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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1920-10-15 · Heft 34 (15.10.1920) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
84 (1920)
Issue
Heft 34 (15.10.1920)
Date
1920-10-15
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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Herz ist wach", wie es im Hohen Liede heißt. Sie sollen in uns lebendig bleiben. Es war ein echter und eigner Wert, der in beA jüdischen Soldaten lebte, die mit dem deutsck)>en. Heere hinauszogen. Ihr Andenken mahnt zur Treue, ihr Herz wacht in uns! . Justizrat Ghodziesner erinnerte in. seiner Ansprache an die Begeisterung der Augusttage 1914, als die jüdischen Soldaten ins Feld zogen, wo sich ihr Blut mit dem der anderen Kameraden mischte. Heute besudelt antisemitische Hetze das Andenken der Toten, doch hoffen wir auf den gerechten Sinn des deutschen Bolkes, für dessen' heiligste Güter ludere Toten starben. Ein Kaddischgebct, das Oberkantor 4 r i e d m a u n vortrug, beschloß die Feier, die einen tiefen Eindruck bei allen Teilnehmern hinterließ. K. M. Berlin, 12. Oktober. E in ge l ungener Versuch, die jüdische Jugend dem religiösen Leben in Haus und Synagoge wieder zu gewinnen, stellt die letzte Veranstaltung des Jüdischen Jugendbnndes dar, in der Oberkantor Magnus Davidsohn eine interessante Einführung in das Wesen der synagogalen Melodien gab. Der Redner leitete feine interessanten Ausführungen mit einem Rückblick ans die Entwicklung des synagogalen Gesangs ein und erläuterte dann seine Darlegungen in musikalischen Borträgen, die von len Gefangen der Selichorhtage an das ganze Jahr der Juden umschließen. Die Kol-Nidre-Weise nahm einen großen Raum in den Darlegungen ein. Ihre Entstehung und Entwicklung wurde eindringlich vorgeführt. Das große Auditorium lauschte den Ausführungen mit gespanntem Interesse. r. Breslau, 8. Oktober. Eine würdige Trau.erfeier war es, die am Mittwoch, nachmittags für den um das Judentum hochverdienten Professor Dr. Braun abgehalten wurde. In der Synagoge des Seminars, an der Stätte feiner Wirksamkeit, war der nach alter Sitte schmucklose Sarg ausgebahrt, und auch der Raum selbst wies kiii des Laubhuttenfestes willen, an dem keine Klage erschallen darf, leinerlei Trauerfcymuck auf. Dennoch tag weihevoue Stimmung über der großen Schar der Leidtragenden, die den Raum bis zum tetzteu Platz füllte, und dieser Stimmung gab der jüngere Amtsgenosse des Dersrorvenen, Dr. L cm tvwi tz, einen klaren Aitsdruck, nacyoem wehmütige Harmouiumtlänge die ernste Feier ein ge teilet hatten. Er zeichnete sein Charakterbild in eindrucksvoller Weise und gedachte vor allem seines vorbildlichen Wirkens im Seminar, und Dr. Schiff, ein Jögting des Seminars, rühmte den großen Reister, der seine Schüler die Woge des Wissens zu führen verstand tind ihnen die Rätsel der Geschichte mit scharfem Worte zu entwirren wußte, den väterlichen Freund und Berater, der, allen ein Muster, sich ein dauerndes Angedenken in ihr.'iu Kreise gesichert hat. Und dann kam der Freund zürn Worte. Der attohrwürdige Rabbiner Dr. R o s e n t h a l hatte es sich nicht nehmen lassen, an dieser Bahre Worte der Liebe und Worte der Anerkennnng zu sprechen, die alle Hörer tief ergriffen und den gebeugten Angehörigen Drost zu sprachen. Unter Harmoniumklängen wurde der Sarg hinabgetragen, und bald ordnete sich der Zug, der dem Leichenwagen nach dem Friedhof auf der Lvhestrahe folgte. Voran schritten im Geleit ihrer Lchrerchaft die Schülerinnen der Industrieschule, an deren Leitung der Dahingeschiedene wesentlich beteiligt war. Draußen erwarteten noch viele Leidtragende den Trauerzug. In der Halle des Friedhofs hielt Rabbiner Dr. B o g e l st e i n, der irft kürzlich sein hiesiges Amt ang.etreten hat, die Gedächtnisrede. Er sprach von der Zeit, da er selbst ein Schüler des Verstorbenen war, und von den so schwer getäuschten Hoffnungen, die er auf die Zusammenarbeit mit dem zu früh Geschiedenen gesetzt hatte. Den Angehörigen sprach er Trost zu und wies hin auf das Werk eines großen Lebens, das dauernden Fortbestand habe. In gleicher Weife rühmten die Vertreter der Vereine und Körperschaften, denen der Tote angehört hatte, fein bedeutungsvolles Wirken und brachten ihm den Dank für alles dar, was er geschaffen, allen voran feine ehemaligen und seine jetzigen Schüler und Landgerichtsrat Goldfeld im Namen des Vorstandes der Synagogengemeinde. Professor Dr. Julius G u t tm a n n (Berlin) brachte die Abschiedsgrüße der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums und gedachte des Verewigten als des langjährigen, treuen Weggenossen seines vor Jahresfrist Heimgegangenen Vaters, des treu bewährten Freundes seines Elternhauses; Rabbiner Dr. L u ka s (Glogau) zollte namens der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums den Verdiensten Professor Brauns als