Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 84 (1920)
- Issue
- Heft 37 (26.11.1920)
- Date
- 1920-11-26
- Page
- [Seite] (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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achtung sprach der Vater (Oberbürgermeister Leopold Kaufmann) oft von den sittlichen Werten im jüdischen Familienleben und den ehrwürdigen Gebräuchen d>es Judentums. Biele Jahre hat einer kleinen Gesellschaft, in welcher der Bater Domino beim Nachmittagskaffee spielte, der von ihm aufrichtig geschätzte Herausgeber der „Allgemeinen Zeitung des Judentums", Dr. Ludwig PhiliPpson, angehört?' Zu den Studienfreunden des Vaters und den Hausfreunden des Großvaters des Verfassers, gehörte Berthold Auerbach, der dessen Schwester Rauchen als Heilmittel gegen Zahnweh empfahl. Pauls Großmutter, Josephine Kaufmann, geb. v. Pelzer, regte ihn an, Erinnerungen an die Heimat in den ..Schwarzwälder Dorfgeschichten" seftzuhalten. F. L i e b e r m a n n. Mchrreinlsuk. Besprechung der Bücher Vorbehalten. Zurücksendung der Bücher findet in keinem Falle statt. Die Prophetie. Von Dr. Elias Auerbach. Geh. M. 18,—, geb. M. 25,—. Jüdischer Verlag, Berlin 1920. Ariel Benfion: Die Hochzeit des Todes. E. P. Tal u. Co., Verlag, Leipzig, Wien, Zürich 1920: Franz Rosenzweig: Hegel und der Staat. Gedruckt mit Unterstützung der Heidelberger Akademie der Wissenschaft. Erster Band: Lebensstationen (1770—1806). Zweiter Band: Weltepochen (1806—1831). München und Berlin 1920, Verlag von R. Gildenbourg. Menschen und Gesetzesverbesserung. Von Helmut Helfer. Verlag W. Härtel u. Co. Nächst Leipzig. Publications of the American Jewish Historical Society. Number 2 . New Jork. Proceedings of Adjourned Session of American Jewish Congress Including Report of Commission to Peace Conference and of Provisional Organisation for Formation of American Jewish Congress. Philadelphia (Pa.), Mai 30., 31. 1920. Provisional Organisation for Formation of American Jewish Congress, 1 Madison Avenue, New Dort. The Jewish Publication Society of America. Philadelphia 1920. 1. The Jewish CLassics Series. Central Statement and Instructions to Contributors. 2. Little Studies in Judaism I. Rosh Ha-Shanah and Jom Kippur. 3. Annoncement of a Populär Commentary on the Holy Seriptures and Suggestions to Contributors. M a x Nordau: Biologie der Ethik. Leipzig. Verlag von« Elischer Nachfolger. Heimkultur — Stampfbau. Der neue Volksbeton als Heimstätten- und Volksbauweise der Zukunft. Im Aufträge der Vereinigung „Heirnkultur" (Sitz Wiesbaden) erneut herausgegeben von Friedrich P a u r, Oberlehrer der Baugewerkschule Kattowitz, und Direktor Emil Abigt in Wiesbaden. 2 Teile mit 500 Abbildungen. 7., verbesserte Allflage. Heimkultnrverlag G. m. b. H., Wiesbaden. Die Idee der richtigen Religion. Eine Theorie der religiösen Erkenntnis von Paul F e l d k e l l e r. Verlag Friedrich Andreas Perthes A.-G., Gotha. Jüdische Geheimgesetze? Von. v. Dr. Hermann L. Strack, Professor der Theologie an der Universität Berlin, Geheimer Konsistorialrat. Mit drei Anhängen: Rohling, Ecker und kein Ende? Artur Dinter und Kunst, Wissenschaft, Vaterland. „Die Weisen von Zion" und ihre Gläubigen. Berlin 1920, E. A. Schwetschke u. Sohn, Verlagsbuchhandlung. Lprkchsasl. An die Redaktion der „Allgemeinen Zeitung des Judentums". In Nr. 35 Ihres geschätzten Blattes befindet sich auf Seite 401 eine J. P. Z. (Jüdische Presse-Zentrale?) gezeichnete Schilderung über die Zustände im Danziger Auswanderungslager, welche in vielen Einzelheiten Unrichtigkeiten enthält und auf die gegenwärtigen Verhältnisse durchaus nicht paßt. Die generelle Behauptung, daß den Frauen bei Eintritt ins Lager die Haare abgeschnitten werden, ist ebenso unrichtig wie der darauf folgende Satz, daß ein junges Mädchen sich deshalb ertränkt habe. Richtig ist nur, daß in einzelnen Fällen, wenn nach längerer Behandlung eine gründliche Entlausung nicht möglich erscheint, im Interesse des Auswanderers, um nämlich seine Beförderung mit dem nächst abgehettden Dampfer zu ermöglichen, die Haare berschnitten Werdern Das Ertrinken des jungen Mädchens ist, wie behördlich sestgestellt wurde, auf