Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 84 (1920)
- Issue
- Heft 34 (15.10.1920)
- Date
- 1920-10-15
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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¥ 84. Jahrgang. Nr. 34 Berlin, 15. Oktober 192Ö Detlsge zur ,-AUsemetnen Letrung Judentums ■jH———r~———-rr—-.----- ---- --.-- - - - -. -----. Korrespondenzen und Nachrichten. Srutschlsnll. E. R. Berlin, 12. Oktober. In der Sitzung der Repräsentanten- Versammlung vom 10. d. M. verlas Herr Professor Türk ein Schreiben des Herrn Geheimrats Dr. Minden, in welchem dieser i für dif ihm aus Anlaß seines 70. Geburtstages erwiesene Ehrung > durch die Schmückung seines Präsidentenstuhles sowie fiür die Reden | und Ueberreichung der Adresse herzlichsten Tank ausspricht. Hieraus > teilte Geheimrat Bünden um, daß Herr Tr. Max Ginsberg sein Amt als Repräsentant niedergelegt hat. Es fand sodann eine längere Aussprache darüber statt, ob der Erfatzrepräsentant für Tr. Ginsberg aus der Zahl der 1916 gewählten Stellvertreter zu berufen sei, oder ob die Einberufung eines Vertreters aus der Liste der bei der letzten nach dem Proporttonalfystem erfolgten Wahl zu erfolgen habe. Herr Amtsgerichtsrat Wolfs erklärt, daß die Ermittelung des einzelnen berufenen Vertreters durch den Gemeindevorstand erfolgen wird. — folgende Zuwendungen wurden angenommen: &x>n Herrn Berthol'd Ulen mann 20 000 Mark zur Verstärkung der Julius- Reumann-Schülerstiftung, von Herrn Ju stizrat Se ligs o h n 3000 llllark für die Kleiderkammer, von Herrn Johann Jacoby 1^135 ^art' pur Grabpflege, von Krau Hedwig Wolfs 3000 Mark für Grabpstege, von P. Kosterkitz u. Co. 5000 Mark zur Verstärkung der P a u l - Koste r l i tz - S t ist u n g in der Altersversorgnngsanstatt. — In Erwiderung auf eine Mitteilung des Vorstandes., daß er . einen Antrag, den subventionierten Privatgemeinden eine außerordentliche Zuwendung zu bewilligen, die sie in den Stand setzt, den Rabbinern 2 000 Mark und den Kantoren 1000 Mark als einmalige Teuerungszulage zu gewähren, nicht ohne vorübergehende Prüfung durch die ^ubventronstommifsion in Erwägung ziehen und daher d:e Auszahlung vor den Feiertagen nicht erfolgen konnte, bemerkte Herr Tr. Klee: Die Privat synagogen feien ein Kind mangelnder Pflichterfüllung derer, die hier sitzen. Es sei allerdings in den letzten Jahren erheblich besser geworden, aber mit der Gnade müßte <s aushören. Herr Badt erwiderte^ von einer Gnade sei nie die Rede gewesen. Herr James G o l d s ch m i d t machte auf die Opfer ausmerksam, welche die Privatsynagogen bringen. Er sowohl als auch Herr Lewinsky traten für die Vortage nur großer Wärme ein.. Sie. wurde genehmigt. — lieber die Heranziehung, der in den letzten Monaten nach Berlin übergesiedelten Juden zu den Gemeindeabgaben erkilarte der Vorstand, daß die Verhandlungen fortgesetzt werlden. Dasselbe gilt auch von Punkt 14: „Eingemeindung der 3le formgemeinde". Ber diesem Punkt entsteht eine lebhafte Debatte, an der sich die Herren Amtsgerichtsrat Wolfs, Dr. Klee, Löwe, Loeb, Stern, Emil P r n c u s , P l o t t k e itnt>. Tür f beteiligen. — Als Gemeindemitglieder werden in die Vautommissivn gewählt Herr Baurat Marcuse, in die Stiftungstommiss km perr Justizrat a g n u s und Rechtsanwalt Dr. B a u m. Neben verschiedenen Ausgaben werden folgende S u b v e n t i o n e'u bewilligt: DeuLjchf-Jsraelitijch'er Gemeindebund 15 000 Mark 1920/21, Gesamt- Archio der deutschen Juden 2500 Mark 1920/21. Aus eine Jnterpellatior. von Mitgliedern betreffend die Wiedereinführung des Kol-Nidre-Gebets in den Gemeindesynagogen ohne Orgel erwidert der Ger.nnndeborstand, daß er die Rundfrage bei den Besuchern der Synagoge Kaiser- und Rykeftraße nicht für angängig gehalten, doch die statutenmäßig erforderlichen Gutachten der Gemeinderabbiner eingeholt habe. Von den 13 eingegangenen Gutachten sprechen sich vier gegen, neun für« die Wiedereinführung des Gebetes in den Synagogen ohne Lrgel, in denen es bisher nicht üblich war, aus. Die Bedenken, welche zudem ablehnenden Votum der vier Gemeinderabbiner führten, bestehenchaupLsüchlich in der Befürchtung, daß die Wiedereinführung des Gebetes einen religiösen Rückschritt bedeuten würde. Demgegenüber betonen die anderen Gutachter, zu -denen auch ein Teil der liberalen Gemeinderabbiner gehört, daß man auf die Wünsche der ständigen Synagogenbesucher Rücksicht nehmen müsse. Gin