Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 84 (1920)
- Issue
- Heft 35 (29.10.1920)
- Date
- 1920-10-29
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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einzelnen ihrer Mitglieder, der seit 28 Jahren fördernd an allen Institutionen mitgewirkt hatte. In Form und Inhalt schön wie alle seine Predigten war auch die Abschiedspredigt, Und manches Auge stillte-sich mit Tränen. Mel Liebe hat Herr Rabbiner Dr. Nosenberg zu säen verstanden; bei seinem Scheiden konnte er darum auch viel Liebe ernten. Am Simchath Thora versammelte sich die ganze Gemeinde noch einmal mit ihren Rabbiner, um beim gemütlichen Kaffee noch ein paar gemeinsame Stunden mit ihm zu verleben. Hier brachten der Borstand der Gemeinde, Vertreter des Kranken- und Beerdignngsvereins, des Frauen- und Literaturvereins, der Religionsschule und des Jugendvereins ihren Dank und ihre Segenswünsche dar. Sie alle brachten zum Ausdruck, was der Scheidende ihnen gewesen und was sie an ihm verlieren. Am schwersten ist der Verlust, den die hiesige Religions schule erleidet. Weit über Thorns Grenzen hinaus war ja die pädagogische und organisatorische Fähigkeit bekannt, die er in rastloser Arbeit für die Religionsschule Thorns im besonderen und für das Religionsschul'wesen im allgetueinen anwaudte. In seiner Erwiderung dankte Dr. Nosenberg für all die Liebe, die ihm während seiner hiesigen Wirksamkeit und bei seinem Scheiden erwiesen wurde. W. Posen, 22. Oktober. Im besten Mannesalter verschied hier nach langem schweren Leiden der Kaufmann Arnold Basch. Mit aufrichtiger Treue beklagt die israelitische Gemeinde den so frühen Heimgang dieses edlen, wahrhaft frommen Mannes. Der Verstorbene gehörte seit einer Reihe von Jahren der Kultuskommission der Synagoge A an. Wie selten einer verwaltete er dieses Ehrenamt in selbstloser und verständnisvoller Weise. Ueber alles war ihm die „Pflichterfüllung" zu eigen geworden. Auch im Bestreben, der Jugend zu nützen, zeigte er eine rühmenswerte Ausdauer; besonders ließ er sich angelegen sein, den Gesang Zu pflegen. Auf dem Gebiete der allgemeinen Wohltätigkeit bewies er sich als Leiter und Mitarbeiter in hervorragender Weise. Ganz natürlich, daß bei der Beerdigung dieses Mannes die Anteilnahme eine allgemein große gewesen ist. Die Trauerrede gab ein getreues Bild über das Schaffen und Wirken des biederen Mannes. r. Breslau, 22. Oktober. In der letzten Sitzung der Repräsentanten hielt der Vorsitzende Professor Dr. Woh lauer dem verstorbenen Professor Tr. Braun einen ehrenvollen Nachruf, und die Versammlung erhob sich zu Ehren des Andenkens an den Heimgegangenen Gelehrten von ihren Plätzen. Sodann gelangte zur Mitteilung, daß eine größere Anzahl von Gemeindeuntgliedern an die Gemeindebehörden eine Petition gerichtet hat, in der sie Gleichstellung des Rabbiners Dr. Simonsohn mit dem neu zu wählenden Gettteinderabbiner anrcgen, der an Stelle des in deu Ruhestand tretenden Rabbiners Dr. Rosenthal gewähr werden soll. Ungeachtet vollster Würdigung, der vielfachen Verdienste des Herrn Dr. Simonsohn will der Vorstand dieser Anregung keine Folge geben, und die Versannutung trat diesem seinem. Beschlüsse bei. Mit der Amtahnte einer Reihe von Zuwendungen im Sinne der Stifter erklärt man sich einverstanden. - Der Konstituierung des Genteindevorstandes und der einzelnen' Kommissionen wurde zuge stimmt. Vorsitzender des Vorstandes ist demnach ntrch weiterhin Rentier Eduard Sachs und sein Stellvertreter Geheimer Justizrat Landgerichtsrat Goldfeld; Kassenvorsteher ist Dankdirektor Hancke, sein Stellvertreter Dr. Schvttländer, Kassettkontrollenr Bankdirektor Moritz Marek. Die Versammlung beschloß, dem Magistrat die Mranlaginng und Einziehung der Gemeindestener für die von ihm dafür geforderte Kostemumme von 211 000 Mark (statt der int Gemeindehanshalt dafür festgesetzten 100 000 Mark) zu übertragen. Die weitere Vorlage, die Genreindebeiträge anderweitig ans 50 Prozent Anschlag zur Staatseinkontnrenstener festzn'setzen, wurde dein Ausschuß zur Feststellung des Haushaltsplanes überwiesen. Dabei wurde aud) mitgeteilt, daß man in der Gemeinde infolge der Agitation zum Austritt ans der Landeskirche bisher nur gegen 40 Austritte zu verzeichnen hatte, nteist jugendliche, ledige Personen, die für die Steuerzahlung wenig in Betracht.kommen. Beschlossen wurde, die Vorlage wegen der Bennttenbesoldnng einer Kommission zu überweisen. Ten Beamten sollen aber schon jetzt als Vorschuß auf die ihnen in Aussicht stehende Gehaltserhöhung 10 Prozent des (desamtjahreseinkotnmens außer der Kiltderzntage bewilligt tverden. In der geheimen Sitzung wurde unter anderem beschlossen, den Genreinderabbiner Dr. Rösenthal mit