einen Unglücksfall zurückzuführen. Mit diesen Feststellungen wird nicht bezweckt, die Mitzstände, die im. Danziger Auswanderungslager ohne Zweifel vorhanden waren, irgendwie zu verdecken, aber es ist doch charakteristisch für ihren Berichterstatter, daß er von allem, was zur Abstellung dieser Mißstände getan worden ist, nichts weiß, daß er die vbn den Auswanderern selbst mit rührender Dankbarkeit anerkannte Tätigkeit des Danziger Jüdischen Emigrationskomitees überhaupt nicht erwähnt. Dieses Komitee, welches aus den führenden Personen der Danziger Jüdischen Gemeinde besteht, hatte sich bei den ersten Anfängen der Emigration über Danzig im April dieses Jahres gebildet und ist seitdem unablässig bemüht, den Emigranten persönlich Hilfe zu leisten und den städtischen Behörden Danzigs sowie der Bevölkerung eine menschenfreundliche und fürsorgliche Behandlung der Emigranten nahezulegen (siehe beigefügten Artikel der „Danziger Neuesten Nachrichten"). Diesem Komitee ist es zu danken, daß die von der Hias bewilligten hohen Unterkunfts- und Verpflegungssätze, welche von vornherein die Billigung des Danzlger Emigrationskomitees nicht fanden, schließlich herabgesetzt worden und daß die ungeeigneten Beamten des Troyllagers entfernt worden sind; durch unaufhörliche Beschwerden an allen möglichen Stellen ist auch eine Abstellung der meisten Mißstände im Lager erreicht und durch Ausnahme von jüdischen Mitgliedern in den Verwaltungsausschuß des Troyl eine völlige Neuorganisation des gesamten Auswändererbetriebes in Danzig inauguriert worden. Aber auch mit dieser mühsamen, begreiflicherweise nicht in die Öffentlichkeit tretenden Arbeit ist die Tätigkeit des Jüdischen Enugrationskomitees noch nicht erschöpft, sondern sie hat sich auch im Auswandererlager selbst als segensreich erwiesen: durch das Emigrationskomite-e ist mit den Mitteln des amerikanischen Joint Distribution Committee eine Milchküche für Kinder errichtet und außerdem ein Kindergarten eingerichtet worden, welcher die oft wochenlang in Danzig bleibenden zahlreichen Kinder vor Verwahrlosung schützt. Es wäre meines Erachtens eine Pflicht objektiver Berichterstattung gewesen, diese helleren Seiten im Bilde des Danziger Auswandererlagers nicht unerwähnt zu lassen. Was die gegen die Hias erhobenen Beschwerden anlangt, so soll hier nicht näher darauf eingegangen werden; sie enthalten manche Ausstellung, welche auch das Danziger Emigrationskomitee machen mußte; immerhin muß aber berücksichtigt werden, welche gewaltige Arbeit die amerikanische Hilfsorganisation zu leisten hat, und daß diese Arbeit durch die völlig neue Struktur der gegenwärtigen Auswanderung gegenüber der Vorkriegswanderung reibungslos erst erfolgen kann, wenn eine Aenderung der amerikanischen Jmmigrationsbestimmungen herbeigeführt werden könnte und die nötige Erfahrung gesammelt ist. Hochachtungsvoll Im Aufträge des Jüdischen Emigrationskomitees Danzig: Dr. K a e l t e r, Rabbiner. Danzig, im November. * Warnung. Bei Sterhefällen in jüdischen Häusern übersendet ein gewisser Erwin Singer, Wien II, Arzenhoserstraße 5, unaufgefordert eine Jahrzeittafel mit der Bitte, ihn, da er erwerbsunfähig., durch Uebersendung von 15 Mark zu unterstützen oder die Taseb sreundlichst z-Urückzusenden. Nachdem der Unterzeichnete 'die chm ebenfalls Angegangene Jahrzeittafel zurückgesandt hatte, schickte Herr Singer, dieselbe unaufgefordert ein Zweites Deal, worauf der Unterzeichnete die Annahme der Drucksache verweigerte. Nunmehr forderte Herr Singer in kategorischer Weise die Zahlung von 15 Mark; er -droht, falls bis zu einem gewissen Termin der Betrag nicht bei der Dresdener Bank in Berlin eingezahlit sei, unverzüglich die Klage einreichen zu lassen, und fügt seinem Erpresserschreiben noch die Drohung hinzu: „Sie werden Spesen und Unannehmlichkeiten haben." Es handelt sich, wie gesagt, um einen Akt der Erpressung, und es muß nachdrücklichft vor diesen Machenschaften gewarnt werden. Derartige Individuen dürfen in keiner Weise unterstützt werden. Ich warne alle diejenigen, die solche Zusendungen erhalten, sich von dem Manne einschüchtern und zu Zahlungen herbeizulassen. Dr. Karl Schwarz (Berlin).