Forscher um diese wie als Herausgeber der von Zacharias Frankel begründeten „Monatsschrift für die Wissenschaft und Geschichte des Judentums" warme Anerkennung; Lehrer Hamburger (Brreg) dankte dem Verklärten für alles, was er zum Wöhle der jüdischc-n Lehrer Schlesiens" gebe!ffcef; Dr. .Aber sprach namens der Vereinigung „Amicitia",. welcher ProfMo.r.Sran.n.hundert.Semester angehört hat. Die Sonne neigte sich schon ihrem Untergänge zu, als nach einem Gebet des Rabbiners Dr. Simonsohn der Sarg zu seiner letzten Ruhestätte neben Professor Tr. Guttmann getragen wurde. Am offenen Grabe sprach der Sendbote der Lessing-Loge noch einige Worte und dann fielen die Schollen auf den Sarg, ntrt'b langsam wölbte sich der Hügel über die irdischen Reste eines Mannes, der eine Zierde der Wissenschaft war. Das Andenken an Marcus Braun wird eng verknüpft mit der Geschichte .des Jüdisch-theologischen Seminars zu Breslau unvergessen und unvergänglich in Segen fortleben. 22 Hamburg, 8. Oktober. Tie Oesfentlichkeit sei hiermit vor ei nem gewissen Moritz W e i tz e u a u e r genannt W e i tz n e r, aus Trohobycz (Galizien) gebürtig, eindringlichst gewarnt. Genannter ist nach Verübung eines schweren Ginbruchsdiebstahls, wobei ihm für etwa 80000 Mark in barem Ge'lde und Wertpapieren in die Hände sielen, vor einigen Wochen aus Hamburg geflüchtet und hat sich dann in Berlin und Breslau aufgehalten; zuletzt ist er auf der Leipziger Messe gesehen worden. Der Schwindler verschafft sich mit Vorliebe als Heiratskandidat Eingang in jüdische Kreise, und es ist festgestellr, daß er in gleicher Weise wie in Hamburg auch in Wien, in der Schweiz und in Dortmund größere Betrügereien ausgesührt hat. Er wird von der Poliz.i mehrfach steckbrieflich verfolgt, und ist von der geschädigten Hamburger Firma eine Belohnung von 5000 Mark ans. die Ergreifung des Täters nebst 10 Prozent des wieder herbetgeschassten Betrages ausgesetzt. Weitzner, der am 24. Juni 1892 geboren ist, ist vonkleiner untersetzter Statur (etiva 1,55 Meter), hat dunkles Haar, frische rosige Gesichtsfarbe, spricht ziemlich leise, hat den tschösterreich ische n Dialekt. Es ist anzunehmen, daß Weitzner jetzt falsche Papiere bei sich führt unid unter falschem Namen hernmsegett. M. Hamburg, 8. Oktober. Den Wünschen vieler Gemeindemitglieder, die in den Vororten Barmbeck und Uhlenhorst ihren Wohnsitz haben, entsprechend, hat der Synagogenverband jetzt in Barmbeck eine Synagoge, die sich in der Gluckstraße befindet, errichten lassen. Der. Bau und die innere Ausgestaltung der neuen Andachtsstätte geschahen nach den Plänen und unter der Leitung des Architekten Engel. Den heutigen Zeitverhältnissen entsprechend ist die innere Einrichtung nur m einfachen Formen gehalten. Die Errichtung des Gotteshauses war nur durch die Opferwilligkeit einzelner Gemeindemitglieder zu ermöglichen. Zur Einweihungsfeier waren Rabbiner und Vorsteher der Nachbargemeinden, Vertreter des Gemeindevorstandes, der Repräsentanten und anderer Gemeindeinstitutionen erschienen. Eingeleitet wurde die Feier durch den Gesang Ma tauwu, hierauf wurde mit einem Segenssprllch das lX'er tamick vom Oberrabbiner Dr. Spitzer angezündet. Der neue Oberkantor Herr Psychsucher stimmte dann mit seiner herrlichen Stimme das kisselru li schaare zedek an, die Pforten des Gotteshauses wurden geöffnet und die Rabbiner und Gemeindevorsteher trugen unter den Klängen des Psalms 118 die Gesetzesrollen in das Gotteshaus, die dann in die Heilige Lade gestellt wurden. Hierauf hielt Herr Oberrabbiner Dr. Spitzer die Weiherede, in der er, anknüpfend an den Bibelvers: „Gesegnet seist Du bei deinem Einzüge und gesegnet bei deinem Ausgange"' (5. Buch Mose, Kap. 28, 6), die Bedeutung des Gotteshauses erklärte und den Segen des Allmächtigen für die neue Andachtsstätte erflehte. Mit. dem Gesang des Hallelujah durch den Synagogenchor unter Leitung des Oberkantors Dreiblatt hatte die erhebende Feier ihr Ende erreicht. z. Bamberg, 8. Oktober. Zu einer erhebenden, troftfpendenden Feier gestaltete sich am Versöhnungstage die mit der Seelenfeier verbundene Enthüllung der zur dauernden Erinnerung an die im Weltkrieg gefallenen Söhne am Eingang zur Synagoge angebrachten zwei ehernen Gedenktafeln. Die Feier wurde gegen 5 Uhr abends mit Gebet und einem gemischten Chor eingeleitet. In feiner von Herzen kommenden und zu Herzen gehenden Ansprache an die das Gotteshaus füllenden Gemein deangeh övigen erinnerte Herr Rabbiner Dr. Eckstein zunächst, anknüpfend an die dem Versöhnungstage zugrunde liegende Idee der Gemeinschaft, an die Zeit, in welcher die männliche Jugend schwertgerüstet und siegesgewiß die Heimat verließ, um mit ihrem Leibe und Leben die Heimat zu decken wie mit einem Schutzwall gegen feindliche Heeresfluten. Damals habe er bei gottesdienstlicher Gelegenheit an das Prophetenwort

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