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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1920-11-12 · Heft 36 (12.11.1920) · p. Seite 420

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
84 (1920)
Issue
Heft 36 (12.11.1920)
Date
1920-11-12
Page
Seite 420 (sequence 12)
Language
German
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Er straffte sich. Kein Teil wvllte er haben an eines Goi Dirne. Furchtbarer fünf Nächte und fünf Tage Oual drohte/ das schwache menschliche Gefäß, das er war, zu sprengen. Das war nicht mehr der kleine Krämer aus der MienLzyrceoagaffe -- nein, einer der Schofetim war er. von Lenen die Heiligen Bücher melden, daß sie das Volk Israels führten in göttlicher Sendung . . . Ueber sich selbst hinaus wuchs er in diesem Augenblicke. Und auch sein Haß war nicht mehr der kleinliche Haß, der an seinem Herzen gefressen hatte fünf Nächte und fünf Tage — nein, ein heiliger Haß war es geworden, dem Haffe gleich, durch den Israels Volk trotz Drangsal, Not und Qual Israels Volk geblieben war bis auf den heutigen Tag . . . Mit aufgerissenen Augen las Esther ihm die sich jagenden Gedanken vom Gesicht ab, eh' er noch sprach. „Verflucht sollst bn sein . . .!" „Tate . . .!" Das war kein Hauch mehr — das war ein Schrei, so wild, so gellend, daß der alte Moische Finkelkraut zurücktamnelte vor solcher Wucht — das war der Todesschrei eines verendenden Tieres . . . „Verflucht . . ." Da warf sie sich vornüber, dem an die Brust, der ihre Hand hielt. . . „Du! Du!" Dann sank sie kraftlos zusammen. Moische Finkclkraut hatte keine Tochter mehr, die er verstoßen konnte. — * Moische Finkelkraut regte sich nicht. Der Goj legte die Tote behutsam in die Kissen zurück. Seine Finger berührten Esthers Haar. Dann wandte er sich. Schritt hinaus, stumm, sah nicht nach rechts, nicht nach links ... Moische Finkelkraut verfolgte alle seine Bewegungen. Sah ihn gehen. Und rührte sich nicht. Sprach kein Wort. Aber als die Schritte verklungen waren, brach er in die Knie. Sein Kopf lag in den Kiffen, neben seines toten Kindes Hand. Moische Finkelkraut weinte . .. Literarische Mitteilungen. -- Beamte d e r Wormser Jüdischen Gemeinde, M i 11 c d es 18. Iah r f)u n 0 erts b i s?»ux Gegen w a r t. Bon 3. R v t h [ ch ild, Lehrer an der Stadtschule zu Worms und Sekretär der Jüdischen Genre in de daselbst. 1920. I. Kaufsmann, Verlag, Frankfurt a. M. In einer Zeit, irr der jüdisch-historische Monographien von lokaler Färbung so überaus selten an bas Tageslicht treten, muß jede Veröffentlichung, die das Leben einer jüdischen Gemeinde Deutschlands innerhalb einer bestimmten Zeit in ein helleres Licht rückt, auf das höchste willkommen sein. Lolche Werke bilden wertvolle Blausteirre für den künftigen Schilderer einer neueren Geschichte der Juden Deutschlands. Wenn nur: eirr Büchlein außerhalb dieses höheren Wertes auch noch den Borzug der Unterhaltung und Beleih ruing. besitzt, so ist sein Erscheinen nach jeder Richtung hin genügend ge rechtfertigt, und wir müssen dem ^bekannten und verdienten Vorsitzenden der Wormser Jüdischen Geiueinde, Herrn Hofrat Max Levy, dankbar sein, daß er den Bersasser angeregt hat, die Lebensbilder seiner Beamten au- Hand der Archivakten zeichnen zu lassen. Bon der uralten, großen Indischen Gemeinde Worms mit dem ältesten Gotte shanse Deutschlands, die im Mittelalter so sehr erglänzte, hat man in der Neuzeit eigentlich wenig mehr gehört. Me die Stadt selbst, in der einst die Reichstage abgehalten wurden, so häufig ein Raub der Plünderer und der Flammen gelvorden, so hat sich auch die Jüdische Gemeinde in den letzten Jahrhunderten nur schwer wieder erholt. Lesen luir aber Rothschilds Büchlein, so sehen lvir zu unsere ul ErstauEN, daß voll der Atitte -des 18. Jahrhunderts bis zur Gegenwart das jüdische Leben recht stark in Worms' Mauern pulsierte. Ter Wormser Rabbiner, den Bersasser zunächst