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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1920-12-10 · Heft 38 (10.12.1920) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
84 (1920)
Issue
Heft 38 (10.12.1920)
Date
1920-12-10
Page
[Seite] (sequence 14)
Language
German
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einer .weiteren» Verzögeru-ng einen Rückschlag mi die Arbeftsfreüdigkeit der Beamten. Die Gemeinde mutz, «trotz ihrer ungünstigen Finanzlage, die neue BesoldungAordnunig sofort emsühren. Professor -Dr. Türk beantragt, zunächst den -mittleren und unteren Beamten einen Vorschuß auf die Disferenzzahlung zu gewähren, während Dr. K lee diese Zahlung auf sämtliche Gruppen ausgedehnt wünscht. Zum Schluß der Debatte bemerkt Dr. Minden: - Im- Gegensatz zu dcr vorher bet einem anderen Ve r handlungsge gen stand von Herrn Dr. Klee getanen Aeußerung bin ich -der Ansicht, daß uns hier in diesem Saale deutsche Kultur und preußische Aufs a s s, u n g. sehr viel angehen. Dem. setzt im Heiligen Lande neu entstehenden Staate oder staatsähnlichen Wesen tonnen wir kein, besseres Angebinde in die Wiege-legen, als wenn wir ihm einen zuverlässigen und unbestechlichen Beamtenstand, wimschen wie der alte preutzische Beamtenstand. Voraussetzung für. einen solchen ist aber, daß seine Mitglieder nicht zu darben brauchen. Ich bitte den Gemeindevorstand und bin davon überzeugt, datz er in diesem Sinne , auch für die Beamten-unserer ^Gememde weiter sorgen möge, und hoffe, daß es ihm gelingen wird, die Mittel dafür zu beschaffen. Die Versammlung nimmt schließlich beide Anträge an. —- Seit einer Reihe von Jahren ist. es rn den Synagogen ohne Orgel den B a r m i z w a h k n a b e n gestattet, einen Abschmt'aus -der Thora vorzutragen. Der Vorstand beantragt, nun.auch in den Synagogen mit Orgel den Vortrag eines T h o r a a b s ch n i 1 t e s -durch Barmizwahtnaben nach genügender Vorbereitung und Ablegung einer Prüfung zu gestatten. Herr Emil P i n c u s, der -als Berichterstatter die Vorlage vorträgt, bemerkt, daß dieselbe im Ausschuß freudig begrüßt wurde. Es wird beschlossen, dem Anträge -des Gemeindevorstandes mit der Maßgabe zuzustimmen, daß es den Knaben freigestellt wird, -den Thoraabschnitt mit oder ohne traditionelle Sprechweise (Trotz) vorzutragen. — Der Gemeindevorstand beantragt, -das EL-mole-rachamim-Gebet, das alter Sitte gemäß bis vor etwa acht Jahren in allen Gemeindesynagogen auf Wunsch der Angehörigen an Iahrzeittagen verrichtet wurde, aus Grund eines Beschlusses der Vereinigten Synagogenvorstände wieder einzuführen. Die Synagogenvorstände haben vorgeschlagen, für den Vortrag des Gebetes keine Gebühr zu erheben, sondern lediglich auf die Zulässigkeit von Spenden für wohltätige Zwecke hinzuweisen. Wie Herr Tr. Gurmann als Berichterstatter aussührt, haben sich die Gemeinderabbiner bis auf drei Herren zustimmend -geäußert. Der Vorstand hat daraufhin beschlossen, das El mole rachamim in allen Synagogen beim Wochentagsgottesdienst zuzulassen; eine Gebühr soll dafür nicht erhoben werden. Eine direkte Aufforderung zu wohltätigen Spenden soll nicht ergehen, doch soll in allen Synagogen ein Spendenbuch..ausgelegt -werden, in welches diejenigen, aus deren Wunsch das Gebet -gesagt