Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1920-11-26 · Heft 37 (26.11.1920) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
84 (1920)
Issue
Heft 37 (26.11.1920)
Date
1920-11-26
Page
[Seite] (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/3224737-3229443-3229479--76038-3288586
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

559 -614)- füllen fast ein Büch. Der Verfasser hält sich an die in der Bibel gegebenen Daten und leitet die-Wandlungen der Gesetzgebung über Mord aus dem Kampf zwischen dem von Israel ntitgebrachten und dem im Lande herrschenden kananäischen, dem Hammurabis ähnlichen Rechte. Zur Zeit Samuels ist der Sieg des israelitischen Rechts unbestreitbar, aber das örtliche Gewohnheitsrecht paralysierte das Reichsrecht, bis Josaphat einheitliches Recht zuerst in seinem und dann im Nordreich durchführte. Die Kananäer betrachteten Mord als Vergehen gegen ein Individuum, das mit Blutrache oder Lösegeld gesühnt war; für Israel war Mord ein Verbrechen gegen Gott und den Staat, es konnte nur mit dem Tode gebüßt werden; dem Totschläger wurde die Wohlfahrt der Zufluchtsstatt zuteil, die, von den lokalen Behörden oft sabotiert, durch die 48 Levitenstädte geregelt wurde. So anregend die Ausführungen des gefeierten Juristen sich lesen, er sieht selbst den Widerspruch gegen sie voraus. Von sonstigen Aufsätzen zur Bibel ist zu erwähnen, daß Daiches zu Jes. 27, 8, N8OXO aus assyrischaramäisch „Aehrendolde" äbleitet und übersetzt „in ihrer Dolde, in der Zeit ihres Aufsprossens nur strittest du mit ihr" (VI, 399—404). I. Friedländer versucht die ursprüngliche Form der „Prophetie vom ewigen Frieden" durch Zusammenstellung von Jes. 2, 1—4, Micha 4, 4, Jes. 2, 5, Micha 4, 5 wiederzufinden (VI, 405—413). Ueber Segals „Samuelstudien" später. Im Anschluß an Jos. 8, 12. 16 weist Max L. Margolis nach, daß an mehreren Bibelstellen die Lesarten zwischen dem Eigennamen ij? . . . und — Stadt .schwanken (VII, 491—497). Mus seiner Schule stammen Neiders „P.i olegomena to a greek-hebrew and hebrew-greek Index to Aquila“ (IV, 321, 577, VII, 287—365), die inzwischen als Buch erschienen sind; hier ist der Aquilas Uebersetzung zugrunde liegende hebräische Text untersucht, in einer Beilage Aquilas Wortschatz verzeichnet und mit den anderen nur hexaplarischen Uebersetzungen verglichen. Bon den aramäischen Dialekten Mesopotamiens ausgehend, macht Alphonso Mingana einige Bemerkungen zu Ursprung und Text der Pschitta (VI, 385—398). Zur Frage der aramäischen Dialekte liefert auch I. N. Epstein durch Besprechung des Wörterschatzes von Anans Seser ha Mizwoth einen Beitrag (V, 233—251). Bon Saadjas Pentateuch-Kommentar hat H. Hirschfeld wieder einige Fragmente entdeckt, und zwar, zu 2. Mos. 21, 1—3, 3. Mos. 16, 1—2, (VI, 359—383), 3. Mos. 25, 36—46, 5. Mos. 1, 41—2, 9 (VII, 45—60); die Echtheit der Fragmente wird durch Saadjas sonstige Schriften erwiesen. .Ins neutestamentliche Gebiet führt Jakob Mann, der in der Erzählung vom barmherzigen Samariter (Lue. 18, 25 ff.) einen Gegensatz gegen die sadduzäischen Priester finden will (VI, 415—422). Zur Halacha druckt I. Lebendiger eine Preisarbeit über den Minderjährigen im jüdischen Gesetz, ohne gegenüber L. Löw viel Neues zu sagen (VI- 459—493, VII, 89-111, 145—174). I. Herzog veröffentlicht das 9. Kapitel von Saumel b. Chofnis Traktat über Zizit (V, 17—27). I, Friedländer hat das arabische Original von Maimunis häufig zitiertem Responsum über die Wiederholung der Tefilla gefunden (V, 1—15), und Halper ein autographisches Gutachten des Meisters über eine Besitzfrage (VI, 225—229). In einem methodologischen Aufsatz „Midrash and Mishnah" untersucht I. Z. Lauterbach das Problem, wann und unter welchen Einflüssen der Uebergang vom halächischen Studium nach der Methode des Midrasch zu der der Mischnah stattgesunden hat (V, 502—527, VI, 23—95, 303—323). Er sieht den Ausgangspunkt richtig in der hellenistischen Bewegung, geht aber wohl zu weit, wenn er weiter annimmt, daß infolge der langen Unterbrechung einer regelmäßigen Lehrtätigkeit die Tradition abbrach und um 190 v. Ehr. ein autoritatives Konzil von Priestern und Laien für sich das Recht in Anspruch nahm, das Gesetz zu lehren und auszuführen, und daß damit die neue Formulierungsweise der Halacha begann. Als bewiesen kann ich die Theorie nicht ansehen. Ebensowenig überzeugt mich Zeitlins These, daß der Mischna Chagiga II, 2, der Streit darüber zugrunde liegt, ob man sich >,stützen" darf aus die von den Gelehrten gegebenen neuen Satzungen, auch wenn sie in der Bibel nicht begründet sind (VII, 499—517). Eine Reihe von Wendungen im Gebetbuch, die verschieden bezogen und ausgelegt werden können, erörtert, im Sinne von Berliners Randbemerkungen A. Mishcon (VII, S. 619—552); den meisten dieser Bemerkungen kann man ohne weiteres zustimmen. In bt€ fül)r:t uns eine Abhandlung von Harry Austin Wolfson über die Attributenlehre des Don Chasdai Krescäs (VII, 1 — 44, 175 — 221). Er gelangt zur eigentlichen Abhandlung auf einem großen Umwege über die Stellung der Vorgänger dieses Philosophen zu dem gleichen Problem und kommt zu dem Resultat, daß Krescas auf Grund einer neuen Theorie über die Universalia versucht, Wesensattribute mit der absoluten Einheit Gottes zu vereinigen. Das Raumproblem in der mittelalterlichen jüdischen Religionsphilosophie untersucht Israel Äs. Efros (VI, 495—550, VII, 223—251), und zwar erörtert er die Frage nach der Realität des Raumes in der empirischen Welt, die unendliche Teilbarkeit des Raumes, die Existenz eines leeren Raumes und die Unendlichkeit des Raumes. H. Hirschfeld veröffentlicht ein Gedicht von Immanuel Romi über die Glaubensartikel, das auffallend viele Wendungen des Jigdal enthält, und bracht wahrscheinlich, daß dieses uns bekannte liturgische Gedicht aus einer Verkürzung des ausführlicheren entstanden ist; gleichzeitig veröffentlicht er einige andere Poesien über die Glaubensartikel (V, 529—542). Zur Rdtigionsgeschichte gehört auch die lesenswerte 9luseinanderfetzu'n,g von S. Schulman mit H. St Ch amberlains erst 1913 ins Englische Übersetzten- „Grundlagen des 19. Jahrhunderts" (V, 163—200). Zn dem bekannten Streit Saadjas mit Ben Meir üeuert A. Guilleaume aus Oxsorder Handschriften einige Texte bet, die sich freilich zum größten Teil mit von Schechter bereits veröffentlichten decken (V, 543—557). Zur Volkskunde gehört die Abhandlung von Salomon Th. Hiurwitz über Zwerglegenden in der jüdischen Literatur (VI, 339—358), wobei Ezechiel 27, 11, die Ergebnisse der Ausgrabungen in Geser und Mitteilungen über Einzelpersonen als Zwerge sowie die Einwirkung griechischer Legenden zur Erörterung kommen. Die symbolische Bedeutung des Schuhs mit besonderer Berücksichtigung jüdischer Quellen behandelt Jakob Nacht (VI, 1—22). Sehr beachtenswerte Bemerkungen zur Phonologie des Jüdisch-Deutschen als Vorkunde zur germawischen Dialektlehre gibt E. Saphir (VI, 231—266). Endlich sei auf die Mitteilung von Charles Singer über die symbolische Darstellung der Synagoge in der illustrierten Wiesbadener Pergamentschrift der Scivias der heiligen Hildegard von Bingen (1099—1180) hingewiesen. v Wie in früheren Jahren hat die Zeitschrift die löbliche Sitte ausführlicher Berichte über einzelne Literatürgebiete beibehalten. Das Januar-Heft 1916 beginnt mit. der Ankündigung des Todes S. Schechters. Wir schließen uns dem Schmerze des Mitherausgebers aus vollem Herzen an. I. E l b o g e n (Berlin). # — Drei Chanuka-Festspiele von Louis B ö h m. Frankfurt a. M., 1920, Verlag von Sänger u. Friedberg. Es ist eine willkommene Gabe, die Louis Böhm in diesem uns vorliegenden Bändchen der jüdischen Jugend bietet. Die drei Chanuka-Festspiele lauten: 1. Israels Leuchten, 2. Die Perlen des Judentums, 3. Es war etmnal. Sie alle sind durchtrünkt von echt jüdischem Geiste, modern gehalten und zeugen von künstlerischem Können des Verfassers. das, über das Mittelmaß hinausgehend, die Beachtung weiter Kreise verdient. Wir können diese Chanuka-Festspield zur Aufführung in jüdischen Vereinen mif* wärmste empfehlen. A. K. Lkskkrüchtr. — Rheinlands Freiheit von A n t i s e m 11 i § nt u § um 1865. Paul Kaufmann, der um die Wohlfahrtspflege unseres Volkes hochverdiente Präsident des Reichsversicherungsamtes, schreibt in seinen für die Geschichte deutschen Bürgertums wichtigen und durch Warmherzigkeit, Humor und schriftstellerische Gabe anziehenden Erinnerungen „Aus rheinischen Jugendtagen" (2. Ausl., Berlin, Stilke 1920, S. 64): „Obgleich das Bonner Gymnasium von katholischen, evangelischen und auch jüdischen Schülern besucht wurde, war von religiösen Gegensätzen nichts zu spüren. Man dachte gar nicht daran, nach dem Bekenntnis der Schulkameraden zu fragen. Voreingenommenheit gegen jüdische Mitschüler war uns ganz fremd. Sie würde auch dem int Elternhause herrschenden Geiste widersprochen haben. Mit -öflrf)*

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.