst aus der beschrankten Stellung des Juden fließet.

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