Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 84 (1920)
- Issue
- Heft 36 (12.11.1920)
- Date
- 1920-11-12
- Page
- Seite 413 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3224737-3229443-3229478--76015-3288562- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Haifa 1× ep/1047930
OCR text
koordinieren. Es handelt sich darum, in das gesamte Hilfswerk Einheitlichkeit und System zu bringen, während heute noch infolge der Abgetrenntheit und Spaltung zwischen den verschiedenen Organisationen auf dem Gebiete der Hilfstätigkeit für die vom Kriege und den Pogromen betroffenen Juden im gewissen Sinne ein chaotischer Zustand herrscht. Die Konferenz hat die jüdische Hilfsarbeit als eine allgemeine Angelegenheit des ganzen Volkes betrachtet, die durch die vereinigten Kräfte des ganzen Volkes zu leisten ist, und hat es für dringend erachtet, daß die Mauer verschwinden soll, die heute noch den Teil des Volkes, der fähig ist, Hilfe zu bringen, von dem Teile, der die Hilfe braucht, trennt. Um aber eine Einheitlichkeit zu erreichen und die ganze Hilfsarbeit auf planmäßige Grundlagen zu stellen, ist es vor allem notwendig, daß die verschiedensten Hilfsorganisationen in ständiger und lebendiger Verbindung mit dem von der Karlsbader Konferenz gewählten Zentralhilfsorgan und durch seine Vermittelung auch untereinander sich befinden sollen. Die Hilfszentrale soll sich zu diesem Zentralsammelpunkt entwickeln, wohin alle Informationen und Nachrichten über die Hilfsarbeit geleitet werden, damit auf diese Weise ein Spezialorgan für die Verwertung des ganzen Materials entstehen soll, durch dessen Vermittelung die Erfahrungen und Arbeitsmethoden der einzelnen Organisationen auch den anderen zugute kommen werden. Deswegen bitten wir Sie, uns sobald als möglich alle Materialien zuzuschicken, sowohl veröffentlichte als auch unveröffentlichte, die sich auf die vergangene Tätigkeit Ihrer Organisation seit ihrer Entstehung bis zum heutigen Tage beziehen (Aufrufe, Plakate, Rechenschaftsberichte, Photographien, Broschüren usw.), sowie genaue Mitteilungen über den gegenwärtigen' Zustand der Hilfstätigkeit in Ihrem Orte im allgemeinen unter besonderer Berücksichtigung Ihrer Organisation. Wir hoffen zuversichtlich, daß Sie unserer Aufforderung Nachkommen werden. Die Exekutive der Jüdischen Weltlsilfsorgamsation tritt an ihre Arbeit in einer für das ganze jüdische Volk schweren und finsteren Zeit heran. Zu den alten Leiden und Verfolgungen sind in der allerletzten Zeit neue hinzugekommen: die Zerstörung des wirtschaftlichen Lebens des jüdischen Volkes in Polen, die durch den polnisch-russischen Krieg hervorgerufen wurde, und die Folgen, die sie für die jüdischen Massen in den betreffenden Gegenden gehabt hat, die neue Reihe von Pogromen in Ostgjalizien. usw. Wie noch niemals zuvor, ist jetzt ei.u vereinigte Anstrengung aller lebendigen jüdischen Kräfte notwendig, um das jüdische Volk wenigstens vordem physischen Untergang' und dem geistigen Niedergang zu retten. Die Exekutive ist sich dessen bewußt, welch große Verpflichtungen die Zeit und die Umstände ihr auferlegen, sie ist aber davon überzeugt, daß alle jüdischen Hilfsorganisationen ihr helfen werden, ihre wichtigen Aufgaben zum Wohl des jüdischen Volkes durcht zuführen. Wir bitten, die Korrespondenz an: Comite Executif de la Conference Universelle Juive de Secours, Paris, 10 Place Edouard VII, richten zu wollen. Das Exekutivkomitee der Jüdischen Welthilsskonserenz. Der Vorsitzende: Der Generalsekretär: L. M o tzkin. Dr. A. Sa l ki n d. ,* Das englische Mandat. Im Unterhaus interpellierte Ormsby-Gore, welche Fortschritte bei der Konzeption des Mandates über Palästina gemacht worden seien, und ob die englische Negierung den Alliierten und dem Völkerbundsrate deutlich erklärt habe, daß England nur dann das Mandat annehmen werde, falls in dieses die Bedingungen der Bälsour-Deklarativn, wie sie im türkischen Friedensvertrage bestimmt sind, inkorporiert werden. Des weiteren betraf seine Anfrage die Grenzen Palästinas. Namens der Regierung erklärte Ehamberlain: Man hofft, das Mandat in Bälde dem Völkerbunds rat vor legen zu können. Allen interessierten Parteien ist genügend klargemächt worden, daß die englische Regierung, bei Annahme des Mandates die Absicht habe, die Balfour-Deklaration durchzuführen. lieber die Grenzfrage sei es noch zu früh, öffentliche Erklärungen abzugeben., bevor die Grenzen endgültig bestimmt worden sind. Wie verlautet, soll Sir Alfred Mond, der jetzige Minister für öffentliche Arbeiten, demnächst auf einen anderen hohen R'ögierungspvsten, der mit jüdischen Interessen zusämmenhängt, berufen werden. Die Anncchme liegt wohl wahe, daß es sich wahrscheinlich um ein Amt in Palästina handelt. 