wird-, ihre Spenden eintragen-. „Ich bin der Ansicht," führte dabei Geheim rat Minden aus, „daß esdurchaus angemessen ist, an Jahrzeiten Geldspenden zu wohltätigen und gemeinnützigen Zwecken hinzugeben. Ich kann nichts Bedenkliches darin finden, daß man ein. Luch auslegt, in welches Spenden und Spender eingetragen werden. Ich würde auch für den Vorschlag «des Herrii Goldschnudt ) tim men, datz diese Spenden, wie die übrigen, im „Gemeindeblatt" veröffentlicht werden. Freilich steht die Wohltätigkeit, die ganz im stillen arbeitet, sittlich am höchsten. Aber wir Menschen haben doch nicht die Macht, in die Herzen unserer Mitmenschen so hineinz-uleuchten, daß wir deren Beweggründe klar durchschauen. Kein Mensch ist fehlerlos, und wenn hier Eitelkeit oder Prahl-erel oder andere egoistische Zwecke Mitwirken, so müssen wir uns das gefallen lassen. In jedem menschlichen Gemüt liegt Edles und Unedles nebeneinander. Vielleicht — wir haben solche Beispiele großer Wohltäter in unserer Gemeinde gesehen — ist das wahre Motiv für Veröffentlichung ihrer Namen der Wunsch zur Nachahmung anzurogen." Für die ständige Verrichtung des El-mole-rachamim-Gebetes soll ein Mindestbetrag von 2000 Mark, verlangt werden, der ebenso wie die Spenden für Wohlfahrtszwecke der Gemeinde zu verwenden ist. Herr Dr. Gut mann weist darauf hin, daß in einem Gutachten gegen einen Passus des Gebetes Bedenken erhoben werden, und zwar gegen die Stelle: b'amur scheani uoder z'daka b'ad haskarath nischrnaflo. Herr Tr. Gutmann teilt diese Bedenken und beantragt, eine Aenderimg vorzunehmen in Derselben Art, wie auch das Jiskor-Gebet, das zur Seelenseier in a ll e n Gemembeshnagogen gesprochen wird, abgeändert worden ist. ' Dom Vo r st a n d s ti s ch bittet Herr Tr. Freund, von nflen Aenderüngen abzusehen. Die vom Referenten borgebrachten Gründe, erscheinen, tvenig stichhaltig und sind keineswegs ausreichend, eiye neue religiöse Streitfrage in die Versammlung zu tragen. Herr Dr. Loews wendet sich entschieden gegen die Auffassung des Herrn Dr. Gutmann. Die angeführte Stelle verstößt-in keiner Weise gegen die modernen Empfindungen; das den angeführten Worten folgende Wort „lochen" bezieht sich auf -den gesamten vorhergehenden Satz (?) und kann aus syntaktischon Md. stilistischen Grüden nicht mißverstanden werden. Es ist wünschenswert, daß das Gebet wieder eingesührt, doch darf keinesfalls '-ein. Unterschied zwischen den Synagogen mit Orgel und neuem Ritus und den Synagogen mit altem jüdischen Ritus -gemacht werden. Sollte eine derartige Unterscheidung nach dem Vorschläge des Herrn Dr. Gutmann geplant sein, so würden der Redner und seine Freunde entschieden gegen, die Wiedereinführung des Gebetes austreten. Herr Dr. L ö b ist -ebenfalls gegen jede Aenderung der traditionellen Form des Gebetes. Herr Dr. Freund (Vorstandstisch) bittet nochmals, von jeder Aenderung allzu sehen; Herr Dr. Türk wünscht den Zufätzantvag des Herrn Dr. Gutmann aus, die Orgel sh nagogen zu beschränken; Herr Goldschmidt bekämpft, die Bestrebung, einen überlieseirten Gebettext abzuändern. Bei der Abstimmung wird bei Zwei Stimmenenthaltungen mit neun gegen neun Stimmen, wo?et die Stimme des Vorsitzenden den Ausschlag gibt, abweichend ivn dem Anträge des Geineindevo-rstandes, der