Beschluß über die eventuelle Wiedereinführung ist auch in dieser Sitzung nicht gefaßt worden. Berlin, 12. Oltober. Der Verei-n für jüdische G e s ch ich t e u nd L i t e r >a t it r E. V. veranstaltet im Winter 1920/1921 im Parterresaal des Logenhauses, Kleiststraße 10, solgende^ Vorträge: Donnerstag, 14. Oktober 1920, Professor Dr. Ludwig Stein (Berlin): Völkerbund und Prophetenreligion; Donnerstag, 4. November 1920, Dozent Dr. Jsmar Freund (Berlin): Kronzeugen des Judenhasses; Donnerstag, 18. November 1920, Mimsterilaldirektor Dr. Otto Jöhlinger (Berlin): Judentum nn-d Presse >in Deut-schland; Tounerstag, 9. Dezember 1920, Obertäutor Magnus David so hu (Berlin): Biblische Poesien in Work und Ton; Donnerstag, 6. Januar 1921, Schriftsteller Alexander Moszkowski (Berlin): Tie Philosophie des jüdischen Witzes; Donnerstag, 20. Januar 1921, Professor Tr. I). Willy Staerck (Jena): Judeutu.nr uuid sittliche Kultur; Donnerstag 10. Februar 1921, Regieruugsrat Hans Goslar (Berlin): Die Juden im deutschen Wirtschaftsleben; Donnerstag, 3. März 1921, Tozem Dr. Harry Torczyner (Berlin): Das Märchen in der Bibel. Ferner fmcen folgende fachwissenschaftliche Vorträge mit anschliefzender 'Au sjp rache im Plenarsaal des Verwaltungsgebäudes, 'Rosenstraße 2/4, statt: Dienstag, 14. Depember 1920, Dozent Tr. S. Ep p e nftern (Berlin): Neue jüdisch-geschichtliche Literatur; Dienstag, 15. Februar 1921, Schriftsteller Tr. S. Bernfeld (Berlin): Die neuheoräsiche Literatur. Sämtliche Vortage beginnen pünktlich abends 8 Uhr. Außer dem Jahrbuch für jüdische Geschichte uiid Literatur, Band 23, erhalten die Mitglieder des Vereins in diesem Jahre eine Sammlung von wissenschaftlichen Urteilen über Friedrich Delttzsch „Große Täuschung" zur Aufklärung über den wahren Wert dieser von Judenhassern gegen uns verwerteten Schrift. Beitrittserklärungen sind zu richten an Herrn Benas Levy, Berlin C, Spandauer Straße 41. K M. Berlin, 12. Otto ber, D e r R e i ch s b u n d j ü d i s ch e r Frontsoldaten veranstaltete, wie bereits kurz mitgtteilt, auf dem Friedhof in Weißensee eine Gedächtnisfeier für die im Weltkriege gefallenen jüdischen Soldaten. Dar Friedhof war das Ziel einer Maffenwanderung,; etwa 2000 Teilnehmer hatten sich zu dieser Ehrung unserer tapferen jüdischen Soldaten eingefnnden. Die Feier fand auf dem Ehrenfelde, das hohe Pappeln wie Dotenterzen rahmen, inmitten der Kriegergräber statt. In der großen Menge sah man zahlreiche Vertreter bssentlicher Körperschaften: eine Deputation des Chefs der Heeresleitung, die einen Kranz überbrachte, eine ' Abordnung des O b e r b e f e h 1 s h a b <v. r s d e s 3t e i ch s w e h r g r u P P e n k o m m a n d o s, ferner Vertrete r des K y s s h ä u s e r b u n d e s deutscher Krieg e r v e r ci i n c und andere; B o> r st and u n d R e p r ä s e n t a n t e n v e r s a m m - lang d e r I ü d i s ch e n G e m e inde und bereit V e> rwal - t u n g s k o m m i s s i v n e n sowie die meisten jüdischen Organisatwnen Berlins hatten Vertreter entsandt. Ein Bläserchor laitete die Feier ein. Ter Bundesvorsitzende Hauptmann der Landwehr a. D. Dr. L ö we nste i n begrüßte die Menge und gab seiner Vesriedigung darüber Ausdruck, daß der Bund trotz seines kurzen Bestehens jo viele Freunde besitzt. Er begrüßte insbesondere die Vertreter der Behörden, dia er als Gewähr für die ruhige Entwicklung des Vaterlandes betrachtete, als sicheren Schutz gegen jene Wühlereien gog,en> die jüdische Bevölkerung, welche schlicht und recht ihre Pflicht tut, und die in Krieg, und Frieden für'Deutschland weit größere Leistungen vollbracht hat, als ihrem Anteil an der Bevölkerung entspricht. Der Reichsbund jüdischer Frontsoldaten hat als oberstes Prinzip das der unbedingten Neutralität gegenüber allen politischen und religiösen Bestrebungen innerhalb und außerhalb des Jude-ntums. Mit besonderer Herzlichkeit begrüßte Dr. Löwenste i n die Angehörigen der jüdischen Gefallenen. Es sind die Besten von uns,, die im Kampfe für das Vaterland und zugleich für die Ehre unserer Tradition in den Tod gingen. Nach ergreifendem Gesang des Oberkantors Wilhelm Friedmann hielt Rabbiner Dr. Baeck die Gedächtnisrede. Er führte seine Hörer über die Gräber des Berliner Ehrenseldes hinweg zu allen verstreuten jüdischen Kriegsgrübern in Ost und West und Süd, in denen alle die schlummern, die ihr Leben der Pflicht opferten. „Sie schlafen, aber ihr