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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1920-10-29 · Heft 35 (29.10.1920) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
84 (1920)
Issue
Heft 35 (29.10.1920)
Date
1920-10-29
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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Wj-are-a errichtet; iwc Firrna arbeitet mit -einem Kapital vo>n> 250000 Pfund Stevlinig. Der große Reichlmn PalLstirmL an Olivenöl hat bereits früher die primitive Teifenfiederei und Oelgewinnamgi angieregt. Die Industrie soll jetzt modern auZigebaut werden, zmn-al alle nötigen Chemikalien zur Seifenfabrikation in der Nähe des Toten Meeres zu haben sind. In Jerusalem ist, nach Mitteilungen des „JewiH Journal of Commerce", eine größere Konfekti-onistfirma gegründet worden^ die fertige Kleider nach europäischer sowie wach orientalischer Tracht unfertigen und vertreiben will. Sie beschjästi-g't zurzeit zirka 50 Arbeiter. Eine eigenartige Neuigkeit auf denr Gebiete des Br-iesmarkenwesens stellen die eigenen provisorischen Briefmarken sür Palästina dar, die seit dein 1. September eingeführt sind. Die bisherigen Marken der englischen Militärverwaltung mit «der Aufschrift J1EF* (Egyptiau Expeditionary Forces) sind nunmehr ergänzt durch den Ausdruck „Palästina" in Englisch, Arabisch und Hebräisch. Dem hebräischen Text ist in hebräischen Buchstaben noch hinAugefügt „Evez Israel". Diese provisorischen Marken bleiben in Berkehr bis zum Eintrefferl der neuen Marken aus -England. Lmr Gedschtmskeirr kür Sudolk Molle. ür ihr am 7. September verstorbenes Ehren-und Vorstandsmitglied Oi.zur. b. e. Rudolf Mosse veranstaltete die Berliner Jüdische Reformgemeinde am Sonntag, den 17. Oktober, eine erhebende Gedächtnisfeier. Das Gotteshaus in der Johannisstraße zeigte einen reichen Trauerschmuck. Die umflorten Leuchter, der schwarz verhängte Thora-schrein gaben ein stimmungsvolles Bild. Die nächsten Angehörigen des Dahingegangenen wurden von dem Vorsitzenden des Vorstandes, Geh. Regierungsrat Dr. Minden, in den Tempel geleitet, in dem sich Verwandte, Freunde und Mitarbeiter sowie die Mitglieder der Resovmgemeinde in sehr großer Zahl versammelt hatten. Das Auswärtige Amt war durch Geheimrat Schmidt-Elskop repräsentiert, die Stadt Berlin hatte eine Deputation entsandt und neben früheren und jetzigen Parlamentariern und Vertretern von Handel und Industrie war auch das literarische Berlin, u. a. durch Ludwig Fulda und Gustav Kadelburg, vertreten. Vorstand und Repräsentanten der Reformgemeinde waren vollzählig anwesend. Zahlreich vertreten waren auch die Vorsteher und Repräsentanten der großen Jüdischen Gemeinde zu Berlin und die vielen Institutionen, denen der Verstorbene im Leben nahe stand; die Zöglinge der Mosseschen Erziehungsanstalt waren unter Führung ihrer Lehrer erschienen. Einem von Karl S t a b e r n a ck meisterhaft ausgeführten Orgelspiel, das die ernste Feier einleitete, folgte unter der bewährten Leitung des Dirigenten Kapellmeister Eduard Levy Chorgesang aus dem Requiem von Brahms, worauf Prediger Dr. Ielski in trefflicher Rede die Persönlichkeit des Entschlafenen würdigte: „Die Resormgemeinde klagt über einen unersetzlichen Verlust, über den sie nur das Bewußtsein, diesen großen Mann mit vollem Herzen zu den Ihrigen gezählt zu haben, erheben kann. Als letzte und höchste Ehrung hat die dankbare Gemeinde an diesem Tage ihren Tempel in ein Trauerhaus verwandelt, um noch einmal den Mann zu ehren, der seinen Namen und sein erdumspannendes Lebenswerk, das ein ganzes Kulturprogramm umfaßt, schon zu Lebzeiten in die Kulturgeschichte eingegraben hat. Rudolf Mosse hat sich unsterbliche Verdienste um Vaterland, Volk und Vaterstadt erworben. Er war Pfadfinder und Bahnbrecher aus