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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1920-11-26 · Heft 37 (26.11.1920) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
84 (1920)
Issue
Heft 37 (26.11.1920)
Date
1920-11-26
Page
[Seite] (sequence 10)
Language
German
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Da überraschte ihn eines Morgens der Gerber im Keller, wie. er in höchst eigenartiger Weise ein Gebet zu verrichten schien: nm Haupt und Arm hatte der Alte Rienren gebunden, ans dem Kopfe saß ein Käppi, wie er es wohl bei den jüdischen Dorfgängern gesehen hatte, die just so ähnlich ihre Morgenandacht in seinem toleranten Vaterhause zu verrichten Pflegten. Dieser Gerber war der nachmalige Reb Jaakob; er war des Vaters Lieblingssohn, dem er sich offenbaren-zu können glaubte. Der alte Vater gab seinem erschrockenen Sohn die Erklärung ab. er sei nach langem Ringen, nach schweren inneren Känrpsen und nach eingehendem Studium der Heiligen Schrift zu der Ueberzeugung gelangt, daß der jüdische Glaube der allein geoffenbarte richtige Glaube sei, und er habe aus dieser Erkenntnis die einzige mögliche Folgerung gezogen: er sei zum Judentum übergetreten. Die BesckMeidung hatte in aller Heimlichkeit ein landfremder Jude vollzogen, der ihn auch in die jüdische Lehre clingeführt. nachdem er hartnäckig darauf bestanden hatte. Der Sohn, der den Vater abgöttisch verehrte, wurde ebenfalls heimlich Jude. Er hat als Soldat treu das Zeremoniell beachtet, am Jom Kippur gefastet, den ganzen Fasttag im Tempel zugebracht, natürlich unter Wahrung aller gebotenen Vorsichtsmaßregeln. Als der Alte zum Sterben kam. der Geistliche zum Sakrament das Zimmer betrat und Weib und Kind jammernd das Bett umstellten, lag der Alte wie tot mit dem Gesicht zur Wand gekehrt, so daß der arme Priester zu spät gekommen zu sein vermeinte und sich bittere Vorwürfe machte. Kaum hatte aber der Pfarrer die Stube verlassen, als sich der ..Tote" aufrichtete und seinen Leuten seine Beichte er sei zum Judentum übergetreten wiederholte. Er wollte als Jude sterben, beschwor die Seinen, alles zu veräußern. Feld. Wald, Vieh und Grund, in die nächste K'hillah zu wandern, Juden zu werden und das Land alsdann zu verlassen. Er verschied mit dem urewigen Schma Israel auf den Lippen. . Weib. Kinder. Schwiegertöchter und Stiefsohn ließen Hab und Gut im Stich —- sie hatten reiche Barmittel, und ein Käufer war so leicht nicht zu finden. Die Leute im Orte inunkelten allerlei!, ohne aber der Sache auf den Grund zu kommen; die Mißlitzer Juden kannten aber den Schicksalsweg. den die Familie zu gehen im Begriffe stand. Die Gerim hatten sich nach. Mattersdorf in Ungarn gewandt, waren dort freundlich ausgenommen und von den jüdischen Glaubensgenossen in hohen Ehren gehalten worden. Sie wanderten später von Gemeinde zu Gemeinde, wurden Talmudgelehrte und allerorts mit Ehrenspenden reichlich bedacht. Es galt als eine außerordentliche Ehre, die Gerim bei sich zu Gaste zu haben, als ein Glück, der Gemeinde die Sammelliste für sie unterbreiten zu können. Nach Jahr und Dag sprach einmal bei meiner Tante, die längst in Wien wohnte, ein junges Mädchen vor und bat. in der Werkstätte ihres Mannes beschäftigt zu werden. Es war zwar gerade damals „stille Zeit", aber da sich das Mädchen als Tochter Reb Abrahams auswies, wurde es selbstverständlich eingestellt. Wenn sie meiner Tante manchmal von der Frömmigkeit ihrer seligen Mutter, Die doch einst eine fromme Katholikin gewesen war, erzählte, kam sich meine