'I. P. Z. * Aus Palästina. Die Frage der Amtssprachen in Palästina ist bereits dahin gelöst worden, daß Hebräisch, Arabisch und Englisch als gleichberechtigte offizielle Sprachen zu betrachten sind. In Verbindung hiermit hat nun Oberkommissar Herbert Samuel den britischen Staatsbeamten die Pflicht auferlegt, binnen sechs Monaten die Elemente der beiden Landessprachen (Hebräisch und Arabisch) zu beherrschen und im nächsten April ein amtliches Examen darüber äbzulegen. Die Prüfungen in Hebräisch werden von der von dm Zionisten gegründeten hebräischen Sprachakademie Wand Halaschon abgenommen, welche amtliche Anerkennung gefunden hat. Die hebräischarabische Aufschrift tragen auch die Eisenbahnfahrkarten, Stationsfchilder usw. In seiner Zeitschrift ,T>er Reichswart" stellt Graf Reventlow die Behauptung auf, es sei 'beabsichtigt, die arabifcl^e Landbevölkerung in Palästina zugunsten der jüdischen Einwanderer zu enteignen. Demgegenüber weist die „Zionistische Korrespondenz" auf die neue palästinensische Landordnung hin, wonach jedemderzeitigen Bodenbesitzer ein ausreichendes Bo-denauantum unter allen Umständen garantiert bleibt (Heimstättenrecht) und -auch sonst die Sicherung des Besitzes in jeder Weise gewährleistet wird. Denselben Zweck verfolgt die neue Hypoth'ek.enordniu-ng. B-ei dem großen Reichtum Palästinas an unbebautem Boden, der sich in den Händen -der Regierung befindet, ist überdies Kr Einwanderer auf unabsehbare Zeit Boden vorhanden. Nach dem alten türkischen Gesetz verlor der zahlungsunfähige Schuldner, der eine Hypothek ausgenommen hatte, das verpfändete Grundstück, das dem Gläubiger ohne weiteres verfiel. Die soeben herausgegebene neue Hypothekenordmmg hat dieses Gesetz aufgehoben. Das soeben vom Oberkommissar Herbert Samuel veröffentlichte neue Gesetz überläßt, wie die „Zionistische Korrespondenz" aus Jerusalem erfährt, dem Hhpothekeuschutcnct das Nutznießungsrecht seines Grundstückes, das er unter Wahrung der Interessen des Hypoth.eken'gjlä-ubigers verkaufen kann. Im Falle der Zahlungsunfähigkeit muß das Grundstück öffentlich versteigert werden und geht nicht mehr ohne weiteres in das Eigen tu in des Gläubigers über. Die neue Hypothekenord ming soll die Ausbeutung durch Wucherer verhindern, die bisher zu einem nmfangreich.m Bauernlegen und zu- .ungerechter und ungesunder Besitzanhäufuug in einzelnen Händen geführt hatte. Die Einwanderung nach Palästina, die seit einigen Monaten eingesetzt hat, hat sehr rasch eine Ueberfüllung der Wohnungen geschaffen, so daß für das Baugewerbe dort ein lohnendes Feld sein dürfte. Wie der „Neue Orient" dazu mitteilt, ist in Jerusalem jetzt eine Hö6)stmietenverordnung erlassen worden, nach der bis zum nächsten Jahre Wohnungen mir irnt 7X> Prozent, Geschäftsräume nur um 10 Prozent des jetzigen Mietwertes gesteigert werden dürfen. In Haifa wird die Errichtung von Wohnhäusern in der Weise in die Wege geleitet, daß den Erbauern bestimmte Mietsein-na-hmen garantiert: werden, vorausgesetzt, daß sie sich an die behördlich festgesetzten Mieten halten und auch sonst aus den Häusern keine Spekulationsobjekte machen. In Jaffa lanJ.en, wie die „Zionistifcl)e Korrespondenz" meldet, -abermals 400 Deutsche aus den ägyptischen Internierungslagern an. Damit sind die letzten 'Paläftinadeutscheu — zum größten Teil Mitglieder der Tempelgeineiuschaft, 'die meist als Bauern in Kolonien arm Jaffa und Haifa lebten — nach ihrer Ansiedlung während des- Krieges zurückgekehrt. Der größte Teil kehrt in die Kolonien Wilhelma und Sarvna zurück, wo sie vor dem Kriege ein freundschaftliches Verhältnis zu den benachbarten jüdischen Siedlern unterhielten. In Jerusalem trat die erste gewählte Volksvertretung der Juden Palästinas zusammen. Nach herzlicher Begrüßung durch den mohammedanischen Oberbürgermeister und den jüdischen Vizebürgermeister von Jerusalem und nach Verlesen eines Begrüßungsschreibens des