Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 84 (1920)
- Issue
- Heft 38 (10.12.1920)
- Date
- 1920-12-10
- Page
- Seite 442 (sequence 10)
- Language
- German
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sondern Leiden hindern sei soziale Pflicht!" Er ist Säule und Seele zahlreicher Organisationen. So leitet Grunwald die „Allgemeine Hilfskommission für Palästina", die „Spitalshilfe für Palästina, ferner das „Komitee zur Sanierung der notleidenden israelitischen Wohlfahrtsanstalten in Wien". Er allein hat über zwei Millionen Kronen für das Roths-bild- Spital, Dersorgungshaus, Taubstummen- und Blindeninstitut aufgebracht, die daran waren, ihre Pforten zu schließen. Auch steht er an der Spitze des „Rabbinerverbandes" in Wien und des „Verbandes der Angestellten der Kultusgemeinde in Wien". Wie er in Hamburg das „M u s e u iu f ü r j ü d i s ch e Volkskunde" einrichtete, ließ er sich auch das Wiener Museum, besten Kuratorium er angehört, angelegen sein. Auch ist er Beirat in- und ausländischer Gesellschaften. Leopoldstädter Tempel! Ein Wahrzeichen des jüdischen Wien. Trotz ihres verhältnismäßig kurzen Bestandes hat diese Ändachtsstätte eine reiche Tradition. Grunwald hat sie gemehrt. Der Artikel, den er nach dem Brande veröffentlichte, war ein Schmerzensschrei, der an die Elegie „Schaali serufa" des R. Meir aus Rothenburg erinnert, Weit über eine Million sammelte er für den Tempelwiederaufbau. Eine gerade, grundehrliche Natur, überaus sachlich, ist der Jubilar von nie versagender Hilfsbereitschaft. Ein Sämann,! der kraftvoll und zukunftsreich hinter dem Pfluge einherschreitet und noch manche Ernte auf den Gefilden des Geistes verspricht, die Nahrung und Erquickung für viele wird. Der Allenker schenke ihm noch viele, viele Jahre rüstigen Schaffens! Die Makkabäer in der krutlchenDichtmm. Von Tr, S. Aschner. ufsällig spät erinnerte man sich im deutschen Mittelalter der makkäbäischen Helden'). Der wildgeniale Archipoeta war unter den ersten, der im Oktober 1163 zu Navarra Kaiser Friedrich I., den Rotbart, begrüßte als similis in proeliis Judae Machabeo. Eine ganz besondere, leicht begreifliche Vorliebe hatten dann die kernigen Ritter des Deutschen Ordens für die reisigen jüdischen Glaubensstreiter. Papst Honorius III. nannte diese Ordensmänner geradezu in seiner Bulle vom 16. Januar 1221: Novi sub tempore gratiae Machabei, worauf schon Treitschke in seinem feurigen, markigen Aufsatz „Das deutsche Lrdensland Preußen" (1862), Jnselverlag, S. 16, Dtfmerksam gemacht hat. Auch im Prolog der OrdensstatLen sowie bei den Chronisten Preußenlands, Peters von Duisburg und Niklas von Jaroschin, kehrt der Vergleich wieder. Der kunstsinnige Hochmeister Luder von Braunschweig (1335 bis 134!) meinte daher, die Bibeldichtung im Ordensland durch sein langatmiges, hölzernes Makkabäergedicht in endlosen Reimpaaren anregen zu können. Es gibt sonst überhaupt nur ein Makkabäerfragment aus der Zeit um 1100 (in der Ausgabe von Kraus); eine Dichtung des 14. Jahrhurwerts dieses Gegenstandes ist verschollen; ein niederrheinisches Fragment, die Mutter mit den sieben Söhnen behandelnd, hat Schade mitgeteilt. Als Probe der „Kunst" Luders möge Wer die Einsetzung des Weihefestes folgen: ) -Deine Brüder und Judas ' Und wer' von der Gemeinde wn>5 Von Israel, die setzten bas Don Judae Zeiten an fürbaß. Daß alle Jahre man