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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1920-12-10 · Heft 38 (10.12.1920) · p. Seite 444

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
84 (1920)
Issue
Heft 38 (10.12.1920)
Date
1920-12-10
Page
Seite 444 (sequence 12)
Language
German
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444 der Reaktion, belveisen am besten in ihrem unerschütterlichen Idealismus, wie falsch das MD ist, das sich in Der Nestel einfältige Menschen von Ostjuden machen. Gorelik leugnet gar nicht, daß auch unter den Juden, die sich während der Kriegszeit in der Schweiz aufhielten, solche waren, die zu der Kategorie Menschen gehörten, die wert seien, von der höchsten Treppe heruntergeworfen zu werden, aber er sagt, daß sie auch nicht zahlreicher waren als die unter den anderen. Wie schön schildert er den rührenden Glauben jener Ideal'sten an die russische Revolution, auf die sie ein Menschenalter gewartet haben, wie sie sich nachher beeilten, nach Rußland zurückzukommen, das sie vor Jahrzehnten in die Verbannung gesandt hatte. Die starke jüdische Note, die durch das Buch klingt, macht es uns besonders lieft;, bte Zartheit und Innigkeit der Sprache läßt die Lektüre zu einem besonderen Genuß werden. W. C. & — Anläßlich des 70. Geburtstages des verdienstvollen Begründers der „Qesterreichischeu Wochenschrift" Dr. Joseph S. Bloch, den 20. November 1920, hat Dr. Leon Kolb eine reich illustrierte Festnummer des Blattes den zahlreichen Freunden und Verehrern des Jubilars gewidmet. Eine Reihe hochbedeutender Minner hat sich vereinigt, das Geburtstagskind, das seinen Fest- und Ehrentag jenseits des Ozeans begeht, zu efjrai und zu feiern. Ten Neigen eröffnet der als Kanze'?redner und Schriftsteller gleichermaßen rühmlichst bekannte Schwiegersohn des Jubilars, Dr. Max Grunw a-ld, der in großen Zügen dessen Lebens- und Werdegang schildert. Dr. Samuel Rappaport zeigt uns Dr. Bloch als Wgeordneten, während Prof. Dr. T. M. Klimvnt ihn uns als Kämpfer für die Wahrheit vorführt. Durch Professor H. Löwe lernen wir den Jubilar in seinem Wirken als Journalist kennen; Professor Dr. Samue'l« Kraus vermittelt uns die Aeußerungen'Dr. WochS, des tiefen Talmudgelehrten, über die Entstehung des Talmuds. Ein Auszug aus einem Briese des Geheimen Konsistorialrat.s, Professor der Theologie an der Berliner Universität, Tr. Hermann Strack, enthält warme Worte der Anerkennung für Tr. Bloch und dessen mutigen Kamps gegen seinen berüchtigsten G'guer Rohling. Qberrabbiner W. Reich spendet „Persönliche Erinnerungen an Dr. Bloch", und auch eine .dle Frau erhebt ihre Stimme: Clotilde Benedikt preist Dr. Bloch als Förderer und Zentralisator der jüdischen Wohltätigkeit in Wien und in Oesterreich. Dr. Heinrich Schreiber ruft dem Jubilar über das Weltmeer, das diesen von Heimat und Familie nun schon monatel-ang kremst. „Kehre zurück!" zu. und der poetische Festgruß eines heute bekannten und geschätzten Dramatikers, der unter dem Pseudonym Teutobold einst ein eifriger Mitarbeiter der „Oesterreichischen Wochenschrift" war, beschließt di.se eigenartig wertvolle Festschrift, die wir von Anfang bis zu Ende mit lebhaftester Teilnahme begleiten. B r e s l n it, November 1920. R e g i n a N e i ß e r. Lyrkchlaal. Die neue Schule und die Lehrerbildung. Eigelltlich, so werden die Leser sagen, muß die Ueb^rschrist umgekehrt lauten, denn die Gestaltung der Schule ist fraglos abhängig von der Lehrerbildung. Da aber selbst die vollkommenste Lehrerausbildung wertlos bleibt, wenn sie kein Betätigungsfeld findet, und das ist die Schule, und das ist die Jugend, darum setzen wir die Schule an die erste Stelle. Die neue Schule gehört in die neuen Verhältnisse hinein: sie ist schon lange .cesordert und wird jetzt kommen, ta sie durch dir Verfassung bestimmt ist und ihre Grundlagen durch Landesgesetze festgelegk sind: Die Einheitsschule mit der Arbeitsschule. Die Schulen sind vorhanden, aber ihre Umformung erfordert dafür vorgebildete Lehrer. Daher fordern die Schulbehörden bis hinauf zum Minister für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung dringend eine Fortbildung der Lehrer auf dem Gebiet des Gartenbaues und der Handfertigkeit. Die erstere Fortbildung gibt einzig und allein in deutschen Landen das Simonsche Seminar in Peine; für die Fortbildung in Handfertigkeit sind auch andere Ausbildungsmöglichkeiten vorhanden. Keine der bestehenden Einrichtungen ist aber so wie das Seminar in Peine auf die wirkliche Lehrerbildung eingestellt, außerdem aber erwachsen allen Teilnehmern aus dem