schildert, ist der 1751 geborene und 1808 verstorbene Rabbi Samuel Levy. Er am-tierte während der Franzosenzeit und zeigte sich in Zeiten höchster Gefahr und nianni-gfacher politischer Unnvälzungen als ein aufrechter Mann und Jude. Levy war Mitglied des von Napoleon emberusenen Sanheorin zu Paris, später Rabbiner von Mainz; sein Sohn war 50 Jahre Rabbiner in Gießen, sein Enkel Genera-Lmusikdirektor Herman-n Levy. Eine besonders sympathische Gestalt scheint Rabbi Jakob Koppel Bamberger, von 1824 bis 1864 Rabbiner in Worms, gewesen zu sein. Wegen seiner überaus großen Frömmigkeit nnd seines hervorragende n Wissens erfreute er sich i>n Worms und Unl,gegend einer überaus großen Berehrung. Trotz alledem mußte er mit dem neuen Geschlecht, das sich vom Akten' losl'ösen wollte, schwere Kämpfe bestehell. Tr. S. Adler, der Bamberger -als Prediger beigegeben lvllrde, tarn später als Rabbiner nach Alzey. Den -köstlichen Witz, den er Leidieser Gelegenheit machte, mag man irr dein Büchlein selbst Nachlesen. Adler nuirde später Rabbiner in New Dort, sein Sohn ist von Amerika als „Austauschprofessor" nach Deutschland geschickt worden. Ihm folgte dessen Bruder Dr. Abr. Adler, der -der äußersten Reform das Wort redete, sich in politische Streitereien 1848 einließ und schließlich voll seinem Amte entfernt wurde. Bon 1851 bis 1859 wirkte in Worms Prediger Dr. Ludwig Lewysohn, der zum ersten Male die Jnschristell der altjüdischen Grabsteine auf dem berühmten Wormser Judenfriedhofe erforschte nnd in wissenschaftlich inert Volten Veröffentlichungen weiteren Kreisen Kunde von ihnen gab. Lewysohn, ein vorzüglicher Hebraist nnd auch sonst ein hervorragender Lehrer und Mensch, wurde später Rabbiner in Stockholm. Eignenäußerst interessanten Lebensgang hatte der nun folgende Rabbiner Dr. Markus Jastrow, der erst in Polen wirkte, sich dort in den 60er Jahren des vorigen Jahrhrmderts an den polluischen Ausständen beteiligte, glänzende polnische Predigten hielt und, von «der rnssischeil Regierun-g vertrieben, schließlich i-u Worms landete. Jur Herbst 1866 siedelte er nach Philadelphia über. Auch jenseits des Meeres spielte er in jiidisch-lvissenschaskl-ichen Kreisen eine bedeutende Rolle. Noch weit in unsere Zeit hinein ragt die milde Gestalt des Rabbiner Tr. Alexander Stein (1867 bis 1910). Wir müssen es dem Leser überlassen, die hochinteressante Lebensbeschreibung Steins, eines persönlichen Freundes des Verfassers, in dem Büchlein selbst zu würdigen, ebenso die Notizen über die Lehrer, Kantoren, Sekretäre usw. Ein besonderer kulturhistorischer Wert des Schriftchells liegt noch darin, daß es zeigt, wie in Worms die religiösen Kämpfe zwischen Raibbiner und Gemeinde sich im vergangenen Jahrhmrdert.abgespielt haben: Vorgänge, die gewissermaßen für die meisten deutschen Städte mit größerer jüdischer Gemeinde typisch sirrd und die noch nie in solch übersichtlich zusammenhängender Weise dargestellt wurden. 0. L. ßüdjtrrinlauf. Besprechung der Bücher Vorbehalten. Zurückfendung der Bücher findet in keinem Falle statt. Meir Wiener: Die Lyrik der Kabbala (die geistliche Lyrik der Juden in Nachdichtungen, 1. Teil. Eine Anthologie. 1920. R. Löwit Verlag, Wien/Leipzig. Drei Chanuka-Festspiele von Louis Böhm. Frankfurt a. M. 1920. Verlag von Sänger u. Friedberg. Das Geheimnis der Sprache. Aus Höhen und Tiefen der Ansdruckssormen. Von Alexander Moszkowski. 1920. Hamburg- Berlin, Hoffmann u. Campe, Verlag. Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft jüdisch-liberaler Jugendvereine Deutschlands. Nr. 10. Oktober 1920. Jahrgang II. Der Sohar und seine Lehre. Einleitung in die Gedankenwelt der Kabbala von Ernst Müller. 1920. R. Löwit Verlag, Wien- Berlin. Der Antisemitismus eine Rassenlüge. Bon Adolf Sommerfeld. Kommissionsverlag Vertag Eontinent G. m. b. H., Berlin- Fr iedenau, Kaiserallee 78.

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