vielen Gebieten menschlicher Kultur, ein Philanthrop großen Stils. Auf diesen aufrechten Mann und stolzen Juden wird seine Gemeinschaft immer stolz sein dürfen. Seine Stellung zum Judentum und im Judentum entsprang einer doppelten Duelle: 'Tradition und Pietät und tiefreligiöse Ueberzeugung wiesen ihm seine Stellung innerhalb der jüdischen Gemeinschaft. Als Mann der Tat und schlichten Pflichterfüllung war ihm die Arbeit sür das Gemeinwohl eine Selbstverständlichkeit. Seine persönliche Teilnahme an allen das Judentum bewegenden Fragen veranlaßte ihn auch, das den kulturellen und religiösen Problemen! der Judenheit gewidmete publizistische Organ in feine Obhut zu nehmen. Dre Reformgemeinde darf ihn in noch engerem Sinne als den Ihrigen in Anspruch nehmen, den tiefste religiöse Ueberzeugung in ihre Mtte führte. Noch wenige Wochen vor seinem Tode erklärte er, daß erst die Reformgemeinde ihn zum begeisterten Juden gemacht habe. Mit klugem Rat und opferwilliger Tat stellte er sich in ihren Dienst. Jahrelang war er Führer, bis er glaubte, nicht mehr die genügende Zeit für diese ihm so wichtige Aufgabe zu besitzen. Da trat er spontan den ersten Vorsitz der Reformgemeinde an den Mann ab, der sein berufener Nachfolger wurde. Er begnügte sich mit der zweiten Stellung und ehrte dadurch ebenso sich selbst wie seinen Nachfolger. Judentum und Deutschtum verschmolzen sich in seinem Wesen und Wirken zu einer geschlossenen Einheit. Wie er in der Politik der unentwegte Vorkämpfer für Freiheit und Fortschritt blieb, so huldigte er auch auf religiösem Gebiete dem Grundsatz fortschrittlicher Entwicklung. Ueber den Rahmen der Glaubensgemeinschaft hinaus widmete er seine Liebeswerke allen Bedürftigen ohne Unterschied der Konfession. Sein Judentum war ein echtes Menschentum. Er war ein wahrhafter Bekenner der jüdischen Religion, die zuerst Gottesliebe und Menschenliebe verbunden hat. Sein Lebenswerk und sein Wirken für die Armen und Bedrängten aller Glaubensgemeinschaften sind auch ein Ruhmesblatt sür das gesamte Judentum, das nur auf seine Werke hinzuweisen braucht, um die gehässigen Vorwürfe der Beschränkung aus die eigenen Kreise zurückzuweisen. In dreifachem Sinne: Liebe, Gottesdienst und Wohltätigkeit umfaßt die Lehre das gesamte Judentum. In diesem dreifachen Sinne hat Rudolf Mosse gelebt, und wird er in diesem Kreise weiterleben, solange die Resormgemeinde bestehen und das Judeütum seine großen Männer ehren wird." — Nach erneutem Chorgesang folgte das Gebet: „Was ist der Mensch, Allmächtiger" und eine deutsche Uebertragung des Kaddiichgebets. Hieran reihte sich wiederum ein Chor aus dem Requiem von Brahms. Dann beschlossen die ernsten Töne des Beethovenschen Trauermarsches die würdige Feier. Sie Grnrrsloerlsmmluns des hilksoerrins der Deutschen Juden. m 11.Oktober 1920 fanden in Berlin unter Vorsitz des Herrn D r. Iames Sim 0 n die statutengemäße Sitzung des Zentralkomitees und die Generalversammlung des H i l fs v e re in S d er Deutschen Juden statt. Das Zentralkomitee hieß den erstatteten Geschäftsbericht einstimmig gut. In das Zentralkomitee neu gewählt wurden die Herren Alex Bendix (Düren), Sigismund Cohn (Luckenwalde), Oberrat Max Goldschmidt (Mannheim), Josef Jacobs (Trier), Rabbiner Dr. S. Levi (Mainz), Bernhard Wolf (Mainz), Direktor der Deutschen Bank Joachimsohu (Berlin). An die Sitzung des Zentralkomitees schloß sich unmittelbar die Generalversammlung an. Bor Eingang in die Tagesordnung hielt der Vorsitzende einen Nachruf auf die dahingeschiedenen Mitglieder des geschäftsführenden Ausschusses und Zentralkomitees; er gedachte auch des großen Philanthropen Jakob H. Schiff, des wärmsten Freundes und hochherzigsten Förderers des Hilfsvereins seit dessen Bestehen.

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