Tante, die doch sicherlich gottesfürchtig und zeremoniell ist. als eine Abtrünnige vor. so leuchtend erstand vor ihren Augen das Bild jener Frau, die das Los der elendsten Menschenklasse zu ihrem eigenen gemacht hatte, als sie von der Wahrhaftigkeit ihres Glaubens durchdrungen war. Marte des Msttsthlä sn leine Löhne. Von S. Aschncr. ie lieblich und herrlich ihr mich umflammt. Gleich Sternen des Himmels; Licht ist euer Amt; Gleich den Flammen des Leuchters dort am Altar, Der jetzt so schnöd entweiht ist, der unser einst war! Der syrische Heide spreizt sich so frech im Land. Ach, deine Getreuen sind tot, sind verbrannt. Verloren ward alles, der Tempel selbst fiel. Und mit deinem Zion treibt Jawan sein Spiel. Verloren! Verloren! Nur du, Herr, allein Bleibst unser, ja, unser trotz Elend und Pein. Und wenn auch der Feind deine Stätte zertrat, So sind unsere Herzen, Herr, deine Bundeslad'. Sind cherubsumfittigt, sind engelbewacht. Dort scheuchet dein Licht alles Leidens Mitternacht. Laß stürmen! Laß brausen! Wenn Krieg uns umbrüllt, Dein Tag in uns mächtig, wie Donnerton schwillt. Geweiht seid ihr Söhne auf Herzensaltar Dem Gotte dqc Wahrheit. Ihm bring' ich euch dar. Es weihete Abraham Jizchak allein. Ich schenke ihm fünfe. Nimm sie, sie sind dein. Ich weiß, ihr Geliebten, es wird euer Tod. Ich seh euer Herzblut, das treu ihm verloht. Doch, weiß ich gewißlich noch andere Mär: Ihr siegt, und er segnet sein opferfrohes Heer. Er schreitet wohl flanrmend vor euren Reih'n. Er schüttelt seinen Speer. Hui, da zuckt's wie Wetterschein. Da sinkt vor euch kläglich der heidnische Wahn, Und hin zum Zion schwingt sich des Glaubens Königsfahn'. Heil euch, meine Söhne, vollendend, was ich sah. Wie Moses vom Nebo; mein Heimgang ist nah. Doch ihr, ja, ihr leuchtet adonajentflammt Als Bringer besserer Zeiten; Licht ist euer Amt. Literarische Mitteilungen. — The „Jewish Quart er ly Review“, New Series ed. by Cyrus Adler. Publishedi by the Dropsie College, Philadelphia. Bd. V-VII. 1915—1917. Während des Weltkrieges ging die Zeitschrift erst unregelmäßig, dann gar nicht ein, so daß die Anzeige der letzten Jahrgänge erst jetzt möglich, ist; wir geben hier zunächst die erste Hälfte. Infolge des Krieges stehen wir vor ziwc'i lSchwierig'keiten, 'die einander verschärfen/ Wir leiden unter Papiermangel und müssen uns kurz fassen, während die ungeheure Verteuerung der ausländischen Zeilschristen sie selten und ausführliche Mitteilungen aus ihnen zur Pflicht macht. Die „Jewish Quarterly Review" ist das Organ des Dropsie College und stellt seine Spalten für Vorlesungen und Abhandlungen der Mitglieder des College zur Verfügung. Man gewinnt dadurch einen Einblick in die wissenschaftliche Arbeit des College, deren- Vielseitigkeit und Gediegenheit Anerkennung verdient. Ob aber diese Gastfreiheit der Zeitschrift immer zum Nutzen gereicht, läßt sich nicht ohne weiteres bejahen. Zumindest erwächst ihr der Nachteil, daß sie mit Abhandlungen belastet wird, die den Umfang von.Büchern annehmen. Dr. B. Halpers Veröffentlichung des „Book oh preeepts by Hefes B. Jasliah" ist überaus wertvoll, gehört nur nicht in eine Zeitschrift (Bd. IV, 519, V, 29—90, 345—441, VI, 97—156); über die Vorzüge der Edition und die Mängel der Einleitung hat sich jüngst S. Posnanski in wer „Zeitschrift für hebräische Bibliographie" XXII, 1919. S. 55 ff. ausgespröchdn. ^Auch^JüdgeSulzbergers interessante Vorlesungen über „The aneient hebrew law of homicide" (V, 127—161, 289—344,

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