Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 2 (1838)
- Issue
- Heft 2 (4.1.1838)
- Date
- 1838-01-04
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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II. Jahrgang, No. S. Zeitung des Zudenthums. Ein unpartheiisches Organ für alles jüdische Interesse. (Mit Kd'nigl. Sächsischer allergnädigster Concesiion.) Leipzig, den 4. Januar 1838. Zeitungsnachrichten. Brüssel, 16. Dec. lPnvatmitth.) In Bezug auf meine Mittheilung in No. 107 dies. Zeit. (Reiseskizzen uff.) übergebe ich Ihnen hierbei das Budget des israet. Cultus in Belgien. Die belgische Regierung bewilligt dem israelit. Cultus 16,000 Francs (2666| Rthlr.). Nach dem Wunsche des Central-Konsistoriums sollen diese auf folgende Weise angewendet werden: Dem Oberrabbiner (Grand Rabbio) 2460 Fr. Zweien Assistenten (miuistres officians) 2500 — Für die Unterhaltung der Synagogen und den Unterricht . . . . . 1900 — Dem Secretär. 400 — Bureaukosten. 300 — Für andere wichtige, der Regierung zu belegende Ausgaben ..... 2500 — Summa 10,000 Fr. Die Zahl aller Israeliten in Belgien belauft sich auf kaum 1000 Seelen. Da nun die ganze Staatseinnahme (directe und indirecte Abgaben zusammengerechnet) sich durchschnittlich so stellt, daß jeder Belgier nur 20 Fr. jährlich zu zahlen hat, so geht hieraus hervor, daß die Regierung den Israeliten die Halste, d. h. 10 Fr. pro Mann, Behufs ihres Cultus, ,zurückzahtt — ein Verhältnis, welches gewiß von einem beispiellosen Edelsinne zeugt. Algier, 14. December. Der Moniteur algerien berichtet Folgendes: Mit jedem Jahre sieht Algier die Stiftungen von Seiten der Franzosen sich mehren, die den Unterricht des Volkes befördern und ausdehnen sollen. Europäer, Mauren, Juden! alle ohne Unterschied, werden berufen, die Wohltharen der Erziehung zu theilen, für Alle giebt es französische Schulen und Lehrer. Es ist übrigens der Besuch von Schulen nichts Neues in Algier, denn die Kinder der Mauren und Juden lernen fast sammtlich lesen, jene den Koran, diese die Bibel; aber bis jetzt hatte keine Schule für israelitische Mädchen bestanden. Bor der französischen Occupation konnte, keine Eingeborne lesen. Beschränkt blos auf die materiellen Sorgen für die Wirthschaft, erhielten die Frauen auch nicht die geringste geistige Ausbildung. Ihr Geist blieb, wie die Natur ihn einer "Jeden verliehen, ohne daß die Wiffenschasten ihre Fähigkeiten entwickelt hätten. Ein solches Verhaltniß konnte sich bei dem Einflüsse der französischen Ideen und Sitten nicht halten. Auch fand die Obrigkeit allerdings nur guten Willen und Erkenntlichkeit bei den Israeliten vor, als sie zu den Notabeln der jüdischen Bevölkerung die Nothwendigkeir ausspcach, die Töchter eben so gut wie die Söhne unterrichten zu lassen. — Durch die Sorgfalt der Administration wurde nun im vergangenen Monat in der Straße der Drei-Farben in dem alten Local des Collegiums eine französische Schule für israelitische Mädchen eröffnet. Die Anzahl der Schülerinnen belauft sich schon auf 70, die sich durch eine Emsigkeit auszeichnen, die den europäischen Kindern zu wünschen wäre. Es ist für die jungen Mädchen ein besonderes Vergnügen, sich versammelt zu sehen, sie sind lieber in der Schule als zu Hause. Die Auszeichnung, welche denen zu Theil wüd, die eine besondere Lernbegierde darlegen, oder durch Reinlichkeit und französische Haltung sich hervorthun, erhält unter ihnen einen besondern Wetteifer. Man halt sie besonders zum Lesen, Schreiben, Rechnen, Nähen und Sticken an. Die, welche Betrachtungen über den Zweck von Gesetzen und über den Einfluß der Erziehung auf die Frauen hinsichtlich der Sitten angestellt haben, werden sehen, daß in der Begründung solcher Schulen der Keim großer moralischer Verbesserung für die Gewohnheiten eines Volkes beruhe, welches nöthig hat, sich aus dem Zustande der Erniedrigung zu erheben, worin es unter der Herrschaft der Deys versunken war. London, 16. Dec. Lord Brougham legte gestern im Unterhause eine Petition von dem Lord-Mayor, den Aldermen und Gemeinden der City von London vor, worin dieselben bitten, daß die oben erwähnte Bill in Betreff der Eidesleistung nicht nur auf die Quäker und mährischen Brüder, sondern auf alle Unterthanen I. Maj. ausgedehnt werde. —. Der am Freitag Abend von Lord Brougham dem Oberhause vorgelegte Unterrichtsplan schließt allen Zwang aus. An festgesetzten Tagen soll nach der heil. Schrift Religionsunterricht ertheilt werden, doch soll es jüdischen und katholischen Kindern frMehen, wenn ihre Aeltern es wünschen, sich wahrend dessen zu entfernen. —. 9. Dec. Unterhaus. Sitzung vom 8. Dec. Herr O'Conell zeigte an, daß er bald nach den Ferien um Erlaubniß bitten werde, eine Bill einbringen zu dürfen, .^um dadurch Personen jüdischen Glaubens von denjenigen Beschränkungen, welche die Gesetze ihnen bisher auferlegt hatten, zu befreien. Paris, 14. Dec. Ein Journal berichtet, daß die Herren Dl). Koreff und Woloski die vom Gericht ihnen zugesprochenen 24,000 Fr. dem Oberrabbiner von Paris über-