Einführung des El-mo-lerachamim-Gebets beim Wochengottesdienst in sämtlichen Synagogen mit der Maßgabe zugestimmt, daß eine Abänderung im Anschluß au das bei der Seelenseier gebrauchte Jiskor vorgenommen wird. Im Verlauf der Sitzung wurde Herr Theodor Löwenberg als neuer Stellvertreter vom Vorsitzenden des Gerneindevorstaades begrüßt und verpflichtet. L2 Berlin, 7. Dezember. Die Jüdische Lesehalle und Bibliothek ist, wie berichtet, von dem gleichnamigen Verein mit allen Bücher- und Zeitschristenbeständen der Berliner Jüdischen Gemeinde überlassen worden. Diese bilden den Grundstock zu einer dieser Tage eröfsneten Zweigbibliothek und öffentlichen Lesehalle im Flügel des Synagogengrundstücks Fasanenstraße. Die Lesezeit ist: Montag bis Donnerstag 6—9, Sonnabend 11^2—-1.^,, Sonntag 10 bis 1 Uhr. Im Lesesaal, dessen Benutzung für jedermann frei ist, befinden sich über 50 jüdische Zeitungen und Zeitschriften ohne Unterschied der Parieirichtung. Wie die frühere Jüdische Lesehalle und Bibliothek, die als älteste öffentliche jüdische Bibliothek und Lesehalle in Deutschland während ihres 25jährigen Bestehens zur Verbreitung jüdischen Wissens beigetragen hat, soll auch die neue Institution eine jüdische Kulturstätte bilden. Sie wird ihre Aufgabe, in Ergänzung der Hauptbibliothek und des Lesesaales in.der Oranienburger Straße 29, den Gemeindemitgliedern, namentlich auch den im Westen Berlins wohnenden, die Quellen der jüdischen Publizistik und Wissenschaft zugänglich zu machen, um so ergiebiger erfüllen können, als auch in der Zweigbibliothek Werke aus der Hauptbibliothek zu beziehen sein werden. Berlin, 7. Dezember. Für den mit 19. v. M. verstorbenen Dozenten des Berliner Rabbinerseminars Dr. Simon E tz P e n st e i n fand letzten Sonntag in der Synagoge der Israelitischen Gemeinde Adaß Jisroel eine von den Dozenten und Kuratoren des Seminars veranstaltete Trau-erfeier statt, an der neben den näheren Leidtragenden zahlreiche Freunde und Verehrer des Dahingeschiedenen sowie Vertreter mannigfacher wissenschaftlicher Körperschaften teilnahmen. Die erhebende Feier wurde mit dem von Herrn Daniel G o l d s ch m i dl meisterhaft borge tragenen 16. Psalm -eingdleitet, woraus der -greise Rektor des Seminars, Professor Tr. H offmann, die Gedächtnisr-cde hielt. Anknüpfend an einen Vers des Hohenliedes: „Mein Freund ging in seinen Garten hinab, um Rosen einzusammeln" (6,2), zeichnete der gelehrte Redner mit schlichten, aber um so eindringlicheren Worten das Lebensbild des Verblichenen, auf den er tiefsinnig den talmudischen Ausspruch anwendete: Heil dem, der mit dem Studium der Thora groß geworden ist und alle Tage seines Lebens sich bemüht hat, ihre Tiefe zu -erforschen. Namens des Kuratoriums sprach dann Rechtsanwalt Dr. Barth, der mit herzlichen Worten die Lebensarbeit des Dahingeschiedenen schilderte und« zugleich, der schmerzlichen Berlusto gedachte, die die Anstalt in den letzten zehn Jahren durch den hintereinander erfolgten Tod von fünf Dozenten erlitten habe. Dann sprach als Freund des Verstorbenen Rabbiner Dr. K ö n i g s - berger Und als letzter ein Zögling des Seminars, der dem treuen Lehrer wehmütig das Psalm wort nachrief: Steh uns bei, o Gott, denn der

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