feiern mag Des Altars hochzeitlichen Tag Im Monde Kislew, da man zählt Ten 25., das; nicht fehlt ' Acht Tage lang wonniglich: Lust. In der Zeit der Gegenreformation, hören wir dann erst wieder von zahlreichen Behandlungen -des Stoffes durch die Jesuiten, worüber Näheres in WilliHarrings Hyflefcher Dissertation (1907) S. st bis ,9., zu findon ist. In die Mu^sik hat Handels majestätisches Oratorium ,^uda Makkabärch" das große Thema erngeführt, Der. genialisch zerrissene ZaHavias Werner bot 1816 . sein zerfahrenes Drama „Die Muster der Makkabäer", ein. kacholisiere.ndes Märtyrerstück,' wo chje Geschichte von den sieben Söhnen mit den Makkabäern, kombiniert erschien. Dies regte dann Otto Ludwig än, der, vom Geist der Bibel und Shakespeares erfüllt, fein bleibendes Kunstwerk schuf, das einzige moderne, das.der hohen Aufgabe wirklich gerecht geworden. Schon 1850 entstand sein Fragment „Die Makkabüerin", wo die Gestalt Leas überragend im Mittelpunkte steht. Wie sehr den Dichter das Motiv beschäftigte, zeigen die drei Fassungen, die neben den zahlreichen, von Erich Schmidt aus dem Nachlaß publizierten Skizzen fein zähes Ringen um den Segen des schönen Vorwurfs bekunden. In der endgültigen Dichtung „Die Makkabäer", 1851 begonnen und 1852 in Strehlen bei Dresden vollendet, ist Juda neben Lea im Mittelpunkte, wodurch jedoch leider das Interesse gespalten und geschwächt wird. Die Szenen wechseln rasch und! lebendig wie bei Shakespeare. Neu und überraschend ist der Messiasgedanke ausgemünzt, indem Lea, die zur biblischen Niobe aufwächst, auf Eleasar alles Heil der Zukunft setzt. Groß wirkt Leas Tod mit dem prophetischen Ausblick auf das Wiedererstehen des Tempels und das Triumphfest Chanuka. Wie bei Werner vermittelt zum Schluß Lea zwischen Juda und den Syrern. Der Theatererfolg in Wien und Leipzig war) wie Laiche, „Burgtheater" Nr. 18 und „Norddeutsches Theater" (Houben, Weicke VI, 118, 133 f.) berichtet, gerade wegen der zwei Haupthelden, die wie im Don Carlos das Jntereffe lähmten, heftig umstritten und' setzte sich erst nach vielen Aufführungen durch. Anfangs witzelte man in Wien von der „spektakelhaften Judenschule" und der „Synagoge im Burgtheater". Ludwigs Drama bot das Buch für Rubinsteins Oper dieses Titels. Nach alledem muß der großartige, wenn auch spröde und schwierige Vorwurf noch als jungfräulicher Boden für junge, tatkräftige und wagemutige Talente bezeichnet werden. ES ist noch viel, sehr viel daraus zu schöpfen, und Judas Taten verdienen in der Tat die Beachtung großer Geister als leuchtendes Beispiel, was aus großem, freiem, idealem Impuls alleshervorgehen und durchgefetzt werden kann, gerade heute mehr denn je. Chanuka. ft'§ eine Königskrone, die ich trage, \ Von vielen schmerzensreichen Perlen licht. Ein Märtyrkleinod edler Ahnentage, . Das mir von taüfendjähr gem Wette spricht? Jst's eine Narrenkappe voller Schellen, . Ein Spottgeläute mir bei meinem Gehn, Sind's trübe Schleier, die mir um die Hellen Glutgoldenschweren Erdcntage wehn? So fragt ich einst. , Doch heut' in heil'gen Stunden Hat mir mein Herz das Fragen stolz verwehrt. Die zweifelskranke Seele dürft gesunden i) Schon Walcchfrkd besang Judas Makkwbäus rin 9. Jahrhnnderi pgl. meine ..Literaturgeschichte Deutschlands" I, T. 327.. . An Judas Lichtfest und an Judas Schwert. B e vU in - Wit t e n a u. - ‘ :: 7 .. B er irdt Gütz.