vollem Gehalt zu pensionieren. r. Breslau, 22. Oktober. Für die im Weltkriege gefallenen Kameraden verunstaltete der B r e s lauer Bund j ü d i s che r F r o n tcho l d a te n'' am "26. v. M. unter vielhundertköpfiger Beteiligung eine Gedächtnisfeier auf-dem Chvenfriedhofe der Synagogengemeinde in Cosel. ''Als Ehrengäste waren unter anderen erschienen der Ehrenpräsident für Niederschlesiertz Z i m m e r. Geh. Regierungsrat v.. Lippa, als Bertreter des Regierungspräsidenten, der Kommandeur, der Befehlsstelle VI, Generalmajor Höf er, der stellvertretende Polizeipräsidenit Dr; Simon, Bürgermeister Dr. Trentin, Stadtverordnetenvorsteher Geh. Justizrat Dr. H e i l - b e r g mit einer größeren Anzahl von Stadtverordneten, unter anderen Lic. M o e r i n g und Frau Justizrat O l l e n d o r s, ebenso eine Reihe Chargierter mit Fahnen der'verschiedenen studentischen Verbindungen, zahlreiche Vertreter des Vorstandes der Shnagogengemeinde und der Repräsentantenversammlung. Nahezu das gesamte Rabbinat war vertreten. Handels „Largo" leitete die Feier ern. Rabbiner Dr. Sänger gedachte int einem Feldgebete der vielen Kameraden, die ihr Leben dem Vaterlande dahingaben, und sprach dabei ihren Angehörigen Trost zu und wünschte für das Vaterland, daß es bald wieder zu neuer Größe erstehen möge. Regisseur A r n s e l d vom Lobe-Theater sprach einen Prolog zum Gedenken der Kriegsopfer. Der Vorsitzende des Bundes Dr. F r ä n k e l hielt die Gedenkrede, die in das Volkslied „Ich hatt' einen Kameraden" ausklang. Kranzspenden wurden unter anderen vom Generalmajor Hofer für das Generälkommando und vom Breslauer Bunde jüdischer Frontsoldaten niedergelegt. Rabbiner Dr. Sänger sprach das Schlußgebet. 8p. Magdeburg, 22. Oktober Am 17. d. M. ist die sterbliche Hülle unseres verehrten und allseitig beliebten Justizrats C h o y k e in Berlin zur ewigen Ruhe bestattet. Nach seinem Wegzuge von hier war. ihm nur eine kurze Zeit vergönnt, an der Seite seiner trefflichen! Gattin in nächster Nähe seiner Kinder im Ruhestand zu leben: eine tückische Krankheit nagte schon länger an dem Lebensmark des Entschlafenen, öie ihm seinen allzufrüh erfolgten Tod herbeigesübrt hat. In den Annalen unserer Gemeinde wird dieser ausgezeichnete Mann für alle Zeiten fortleben. Drei Jahrzehnte gehörte er der Repräsentantenversammlung als Mitglied an, -davon fast zwei Jahrzehnte als ihr Vorsitzender. Unter seiner tatkräftigen, opferwilligen, nimmer rastenden Mitarbeit erfolgte die bauliche Erneuerung -unserer Synagoge, die neuzeitliche Gestaltung unseres Gottesdienstes, die Schaffung neuer Satzungen, Festsetzung eines Ruhegehalts der Beamten usw. Den Verein für jüdische Geschichte ttnd Literatur leitete er in mustergültiger Weisie. Als Vorsitzender der Israelitischen Deerdiaungsgesellschast hat er Hervorragendes geleistet, und dem aeschä fts führen den Ausschuß des Shnagogen- Gettteindeverbandes der Provinz Sachsen gehörte er als eins der eifrigsten Mitglieder an. Justizrat Chohke war eine tiefreligiöse, versöhnliche Natur, jedem Konflikte abhold. Mit rührender Liebe, Treue und Anhänglichkeit vertiefte er sich in!die Erinnerungen an seine Jugend- und Schulzeit. In Militsch (Posen) geboren, besuchte er das Gymnasium in Lissa. Der frommen Eltern und anderer Persönlichkeiten gedachte er stets in liebevoller Pietät; die Erinnerungen waren ihm ein Heiligtum. Am Grabe hielt Rabbiner Dr. Baeck, ein Sohn der Lissaer Gemeinde, eine meisterhafte Gedenkrede auf den Entschlafenen, und sein Schulfreund, Sanitätsrat Dr. Frankenstein, Vorsitzender der Nepräseutantenversammlung, widmete ihm namens der baden Körperschaften unserer Gemeinde einen warmherzigen Nachruf. Auf den Verstorbenen kann das Wort des Propheten Maleachi Anwendung, findert: Lehre der Wahrheit war in seinem Munde, Falsch wurde nicht gestruden aus seinen Lippen, in Frieden und Redlichkeit waudelte er vor Gott. — Bremerhaven, 22. Oktober. Vor der hiesigen großen Kirche kam es'kürzlich - zu einer antisemitischen! Kundgebung. In der Kirche fand ein Konzert der> Albert-Kapelle statt, bei dem Werke des Komponisten Bruch, unter anderem ein Werk über das jüdifche Kol- Nidre-Gebet, gespielt werden sollte. Hiergegen wurde von den verschiedenen Rednern Protest erhoben. Es sei nicht angängig, daß die Inden in versteckter Meise die christliche Kirche für ihre Zwecke benutzten. Zugleich wurden- Flugblätter verteilt, in denen gegen die Aufführung eines derartigen Musikwerkes in einer christlichen Kirche protestiert und die Ausweisung aller seit 1914 eingewanderten Inden sonne die Stellung der Inden, unter ein Fremdengesetz gefordert wurde. Der polizeilichen Aufforderung zum Auseinandergchen wurde zunächst keine Folge gelei-stet. Erst als 'genügend