Besuch der anderen Fortbildung-sinstitute weit höhere Kosten, als sie das Simonsck)e Seminar erfordert. Christliche Lehrer melden sich in großer Zahl,, für Freistellen sowohl wie auch als zahlende Teilnehmer; wo aber bleiben die jüdischen Lehrer, für die wir die Einrichtung in erster Linie getroffen haben? Nur sehr wenige scheinen das! Verlangen zu haben, sich für die Arbeit in dtzr -neuen Schule die nötigen Grundlagen zu schaffen, um ersprießliche Arbeit leisten zu können. Wenn geklagt wird, daß die Zahl der jüdischen Schulen beständig geringer wird, so sehen., wir doch anderseits' w verschiedenen Städten vielklassige jüdische Schulen entstehen und hören von mancher Nc<ugründung jüdischer Schulen. Die Zahl der jüdischen Schulen sei aber so gering, wie sie wolle, die jüdische Schule muß in ihrer Leistungsfähigkeit mindestens mit den anderen aus gleicher Stufe stehen, soll sie ihren alten guten Ruf behalten. Wie aber wird sie diese Forderung in der Folge erfüllen können, wenn dem Lehrer das Rüstzeug fehlt, die Schularbeit den neuen Anforderungen entsprechend zu gestalten! Dann wird man sich nicht mehr wundern dürfen, wenn der Auflösungsprozeß mit Geschwindschritt vor sich geht, die jüdischen. Schulen noch schneller verschwinden als bisher, die Aussichten der Lehrer auf Anstellung immer ungünstiger werden, die Erziehung der jüdischen Jugend immer mehr leidet und dem Judentum der schwerste Schaden zügefügt wird. Alle Arbeit an der Jugend im späteren.Alter in Vereinen kann keine starke Wirkung haben, wenn die Erziehungsarbeit nicht schon die Grundlagen geschaffen hat. Das Seminar in Peine, unter Aufwand großer Mittel gegründet, einfach, aber den neu zeitigen Forderungen entsprechend eingerichtet, -ausgestattet mit allen, praktischen Einrichtungen zur Unterstützung seiner FortbildungSarbeit, will auch weiter feine Aufgabe erfüllen, in erster Linie den jüdischen Lehrern eine gediegene Fortbildung irn Schulgartenbau und in Handfertigkeit zu bieten. Trotz der gewaltig gestiegenen Kosten für den Betrieb werden den jüdischen Lehrern sehr weit gehende Beihilfen eingeräumt, da es gilt, einer großen Idee zum Siege zu verhelfen; dann muß aber auch erwartet werden, daß unsere Lehrer von der getroffenen Einrichtung weitgehend Gebrauch machen. Das ist aber bisher nicht geschehen; nur wenige, kamen, wo viele erwartet werden mußten. Wenn dieser Zustand bestehen bleibt, wenn stets nur wenige jüdische Lehrer zwischen zahlreichen christlichen von der Einrichtung Gebrauch machen, so muß die Stiftung zu der Ansicht kommen, daß die großen Aufwendungen nicht im Verhältnis stehen zu der beabsichtigten Wirkung, und dadurch eine Fortsetzung -der Ausbildungskurse in Frage gestellt wird. Daher hat der Vorstand auch eine Aenderung in der Organisation der Kurse beschlossen; es sollen fortan Kurse vom 1. März bis 1. Juli und vom 1. Juli bis 1. November gehalten werden. Nur wenn sich eine genügende Zahl von Teilnehmern findet, sollen die Kurse fortgesetzt werden. Um.das festzustellen, sollen schon jetzt Meldungen jüdischer Lehrer für den Kursus 1921 angenommen werden, und um die Mitte des Monats Tezember sollen die Meldungen bereits abgeschlosien sein, damit wir eine Uebersicht gewinnen und die Vorbereitungen getroffen werden können. An die jüdischen Lehrer ergeht daher der Ruf, die Forderungen der Zeit nicht außer acht zu lasten, sich selbst und der Schule durch die Fortbildung zu dienen und dazu bei zu tragen, daß die Aufgabe des Fortbildungsseminars auch wirklich erfüllt werden kann, indem zahlreiche Meldungen eingehen. Es wäre sehr zu. bedauern, wenn die Stiftung sich entschließen wüßte, die aus der Forderung der Zeit entstandene und für die Fortentwickelung der Schule so überaus wichtige Ausbildungsstätte fallen zu lasten. Peine, im November 1920. A (IS exan d e r. * Die Warnung des Herrn Dr. Schwarz in Berlin gegen den Herausgeber eines Traueralbums ergänze ich dahin, daß der Wiener Herr dieses Geschäft in derselben geschilderten Weise auch nach der Provinz betreibt. Anfangs hat er das Mitleid der Adressaten für seine alten Eltern angerufen, jetzt seine eigene Erwerbsunfähigkeit. Was ihn aber noch deutlicher kennzeichnet, ist, daß er mein damals herausgegebenes Traueralbum wortwörtlich nachgedruckt hat, dessen Vertrieb ich im Jahre 1894 eingestellt. & Ich wollte ihn seinerzeit wogen des Plagiats gerichtlich zur Verantwortung ziehen, doch wurde mir in Wien bedeutet, daß mir dadurch nur unnötige Kosten entstehen würden. Prediger Lion-Wolfs, Tempelburg (Pommern).

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